St. Martins verlorenes Erbe
Eine kleine Apologie für das Martini-Fest
In früheren Zeiten, als man den Dingen um uns selbst noch einen gewissen Sinn zutraute und sie deshalb immer mal wieder auch besinnlich hinterfragte, war man sich der Bedeutung von Zeit und Raum noch bewusst. Was wir heute negieren, dass Entfernung auch Verhinderung ist und verlorene Zeit etwas Unwiderbringliches – da, was verloren, niemals wiederkehrt – heute aber glauben, weder Zeit noch Raum könnten dem Fortschritt strotzen. Und doch verfallen wir bei jedem kleinen Schneechaos in Weltuntergangsängste, wenn uns die objektiv vorhandene Natur darauf hinweist, dass sie doch noch da ist. Oder wenn trotz aller moderner Technik wieder einmal der Tod aufblitzt im Alltag, meist in einer nicht hollywood-kompatiblen Form. In jener Zeit, als man sich dessen noch bewusst war, schuf man Bräuche, um Zeit und Raum Sinn zu geben.
Lämmlein, DU schweige!
Derzeit habe ich sehr oft das Gefühl im falschen Film zu sitzen, oder etwas treffender frei nach Michael Ende – auf einem Dampfer zu sein, der in die falsche Richtung fährt. Auf diesem kann man bei besten Willen nicht weit in die richtige Richtung gehen. Jedenfalls verstehe ich die Welt nicht mehr: Das kloppen die beiden machtvollen Stellvertreter der größten Wirtschaftsmächte auf den Premier des kleinen Griechenland ein dafür, dass er das aus demokratischer Sicht einzig Richtige wagte (wenn auch seinerseits mit politischen Hintergedanken): das griechische Volk selbst über seine Zukunft abstimmen lassen, mit allen Konsequenzen, welche die jeweilige Antwort mit sich bringt. Weiterlesen
Die schaurige Macht des Konsums
Dunkel ist’s. Kein Mond scheint. Nebel wehen über den Friedhof und auf den Straßen laufen satte deutsche Bürgerskinder und sammeln schaurig Süßigkeiten. Es ist wenige Jahre her, da gab es noch Opposition gegen Halloween. DAMALS, als das neugeschaffene Fest in einem wahrlich bis dato unerreichten Medienhype, vor allem von Seiten der privaten Fernsehsender, in deutsche Kinder- und Elternhirne getrichtert wurde, sehr begrüßt von der deutschen Süßigkeitenindustrie. DAMALS, denn wer hat heute noch den Nerv, nervtötende Nachbarskinder ohne selbige abzuweisen, wenn sie fröhlich klingeln, hier wie überall, inzwischen von Kindergärten und Grundschulen breitflächig pädagogisch flankiert, zu Halloweenfeiern und Süßigkeitensammelzügen aufbrechen.
Deja Vu der Abstürze
Die 90er Jahre – ungezählte Computerabstürze, Geräte, die von Anfang an vor Defekten strotzten und gewiss nicht das taten, wozu sie beworben wurden. Betriebssysteme, unfertig auf den Markt geworfen ohne Hoffnung auf echte Fehlerpatches und alle lechzten nach DEM Update, das Abhilfe schüfe, der nächsten Version, die besser sein würde und endlich die Erwartungen erfüllen. In der Zwischenzeit gewöhnte man sich an so manche Unmöglichkeit und vertat viele Stunden seines Lebens mit Elektronik, die GANZ BESTIMMT nicht das tat, was sie sollte. So fern diese Zeiten heute schon scheinen, so nahe sind sie uns doch wieder. Weiterlesen
Prestige, Niederlagen, Ameisenaufstand und Krönung
Viel tut sich am Klettgau-Gymnasium und – wie es längst zu erwarten war – es formiert sich Widerstand gegen all die gutgemeinten Aktionen, die liebe Lehrkräfte sich so vorgenommen hatten. Doch spüren den Widerstand nicht immer jene, welche ihn verursacht haben. Meistens trifft es andere…