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	<title>Niarts Anastratin &#187; Glossen und Kommentare</title>
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	<description>Anastratin - das Online-Kulturdings von www.niarts.de</description>
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		<title>Digitalisate und ihre Zukunft &#8211; eine Prophezeiung</title>
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		<pubDate>Wed, 04 Jan 2012 19:10:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Dühning</dc:creator>
				<category><![CDATA[Computer & Technik]]></category>
		<category><![CDATA[Glossen und Kommentare]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur und Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisate]]></category>
		<category><![CDATA[Schule]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Angst muss tief stecken, so tief, dass man sogar zum Äußersten bereit ist. Das Äußerste in diesem Fall war ein Vertrag, der es den Schulbuchverlagen ermöglichen soll, eine Abhörsoftware in Schulnetzen zu installieren, um die Lehrer, jene berüchtigten Raubkopierverbrecher, zur Strecke zu bringen. Ein neues Verbrechen wurde dazu geschaffen: Digitalisate! Vorzeichen einer geplanten Verwüstung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Angst muss tief stecken, so tief, dass man sogar zum Äußersten bereit ist. Das Äußerste in diesem Fall war ein Vertrag, der es den Schulbuchverlagen ermöglichen soll, eine <a title="Schultrojaner" href="http://blog.zdf.de/hyperland/2011/11/schultrojaner-paedagogisch-kontraproduktives-spitzelmodell/" target="_blank">Abhörsoftware in Schulnetzen zu installieren</a>, um die Lehrer, jene berüchtigten Raubkopierverbrecher, zur Strecke zu bringen. Ein neues Verbrechen wurde dazu geschaffen: Digitalisate!</p>
<p><span id="more-2880"></span></p>
<h3>Vorzeichen einer geplanten Verwüstung</h3>
<p>Zwar wird &#8211; nach berechtigter Entrüstung in den Medien darüber &#8211; der sogenannte <a title="Nachbehandlung der Causa Schultrojaner" href="http://www.taz.de/!82173/" target="_blank">Schultrojaner nachbehandelt</a>, vom Tisch ist er aber keinesfalls, auch nicht beim Kultusministerium in Baden-Württemberg. So flatterte z. B. allen Lehrkräften am Klettgau-Gymnasium vor Weihnachten Post ins Haus &#8211; dass sie jene schrecklichen Dinge, <em>Digitalisate</em> nämlich, natürlich nicht besitzen dürfen und keinesfalls je erstellen dürfen. Wie immer, wenn man Angst schüren und einschüchtern will, wurde der Sachverhalt nur unzureichend erläutert. Nun denn, soviel kann ich als verschwiegener Obersystemadministrator ja verraten: In den Schulnetzen des Klettgau-Gymnasiums gab es nicht mal welche!</p>
<p>Jedenfalls keine <em>Digitalisate</em> aus Schulbüchern, und nur jene dürften fraglich sein. Dass man dagegen im digitalen Zeitalter Informationen digitalisiert, das ist durchaus erwartbar und zudem &#8211; je nach Zweck und Art der Vorlage in unterschiedlicher Weise &#8211; nach geltendem Recht sogar erlaubt. Nicht zuletzt deswegen gibt es ja Urheberrechtsabgaben inzwischen auf alle Geräte, die dazu auch nur im Entferntesten verwendet werden könnten.</p>
<p>Ausgenommen davon sind in besonderer Weise hauptsächlich Schulbücher. Und genau darum war eine Software angedacht, um digitale Kopien derselben, jene &#8220;zweifelhaften Digitalisate&#8221; aufzuspüren und zu vernichten und jene bekanntermaßen üblen Gesellen, die Lehrer, auf disziplinarischem Wege zu bannen.</p>
<p>Die erste Maßnahme war jetzt jedenfalls eine Verwarnung. Je weniger eine Schuldzuweisung aber zutreffend ist, desto größer ist die Wut und Entrüstung darüber.  Momentan entrüsten sich hauptsächlich die Systemadministratoren, weil sie sowas üblicherweise wieder als Erste auszubaden haben.</p>
<h3>Wie man vollautomatisch zum Verbrecher abgestempelt wird</h3>
<p>Als Administrator, aber auch als Autor eigener &#8220;Lehrwerke&#8221; habe ich dagegen einiges einzuwenden. Nicht nur, dass in manchen anderen Schulen in überzogenem Maße nun jeder Scanner als &#8220;Mordwaffe&#8221; gebrandmarkt wird und es sogar andernorts Schulleiter geben soll, die sämtliche Nutzungsmöglichkeiten (inklusive Laufwerke und Netzverbindung) von PCs rigide verhindern möchten.</p>
<p>He, wenn man sie dann sowieso nicht mehr nutzen soll, außer als überdimensionierten Taschenrechner, wozu hat man in den vergangenen 10 Jahren das ganze Gerümpel für unmäßig viel Geld angeschafft und zwischenzeitlich nahezu jede Lehrkraft gezwungen, sich mit Computern zu beschäftigen &#8211; ob sie wollte oder nicht?</p>
<p>Wozu verbrennt man wochenweise Manneskraft mit der Instanthaltung einer ganzen Armee von Rechnern, wenn man umgekehrt jegliche produktive Betätigung damit verhindern möchte? Denn darauf läuft es ja wohl hinaus, wenn man gleich alle &#8220;Digitalisate&#8221; verhindern will!</p>
<h3>Was ist ein &#8220;Digitalisat&#8221;?</h3>
<p>Ein <em>Digitalisat</em>, so erklärt es beispielsweise auch die <a title="Digitalisat auf Wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Digitalisat#Endprodukt" target="_blank">allwissende Wikipedia</a>, ist ja letztlich nichts anders als eine mittels technischer Hilfsmittel wie Scanner oder Digitalkamera angefertigte digitale Kopie eines analogen Werkes, also das Endprodukt einer Digitalisierung. Folglich muss sie entweder als Bild oder als per OCR umgewandeltes Textdokument vorliegen. Die Möglichkeiten im Einzelnen sind da enorm, womit dann auch die technischen Probleme beginnen. Mit simplen &#8220;Wasserzeichen&#8221; wie bei Musikdaten (Mp3 etc.)  ist es in diesem Falle nämlich nicht getan. Nötig wäre ein enorm aufwendiger Abgleich mit einer gemischten Text/Bilddatenbank mit entsprechendem Traffic im System. Falscher Alarm wäre an der Tagesordnung.</p>
<p>Denn wie bitte schön soll jede noch so geniale Software rechtmäßig erstellte digitale Inhalte von unrechtmäßigen unterscheiden, besonders dann, wenn es noch nicht einmal die Verlage selbst sauber trennen?</p>
<p>Zwei Beispiele: Sowohl eine Glosse der Schülerzeitung Phoenix hat es in ein Lehrbuch geschafft als auch einige Unterrichtsmaterialien aus meinem Religionsunterricht. Im ersten Fall ist es weniger dem Verlag, als der VG Wort zu verdanken, dass der Urheber (ich) ordnungsgemäß vergütet und als solcher geführt wird, wie man dann auf S. 49 der neuen Ausgabe des Cornelsen Deutschbuchs <em>Orientierungswissen Deutsch</em> im Kapitel über Satirisches Schreiben auch nachlesen kann. Übrigens bin ich durchaus stolz darauf, es als Autor in ein bundesweit vertriebenes Schulbuch geschafft zu haben.</p>
<p>Im zweiten Fall hatte ich weniger Glück. Zwar fragte auch hier der Kösel-Verlag artig nach, als er meine Arbeitsblätter zu Utopia von Thomas Morus für seinen Lehrerkommentar zu Mittendrin 9/10 verwendete, und ich gab sie ihm wie immer &#8211; ganz der Creative Commons verpflichtet &#8211; freiwillig und mit besten Wünschen, sodass man auf S. 52 des Lehrerkommentars zu Mittendrin 3 als Material 1.8 mein passendes Arbeitsblatt fast wörtlich übernommen findet, aber im ganzen Lehrerkommentar findet sich kein einziger Hinweis auf die verwendeten Quellen. Wie bitteschön soll eine noch so genial konzipierte Plagiatsoftware da auf einen anderen Schluss kommen, als dass der um sein Urheberrecht gebrachte Autor nun zum Plagiator gebranntmarkt werden muss?</p>
<p>Darf ich jetzt also künftig meine eigenen Arbeitsblätter nicht mehr in der Schule einsetzen? Oder nur noch mit Schützenhilfe meines Anwalts? Genau danach sieht es aus!</p>
<p>Das ist schon ziemlich schlimm und hat dazu geführt, dass ich mit Arbeitsblättern inzwischen weit weniger freigiebig geworden bin, als ich das früher war, als alle meine Schüler meine selbsterstellten Arbeitsblätter auch auf der Niarts-Webseite herunterladen konnten. Fast könnte man meinen, dass es die Schulbuchverlage bestimmt auch nicht sehr schmerzt, wenn unliebsame Konkurrenz aus dem Netz schwindet. Vielleicht ist das ja sogar gewollt.</p>
<h3>Der Staat misstraut seinen Angestellten</h3>
<p>Härter trifft mich die Digitalisate-Propaganda aber als Administrator, denn dann muss ich künftig womöglich (natürlich mal wieder ganz unentgeltlich) als Erfüllungsgehilfe der Rechteverwertungsindustrie dabei helfen, Lehrerkollegen auszuspionieren.</p>
<p>Das geht mir nun wirklich gegen den Strich: Hier wird eine Saat des Misstrauens gesät, die &#8211; einmal mehr &#8211; recht wenig für den Dienstherrn spricht. Dieser misstraut offenbar seinen eigenen Beamten, die neben zwei Staatsexamen immerhin eine lange Probezeit hinter sich haben und dabei auch mehrfach auf die rechtsstaatliche Verfassung schwören mussten.</p>
<p>Das reicht aber offensichtlich nicht. Sonst müsste man sie ja nicht dauerüberwachen. Es sind ja offenbar alles potentielle Verbrecher. Schlimm, dass wir solchen Übeltätern unsere Kinder anvertrauen müssen, die freilich, weil sie ja ebenfalls potentielle Verbrecher sind, gleich mitüberwacht werden&#8230;</p>
<h3>Die Zukunft ist trotzdem digital</h3>
<p>Freilich, die Paranoia, die hier ganz offensichtlich am Werk ist, wird gegen die technische Entwicklung nicht viel ausrichten. Sieht man sich die Entwicklung in anderen Teilen der Welt an, wo es keine Buchpreisbindung gibt und verbindet den blühenden digitalen Buchmarkt mit der neue Gerätekategorie der Tabletrechner und mit den Notwendigkeiten des Schulalltags, dann braucht man kein großer Prophet sein, um zu erkennen, dass hier nichts so bleiben kann wie es gerade ist. Nicht nur der immer noch präsente Visionär Steve Jobs <a title="Spiegel.de: Schulbücher per iTunes?" href="http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,807093,00.html" target="_blank">hielt überfüllte Schulranzen im 21. Jahrhundert für veraltet</a> und war noch ganz am Schluss dabei, das iTunes-Prinzip und die Tablets in die Schulen zu tragen.</p>
<p>Projekte wie <a title="Projekt Gutenberg" href="http://gutenberg.spiegel.de/" target="_blank">Gutenberg.de</a>, aber auch die <a title="Zeno - ein Projekt der Digitalen Bibliothek" href="http://www.zeno.org/" target="_blank">Digitale Bibliothek</a> haben schon viel früher erkannt, dass das digitale Zeitalter angebrochen ist. Als Student, also vor mehr als 10 Jahren,  habe ich selbst aktiv dabei mitgeholfen, alte seltene Texte zu digitalisieren, um sie überhaupt wieder für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dafür hatte ich mich auch über das Regelstudium hinaus mit vergessenen Autoren beschäftigt wie Danziger Barockdichtern (Stichwort: <a title="Johannes Plavius - digitalisiert" href="http://www.niarts.de/plavius/index.html" target="_blank">Plavius</a>) oder mit dem oberrheinischen Dichterkreis um Johann Georg Jacobi. Beides war kein Verbrechen, sondern wissenschaftliche Arbeit und kulturschaffende Tätigkeit!</p>
<p>Nicht alle Digitalisate sind schlecht, wie es uns die Verlagsindustrie nun glauben machen will, indem sie den Begriff propagandistisch negativ besetzt!</p>
<p>Unabhängig davon bin ich auch heute immer noch der Überzeugung, dass uns das papierne Buch in Literaturkreisen <a title="Anastratin.de: Warum das Buch wohl nicht so schnell sterben wird..." href="http://www.anastratin.de/2009/04/25/warum-das-buch-wohl-nicht-so-schnell-sterben-wird/" target="_blank">noch lange erhalten bleiben</a> wird. Denn es hat in Sachen Nachhaltigkeit durchaus bleibende Vorzüge. Aber Gebrauchstexte, wie sie außer in Zeitungen auch in Schulbüchern zu finden sind, lassen sich problemlos durch digitale Inhalte ersetzen.</p>
<p>Damit meine ich <em>nicht</em>, dass man in plumper Manier Schulbücher einscannt, wie das jetzt von Verlagsvertretern, aber auch Teilen der Kultusministerien unterstellt wird. Denn das tut kein Lehrer, der halbwegs etwas von sich hält. Lehrer, zumindest die am Gymnasium, sind fachlich qualifizierte Hochschulabsolventen, die ihre Texte und Arbeitsblätter durchaus selbst schreiben können. Und wenn sie auch nur ein bisschen was auf sich halten, dann tun sie das auch.</p>
<p>Neben den Schulbüchern gibt es dank der modernen Referendariatsausbildung in jeder Fachschaft verborgene Schätze von Lernzirkeln, individuell zugeschnittenen Arbeitsblättern und gute Lehrer haben ganze Schrankwände bei sich zuhause gefüllt mit eigenem Unterrichtsmaterial.</p>
<p>Das einzige, was sie in Schulen bislang davon abhielt, ihre Werke in größerem Ausmaß zu verbreiten, sind die immensen Kopier- und Druckkosten, die schon immer ein besserer Kopierschutz waren als es jede Überwachungssoftware jemals sein könnte.</p>
<h3>Künftig: Tablets als Schulbuch &#8211; und PC-Ersatz</h3>
<p>Und genau diese Druckkosten fallen mit Ebookreadern und Tablets aber mittelfristig weg. Sobald eine Schule nur auf die Idee kommt, solche als Lehrmittel anzuschaffen, müssen die Schulbuchverlage tatsächlich bangen, insbesondere in Zeiten, wo jede Schule ein schuleigenes Curriculum mit individuellen Lehrinhalten bieten muss, was durch kein Schulbuch vernünftig abgedeckt werden kann.</p>
<p>Man muss kein Visionär sein um zu begreifen, dass neben den papiernen Schulbüchern auch die Computerräume auf der Liste der bedrohten Arten stehen. Denn sie sind zu sperrig, nehmen Schulraum weg, sind teuer in der Anschaffung und Erhaltung und zeitaufwendig in der Wartung. Selbst mit einem genialen Systemadministrator, den es in Schulen nur selten gibt &#8211; denn er muss am puren Schulalltag verzweifeln, wird ein normaler Lehrer mit der Massenabfertigung Computerraum nur mäßig glücklich, denn sie passt nicht zum pädagogischen Ziel der Individualbetreuung.</p>
<p>Zudem fühlt sich die autonom agierende Lehrkraft immer der Willkür eines Systems ausgeliefert, das sie womöglich kontrollieren will, allein dadurch, dass es sich der Kontrolle des Pädagogen entzieht, oder nicht richtig funktioniert.</p>
<p>Darum, weil die PCs letztlich so unpraktisch in der Handhabung sind wie die Schulbücher im Ranzen von Durchschnittschülern zu schwer, werden beide in absehbarer Zeit schwinden und gegen das ersetzt werden, was jetzt schon bei fast jedem Schüler vorhanden ist &#8211; eine Art Smartphone, nur etwas größer und mit Touchscreen oder Stift, leicht zugänglich, intuitiv nutzbar, interaktiv, optimalerweise mit einer Funkverbindung zu einem Projektionsgerät oder Bildschirm und einer Tauschmöglichkeit mit der Lehrkraft und für die Schüler untereinander.</p>
<p>Kleine, smarte Geräte, die jeder dabei hat und auf die er alles das kopieren und bearbeiten kann, was er gerade braucht &#8211; mehr braucht es für den Durchschnittsbetrieb an der Schule eigentlich nicht.</p>
<p>Das aber genau ist der Alptraum nicht nur der Schulbuchindustrie!</p>
<h3>Technik muss Hilfsmittel sein, kein Knebel</h3>
<p>Der neuerliche Vorstoß mit der Plagiatfindungssoftware mag aus dieser düsteren Sicht entstanden sein. Er wird diese Entwicklung dennoch nicht verhindern, sondern sogar beschleunigen, denn sie setzt das klassische Schulnetz dem Überwachungsverdacht aus und senkt seine Akzeptanz beim Nicht-Informatiklehrer (die große Mehrheit) noch weiter. Die getreuliche Befolgung von ministerialen Diktaten durch missmutige Erfüllungsgehilfen wird der klassischen Kübelinformatik daher langfristig den Rest geben und eigenverantwortlichen Lösungen und privaten Initiativen weiteren Vorschub. Schüler sind technisch inzwischen ohnehin viel weiter im Smartphone-Zeitalter angekommen, und die meisten Lehrkräfte sind es auch, ganz unabhängig vom Alter.</p>
<p>Schulen lassen sich daher nicht kontrollieren wie ein Gefängnis, und das passt auch einfach nicht zum Duktus einer demokratischen Gesellschaft, darum wird es auch nicht gelingen, zum Glück.</p>
<p>Ob man als Demokrat in einer iTunes-Monokultur glücklicher wird, die letztlich auch <a title="Heise - Wir brauchen wütende Nerds" href="http://www.heise.de/tr/artikel/Wir-brauchen-wuetende-Nerds-1397391.html" target="_blank">stark kontrollierend</a> ist, ist eine andere Frage, wenn sie sich in Schulen denn überhaupt stellen würde. Von ihrem Selbstverständnis her sind Lehrkräfte nämlich immer entweder Autokraten oder sehr kollegial gesinnt, niemals jedoch glücklich-dümmliche Untertanen, die kommentarlos Befehle ausführen. Daher sind jegliche Diktate zu einer unhinterfragten Monokultur zum Scheitern verurteilt, ebenso Abo-Modelle, denn die Schulträger können sich diese nicht leisten, zumindest nicht in dem finanziellen Rahmen, wie es sich die Verlagsindustrie mit scheelem Blick auf die Mobilfunkbranche wünscht.</p>
<p>Am ehesten Zukunft hat ein System, das dem einzelnen Pädagogen die Freiheit lässt, die Technik als das zu nutzen, was sie ist, ein optionales Werkzeug bei der didaktischen und pädagogischen Arbeit. Glücklich ist die Lehrkraft, wenn sie bei der ganzen Sache auch noch für ihr Fach kreativ sein kann. Ein System aber, was von oben herab diktiert wird und die persönliche Lehrfreiheit und Kreativität im Umgang mit den Schülern beschneidet, hat dagegen auf Dauer keine Chance, nicht einmal als Drohkulisse.</p>
<p>Das heißt nicht, dass ein solches System nicht hie und da mühsam errichtet wird, manche Schulen lieben es ja, mit teuren, wenn auch obsoleten Anschaffungen zu protzen (man erinnere sich an die Sprachlabore der 70er, manch sinnfreie Computeranschaffungen in 80ern und 90ern und neuerdings die sogenannten &#8220;Whiteboards&#8221;, teure Spielzeuge für prestigesüchtige Schulleiter und Systemadministratoren mit zuviel Freizeit). Ministerien spielen zur Not auch gerne mal die Disziplinarkarte aus und erlassen Verordnungen, ganz egal, ob diese umsetzbar sind oder nicht.</p>
<p>Aber beides wird wohl aufs Ganze gesehen ins Leere gehen. Dinge, die nicht Hand und Fuß und auch kein Herz haben, lassen sich auf Dauer nicht halten, oder nur mit unverhältnismäßig großem Energieaufwand. Beides würde in unserem Bildungssystem an den fortlaufenden Kosten von Zeit und Geld scheitern.</p>
<p>Die Zukunft der Technik ist deshalb eine, die wie von selbst zum Schulalltag passt, die sich geschmeidig anpasst, mithin eine dienende, aber sicher keine knebelnde. Und sie wird sinngemäß individualistisch sein, also vom Einzelnen ausgehen -und von ihm auch bezahlt werden müssen.</p>
<p>Je mehr man sich dagegen stemmt, desto schneller tritt es ein. Da hilft auch kein Lobbying.</p>
<p>Überfällig ist es längst. Und es wird kommen. Sehr, sehr bald &#8230;</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Vandalismus oder Kunst?</title>
		<link>http://www.anastratin.de/2011/12/10/vandalismus-oder-kunst/</link>
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		<pubDate>Sat, 10 Dec 2011 10:19:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Dühning</dc:creator>
				<category><![CDATA[Glossen und Kommentare]]></category>
		<category><![CDATA[Aktion]]></category>
		<category><![CDATA[KGT]]></category>
		<category><![CDATA[Logo]]></category>
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		<description><![CDATA[Graffiti nun auch auf der Schokoladenseite des Klettgau-Gymnasiums, frech unter den Schulschriftzug platziert &#8211; dieser Anblick bot sich am Freitagmorgen dem Betrachter. Doch bevor nun eine weitere Moralpredigt über den sittlichen Zerfall des Klettgau-Gymnasiums folgt, ist Vorsicht angebracht: Immerhin, nicht alles, was daneben scheint, ist ungeplant. Manchmal verbirgt sich hinter den Dingen ja ein ungeahnter, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2808" class="wp-caption alignnone" style="width: 460px"><a href="http://www.anastratin.de/wp-content/uploads/2011/12/IMG_0170_480.jpg"><img class="size-medium wp-image-2808" title="Ein neues Schullogo? Ein Teil der Menschenrechtsaktion? Eine geheime Botschaft der Perforierten Lyrixx? Oder einfach nur ein normales Graffiti? Nichts genaues weiß man nicht..." src="http://www.anastratin.de/wp-content/uploads/2011/12/IMG_0170_480-450x337.jpg" alt="Ein neues Schullogo? Ein Teil der Menschenrechtsaktion? Eine geheime Botschaft der Perforierten Lyrixx? Oder einfach nur ein normales Graffiti? Nichts genaues weiß man nicht..." width="450" height="337" /></a><p class="wp-caption-text">Ein neues Schullogo? Ein Teil der Menschenrechtsaktion? Eine geheime Botschaft der Perforierten Lyrixx? Oder einfach nur ein normales Graffiti? Nichts genaues weiß man nicht...</p></div>
<p>Graffiti nun auch auf der Schokoladenseite des Klettgau-Gymnasiums, frech unter den Schulschriftzug platziert &#8211; dieser Anblick bot sich am Freitagmorgen dem Betrachter. Doch bevor nun eine weitere Moralpredigt über den sittlichen Zerfall des Klettgau-Gymnasiums folgt, ist Vorsicht angebracht: Immerhin, nicht alles, was daneben scheint, ist ungeplant. Manchmal verbirgt sich hinter den Dingen ja ein ungeahnter, verborgener Masterplan.</p>
<p><span id="more-2807"></span></p>
<div id="attachment_2810" class="wp-caption alignnone" style="width: 460px"><a href="http://www.anastratin.de/wp-content/uploads/2011/12/IMG_0171_480.jpg"><img class="size-medium wp-image-2810" title="Die Schokoladenseite des KGT ist um einen sehr alternativen Schriftzug reicher. Schulverschandelung oder Teil einer weiteren Aktion am KGT?" src="http://www.anastratin.de/wp-content/uploads/2011/12/IMG_0171_480-450x337.jpg" alt="Die Schokoladenseite des KGT ist um einen sehr alternativen Schriftzug reicher. Schulverschandelung oder Teil einer weiteren Aktion am KGT?" width="450" height="337" /></a><p class="wp-caption-text">Die Schokoladenseite des KGT ist um einen sehr alternativen Schriftzug reicher. Schulverschandelung oder Teil einer weiteren Aktion am KGT?</p></div>
<p>Handelt es sich dabei vielleicht also um eine heimliche Botschaft der vielfach unterschätzten Fachschaft Kunst am KGT oder von der oft vergessenen Deko-AG (einen gewissen künstlerischen Wert kann man dem Graffiti ja nicht absprechen)? Oder ist es vielleicht ein aussichtsreicher Entwurf für ein neues Schullogo, oder eine andere Aktion der Klassen 9 zur Schulhofverschönerung?</p>
<p>Vielleicht, aus Verzweiflung, handelt es sich gar um schülerzentrierte Werbung zur inzwischen leider verhassten Perforierten Lyrixx &#8211; die Farben Schwarz-Rot-Weiß passen dazu immerhin genauso wie zu irgendeiner deutschnationalen oder auch linksextremen Jugendgruppe.</p>
<p>Oder aber, es handelt sich einfach nur um das Werk von sehr gelangweilten, formalästhetisch allerdings nicht ganz ungeschulten nächtlichen Graffitisprayern, die mit alledem überhaupt nichts zu tun haben.</p>
<p>Wie auch immer, wir werden es nie erfahren. Wie so oft am KGT&#8230;</p>
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		</item>
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		<title>Schöne Bescherung</title>
		<link>http://www.anastratin.de/2011/12/06/schone-bescherung/</link>
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		<pubDate>Tue, 06 Dec 2011 16:42:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Dühning</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Glossen und Kommentare]]></category>
		<category><![CDATA[NID Dossiers]]></category>
		<category><![CDATA[KGT]]></category>
		<category><![CDATA[Konsumkritik]]></category>
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		<category><![CDATA[Weihnachtsmannaktion]]></category>
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		<description><![CDATA[Kommentar zur Weihnachtsmanninvasion am KGT &#8220;Nicolaus kommt von NICOS, das ist Sieg, und LAOS, das ist das Volk, und heißt also: ein Überwinder des Volks, nämlich aller Untugenden, die gewöhnlich und gemein sind&#8221;, &#8211; so beginnt Jacobus de Voragine sein Kapitel über Sankt Nikolaus in der berühmten Legenda Aurea. Freilich kann man sich heute mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Kommentar zur Weihnachtsmanninvasion am KGT</h3>
<p>&#8220;Nicolaus kommt von <em>NICOS</em>, das ist Sieg, und <em>LAOS</em>, das ist das Volk, und heißt also: ein Überwinder des Volks, nämlich aller Untugenden, die gewöhnlich und gemein sind&#8221;, &#8211; so beginnt <em>Jacobus de Voragine</em> sein Kapitel über Sankt Nikolaus in der berühmten <a title="Legenda Aurea" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Legenda_aurea" target="_blank"><em>Legenda Aurea</em></a>. Freilich kann man sich heute mit Fug und Recht fragen, ob der Sieg des legendären christlichen <a title="Nikolaus von Myra" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_von_Myra" target="_blank">Bischofs aus Myra</a> von Dauer war.</p>
<p>Der Siegeszug des Weihnachtsmannes dagegen scheint nicht mehr aufzuhalten, auch nicht am Klettgau-Gymnasium. Was vor Jahren im Kleinen begann und damals teilweise noch soziale Hintergedanken hatte, hat sich heute zu einem gigantomanischen Catering-Act gesteigert, der wahrlich seinesgleichen sucht. 50, teilweise 80 großformatige Weihnachtsmänner à 20 cm pro Klasse haben sich per postalischem Bestellsystem über die SMV da manche Schüler füreinander bestellt &#8211; und alle haben sie bekommen.</p>
<p><span id="more-2782"></span></p>
<div id="attachment_2783" class="wp-caption alignnone" style="width: 460px"><a href="http://www.anastratin.de/wp-content/uploads/2011/12/IMG_0165_480.jpg"><img class="size-medium wp-image-2783" title="So groß und breit wie nie: Massen von Schokolade fanden am 12.6.2011 im KGT ihre Abnehmer. Über 2000 Stück  20cm hohe Schokoweihnachtsmänner hatten sich die Schüler über die SMV gegenseitig bestellt. In einigen Klassen, die sich bis zu 80 Stück bestellt hatten, artete das zu Schokoladenorgien aus." src="http://www.anastratin.de/wp-content/uploads/2011/12/IMG_0165_480-450x300.jpg" alt="So groß und breit wie nie: Massen von Schokolade fanden am 12.6.2011 im KGT ihre Abnehmer. Über 2000 Stück  20cm hohe Schokoweihnachtsmänner hatten sich die Schüler über die SMV gegenseitig bestellt. In einigen Klassen, die sich bis zu 80 Stück bestellt hatten, artete das zu Schokoladenorgien aus." width="450" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">So groß und breit wie nie: Massen von Schokolade fanden am 12.6.2011 im KGT ihre Abnehmer. Über 2000 Stück 20cm hohe Schokoweihnachtsmänner hatten sich die Schüler über die SMV gegenseitig bestellt. In einigen Klassen, die sich bis zu 80 Stück bestellt hatten, artete das zu Schokoladenorgien aus.</p></div>
<p>Der logistische Aufwand bei einem Gymnasium mit 1090 Schülern und über 80 Lehrkräften ist gewaltig und die SMV kann stolz darauf sein, dass sie alle der weit über 2000 Schokostangenmanneken über ihren modisch zipfelbemützten Auslieferungs-Service pünktlich zustellen konnte. Stolz verzehrte so mancher Fünft- und Sechstklässler seine bis zu sechs großen Weihnachtsmänner und ließ dafür dann später seinen Eintopf mit Würstchen beim Mittagstisch ungenutzt Retour gehen, das haufenweise. Auch in höheren Klassen und selbst im Lehrerzimmer war ebenso fröhliche Beschenkung angesagt. Mancher Lehrer konnte stolz ein Dutzend Schokoladenmänner auf seinem Tisch versammeln. Ein sehr eindrückliches Bild.</p>
<p>Können wir aber wirklich stolz auf uns sein, auf eine solche völlig eigennützige, gigantische Selbstbeschenkung? Denn letztlich haben sich doch nur die besten Freunde gegenseitig beschenkt. &#8220;Tun das nicht auch die Heiden?&#8221; würde ein berühmter Wanderprediger aus Nazareth anmerken. Die schiere Masse macht es nicht besser. Aber sie macht es doch recht eindrücklich. Ein Grund zum Stolz?</p>
<p>Die Antwort muss wohl jeder selbst finden, lautet die ausgegebene Devise. Mehr finden als das rote Männlein können wir in dieser Zeit aber kaum. Was hätten wir auch für Alternativen? Schokonikoläuse statt Weihnachtsmänner? Lebkuchen? Oder gar: puristisches Fasten?  Wer sucht, der findet, sagt man. Aber muss man? Suchen? Wozu?</p>
<p>Immerhin sei angemerkt, dass während am KGT sich mancher seinen Ranzen mit Naschwerk und Schokolade übermäßig gefüllt hat und sich Europa in den Medien vorrangig um seine Währung sorgt, in Afrika immer noch die <a title="Hungersnot in Afrika" href="http://www.tagesschau.de/ausland/hungersnotafrika100.html" target="_blank">schlimmste Hungersnot herrscht seit den 80ziger Jahren</a>. Damals hatte es in Europa zeitgleich noch großangelegte Spendenaktionen gegeben. Heute sorgen wir uns vorrangig um unseren eigenen Wohlstand, tanken die Erwachsenen der Weltbevölkerung daher &#8220;umweltbewusst&#8221; das Essen weg (Biosprit) und die Kinder lassen es sich jederzeit gut gehen, weil es vielleicht kein Morgen mehr gibt. Vom heutigen Wohlstand etwas abgeben oder Spenden ist nicht mehr IN. Nicht mal für die Klassenkasse.</p>
<p>Ein schlechtes Gewissen hat die Masse dabei nicht. Warum auch? Lieber lässt man es sich gut gehen, um Probleme sollen sich andere kümmern (und um den Müll auch). Man kann für diese Einstellung, die sich auch am Klettgau-Gymnasium inzwischen fast überall breit gemacht hat, eigentlich nur ein einziges passendes Wort finden: DEKADENZ!</p>
<div id="attachment_2784" class="wp-caption alignnone" style="width: 460px"><a href="http://www.anastratin.de/wp-content/uploads/2011/12/verpackungsabraum480.jpg"><img class="size-medium wp-image-2784" title="Meterhohe Berge allein von Transportkartonage türmte sich vor der SMV-Hauptquartier, wo die logistische Meisterleistung vollbracht wurde, die über 2000 Schokoladenstangen auf die Klassen zu verteilen. Aller Könnerschaft beim Catering zum Trotz bot sich da ein recht dekadentes Bild vom KGT." src="http://www.anastratin.de/wp-content/uploads/2011/12/verpackungsabraum480-450x637.jpg" alt="Meterhohe Berge allein von Transportkartonage türmte sich vor der SMV-Hauptquartier, wo die logistische Meisterleistung vollbracht wurde, die über 2000 Schokoladenstangen auf die Klassen zu verteilen. Aller Könnerschaft beim Catering zum Trotz bot sich da ein recht dekadentes Bild vom KGT." width="450" height="637" /></a><p class="wp-caption-text">Meterhohe Berge allein von Transportkartonage türmte sich vor der SMV-Hauptquartier, wo die logistische Meisterleistung vollbracht wurde, die über 2000 Schokoladenstangen auf die Klassen zu verteilen. Aller Könnerschaft beim Catering zum Trotz bot sich da doch wieder ein recht dekadentes Bild vom KGT.</p></div>
<p>Viele Dekaden ist es auch schon her, seit im 4. Jahrhundert Nikolaus von Myra sich gegen eben eine solche Dekadenz zur Wehr setzt, die Dekadenz der Römer im glänzenden Rom der Spätantike, die sich mit unverdientem Getreide den Bauch vollschlugen, das sie als Stadtvolk vom Kaiser als &#8220;Geschenk&#8221; abverlangten &#8211; dafür waren wohl auch die Galeonenladungen mit Weizen im Hafen von Myra bestimmt, nicht aber für die hungernde griechische Bevölkerung. Es bedurfte schon damals viel, sich gegen den Zeitgeist zu stellen und nur wenige tun das bis heute. Umsonst oder aus Eigennutz kann man aber niemals gut sein.</p>
<p>Der alte Nikolaus musste sich gegen allerlei rationale und finanztechnisch durchaus vernünftige Erklärungen zur Wehr setzen, setzte sich gegenüber dem Flottenkapitän aber schließlich durch und half so vielen hungernden Bürgern. Das war verwegen und sicher nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber es brachte Glanz in die Augen der notdürftigen griechischen Bevölkerung, die es in ihrer echten Not mit echter Dankbarkeit aufnahm. Die Legende hat seine glanzvolle Tat im Kleinen zu einem <a title="Kornwunder des Nikolaus von Myra" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_von_Myra#Kornwunder" target="_blank">großen Wunder</a> ausgeschmückt. <em>Jacobus de Voragine</em> gibt seinen frommen Lesern in der<em> Legenda Aurea</em> deshalb noch eine zweite (etymologisch allerdings nicht ganz korrekte) Erklärung für den Namen Nicolaus: &#8220;Oder es kommt von <em>NITOR</em>, Glanz, und <em>LAOS</em>, Volk: Glanz des Volkes; denn in ihm war das, was rein und glänzend macht.&#8221; &#8211; Von diesem wahren Glanz, notfalls auch ganz ohne Wunder, bräuchten wir wieder etwas mehr. Er kann, so <em>de Voragine</em>, aber nur von Innen kommen, nicht von Äußerlichkeiten oder gigantomanischen Events.</p>
<p>Das schokoladige Weihnachtsmännerheer, mit dem wir uns heute geradezu maßlos zugeschüttet und teils wirklich vollgefressen haben, wirft ein wenig gutes Licht auf unsere Gemeinschaft. (<a title="Todsünde Völlerei" href="http://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6llerei">Völlerei</a> galt früher übrigens als die sechste der sieben Todsünden.) Von ihrer glänzenden Seite hat sich die KGT-Bevölkerung damit wirklich nicht gezeigt!</p>
<p>Geglänzt hat wieder einmal nur das Äußerliche &#8211; in diesem Falle die Zellophanhüllen ganzer Legionen von Weihnachtmännern. Und nur diese hatten heute einen wirklich glänzenden Sieg über das Volk &#8211; <em>NIKO LAOS</em>&#8230;</p>
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		<title>Warum es dieses Jahr keinen Weihnachtsbasar am KGT gibt</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Dec 2011 17:55:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Dühning</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Geheimdienstberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Glossen und Kommentare]]></category>
		<category><![CDATA[Eine-Welt-Laden]]></category>
		<category><![CDATA[KGT]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachtsbasar]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein Feedback-Aufruf Wenn ihr euch schon gefragt habt, warum es diesmal keinen Weihnachtsbasar am KGT gibt, dann folgt hier eine Erklärung. Falls ihr euch dagegen nicht gefragt habt, warum der Weihnachtsbasar fehlt oder wenn ihr ihn gar nicht erst vermisst, dann habt ihr bereits die Erklärung, zumindest einen Teil davon. Der Eine-Welt-Weihnachtsbasar war am Klettgau-Gymnasium [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>
<div>
<h3><em><strong></strong></em><strong><em>Ein Feedback-Aufruf</em></strong></h3>
<p>Wenn ihr euch schon gefragt habt, warum es diesmal keinen Weihnachtsbasar am KGT gibt, dann folgt hier eine Erklärung. Falls ihr euch dagegen nicht gefragt habt, warum der Weihnachtsbasar fehlt oder wenn ihr ihn gar nicht erst vermisst, dann habt ihr bereits die Erklärung, zumindest einen Teil davon.</p>
<p><span id="more-2779"></span>Der <a title="Eine-Welt-Basar 2008" href="http://www.kgt.de/index.php/neuigkeiten/127-eine-welt-laden-oeffnet-wieder">Eine-Welt-Weihnachtsbasar</a> war am Klettgau-Gymnasium über lange Jahre eine feste Einrichtung, seit ihn Kollege Helling in den 80ziger Jahren eingeführt hatte. Damals war er wirklich noch etwas ganz besonderes. Denn &#8216;fairer Handel&#8217; oder &#8216;Nachhaltigkeit&#8217; waren damals noch Fremdwörter, ebenso wie &#8216;Globalisierung&#8217;, wenn auch beides damals seinen Anfang nahm. Uns Religionslehrern ging es immer darum, Schülern und Eltern mit dem &#8220;Eine-Welt-Laden&#8221; eine faire Alternative aufzuzeigen zum wenig gerechten Welthandel der Industrieländer. Zeitweilig wurde der Handel am KGT sogar ganzjährig betrieben, so gab es fair gehandelten Kaffee zur Jahrtausendwende schließlich das ganze Jahr über im Sekretariat zu kaufen. (Und das ist eigentlich immer noch so, nur wissen das selbst die meisten Lehrer nicht.)</p>
<p>Zwischenzeitlich hat sich jedoch einiges getan &#8211; so gibt es in Süddeutschland inzwischen ein feines Netz von Eine-Welt-Läden in den Städten, wo man auch das ganze Jahr über fair gehandelte Produkte erwerben kann, inzwischen sogar in normalen Supermärkten. Ebenso gibt es inzwischen Bio-Läden, wo man nachhaltig erzeugte Produkte kaufen kann. Somit war der Eine-Welt-Basar in den letzten Jahren kein Pionierprojekt mehr und hatte auch entsprechende Absatzschwierigkeiten, von den heißbegehrten fairen Schokoriegeln mal abgesehen, die es aber inzwischen auch ganzjährig bei unserem Hausmeister gibt. Außerdem &#8211; was uns sehr freut &#8211; haben wir mit <em>Fairtastic</em> inzwischen ja auch ein schülerseitiges Projekt, welches das ganze Jahr über regelmäßig für fairen und nachhaltigen Handel eintritt. Besser geht es kaum noch!</p>
<p>Das alles spricht noch nicht gegen einen Eine-Welt-Basar. Bliebe ja noch das Argument, dass ein Weihnachtsbasar mit fairen weihnachtlichen Produkten an der Schule ja auch etwas heimeliges und schönes ist. Vielleicht war es ja auch eine Tradition, die jemand vermisst?</p>
<p>Doch wir sind uns nicht sicher, ob das so auch wahrgenommen wurde. Vielleicht war es für euch nur eine Aktion mehr, die eigentlich niemand haben will oder die niemand wirklich interessiert? Wurde er vielleicht gar nicht bemerkt? Oder war es doch etwas, was zur Schule gehört? Wird er vermisst?</p>
<p>Ganz ehrlich, für uns ist es nicht sehr aufwendig, wieder einen Eine-Welt-Basar zu veranstalten, wenn er denn wirklich gewünscht wird. Aus oben genannten Gründen könnten wir aber auch darauf verzichten. Wir möchten uns nicht einfach so in Aktion setzen, um ein &#8220;Event&#8221; mehr zu haben.</p>
<p>Viel wichtiger ist, was IHR SCHÜLER wollt. Deshalb möchten wir euch bitten, uns ein Feedback zu geben, was ihr zu der Sache denkt. Falls ihr Vorschläge habt, sind sie auch herzlich willkommen (übrigens auch von Eltern- und Lehrerseite).</p>
<p>Je nachdem, was wir von euch hören, können wir uns dann für das nächste Jahr überlegen, ob es einen Weihnachtsbasar geben soll, wie und in welchem Rahmen, oder nicht.</p>
<p><em>Für die Fachschaft Religion,</em><br />
<em>Martin Dühning</em><br />
<em>(Fachbetreuer)</em></p>
<p><em>PS: Kurze Vorschläge dürft ihr in das <a title="KGT-Gästebuch" href="http://www.kgt.de/index.php/kgt-guestbook">KGT-Gästebuch</a> schreiben, ausführlichere gerne gegenüber euren Reli- und Ethiklehrern äußern oder auch bei Herrn Dühning ins Fach legen lassen.</em></p>
</div>
</div>
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		<title>Es ist eine Schande!</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Dec 2011 17:42:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Dühning</dc:creator>
				<category><![CDATA[Glossen und Kommentare]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichgültigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Gurs]]></category>
		<category><![CDATA[KGT]]></category>
		<category><![CDATA[Neonazihetze]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsterrorismus]]></category>
		<category><![CDATA[Zivilcourage]]></category>
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		<description><![CDATA[Es ist eine Schande, dass in diesem unserem Lande, nach all dem Traurigen, was die deutsche Geschichte zu bieten hat, gut zehn Jahre lang eine Gruppe von rechten Terroristen durch die Landschaft kurven und unbehelligt reihenweise morden konnte. Mehr allerdings ist noch eine Schande, mit welcher Arglosigkeit nun noch mancher mit dieser traurigen Tatsache umgeht. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist eine Schande, dass in diesem unserem Lande, nach all dem Traurigen, was die deutsche Geschichte zu bieten hat, gut zehn Jahre lang eine Gruppe von rechten Terroristen durch die Landschaft kurven und unbehelligt reihenweise morden konnte. Mehr allerdings ist noch eine Schande, mit welcher Arglosigkeit nun noch mancher mit dieser traurigen Tatsache umgeht. Schlimmer: Dass auch nachdem dieser Skandal aufgedeckt worden ist, im Internet weiter offen gehetzt und <a title="Neonazihetze" href="http://www.tagesschau.de/inland/neonazihetze100.html">zur Tötung aufgerufen wird</a> von Journalisten, Politikern oder auch Bürgern mit Migrationshintergrund &#8211; und das ohne irgendwelche Folgen für die Betreiber, das ist untragbar!</p>
<p>Aber das ist Deutschland 2011!</p>
<p><span id="more-2757"></span></p>
<p><a href="http://www.anastratin.de/wp-content/uploads/2011/12/LOGO_WEB_72_200.gif"><img class="alignleft size-full wp-image-2762" title="http://www.gesichtzeigen.de/" src="http://www.anastratin.de/wp-content/uploads/2011/12/LOGO_WEB_72_200.gif" alt="http://www.gesichtzeigen.de/" width="200" height="304" /></a>Freilich, wir Deutschen sind ein Volk von Mondkälbern, die im seligen Glauben leben, man könne Missstände dadurch beheben, dass man einfach ein Gesetz erlasse. Als ob sich irgendein Problem so lösen ließe! Der Gesetze, die Straftaten verbieten, haben wir wahrlich genug. Leider aber gibt es auch genug Vorwände, um sich später aus der Affäre zu ziehen, wenn es darum geht, Gesetze oder auch Grundrechte im Alltag durchzusetzen.</p>
<p>Wegschauen, leugnen, sich drücken: Es gibt so viele Möglichkeiten, Unrecht währen zu lassen und seine eigenen Schäfchen ins Trockene zu bringen und seltsamerweise scheint selbst virtuell Stuttgart 21 oder manche Abi-Party mehr Menschen zu mobilisieren als jede einfache Menschenrechtsdemo, wenn wieder Glatzköpfe und selbsternannte Helden im Dorf XY aufmarschieren.</p>
<p>Wo sind die &#8220;Wutbürger&#8221;, wenn es ums Eingemachte geht, um die Wahrung der Menschenrechte? Warum funktionieren Flashmobs hier offensichtlich nicht? Wo sind die Akzente oder &#8220;Gefällt mir&#8221;-Buttons für ein zwischenmenschliches Miteinander, einfachste Zeichen für Verständigung? Wo findet sich noch Zivilcourage, außer in Altersheimen, wo die letzten Augenzeugen der letzten Katastrophe, die Millionen von Mitläufern anrichteten, gerade dahinschwinden?</p>
<p>Wer vertritt den europäischen Gedanken, der dem braunen Elend als einziger etwas entgegenzusetzen hätte, heute noch wirklich?</p>
<p>Die rechten Flecken scheinen zum Glück weit weg vom Klettgau. Aber mutige Initiativen sind überall selten. Auch im sonnigen Süden sieht es dort nicht besser aus. Hier hatten wir nur länger Zeit, in den Dörflein die braune Vergangenheit aus den Familienalben und der Heimatgeschichte zu tilgen, die Zeit und der Tod lösten hier das Problem mit so manchem Altnazi.</p>
<p>Gelernt hat man aber nicht unbedingt, vielmehr <em>verdrängt</em>. Ein breites <em>Desinteresse</em> ist geblieben, gedeiht sogar am Klettgau-Gymnasium &#8211; wo z. B. ein Denkmalprojekt zu <a title="Wikipedia zu Gurs" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Camp_de_Gurs" target="_blank">Gurs</a> in Klasse 9 z. B. zwar zum Schuljahresbeginn angeboten wurde, aber mangels Beteiligung gar nicht erst zustande kam. Auch in der Freizeit ist oft Fehlanzeige: Man bleibt sich lieber treu und spielt lieber im Sport- oder Musikverein, wie schon seinerzeit im Klettgau.</p>
<p>Am Gymnasium der Gegenwart versagen selbst die professionellen Gremien regelmäßig: Was z. B. kritische Schülerzeitungsartikel von Schülern für Schüler angeht: Fehlanzeige! Die kritischste Stimme dort ist noch der AG-Betreuer, ansonsten kein Wort des Mahnens und Gedenkens, aber auch keine SMV-Aktionen, auch von der Lehrerseite oder der Schulleitung ist wenig zu den traurigen Jubiläen in diesem November zu hören, kein Wort der Entrüstung oder Solidarität zu den Skandalen der Gegenwart. Nichts&#8230;</p>
<p>Es ist ein bezeichnendes Zeichen, dass die Zeichen und Worte ganz fehlen, dass sich die Menschen schon wieder massenhaft wegducken, wenn sie doch eigentlich bunte Farbe bekennen müssten um das zu erhalten, wofür die vergangene Generation seit 1945 gekämpft hat. Aber wir haben wahrscheinlich alle viel zu viel zu tun, als um uns um so Nebensächlichkeiten zu kümmern. Lieber sorgt man sich um seine Ersparnisse (als wenn der Euro allein Europa wäre), oder man tauscht zur Ablenkung auf Facebook Skandalfotos aus, daddelt Handy-Spielchen, amüsiert sich auf Parties, setzt sich unnötige Termine in den Kalender und hetzt von Shoppingevent zu Shoppingevent. Das ist Deutschland 2011 &#8211; auch im Klettgau.</p>
<p>Aber warum sollte es im Kleinen funktionieren? Ist doch Schule nur Abbild der Gesellschaft: Selbst die große Politik scheint hin und her gerissen. Im Betreiben, den Euro zu retten, opfert man leichthin lieber die Völkerverständigung, indem man mit Völker reglementierenden Kredithämmern vollendete Tatsachen setzt, Süden gegen Norden aufhetzt und umgekehrt. Mit dem lange ausgeblendeten Problem der innerdeutschen rechten Parallelgesellschaft geht die große Politik zögerlich und nur reaktiv um. Wenn es den Politikern selbst jetzt noch unmöglich erscheint, eine offen verfassungsfeindliche Partei wie die NPD (die freilich nur die Spitze eines Eisbergs ist) zu verbieten, ja was soll man dann noch hoffen?</p>
<p>Politiker wie Durchschnittsbürger machen es sich auch zu leicht, wenn sie beim aktuellen Skandal die Schuld einfach auf hinterhöflerische Geheimdienste verschieben, die offenbar jahrelang nicht in der Lage waren, ihr vorhandenes Wissen untereinander auszutauschen und zusammenzuarbeiten. Sicher, es sieht da nach wahnsinnig viel Dilettantismus aus. Andererseits, wer die Budgets der Exekutive ständig kürzt &#8220;um künftiger Generationen willen&#8221;, sodass es allerorts an Polizeibeamten fehlt, insbesondere auch dort, wo sie wirklich gebraucht würden, wenn rechte Schlägertruppen teils besser ausgerüstet und vernetzt sind als die Ordnungshüter, der muss sich nicht wundern, dass der Rechtsstaat mancherorts nur noch auf billigem Büropapier existiert.</p>
<p>Wo ihn aber offenbar auch die Bürger nicht vermissen, weil sie ja wichtigeres zu tun haben, da ist der Grundrechtsstaat ganz verloren.</p>
<p>Vielleicht ist das schon Deutschland 2011.</p>
<p>Dann aber: Armes Deutschland&#8230;</p>
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		<title>St. Martins verlorenes Erbe</title>
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		<pubDate>Sat, 12 Nov 2011 12:24:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Dühning</dc:creator>
				<category><![CDATA[Glossen und Kommentare]]></category>
		<category><![CDATA[Halloween]]></category>
		<category><![CDATA[St. Martin]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachtsmann]]></category>
		<category><![CDATA[XMass]]></category>
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		<description><![CDATA[Eine kleine Apologie für das Martini-Fest In früheren Zeiten, als man den Dingen um uns selbst noch einen gewissen Sinn zutraute und sie deshalb immer mal wieder auch besinnlich hinterfragte, war man sich der Bedeutung von Zeit und Raum noch bewusst. Was wir heute negieren, dass Entfernung auch Verhinderung ist und verlorene Zeit etwas Unwiderbringliches [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><em>Eine kleine Apologie für das Martini-Fest</em></strong></p>
<p>In früheren Zeiten, als man den Dingen um uns selbst noch einen gewissen Sinn zutraute und sie deshalb immer mal wieder auch besinnlich hinterfragte, war man sich der Bedeutung von Zeit und Raum noch bewusst. Was wir heute negieren, dass Entfernung auch Verhinderung ist und verlorene Zeit etwas Unwiderbringliches &#8211; da, was verloren, niemals wiederkehrt &#8211; heute aber glauben, weder Zeit noch Raum könnten dem Fortschritt strotzen. Und doch verfallen wir bei jedem kleinen Schneechaos in Weltuntergangsängste, wenn uns die objektiv vorhandene Natur darauf hinweist, dass sie doch noch da ist. Oder wenn trotz aller moderner Technik wieder einmal der Tod aufblitzt im Alltag, meist in einer nicht hollywood-kompatiblen Form. In jener Zeit, als man sich dessen noch bewusst war, schuf man Bräuche, um Zeit und Raum Sinn zu geben.</p>
<p><span id="more-2703"></span>Gebräuche und Feste schaffen wir uns auch heute noch, doch sie sind ein Armutszeugnis der selbstgefälligen Wohlstandsgesellschaft. Betrachtet man den unausweichlichen Wandel von Kultur, das Auf und Nieder von Symbolen und Ritualen, fällt auf, dass wir heute doch einiges an moralischem Potenzial, auf das wir im freien Westen angeblich so stolz sein können, zwischenzeitlich verschenkt oder versenkt haben. An Werten eigentlich so ziemlich alles &#8211; außer uns selbst. Uns selbst nehmen wir noch halbwegs ernst.</p>
<p>Nehmen wir das alte Martinsfest, dann wird der Wandel sichtbar. Bis ins fünfte Jahrhundert zum historischen Martin von Tours ist es rückführbar und wurde schnell als Pachtzinstag ein wichtiger Meilenstein im Jahreskreis. Hier feierte man &#8211; unüblicherweise &#8211; den Geburtstag statt das Martyrium eines Heiligen, der wie kaum ein anderer für Wahrhaftigkeit, soziale Gerechtigkeit  und Fairness im Sinne des Teilens und Heilens steht und machte ihn zum Dreh- und Angelpunkt des Pachtsystems, das über viele Jahrhunderte realiter für soziale Not stand &#8211; denn am 11.11. begann einst nicht die fröhliche Fastnacht, sondern es war der Tag, an dem Zinsen und Schulden bezahlt werden mussten, an welchem die adventliche Fastenzeit begann und das dunkle Viertel. Für manchen Bauern war es jedes Jahr wieder ein kleiner Tag des Jüngsten Gerichts. Wehe, wenn die Pacht nicht beglichen werden konnte. So ein zweischneidiges Symbol wie Martins mantelteilendes Schwert ist selbst die Martinsgans &#8211; sie war ja Teil der Abgaben und wer sie schlachten konnte, war nicht immer klar. Eine von beiden Parteien ging oft leer aus. Das Wertideal ist aber gemeinschaftliches Teilen statt bloßes Einheimsen.</p>
<p>Martin von Tours als streitbarer Fechter für Gerechtigkeit in spätantik-autoritären Zeiten wachte also symbolisch über den zeitlichen Angelpunkt einer Wirtschaftsordnung, die wir als viel plumber und ungerechter empfinden als unsere heutige (definitiv auch wohl zurecht). Doch Sinn stiftet das Martinsfest gerade deswegen: Ist der Heilige, vor dessen prophetischer Kritik selbst römische Kaiser nicht sicher waren, doch ein würdiger Wächter über den &#8220;Tag der Wahrheit&#8221; im Leben vieler Bauern und Feudalherren. Reichtum teilen und abgeben denen, die es mehr bedürfen ist ein Dienst direkt an Jesus Christus &#8211; das ist im Kern die Botschaft und wurde zum neuen Tugendideal für viele Jahrhunderte, in Symbole gegossen in Form vielfältigster Martinsbräuche in Europa. Als neues, unblutiges Heiligenideal fand Martin auch viele Nachahmer bis heute.</p>
<p>Doch sein Fest ist heute längst verblasst wie so manch anderes, die Symbole sind zerfallen und machten anderen Platz. Die gesamte Gesellschaftsordnung hat sich gewandelt, da ist dies auch nicht weiter erstaunlich. Wie in keiner Zeit davor wurde aber auch die Bedeutung von Raum und Zeit relativiert in der Moderne, wo wir uns selbst Sonne, Mond und Sterne selbst erschaffen und zu jeder Zeit an- und ausknippsen können, der Atomkraft sei Dank, die von der Natur unabhängig ist. Demgemäß haben wir es mit festen Zeiten und zeitlichen Festen auch nicht mehr so, fühlen uns aber dennoch bemüßigt, solche optional anzubieten, allein schon, um Wirtschaft und Konsum anzukurbeln. Doch was symbolisieren wir eigentlich in unseren modernen Feierlichkeiten?</p>
<p>Erstaunlicherweise verehren wir nicht einmal so sehr die Technik in Symbolen &#8211; zumindest nicht in zeitlichen oder räumlichen. Wo sie herrscht, werden die beiden Dimensionen eher großzügig ausgeblendet oder ganz in Frage gestellt. Da aber Menschen in ihrer Körperlichkeit trotz aller Technik immer noch beides benötigen, Raum wie auch Zeiten, um wirklich feiern zu können, wird die Lücke anders gefüllt: In relativ zeitlicher Nähe zum einstigen Martinsfest, das heute nur noch in Kindergärten einen gewissen Wert besitzt, stehen im 21. Jahrhundert <em>Halloweenzeit</em> auf der einen und die allmächtige <em>Weihnachtszeit</em> auf der anderen Seite.</p>
<p>Mit Halloween wird das unausweichliche Thema &#8220;Tod&#8221; konsumfreundlich aufgewärmt, quasi als Fastfoodvariante der alten Totensonntage und mit neuen, etwas unterhaltsameren Inhalten. Die unausweichliche Macht des Endes aller Dinge, die auch dem stumpfsinnigsten Geschäftsmann im Herbst bewusster wird als sonst, wird zeitgemäß relativiert durch moderne und scheinbar religionslose Formen der Auferstehung: Sei es in der geadelten Unsterblichkeit als erotisch-noblesser Twilight-Vampir, oder als tumber Zombie &#8211; eine wirkliche herrliche Metapher für den modernen und unmündigen, da letztlich hinlosen Konsumbürger. Es gibt aber noch mehr individuelle Schreckensformen, vom freudial-triebgesteuerten Werwolf über die ultra-feministische Hexe bis hin zum Teufel persönlich &#8211; für jeden ist etwas passendes dabei. Mit was man sich auch mehr identifiert, nach dem Tod kommt jedenfalls noch was: Das allgemeine, zeit- und raumlose Untot-Sein. Ist das nicht schön und beruhigend, wenn auch ein wenig gruselig?</p>
<p>Auf der anderen Seite, für alle, die mit einem solchen Nicht-Himmel immer noch zu wenig anfangen können, haben wir aber auch noch die schmackige Mär vom Weihnachtsmann, jener modernen Variante vom &#8220;Alten Mann mit Bart&#8221;, auf die selbst hartgesottene Atheisten in gefühlvollen Momenten noch jedesmal weihnachtlich hereinfallen. Glitzerumstrahlt, wohlbeleibt und an allem Guten mehr als nötig ausgestattet wacht der nette, altväterliche Bursche fürstlich und doch irgendwie ganz antiautoritär über seine weihnachtsgläubigen Kinderlein, beschenkt sie rücksichtsvoll-heimlich und bescheiden mit allerlei unbedingten Verköstigungen, da sie ja eigentlich nicht brauchen &#8211; denn Lebkuchen sind kein täglich Brot &#8211; schenkt sie aber dennoch allen, die einfachen Gemütes sind und geht damit noch weiter als die Sinnaussage der Halloween-Feierlichkeiten, wo sich die Kinder ihre Süßigkeiten immer noch selbst ergaunern müssen so wie die Zombies das Gehirn und die Vampire das Blut anderer. Die Weihnachtsaussage lautet: Halte in der kalten Winternacht einfach still, schlafe und tue selbst nichts, dann kommt deine Beschenkung wie von selbst.</p>
<p>Betrachtet man die Symbole kritisch, kann einen bei beiden Festen nur Schauder ergreifen. Was wird hier eigentlich noch gefeiert? Wo beim Martinsfest das Teilen als Ideal gesetzt wurde, ist es beim modernen Halloween das Einheimsen oder gar Lebenssaugen von anderen und beim modernen XMass das bloße fröhliche Beschenktwerden und unkritische Konsumieren. In Amerika hat man dazwischen immerhin noch das Thanksgiving-Fest, das den Wert der Familie hochhält, im modernen Europa dagegen geht inzwischen geht der Lebenssog der Totenparty direkt ins Weihnachtsbesöffnis über, ganz ohne alle Werte außer dem einen, dass man sich eben das gönnt, was man will &#8211; im einen Falle wie selbstverständlich bekommt, wenn man nur sanft genug schläft und den Weihnachtsmann nicht bei seiner Arbeit stört und im anderen Fall holt man sich eben einfach, was man will und geht dabei zur Not auch über Leichen. Symbolischer Grund beider Feste sind so gesehen Gier und Selbstbereicherung. Im weihnachtlichen Fall bestenfalls fremdgesteuertes Konsumieren.</p>
<p>Und da man dies ohnehin das ganze Jahr über tun kann oder auch tut, sind Feste heute auch nicht mehr als Steilvorlagen für die Konsumindustrie oder Mottogeber für eine weitere After-Work-Party von vielen, mit der wir Raum und Zeit und damit leider auch den größten Teil unseres Lebens negieren, weil wir keinem Ding außer uns selbst noch einen immanenten Sinn zutrauen und letztlich uns selbst auch keinen weiteren, als selbst zu sein und sich selbst zu bereichern.</p>
<p>Viel anders verhielt es sich auch nicht mit den Gutherren zu feudalen Zeiten, doch über sie wachte immerhin symbolisch einer der berühmtesten Verfechter christlicher Sozialgerechtigkeit, Martin von Tours, als mahnendes Beispiel, wo der Sinn hinter den Dingen wirklich zu finden sei &#8211; damals, in früheren Zeiten, als man den Dingen um uns, den Dingen selbst, noch einen gewissen Sinn zutraute und sich selbst auch mal besinnend hinterfragte.</p>
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		<title>Lämmlein, DU schweige!</title>
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		<pubDate>Thu, 03 Nov 2011 19:18:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Dühning</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Griechenland]]></category>
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		<description><![CDATA[Derzeit habe ich sehr oft das Gefühl im falschen Film zu sitzen, oder etwas treffender frei nach Michael Ende &#8211; auf einem Dampfer zu sein, der in die falsche Richtung fährt. Auf diesem kann man bei besten Willen nicht weit in die richtige Richtung gehen. Jedenfalls verstehe ich die Welt nicht mehr: Das kloppen die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Derzeit habe ich sehr oft das Gefühl im falschen Film zu sitzen, oder etwas treffender frei nach Michael Ende &#8211; auf einem Dampfer zu sein, der in die falsche Richtung fährt. Auf diesem kann man bei besten Willen nicht weit in die richtige Richtung gehen. Jedenfalls verstehe ich die Welt nicht mehr: Das <a href="http://www.tagesschau.de/wirtschaft/griechenland1612.html" target="_blank">kloppen die beiden machtvollen Stellvertreter der größten Wirtschaftsmächte</a> auf den Premier des kleinen Griechenland ein dafür, dass er das aus demokratischer Sicht einzig Richtige wagte (wenn auch seinerseits mit politischen Hintergedanken): das griechische Volk selbst über seine Zukunft abstimmen lassen, mit allen Konsequenzen, welche die jeweilige Antwort mit sich bringt.<br />
<span id="more-2696"></span></p>
<p>Freilich, wer die Wahl hat, kann auch falsch wählen. Die Folgen sind fatal. Aber was hier falsch und was richtig ist, das scheint mir bei weitem nicht so sonnenklar wie der griechische Himmel in den Werbeprospekten deutsch-französischer Politiker. Glaubte man denn wirklich, eine gemeinsame Währung würde dazu führen, dass alle Volkswirtschaften plötzlich gleich ticken? Oder hat man mit einer offenbar institutionell viel zu wenig abgesicherten Gemeinschaftswährung nicht vielleicht ungeduldig ein politisches Steckenpferd geritten, das nun die europäische Idee als Ganze in den Straßengraben zu reißen droht?</p>
<p>Hier wie dort werden nur Klüngel offenbar und jede Menge Geschäftemacherei auf Kosten des europäischen Gedankens. Dramatisch, ja geradezu filmreif ist das in der Tat, was in den letzten Wochen geboten wurde, den Drehbuchschreiber sollte man am Besten gleich für die nächste Schmierenkomödie aus Hollywood verpflichten und die Akteure, unsere Politiker, passen dort vielleicht auch besser hin. Als Wähler, der alle paar Jahre selbst einmal die Wahl hat, mehr auch nicht im aktuellen System, ist man jedenfalls baff, wenn man sich die vielen Richtungswechsel der vergangenen Monate ansieht. Zu augenscheinlich ist es, dass es vielen längst nur noch um Machtverlängerung geht. Es wird nicht nur in Griechenland, sondern auch anderswo höchste Zeit für Neuwahlen.</p>
<p>Allerdings: welche Wahl hat der deutsche Wähler derzeit überhaupt noch? Regiert doch längst <em>TINA</em> (&#8220;<strong>T</strong>here <strong>I</strong>s <strong>N</strong>o <strong>A</strong>lternative&#8221;), das politische Etablishment wirkt immer öfter wie reine Staffage, die den jeweiligen ökonomischen Notwendigkeiten hinterherrennt, statt sinnig vorzuplanen. Mögen manch finanzielle Hebelkonstruktionen ihre Wirkung auch verfehlen, die politischen Hebelfunktionen funktionieren allzu deutlich: Wer den Mächtigen der europäischen Plutokratie nicht passt, wird plattgemacht. Die sehr ernüchternde Botschaft: Das Volk hat in Europa gefälligst nicht abzustimmen, denn es könnte dabei Fehler machen. Die politischen Eliten machen diese natürlich nicht! (Dass man sich andernorts mal einfach so um <a title="&quot;Ziemlich ärgerliche Geschichte&quot; ohne personelle Folgen" href="http://www.tagesschau.de/wirtschaft/fms112.html" target="_blank">ein paar Milliarden Steuergelder verrechnet</a>, zählt nicht. Das gehört nicht hierher.)</p>
<p>Ob man so das verlorene Vertrauen der Bürger in Währung und politische Partizipation in Europa wieder wett machen kann, mithin Europa als Gemeinschaftsprojekt aller Bürger wahrnehmbar, ist mehr als fraglich. Als kleiner Steuerzahler hofft man inzwischen nur noch, dass die schwindelerregenden Summen, mit neuerdings plötzlich jongliert wird, nicht allzubald im Sturzflut einer Inflation enden, die man schlimmstenfalls auch mit einem Plebiszit in Griechenland hätte haben können. Dann hätte der Volkssouverän immerhin partiell bewusst Verantwortung getragen, um dann unausweichlich, jedoch heroisch sein Schicksal zu tragen wie der griechische Held der Antike. Nun aber bleibt das Gefühl, Teil einer Herde von griechischen Berglämmlein zu sein, die zur nächsten Schur gebracht werden, verschüchtert dahingetrieben.</p>
<p>Ein schwarzer Tag für die Demokratie in Europa ist das und ein guter Tag für so manchen Plutokraten.</p>
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		<title>Die schaurige Macht des Konsums</title>
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		<pubDate>Mon, 31 Oct 2011 17:53:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Dühning</dc:creator>
				<category><![CDATA[Glossen und Kommentare]]></category>
		<category><![CDATA[Sonn- und Feiertage]]></category>
		<category><![CDATA[Halloween]]></category>
		<category><![CDATA[Konsumismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Dunkel ist&#8217;s. Kein Mond scheint. Nebel wehen über den Friedhof und auf den Straßen laufen satte deutsche Bürgerskinder und sammeln schaurig Süßigkeiten. Es ist wenige Jahre her, da gab es noch Opposition gegen Halloween. DAMALS, als das neugeschaffene Fest in einem wahrlich bis dato unerreichten Medienhype, vor allem von Seiten der privaten Fernsehsender, in deutsche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dunkel ist&#8217;s. Kein Mond scheint. Nebel wehen über den Friedhof und auf den Straßen laufen satte deutsche Bürgerskinder und sammeln schaurig Süßigkeiten. Es ist wenige Jahre her, da gab es noch Opposition gegen Halloween. DAMALS, als das neugeschaffene Fest in einem wahrlich bis dato unerreichten Medienhype, vor allem von Seiten der privaten Fernsehsender, in deutsche Kinder- und Elternhirne getrichtert wurde, sehr begrüßt von der deutschen Süßigkeitenindustrie. DAMALS, denn wer hat heute noch den Nerv, nervtötende Nachbarskinder ohne selbige abzuweisen, wenn sie fröhlich klingeln, hier wie überall, inzwischen von Kindergärten und Grundschulen breitflächig pädagogisch flankiert, zu Halloweenfeiern und Süßigkeitensammelzügen aufbrechen.</p>
<p><span id="more-2680"></span>Da hat man uns möchtegern-kritische Normalbürger bei den wunden Stellen des modernen Individualisten gepackt: der mangelnden Geduld, dem schlechten Langzeitgedächtnis und dem mangelnden Verständnis für echte Traditionen. Wie gesagt, der Widerstand ist inzwischen weg, ja es ruft bei den Nachbarn nur wirres Kopfschütteln hervor, wenn man sich auf mitteleuropäische Kulturgepflogenheiten beruft, die eine Naschkatzenverköstigung am Vorabend zum Totengedenkfest Allerheiligen durchaus nicht vorsehen, dagegen einen echten, eher stillen Gräberbesuch am Folgetag und dann später im Advent, der sogenannten &#8220;Lebkuchenzeit&#8221;, eigentlich eine richtige, wenig glitzernde vorweihnachtliche Fastenzeit.</p>
<p>Aber so ist das halt: Wir glauben an den schokoladigen Weihnachtsmann, den frühlingsmodigen Osterhasen und manch andere ergötzliche Kunstwesen, aber nicht an den mahnenden biblischen Gott. Wir haben uns unlängst an von der Blumenindustrie propagierte pseudoheilige Festlein wie Valentinstag oder den sogenannten &#8220;Muttertag&#8221; ebenso gewöhnt wie an längst zum Standard gewordene Sonntagsverkäufe am christlichen Ruhetag, die neuerdings sogar von gutbürgerlich-christlichen Gewerbevereinen selbst in der Provinz mit heiligem Eifer verkündiget werden. Man nennt sie dort &#8220;Weihnachtsmärkte&#8221; oder &#8220;verkaufsoffene Adventssonntage&#8221; und sie mögen auch als Ersatzgottesdienst für müßige Weihnachtsmenschen herhalten in einer Zeit des allgemein gefühlten Seelenheil-Mangels, wo &#8220;Seelsorgeeinheiten&#8221; zu seelenlosen Managementverbünden verblassen, Esoterikläden wie einst Waldpilze überall aus dem Boden sprießen und von findigen Werbemanagern erdachte Ersatzfigürchen zur individuellen Wellnessförderung das ganze Jahr über gerade recht kommen.</p>
<p>Ganzjährig kippen wir nun den Kindern die Kohlehydrate in Bonbon-Form in den Schlund, später tun sie das dann ganz von selbst, noch etwas später in destillierter Form dann hinter die Birne und schließlich fühlen sie sich nur noch in vorgeheiztem Zustand festlich-fröhlich. Wir Erwachsene aber sind dann erstaunt und wundern uns in tiefster Seele darüber.</p>
<p>Wahrlich, in gewisser Weise ist das auch Gottesdienst, doch ein Beten zum falschen Gott. Der ist wohl eher ein Baal der Wohlstandgesellschaft, der allgegenwärtige Geld- und Konsumgott Mammon, dessen Tempel die Banken und Börsen und dessen Psalmen süßer nie klingelnde Kassen und und in den Himmel steigende Dividenden sind &#8211; oder sonst irgendein Wohlstandsgötze. Aber der Hüter Israels wird so gewiss nicht geheiligt. Was würden wohl ein Amos oder Jeremia dazu sagen? Oder ein Kant oder Freud? Wir malen es uns lieber erst gar nicht aus&#8230;</p>
<p>Ich würde mir wünschen, dass die lieben Kinderlein mit dem selben Eifer, mit welchen sie nun ganz selbstverständlich und ganz allein für sich selbst schaurig-kalorienreiche Süßigkeiten sammeln, vielleicht nur mit halbem Eifer mal etwas für die Hungernden am Horn von Afrika tun. Oder dass die ach so sorgsamen Eltern ihre Kinder, statt sie mit künstlichen Kohlehydraten moderner Industriekonfiserie vollzustopfen, wenigstens auf nachhaltige und gesunde Kost achten würden und ihre Zöglinge auf den Wert von Lebensmitteln hinweisen würden, was bei uns wirklich Not tut. Denn die Hälfte auch der Süßigkeiten landet wohl wieder im Müll, wo stattdessen eigentlich die ganze Art dieses Feierns hingehört.</p>
<p>Seltsam, dass sich Feste zur sozialen Gerechtigkeit oder zugunsten der Umwelt nie durchsetzen. Oder auch nur solche für die minder Bemittelten gerade auch in unseren Breiten. Vielleicht fehlt ihnen inzwischen aber auch die Lobby, welche die Medien für sie beeinflusst. Doch das Monopol der Medien ist eigentlich durchbrochen. Leben wir nicht im Zeitalter &#8220;sozialer Netzwerke&#8221;? Warum forciert nicht einmal jemand über Facebook neues Umwelt-Thanksgiving mit ökologischem und sozialen Nachhall?</p>
<p>Warum feiern wir heute immer nur, was der Konsumindustrie passt?</p>
<p>Warum schaffen wir uns, wenn wir uns doch für so aufgeklärt und mündig halten, pseudoreligiöse, konsumistische Ersatzrituale?</p>
<p>Und warum bringen wir diese niveaulose, selbstgefällige und völlig unmündige Lebensgestaltung unserer Kindern auch noch mit heiligem Eifer bei?</p>
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		<title>Deja Vu der Abstürze</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Jun 2011 19:03:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Dühning</dc:creator>
				<category><![CDATA[Glossen und Kommentare]]></category>
		<category><![CDATA[Modetrends]]></category>
		<category><![CDATA[Smartphones]]></category>
		<category><![CDATA[Tablets]]></category>
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		<description><![CDATA[Die 90er Jahre &#8211; ungezählte Computerabstürze, Geräte, die von Anfang an vor Defekten strotzten und gewiss nicht das taten, wozu sie beworben wurden. Betriebssysteme, unfertig auf den Markt geworfen ohne Hoffnung auf echte Fehlerpatches und alle lechzten nach DEM Update, das Abhilfe schüfe, der nächsten Version, die besser sein würde und endlich die Erwartungen erfüllen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die 90er Jahre &#8211; ungezählte Computerabstürze, Geräte, die von Anfang an vor Defekten strotzten und gewiss nicht das taten, wozu sie beworben wurden. Betriebssysteme, unfertig auf den Markt geworfen ohne Hoffnung auf echte Fehlerpatches und alle lechzten nach DEM Update, das Abhilfe schüfe, der nächsten Version, die besser sein würde und endlich die Erwartungen erfüllen. In der Zwischenzeit gewöhnte man sich an so manche Unmöglichkeit und vertat viele Stunden seines Lebens mit Elektronik, die GANZ BESTIMMT nicht das tat, was sie sollte. So fern diese Zeiten heute schon scheinen, so nahe sind sie uns doch wieder.<br />
<span id="more-2362"></span><br />
Fast 20 Jahre später wiederholt sich nämlich die Geschichte. Die Protagonisten sind sogar teils die gleichen. Apple spielt wiederum eine noblere Vorreiterrolle, im i-Zeitalter aber mit einer wesentlich größeren Nutzerbasis, was neue, mächtige Herausforderungen für dessen Support schafft. Dennoch sind elitärer, oft quasi-religiöser Anspruch und das zugehörige Korsett für den gläubigen Apple-Nutzer das gleiche geblieben. Hier gibt es zweifellos &#8211; ähnlich wie damals schon bei den Macs &#8211; mehr Qualität, aber eben nicht die große Freiheit. Die Hardware ist oft künstlich funktionsbeschränkt, die Software monotheistisch auf den heiligen Apfel zentriert nach dem Motto: &#8220;Du sollst keine anderen Götter neben iTunes haben&#8221;.</p>
<p>Glaubensfreiheit (oder zumindest eine Abwandlung von Technikgläubigkeit) versprechen andere Anbieter, liefern dafür aber allzu oft halbgares Zeugs, was noch nicht wirklich funktioniert und in einigen Fällen auch wohl nie wirklich funktionieren wird &#8211; weil die nötigen Softwareupdates die Gewinnmargen zu sehr schmählern würden. Weiß man doch, dass der Mensch von heute, ungeduldig wie er ist, lieber gleich das nächste Smartphone oder Tablet kauft, als über Monate ein Update abzuwarten.</p>
<p>Verwunderlich ist nur das schlechte Gedächtnis gerade der Mittdreißiger und Mittvierziger, denen das doch eigentlich irgendwie müsste bekannt vorkommen. Die Situation, dass einem der elektronische Butler am Tag mehrmals abstürzt und gewiss nicht auf Anhieb das tut, was er soll, hatten wir doch eigentlich schon mal. Doch schien sie seit MS Windows XP vergessen. In der Welt der Smartphones und Tablets, wie ich leider feststellen musste, wird aber durchaus wieder Alltag, was längst als überwunden galt &#8211; zurück zur abenteuerlichen Zeit vor der Sintflut. Zwei Tablets habe ich nun besorgt, von denen ich eines &#8211; das qualitativ deutlich anspruchsvollere &#8211; wegen Garnichtfunktionierens sofort wieder zurückschicken musste (Nachlieferung nicht möglich, da ausverkauft). Das zweite, verhältnismäßig bescheidene, behielt ich bislang in mäßiger Ernüchterung, da auch dieses leicht fehlerhaft ist: Ein störendes totes Pixel verunziert das Display und der USB-Anschluss hat auf der Platine definitiv einen Wackler. Aber 200 EUR gelten heute wohl als nicht mehr genug, um wirklich passable Hardware zu erhalten.</p>
<p>Dabei sind die Ansätze ja ganz gut. Denn meine zweite Anschaffung, das Creative Ziio 7, hat ja theoretisch einiges zu bieten &#8211; und es bietet ja, von obigen individuellen Mängeln abgesehen, ja auch schon einiges &#8211; teils böte es sogar mehr als das teurere Apple-Pendant. Aber wirklich ausgereift war bislang noch kein Tablet, das mir untergekommen ist &#8211; nicht mal die von Apple. Oft sind es nur geringe Details, die einem die praktische Nutzung vergällen. Beispielsweise ein fehlender Schacht für die inzwischen zum Quasistandard gewordenen SD-Karten (die 7-Zoll-Variante des Ziio versteht sich immerhin auf Mini-SD), ein unzuverlässiger USB-Port (was wohl bei Android-Geräten nicht so selten vorkommt, wie man diversen Foren entnehmen kann). Oder schlicht der Mangel an passender Software &#8211; mit dem Ziio darf man nämlich nicht in den Android-Store und der Creative-eigene hat noch nicht wirklich viel zu bieten. Oder der Umstand, dass noch kein einziges Display irgendeines aktuellen Tablets im sonnigen Gartenpavillon wirklich ablesbar wäre. Abgesehen davon ist das Ziio 7 ein wirklich prächtiger MP3-Player, der sogar Videos abspielen und streamen kann. Viel mehr allerdings ohne Software und besseres Display aber nicht &#8211; trotz der sinnigen Stiftbedienung. Wieder einmal zerfloss der Traum vom Zeichentablet zum Skizzieren von Freilandszenen. (Vielleicht macht Amazons künftiges Tablet oder das von HTC da ja was besser, falls mal was größeres, wirklich freilandtaugliches kommt.)</p>
<p>Überhaupt kann ich nicht verstehen, welchen Reiz es ausmachen soll, sich seine Augen mit Videos auf Miniaturdisplays zu verderben im Zeitalter von 27-Zoll-Bildschirmen oder mit Software, die in ihrer Funktionalität sogar den PC-Versionen von Mitte der 90er Jahre deutlich nachsteht. Es mag zwar für manche lustig sein, mit Fettfingern auf kleinen düsteren Bildschirmchen herumzuwischen, aber mehrere hundert Euro dafür auszugeben, finde ich dafür absolut zuviel. Es soll durchaus sogar eine Menge Telefone geben, die alles Mögliche können &#8211; außer normale Telefongespräche. Was z. B. gegen einfache, klassische Hardware-Tasten spricht, die z. B. im Winter auch mit Handschuhen zu bedienen wären, ist mir noch nicht wirklich aufgegangen. Vielleicht lässt sich mit dieser praktischen, aber einfachen Funktion einfach nicht genug an Patenteinnahmen erzielen. Höchst ärgerlich ist auch der Wildwuchs an allen möglichen Adaptern und Zusatzgeräten, ohne welche die meisten der angepriesenen Fähigkeiten gar nicht nutzbar sind.</p>
<p>Was die Software angeht, scheint Apple zumindest hier wieder einmal die Nase vorn zu haben. Android, selbst in Version 2.2 und in Teilen gar 3.0.1 scheint noch nicht wirklich ausgereift, der Datenschutz wird von den meisten Internetfirmen offenbar ohnehin hinten angestellt gegenüber der Nutzerdatenverwertung. Mir persönlich ist Datenschutz aber wichtig. Ich mag es weiterhin nicht, wenn man mich mit einem Gerät permanent orten oder erreichen kann. Und nur, um überhaupt Zugang zu irgendwelchen Appstores zu bekommen, werde ich mir gewiss auch keine Handy-Karte zulegen. Mobiltelefone mag ich nicht. In der Lauchringer Breitbandwüste können mir &#8220;cloudbasierte Systeme&#8221;, die nur mit permanentem Internetzugang sinnig werden, gestohlen bleiben. Und selbst, wenn man Handys hegt und in einer Stadt mit Breitbandanschluss lebt, werden es nur wenige schätzen, ihre kostbare Zeit mit halbgaren oder abstürzenden Geräten und Apps totzuschlagen. (Nun ja, man sollte das zumindest meinen. Die Verkaufszahlen sagen da momentan etwas anderes.)</p>
<p>Gut, es gibt immerhin ein leichtes Qualitätsgefälle. Wiedereinmal scheint es, als wenn die Apple-Konkurrenz erst mit einer Version 3.1 massentauglich wird aufschließen können &#8211; nur dass der Konkurrent diesmal nicht Microsoft Windows, sondern Google Android heißt. Und mit dem Blick auf die Desktopversionen moderner PC-Plattformen &#8211; die inzwischen fast alle nahezu fehlerfrei und vergleichsweise benutzerfreundlich funktionieren &#8211; mag ich eigentlich nicht mehr zurück in die stressige Urzeit der Wackel-EDV. Genau dieses Bild bietet aber gerade noch die &#8220;schöne neue Welt&#8221; der Smartphones und Tablets, wo Fehler, Sparmaßnahmen und mangelnde Features wie damals in den 90ern dem Kunden als Features verkauft werden und teils wissend trojanische Pferdlein verteilt werden, die Hackern Tor und Tür zum eigenen Bankkonto öffnen.</p>
<p>Es wäre echt mal Zeit für eine bewusste Gegenbewegung. Ich finde, man muss sich ohnehin nicht allerorten mit unnützer Elektronik zudrahten, wenn man es nicht wirklich auch braucht bei der Arbeit &#8211; und das tun dann doch die wenigsten Möchtegern-Businesser, welche sich mit ihren hippen Smartphones und ach so trendigen Tablets oft nur wichtig machen. Abgesehen von der unbezahlbaren Lebenszeit, die einem als unfreiwilliger Betatester so verloren geht, werden mit dem habgaren Zeug auch noch millionenfach seltene Rohstoffe vergeudet, die nicht erst künftigen Generationen fehlen werden, sondern heute eigentlich schon Mangelware sind.</p>
<p>Aber irgendwie scheint dieser Generation in ihrem Technikwahn der Sinn für Zweckmäßigkeit bei Produkten verloren gegangen zu sein. Wer kauft heute schon ein Gerät, dass länger als die Mindestgarantiezeit hält und das man zur Not auch noch reparieren kann. Stattdessen rennt man jeder neuen Mode nach und fühlt sich auch noch gut dabei&#8230;</p>
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		<title>Prestige, Niederlagen, Ameisenaufstand und Krönung</title>
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		<pubDate>Sat, 14 May 2011 16:13:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Dühning</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geheimdienstberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Glossen und Kommentare]]></category>
		<category><![CDATA[NID Dossiers]]></category>
		<category><![CDATA[2011/2012]]></category>
		<category><![CDATA[KGT]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
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		<description><![CDATA[Viel tut sich am Klettgau-Gymnasium und &#8211; wie es längst zu erwarten war &#8211; es formiert sich Widerstand gegen all die gutgemeinten Aktionen, die liebe Lehrkräfte sich so vorgenommen hatten. Doch spüren den Widerstand nicht immer jene, welche ihn verursacht haben. Meistens trifft es andere&#8230; PRESTIGE galt viel &#8211; viel zuviel aus meiner persönlichen Sicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Viel tut sich am Klettgau-Gymnasium und &#8211; wie es längst zu erwarten war &#8211; es formiert sich Widerstand gegen all die gutgemeinten Aktionen, die liebe Lehrkräfte sich so vorgenommen hatten. Doch spüren den Widerstand nicht immer jene, welche ihn verursacht haben. Meistens trifft es andere&#8230;</p>
<p><span id="more-2208"></span><strong>PRESTIGE </strong>galt viel &#8211; viel zuviel aus meiner persönlichen Sicht und trotz spendabler Trophäen sind die nun allesamt gefährdet und nur mit missmutigem Geschiebe zu halten. Auch das war <a title="Nichts zu lachen am KGT" href="http://www.anastratin.de/2011/02/05/nicht-zu-lachen-am-kgt/">vorhersehbar</a>. Doch scheitern die Prestigeobjekte oft nicht nur an der fantasielosen Überlebenspragmatik manchen G8ers. Neben einigen aus meiner Sicht ungünstig terminierten Zusatzveranstaltungen geraten manch andere unverdient in Misskredit, weil es einige Lehrkräfte allzu sehr für nötig erachten, Kunst mit Gewalt und notfalls gegen jeden Widerstand durchzusetzen. Die <strong>freien Künste</strong>, besonders solche aber, die Gefühl erfordern, Lyrik zum Beispiel, vertragen das nicht und die gute Idee droht so &#8211; zum Schaden aller, die begabt und bereit wären &#8211; zur Pflichtveranstaltung zu verkommen, reinem Prestigeaktionismus (die Sache mit dem goldenen Kalb und so).</p>
<p>Ebenso schade, weil eigentlich mehr als unzeitgemäß ist der passive Widerstand gegen fairen Handel und Nachhaltigkeit am KGT bzw. die auffällig ausbleibende Unterstützung dafür. Man gewinnt den Eindruck, dass manchem Schüler und auch vielen Lehrern dreckige Energieformen und ungerecht erwirtschafteter Konsum genau heute wichtiger sind als die Sorge um die Umwelt und soziale Gerechtigkeit in der gemeinsamen Zukunft. Ins Zeug legen sich jedenfalls viel zu wenige und die wenigen Schüler werden dafür noch nicht einmal belohnt. Überhaupt tun manche Lehrer und nicht wenige Schüler alles, um sich gegenseitig in modische und allzu hinfällige 08/15-Schemen zu pressen. Nicht nur bei den Schülern, sondern auch bei den Lehrkräften ist das Niveau mancher Konversation inzwischen auf Barbie-und-Ken-Geplabber niedergegangen (&#8220;Ey, wo gehst du morgen shoppen, Darling?&#8221;). Schön, modisch, blöd und sonst lieber Klappe halten.</p>
<p>Nun gut, Leute, die aus Prinzip kritisch nachhaken müssen, z. B. alle, die im Entferntesten irgendetwas mit Moral am Hut haben, die hatten es immer schwer. Aber gerade heute müssten sie sich auch am KGT viel mehr aufrichtig empören. Erstens geht für grundlegendste Dinge das Geld aus, zweitens schwindet die Duldung von kritischen Anfragen in einem hübschen Kartenhaus, das derzeit unter allerlei Belastungen ächzt und krächzt und drittens scheinen keinerlei Kraft- und Zeit-Ressourcen für Experimente da zu sein, die mal wirklich ergebnisoffen und pädagogisch wären und nicht nur verkappt ein persönliches Steckenpferd von irgendjemand. Ohne solche aber kann auch der Fantasievollste nichts Neues schaffen. Denn nur Umwege erweitern die Ortskenntnis. Die noch gesunden Realisten dagegen lassen sich nicht als Lastgäule vor fremder Leute ratlose Traumkutschen spannen. Das Ergebnis ist in jedem Falle Stagnation. Allenfalls manövriert man sich so ins Abseits und für die gesamte Schulgemeinschaft ergibt das letztlich eine herbe <strong>NIEDERLAGE</strong>. Schule als lästiges Stress- und Schwundsystem mit entsprechenden Dissonanzen, die dann an anderer Stelle scheinbar plötzlich und unverhofft und aus heiterem Himmel hereinschneien (z. B. in Form über Lehrer erboster Eltern). Der indirekte Zusammenhang zwischen Aktionismus und stressbedingten Konflikten ist noch nicht jedem aufgegangen.</p>
<p>Manchem aber schon. Und nicht jeder lässt das mit sich machen. <strong>AMEISENAUFSTÄNDE </strong>in Form von Gemurre, Forengeläster gibt es immerhin und ansatzweise sogar basisdemokratische Unterschriftenaktionen, die aber, wie allerorten, nicht ursächlich, sondern anlässlich vorgehen, bloß einmal mehr KONTRA sind und letztlich nicht mehr als kollektiver Egoismus, der keine konstruktiven Vorschläge beinhaltet und somit nur niederreißt, statt Neues, Besseres aufbauen. Allerdings sehe ich auch auf Lehrerseite nicht sonderlich viel Bereitschaft zum Schließen vernünftiger Kompromisse. Schon werden Feindbilder geschmiedet und Allianzen, aber das ursprünglich Gute in manch einstmals guter Idee geht so verloren. Stattdessen bemüht man dann neuerdings die Produktivitätsfrage: &#8220;Was bringt das?&#8221; auf der einen oder &#8220;Was tust Du für das KGT?&#8221; auf der anderen Seite &#8211; und wer nicht jeweils für uns ist, der muss wohl des Teufels sein&#8230;</p>
<p>In so verteufelt zweckgebundenen Zeiten wundert es dann auch nicht, dass die komplette Stufe 10 KEINEN einzigen Kandidaten für einen Neigungskurs Religion aufbot (historischer Tiefststand, der wohl nicht mehr unterboten werden kann), nur einen einzigen für das Fach Ethik und &#8211; welch wahrhaft historische Niederlage &#8211; nur mehr sechs und damit zu wenig für den traditionellen Neigungskurs Geschichte am Klettgau-Gymnasium. Eigentlich, nachdem schon zuvor drei Großprojekte in Sachen Ethik/Religion in dieser Kursstufe gescheitert waren, wäre dies nun die richtige Zeit, das Weite zu suchen und groß ist auch meine persönliche Enttäuschung, da dies ja meine letzte Chance auf einen NK Reli war (und ich habe auch sonst nicht viel zu Lachen in meinem Leben im Moment).</p>
<p>Ironischerweise gewinnt man oft aber gerade durch Niederlagen &#8211; sodass wenig überraschend gerade in dieser Situation eine KRÖNUNG, oder vielleicht passender ausgedrückt, Salbung erfolgte meiner Wenigkeit zum Fachschaftsoberhaupt der ökumenischen Fachschaft Religion im Schuljahr 2011/2012. Zu gewinnen gibt es damit ja nichts, aber immerhin kann ich somit wenigstens besser verhindern, dass die Dinge, die mir wichtig erscheinen, ganz verloren gehen, bevor meine Zeit am KGT aus ist. So sieht dann auch das Regierungsprogramm meines einjährigen Mini-Pontifikates aus:</p>
<ul>
<li><strong>Fasten-Zeit</strong>: Weniger Aktionen sind oft mehr an Qualität (und übrigens auch mehr Zeit für Gott).</li>
<li><strong>Spiritualität im Kleinen</strong>: Kleine Bibelkreise, Meditationen und Gottesdienste helfen mehr als großes Tara mit viel Geschiebe.</li>
<li><strong>Alles Gute im Leben ist freiwillig:</strong> Man kann niemand zum Guten zwingen, aber es gibt immer einige Freiwillige. Und freiwillig Gutes wird umso besser!</li>
</ul>
<p>Gerade trotz der Niederlagen werde ich zum kommenden Schuljahr in einer ansonsten ethisch wohl eher desinteressierten Klassenstufe wieder meinen Seminarkurs Medienethik anbieten (Plan B). Denn wer keine gesellschaftswissenschaftlichen Neigungsfächer wählt, der braucht entsprechende Zusatzkurse umso nötiger. Vermutlich dürfte dieser daher auch zustande kommen.</p>
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