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	<title>Niarts Anastratin &#187; Schreibwerkstatt</title>
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	<description>Anastratin - das Online-Kulturdings von www.niarts.de</description>
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		<title>Prophezeiung</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Sep 2010 08:36:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Dühning</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Schreibwerkstatt]]></category>

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		<description><![CDATA[Prophezeiung Von sieben Hügeln der Stadt ist Ruhe, Tiefen sind nicht ausgelotet aber sicher. Wer dich verführt, kann hören, wem die Stunde schlägt. Aus drei Ländern naht Unglück, eines bleibt verschont. Jetzt ist die Zeit des Heils. Der Anteil groß bemessen. Teile-mit-Vernunft. Bleibe zurück, wenn andere die gehen sehen wollen. Sonne im Herzen lässt Winter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Prophezeiung</h3>
<p>Von sieben Hügeln der Stadt ist Ruhe,<br />
Tiefen sind nicht ausgelotet aber sicher.<br />
Wer dich verführt, kann hören, wem die<br />
Stunde schlägt.</p>
<p>Aus drei Ländern naht Unglück,<br />
eines bleibt verschont.</p>
<p>Jetzt ist die Zeit des Heils.<br />
Der Anteil groß bemessen.<br />
Teile-mit-Vernunft.</p>
<p>Bleibe zurück, wenn andere die<br />
gehen sehen wollen.<br />
Sonne im Herzen lässt Winter blühen<br />
Neue Hoffnung, neues Land.<br />
Grünem die Sonne entspringt: EIN Sommer.<br />
Nutze den Tag und die Stunde,<br />
die der Schmetterling zeigt.<br />
Drei Farben über drei Bögen,<br />
Schleier fallen zu zweit.<br />
Königin der Nacht &#8211; Rückblick und<br />
Gewinn.</p>
<p>Sorge beizeiten, verweile im Wachsen<br />
Schenke dich, so bleibst du<br />
beschenkt.</p>
<p>*</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Lyrik zur Maidämmerung</title>
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		<pubDate>Sun, 30 May 2010 23:18:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Dühning</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Frühling]]></category>
		<category><![CDATA[Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Melancholie]]></category>

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		<description><![CDATA[Zwischen zwei Regenfronten zwitscherten ein paar mutige Sonnenstrahlen. Das war&#8217;s wohl vom sonnigen Mai. Lange währte es nicht, drum blieb auch die gute Laune nur ein Zwischenspiel, eines aber, dass zumindest ein paar Worte entkommen ließ zwischen den Schweigefluten. Drei kleine Gedichte sind dem entsprungen, zwei bessere und ein schlichteres: Das Nichts Das Nichts ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zwischen zwei Regenfronten zwitscherten ein paar mutige Sonnenstrahlen. Das war&#8217;s wohl vom sonnigen Mai. Lange währte es nicht, drum blieb auch die gute Laune nur ein Zwischenspiel, eines aber, dass zumindest ein paar Worte entkommen ließ zwischen den Schweigefluten. Drei kleine Gedichte sind dem entsprungen, zwei bessere und ein schlichteres:</p>
<p><span id="more-1509"></span></p>
<h3>Das Nichts</h3>
<p>Das Nichts ist wie die große weiße Wand,<br />
Die plötzlich unerkannt dir steht vor Augen,<br />
Erst glaubst du, dass die Blicke nichts mehr taugen,<br />
Dann blinzelst du verstört, in dich gebannt.</p>
<p>In weißer Schrift auf weißem Grund gefasst,<br />
Sind Worte blutger Wahrheit eingeschrieben:<br />
&#8220;So sinnlos!&#8221;, &#8220;Tod!&#8221; und &#8220;Nichts mehr ist geblieben!&#8221;,<br />
&#8220;Dein Untergang!&#8221;, &#8220;Du wirst nur noch gehasst!&#8221;.</p>
<p>Der Zeiger dreht sich wild, ein dürrer Stab,<br />
Ganz schwarz und falbe zieht dir dunkle Runden,<br />
Und faltet deiner nassen Lider Fahnen.</p>
<p>Bis du begriffen hast, dass nichts ist, fließen Stunden,<br />
Der Mond am Himmel zieht still seiner Bahnen<br />
Und toter Geister Schatten fallen ab.</p>
<p>* * *</p>
<h3>Dein Frühling</h3>
<p>Als mir dein Frühling in die Augen sprang,<br />
Da war der Sommer schon und du verloren,<br />
Ich übte Selbstkritik und war verschworen<br />
In Skupeln, haderte und wankte lang.</p>
<p>Doch warst du Herz auch nicht, das zu mir drang,<br />
Und schienst zum Sinnen sonders nicht erkoren.<br />
So blieb nichts, wurde Liebe nicht geboren,<br />
Weil wir so fremd einander und so bang.</p>
<p>Ich hab mich still gefragt: Was wär gewesen<br />
Mit uns: mit dir und mir, im andern Falle,<br />
Wenn wir vereinigt zweisam uns in Sinnlichkeit?</p>
<p>Doch gegen Hypothesen spricht die Zeit:<br />
Nicht bunte Fantasie, nicht kluge Thesen,<br />
Es hilft ja alles nichts: Die Zeit ist alle!</p>
<p>* * *</p>
<h3>Dämmerung</h3>
<p>Das goldne Land, das uns die Zukunft war<br />
Liegt brach, und wie von Silber ziehen hin<br />
Schon dunkle Wolken, türmen wild sich auf<br />
Und wenn wir&#8217;s schauen, fürchten wir uns still.</p>
<p>Es ist kein Sinn gereimt in dieser Welt<br />
Und nichts das bleibt, wenn die Gefühle wehn<br />
Ins andre Land, wohin die Schatten ziehn<br />
Und die Gedanken, wenn die Sonne sinkt.</p>
<p>Doch noch ist Tag, und Glitzer hängt im Netz<br />
Der kleinen Spinne, die noch fleißig webt<br />
Und mancher Falter flügelt durch die laue Luft<br />
Und manchmal, wenn die Amsel nach uns ruft,<br />
Dann ahnen wir, dass drüber etwas schwebt,<br />
Was mehr als Gegenwart und unser Denken ist.</p>
<p>* * *</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Das Buch der verpassten Gelegenheiten</title>
		<link>http://www.anastratin.de/2010/05/28/das-buch-der-verpassten-gelegenheiten/</link>
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		<pubDate>Fri, 28 May 2010 14:11:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Dühning</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schreibwerkstatt]]></category>

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		<description><![CDATA[Es war kurz nach Pfingsten und D. hatte beschlossen, den kurzen Freiraum, der sich dadurch erbot, für einige längst hinfällige Recherchen zu verwenden. Insbesondere hatte er sich vorgenommen, einige Lücken in seiner Erinnerung durch Literatur zu ergänzen. Weil es aber in der Provinz, in welcher er arbeitete und in seltenen Nächten auch schlief, keinerlei Buchbestände [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es war kurz nach Pfingsten und D. hatte beschlossen, den kurzen Freiraum, der sich dadurch erbot, für einige längst hinfällige Recherchen zu verwenden. Insbesondere hatte er sich vorgenommen, einige Lücken in seiner Erinnerung durch Literatur zu ergänzen. Weil es aber in der Provinz, in welcher er arbeitete und in seltenen Nächten auch schlief, keinerlei Buchbestände von Relevanz gab, weswegen er sich selbst eine durchaus umfangreiche Sammlung verschiedenster fiktionaler Werke, zwischenzeitlich etwas mehr als 3000, zugelegt hatte, die nun allerdings seine Wohnung dermaßen vereinnahmten, dass sie die Regale bedrohlich bogen und ihm selbst manchmal ganz bedenklich wurde ob ihrer Anzahl, musste er weiter ausgreifen.</p>
<p><span id="more-1496"></span></p>
<p>Das passende Buch, da war sich D. gewiss, fand sich nicht darunter, schon, da es längst vergriffen und nirgends mehr zu erwerben war, außer in wenigen Exemplaren, die sich aber nur in ausgesuchten Bibliotheken fanden.</p>
<p>So sah sich D. also genötigt, sich in die etwas schwieriger zu erreichende Provinzhauptstadt zu begeben, wo es, wie er sich zu erinnern glaubte, eine größere Bibliothek gab, die diesen Namen auch verdiente. Der Weg dorthin war, wie er wusste, beschwerlich, man konnte sich in der Stadt mit ihren vielen engen Winkelgassen leicht verirren und auch das Bibliotheksgebäude selbst war nicht ganz ohne Tücken. Es gab mehrere Stockwerke, in denen die Bücher nach nicht immer ganz nachvollziehbaren Kriterien verteilt waren und auch die Bibliotheksaufsichten steckten voller Heimtücke, teils sogar Bosheit. So war es ihm früher, in besseren Zeiten, einmal passiert, dass man ihn schroff vor die Türe gewiesen hatte, weil er sich grundlos geweigert hatte, der Bibliothekarin in der Philosophieabteilung ein Schaf zu malen. Ein anderes mal hatte man ihm &#8211; ganz unvermittelt &#8211; wiederum vorgeworfen, dass er ein Zimmermaler sei und außerdem verspätet. Meist ermahnte man ihn aber nur, wenn er vorsichtig auf einem Titel insistierte, dass er letztlich doch selber schuld sei. Am besten war er bislang in der Abteilung für Theologie und Religionswissenschaft gefahren, wo der sehr alte, weiße Bibliothekar in einem Anfall von Güte einmal zu ihm meinte, es bestehe für ihn noch eine letzte Hoffnung. Doch lag das lange Jahre zurück und es war äußerst zweifelhaft, ob der liebe alte Mann noch lebte oder nicht schon längst irgendwo im Land der Schatten dahinstaubte. Überhaupt änderte die Zeit ja so manches, was nach D.s Meinung auch das einzige war, was doch so ziemlich sicher blieb.</p>
<p>D. war deswegen auch keineswegs verwundert, als er an einem schönen Freitagmittag, nach einer langen, abenteuerlichen Reise und aufgrund versäumter Anschlussbummelzüge deutlich später als gedacht vor einer verschlossenen Pforte stand und hierauf lesen musste, dass die Bibliothek wegen eines Großumbaus bis auf weiteres geschlossen sei. Wie zum Beweis dafür tauschten einige Handarbeiter im ersten Stock auch betont umständlich einige Fensterrahmen aus, bewegten sich großspurig, murmelten manch unverständliche Worte und taten so, als würden sie D. nicht beachten. In kleiner und schlecht lesbarer Schrift entdeckte D. daneben auf einem deutlich heruntergekommenen Schild den Vermerk, dass eine &#8211; angeblich repräsentative &#8211; Auswahl der Werke der Bibliothek für dringende Fälle in einem Ersatzgebäude, in einem Mietshaus in der Vorstadt verwahrt würde. D. seufzte schwer, machte sich aber dennoch unverzüglich auf den Weg. Doch schon kurz hinter dem alten Bibliotheksgebäude, auf Höhe des Stadttheaters, in welchem, wie die Plakate auswiesen, gerade wieder eine hektische Schmierenkomödie auf dem Programm stand, kamen ihm Zweifel. All dies erschien ihm doch recht ärgerlich, zudem wenig Hoffnung bestand, dass der Titel, welchen sich D. zur Lektüre zu entleihen gedachte, unter die repräsentativen gezählt würde.</p>
<p>Das Buch, welches D. suchte, war ein besonderes. Er hatte es einmal in Händen einer hübschen jungen Studentin mit langen, silberweißen Locken gesehen, sich allerdings kaum getraut, die junge Frau anzusprechen. Immerhin hatte er in Erfahrung bringen können, dass ihr Name Ann-Kathrin war, sie einen sinnlichen Mund besaß und ihre Augen die Farbe frischer Kastanien hatten. Sie hatte einen engen, figurbetonten roten Angorapullover getragen, demgegenüber sein ewig verblassender eigener Dufflecoat schlaff und seine Oliver-Twist-Mütze düster abgefallen waren. Statt sie auf das Buch anzusprechen, hatte er sie damals nur scheu anlächeln können, sie kurz und schüchtern angesprochen und war dann reichlich verwirrt doch weiter in die Gänge zwischen den Regalen geirrt. Eine Woche später hatte er sie noch einmal in der Cafeteria angetroffen, war aber schon nicht mehr in der Lage gewesen, sich ordnungsgemäß zu artikulieren, während sie, sich seiner Unfähigkeit heiter bewusst, ihren zwei beistehenden Kommilitoninnen etwas zu Gehör flüsterte, worauf alle drei leise zu kichern begannen. Das Buch hatte sie dabei lasziv über ihr Knie gehalten, so als fände sie das Ganze äußerst unwesentlich, was D. unbewusst tief gekränkt hatte. Später war ihr D. deswegen aus dem Weg gegangen und fand in diversen Examina die gesuchte Ablenkung. Es ärgerte ihn schließlich aber doch noch lange Jahre. Ja, er fragte sogar viel später noch, als er längst eine Lehrerstelle angenommen hatte, einen Freund, der dann und wann in der Cafeteria zugegen war, nach dem Verbleib des Buches. Doch als sein Freund selbst sein Studium abgeschlossen hatte, verlor sich die Sache.</p>
<p>Leider konnte sich D. zwar durchaus noch an die Schmach, nicht aber mehr an den Titel des Buches erinnern, was das Auffinden desselben zweifellos stark erschwerte. Auch auf eine latente Ortkenntnis konnte sich D. nun nicht mehr verlassen, weil man ihm durch den Umbau schlichtweg das Gebäude und somit den Weg in die Vergangenheit verbaut hatte. Hinzu kam D.s deutliche Abneigung gegen heruntergekommene Vorstädte, in denen seiner Meinung nach hauptsächlich einsame alte, verwahrloste Leute lebten. So blieb D. also, zwischenzeitlich deutlich erbost, auf der Höhe der Straßenbahn stehen und blickte verloren in Richtung der städtischen Kathedralkirche. Freunde hatte er inzwischen keine mehr in dieser Stadt, die wenigen, die er hier noch verorten würde, würde er wohl nicht mehr kennen und ihm schwand jegliche Hoffnung somit hin, in angemessener Zeit des Buches noch habhaft zu werden. Ein Gefühl tiefer Verbitterung über die verpasste Gelegenheit stieg seine Kehle hoch. So setzte er sich in ein Eiscafé in unmittelbarer Nähe des Theaters und bestellte sich einen großen Becher Eisschokolade, welchen er &#8211; allerdings zu einem deutlich überhöhten Preis &#8211; schließlich auch erhielt.</p>
<p>Während D. die Schokolade in sich zergehen ließ, kühlte er wieder deutlich ab, sah den Abendwolken zu, wie sie ebenfalls zerflossen, spürte den wohlbekannten, kalten Talwind durch die Gassen ziehen und schlenderte allein zurück zum Bahnhof, wo ihn ein verspäteter Zug Richtung Süden wieder zurück in seine kleine Provinz brachte.</p>
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		<title>Gyptische Kriolinblümchen!</title>
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		<pubDate>Thu, 06 May 2010 16:29:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Dühning</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schreibwerkstatt]]></category>
		<category><![CDATA[Eyjafjallajökull]]></category>
		<category><![CDATA[Gyptien]]></category>
		<category><![CDATA[kaputt]]></category>
		<category><![CDATA[Katla]]></category>
		<category><![CDATA[Kriolinblumen]]></category>
		<category><![CDATA[Vulkan]]></category>

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		<description><![CDATA[Alles war gut, bis ich auf die Idee kam, diese gyptischen Kriolinblümchen auf den Balkon zu pflanzen. Dabei hätte ich es mir doch denken können müssen: Gyptische Kriolinblümchen! Und dann noch auf dem Balkon! Das konnte ja nicht gut gehen. Und seither klappte auch nichts mehr. Das erste, was nicht mehr funktioniert hat, war der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Alles war gut, bis ich auf die Idee kam, diese gyptischen Kriolinblümchen auf den Balkon zu pflanzen. Dabei hätte ich es mir doch denken können müssen: Gyptische Kriolinblümchen! Und dann noch auf dem Balkon! Das konnte ja nicht gut gehen. Und seither klappte auch nichts mehr.<br />
<span id="more-1449"></span><br />
Das erste, was nicht mehr funktioniert hat, war der Radioempfang. Erst glaubte ich noch, es läge an einem neuerlichen Ausbruch des Eyjafjallajökull, von diesem isländischen Vulkan mit dem schwer zu buchstabierenden, aber gänzlich unmöglich auszusprechenden Namen, der alles stört, insbesondere aber den Fluglärm. Warum also nicht auch die Radiowellen? Als aber auch die Mikrowelle nicht mehr tat und das Dampfbügeleisen und die Kaffeemaschine und schließlich auch meine drei Taschenrechner und die Wetterstation, da war klar: An dem kleinen Vulkan konnte dies nicht alles liegen &#8211; und Katla war ja damals noch nicht ausgebrochen.</p>
<p>Dann vermutete ich, es liegt vielleicht daran, dass Donnerstag war. Donnerstag ist immer schlecht, irgendwie konnte ich ihn noch nie so richtig leiden, seit ich kein Kind mehr bin. Donnerstage neigen dazu, länger zu dauern, als einem lieb ist. Unangenehme Besucher kündigen sich immer an einem Donnerstag an und außerdem sind auch die meisten Konferenzen an einem Donnerstag. Und als ob das schon nicht schlimm genug wäre, kommt nach Donnerstag in der Regel dann noch Freitag. Aber auch das nutzte nichts, denn auch nach dem Freitag blieben einige Dinge einfach so kaputt.</p>
<p>Auf die Blümchen kam ich erst später, als mich Fräulein L., eine alte Bekannte, beim allmontaglichen Nichtgeburtstagstee einmal darauf ansprach. Dabei war doch alles so klar: Eines passte zum anderen und jedes kleine Kind weiß doch eindeutig, dass gyptische Kriolinblumen überall auf der Welt teils heimtückisch unerkannt, teils aber auch geplant und völlig zurecht technische Defekte verursachen können. Gyptische Kriolinen &#8211; das ist in manchen Gegenden der Welt geradezu ein Synonym für technische Defekte. Gyptische Kriolinen &#8211; hol den Elektriker! Das wissen alle, besonders vermutlich die Gyptier.</p>
<p>Woher gyptische Kriolinen eigentlich genau kommen und wer sie als erster in der Literatur erwähnte, weiß ich nicht. Auch die allwissende Wikipedia schweigt sich darüber aus. Aber es wird halt wieder so ein Römer gewesen sein, der sie entdeckte, ein selbsternannter Naturhistoriker. Vielleicht Strabon, womöglich aber sogar Plinius. Und herkommen tun sie wahrscheinlich aus Gyptien, darauf deutet ja der Name schon hin. Aber allzu häufig werden sie hierzulande immer noch nicht gepflanzt. Immerhin sind gyptische Kriolinen aber auch sehr anspruchsvolle Pflanzen, die viele gesunde Schwermetalle brauchen, um so richtig aufzublühen. Besonders gerne wachsen sie bei Atomkraftwerken oder irgendwie in der Nähe von Sondermülldeponien.</p>
<p>Geradezu harmlos wuchern sie im Blumentopf, fast wie Gänseblümchen, nur bunter und etwas fülliger. Genau genommen sehen die Blüten aber auch ziemlich anders aus: Gewölbt und eckiger, ein wenig mehr in die Länge gezogen und bei Regen verfärben sie sich. Am schönsten sehen sie aus, wenn der Himmel blau ist, oder nachts, kurz bevor es schneit. Überhaupt, das mag am Klimawandel liegen, sind gyptische Kriolinblumen wie auch die meisten anderen Blütengewächse genau dann am schönsten, wenn es mit ihnen fast vorbei ist &#8211; das ist so wie mit dem Winter oder mit den Schulferien oder mit Weihnachten. Im Frühling dagegen dauert es erst mal recht lange, bis diese Blumen zum Vorschein kommen. Viele Pflänzchen schaffen es gar nicht soweit, obwohl die Schnecken sie aus unerfindlichen Gründen gar nicht so mögen.</p>
<p>Wie ich auf die Idee kam, gyptische Kriolinblumen auf den Balkon zu pflanzen, genau auf MEINEN Balkon, weiß ich heute gar nicht mehr so richtig. Aber sie blühen so schön, sagte man mir. Und mein Balkon blüht sonst so gar nicht. Und sie seien gut gegen Elektrosmog. Klar, sind sie ja auch, aber auch gut gegen jede andere Technik. Bis heute ist Gyptien, das mutmaßliche Heimatland der Kriolinblumen, daher so rückständig, dass man selbst bei Google darüber nicht wirklich fündig wird. Böse Leute meinen, es läge aber auch an den Ureinwohnern. Technikfeindlichkeit und so&#8230;</p>
<p>Aber nachdem ich erlebt habe, was ein kleiner Topf mit diesen Blümchen alles so anstellen kann, bin ich da anderer Ansicht. Wer weiß, wo diese Blumen sonst noch ihr Unwesen treiben und was alles so auf ihre Rechnung geht&#8230;<br />
* * *</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Drei Sonette zum Abschied</title>
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		<pubDate>Mon, 03 May 2010 17:37:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Dühning</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Frühling]]></category>
		<category><![CDATA[Gedichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Bevor ich wieder in das Reich der falben Buchstabendämmerung entgleite und für die nächste Zeit weder ansprechbar, noch allenfalls vorhanden sein werde, in einer kurzen, deprimierten Pause, habe ich ein paar Gedichtlein ersonnen, die niemand braucht, die aber vielleicht auch niemandem schaden &#8211; und wenn doch, dann wohlverdient. Maienfrost Der süße Frühling ist uns jäh [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bevor ich wieder in das Reich der falben Buchstabendämmerung entgleite und für die nächste Zeit weder ansprechbar, noch allenfalls vorhanden sein werde, in einer kurzen, deprimierten Pause, habe ich ein paar Gedichtlein ersonnen, die niemand braucht, die aber vielleicht auch niemandem schaden &#8211; und wenn doch, dann wohlverdient.<br />
<span id="more-1442"></span></p>
<h3 style="padding-left: 30px;">Maienfrost</h3>
<p style="padding-left: 30px;">Der süße Frühling ist uns jäh geknickt,<br />
Im Land des Lächelns strömen blutig Flüsse,<br />
Von Sünde künden einstmals heilge Küsse,<br />
Und Aschewolken hat der Herr geschickt.</p>
<p style="padding-left: 30px;">Wo sind die Dinge, die uns einst beglückt?<br />
Wo sind die Träume, die mit Blütensüße<br />
Gekühlt das Haupt, das Herz und auch die Füße?<br />
Wo ist der Trost, wenn Kummer uns bedrückt?</p>
<p style="padding-left: 30px;">Wir haben unsren Sinn längst weggeklagt,<br />
Da ruft nicht Nachtigall und nicht die Lerche,<br />
Wenn Nacht ist und die Welt in tiefem Frost.</p>
<p style="padding-left: 30px;">Da sind nur Krähen noch, die man nicht jagt,<br />
Und Spatzen, die verzettert zynisch zwitschern,<br />
ganz farblos, falb und bitter tief erbost.</p>
<p style="padding-left: 30px;">* * *</p>
<h3 style="padding-left: 30px;">Phaeton</h3>
<p style="padding-left: 30px;">Der Stolz durchzieht das Land ja heiter weiter,<br />
Aus Nasen, Mündern, Augen, Ohren, Poren,<br />
Quilt es verdächtig mächtig selbsterkoren<br />
Und selbstgeliebt: Was macht uns heiter!</p>
<p style="padding-left: 30px;">Längst bauten wir zum Himmel eine Leiter<br />
Aus Fortschritt, Wissen, Macht: ein hoher Thron,<br />
Versteckten Nehmens, unsre Tradition:<br />
Wir machen selbst uns liebend gerne breiter</p>
<p style="padding-left: 30px;">Und halten klüger uns als Polyphem<br />
Und stärken Ikaros die jungen Flügel<br />
Und steigen mit ihm heilig hoch hinan;</p>
<p style="padding-left: 30px;">Dem Phaeton gleichend, kühn und zielbewusst<br />
Am Steuer jubelnd, lenken wir den Plan<br />
Und ziehen zügellos die goldne Bahn.</p>
<p style="padding-left: 30px;">* * *</p>
<h3 style="padding-left: 30px;">Abendbitte</h3>
<p style="padding-left: 30px;">Bevor ich wieder in das Reich der Träume<br />
Entgleite, wo die guten Engel blieben<br />
Und süße Wesen noch die Sterne lieben,<br />
Wenn längst entlaubt am Wege stehn die Bäume,</p>
<p style="padding-left: 30px;">Lass mich noch einmal deinen Segen spüren<br />
Den du uns vor dem Abschied hast versprochen<br />
Und segne meine Stunden, Tage, Wochen,<br />
Lass meine Wege nicht ins Dunkel führen.</p>
<p style="padding-left: 30px;">Denn dunkel stehn Gewitter oft am Himmel,<br />
Der grüne Halm, die klitzekleine Blüte,<br />
Entblösst und sinkt im kalten Hagelschauer.</p>
<p style="padding-left: 30px;">Der andern Würmlein zahlloses Gewimmel<br />
Um Glück und Geld und and&#8217;res &#8211; ach, behüte!<br />
Wie überwände ich allein die schwarze Mauer?</p>
<p style="padding-left: 30px;">* * *</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Der Brieffreund</title>
		<link>http://www.anastratin.de/2010/03/27/der-brieffreund/</link>
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		<pubDate>Sat, 27 Mar 2010 03:33:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Dühning</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schreibwerkstatt]]></category>
		<category><![CDATA[Atheismus]]></category>
		<category><![CDATA[Brieffreund]]></category>

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		<description><![CDATA[D. hatte einen Freund, der sehr weit wegwohnte und von sich in Anspruch nahm, noch sehr viel mehr als D. zu arbeiten und auch sehr viel wichtigere Dinge. Deshalb fand er nur noch sehr selten den Weg zurück in die Provinz und D. schrieb ihm daher dann und wann allerlei schriftliche Benachrichtigungen, um ihn auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>D. hatte einen Freund, der sehr weit wegwohnte und von sich in Anspruch nahm, noch sehr viel mehr als D. zu arbeiten und auch sehr viel wichtigere Dinge. Deshalb fand er nur noch sehr selten den Weg zurück in die Provinz und D. schrieb ihm daher dann und wann allerlei schriftliche Benachrichtigungen, um ihn auf dem Laufenden und die Freundschaft am Leben zu erhalten. Wie es aber so war im Leben, so war D.s Freund alles andere als gesprächig und schrieb ihm nie zurück, beantwortete nicht einmal eine Zeile von D.s Korrespondenz.</p>
<p><span id="more-1392"></span></p>
<p>Dies verärgerte D. außerordentlich, denn der ausgesprochen unkommunikative Missstand kränkte ihn sehr in seinem Gefühl für Verhältnismäßigkeit, Harmonie und Gerechtigkeit. Da er sich aber nicht an dem Freund rächen konnte, indem er dessen Korrespondenz gleichermaßen unbeantwortet ließ &#8211; denn der Freund schrieb ja niemals, beschloss D. aus Rache, die Kommunikation seinerseits abzubrechen, indem er zwar weiter getreulich Briefe an den Freund schrieb, aber keinen einzigen davon abschickte.</p>
<p>Auf diese doch sehr geschickte, weil vom Freund unvorhergesehene Weise milderte sich etwas der Zorn und die allgemeine Gerechtigkeit war für D. wiederhergestellt. Der Freund aber blieb stumm und ahnte nicht, welches Unglück ihn inzwischen getroffen hatte, zumindest, falls er zwischenzeitlich nicht ohnehin schon gestorben war, denn letztlich hörte D. nie wieder etwas von ihm.</p>
<p>Eines Tages allerdings beschloss D., einen weiteren Brief an den Freund aufzusetzen in einer dringenden Angelegenheit, die ihm schon sehr lange auf dem Herzen lag. D. war nämlich der erschreckende Gedanke gekommen, dass der Freund vielleicht inzwischen klammheimlich zu den militanten Oxford-Atheisten übergelaufen sein könnte. Diese besonders heimtückische Art von Fundamentalisten hatte sich vor einiger Zeit auf den britischen Inseln zusammengerottet, nachts auf den Kontinent übergesetzt und zuletzt die Hauptstadt Preußens für sich eingenommen, wie D. aus gut unterrichteter Quelle erfahren hatte. Von dort aus betrieben sie allerlei heimtückische Machenschaften, um auch im Rest des Landes möglichst friedliebende Menschen zu malträtieren, die noch an irgendetwas glauben wollten. Zwar hatten sie damit keinen größeren Erfolg, da die meisten Bewohner Preußens ohnehin ganz andere Sorgen hatten und sich gar nicht für eine letztlich so belanglose Sache interessieren wollten.</p>
<p>Der Gedanke jedoch, dass sogar sein Freund klammheimlich dieser verschwörerischen Organisation beigetreten war, schlug D., wie das unfrühlingshafte Wetter, aber dermaßen auf das Gemüt, dass er allen seinen Mut nochmals zusammennahm und folgende mahnende Worte aufsetzte:</p>
<p style="padding-left: 60px;"><em>&#8220;Lieber E.,<br />
es gibt Dinge, die gibt es nicht, aber es gibt auch Dinge, die sollte es nicht geben.</em></p>
<p style="padding-left: 60px;"><em>Geben und Nehmen sind allerdings ebensowenig das gleiche wie dasselbe. Denn es gibt sicher auch Dinge, die man nehmen darf, solche aber auch, die man nicht nehmen soll. Ich nehme an, du weißt, was ich meine. Insofern nehme ich mir nach längerer Zeit nun heraus, einige mahnende Worte an dich abzugeben, welche du hiermit aber bereits schon teilweise gelesen hast. </em></p>
<p style="padding-left: 60px;"><em>Wäre es nämlich nicht so, wie es ist, dann müssten wir davon ausgehen, dass es anders wäre, aber keineswegs, dass es deshalb auch so sein sollte. Genau dies, der sogenannte naturalistische Fehlschluss, ist ein weitverbreiteter Irrtum, insbesondere bei solchen Leuten, die meinen, Irrtümer seien eine leichtgläubige Angelegenheit, Wissenden das Irren aber unmöglich. </em></p>
<p style="padding-left: 60px;"><em>Wir wissen jedoch alle, dass auch das Wissen letztlich ein Glauben ist und der Irrtum geradezu vom Wissen lebt &#8211; auch Irrtum ist Wissen &#8211; nämlich ein falsches! Falsch ist allerdings recht viel in der Welt und noch schlimmer als alles das ist die menschliche Falschheit. Falschheit ist ein innerer Zustand, der durch vieles Wissen nicht überwunden, sonders teilweise sogar noch verschlimmert wird.&#8221;</em></p>
<p>Hier stockte D., denn es wurde ihm bewusst, dass er dabei war, gegen das Allgemeinwissen anzuschreiben, was aber doch gar nicht seine Absicht war. Im Gegenteil, er war sogar überzeugt davon, dass Wissen der Grundstock einer jeden Bildung sei, eine notwendige Basis für fast alles. Das war ja auch sein Beruf. Eigentlich konnte man auch nie zuviel wissen. Also überlegte er &#8211; was war das Problem des Wissens? Eigentlich, so schloss er, lag das Problem nicht beim Wissen selbst, sondern bei der Falschheit. Was aber die Falschheit ausmachte, das war schwer in Begriffe zu bekommen. Freilich hätte er von tugendhafter Gesinnung schreiben können oder moralischem Anstand. Er hätte dabei das gesamte philosophische Wissen des Abendlandes, und falls notwendig, auch noch des Morgenlandes aufführen können.</p>
<p>Was aber, wenn das Gegenüber bereits so kompromitiert war, dass jegliche Geisteswissenschaft, Tugend wie Moral gleichermaßen als Täuschung oder als unbiologistische Altlast abgetan wurde? Unzweifelhaft war D. klar, dass das Wissen an sich unschuldig war, nur seine Verwendung durch verengte, methodisch vereinseitigende Ansichten verquer. Das Wissen im erweiterten Sinne jedoch, das Bemühen um die Wahrheit, war letztlich mit Aufklärung gleichbedeutend.</p>
<p>Also schrieb er weiter:</p>
<p style="padding-left: 60px;"><em>&#8220;Verwende das Wissen nicht falsch oder einseitig. Sei aufgeklärt!&#8221;</em></p>
<p>Hier fand D. aber, dass er dem Freunde gegenüber vielleicht doch etwas zu direkt geworden sei. Womöglich könnte der Adressat davon allzu betroffen worden sein oder das Ganze vielleicht falsch verstehen. Vielleicht wollte er aber auch gar nicht aufgeklärt sein? Zu massive Forderungen könnten ihn vielleicht auch gerade zu einer Trotzreaktion oder ganz in die falsche Richtung treiben, zumal Wahrheit als Kampfbegriff ja immer schon von allen Seiten vereinnahmt wurde. D. korrigierte also seine Aussage etwas durch sinnige Verwendung von Konjunktiv, Frageformen und einigen modalen Zusätzen:</p>
<p style="padding-left: 60px;"><em>&#8220;Wissen, dieses wertvolle Gut, wäre es nicht vielleicht kostbar genug, damit wir es für alle gleichermaßen zugänglich und verteilbar machen sollten? Dies freilich wäre schwerlich möglich, wenn es verengt getragen würde oder gar unversehens zerstört. Findest du nicht auch? Lass uns die Sache aufklären und die Welt gemeinsam verbessern!&#8221;</em></p>
<p>Hier allerdings stockte D. von Neuem &#8211; was, wenn seine Absicht auch noch an dieser Stelle falsch verstanden würde? Womöglich würde sein Gegenüber ihn nunmehr auch noch als Verbündeten sehen im sinnlosen Kampf gegen die Wahrheit und den Seelenfrieden der Menschen in Preußen. Vielleicht war es, unter diesen äußerst ungünstigen Umständen, auch das Beste, nunmehr einfach alle Karten auf den Tisch zu legen und dem Freund die Konsequenzen seines egoistischen Handelns bewusst zu machen:</p>
<p style="padding-left: 60px;"><em>&#8220;E., wir waren lange Jahre befreundet. Doch nun musst du dich entscheiden &#8211; Freunde können wir nur bleiben, wenn Frieden und Leben in Wahrheit weiter möglich bleiben. Es geht nicht anders! Entscheide dich nun, ich erwarte deine Antwort!</em></p>
<p style="padding-left: 60px;"><em>Hoffnungsvoll, Dein alter Freund D.&#8221;</em></p>
<p>Zwar fand D. diesen Brief sprachlich und formal und auch von der Komposition her nicht besonders geglückt, doch auch nach einigen weiteren Stunden des Nachgrübelns brachte er keine sinnigeren Formulierungen zu Stande. Also beließ er es dabei, steckte das Schreiben sorgfältig in einen Umschlag, versiegelte und adressierte ihn.</p>
<p>Die zuletzt eingeforderte Antwort vom Freund erhielt D. später allerdings nie, es gab nie irgendeine Reaktion.</p>
<p>Man sollte der Fairness halber jedoch noch erwähnen, dass auch der Freund den Brief nie erhalten hatte, da dieser, wie schon alle vorigen, von D. aus Gründen der ausgleichenden Gerechtigkeit nicht abgeschickt wurde.</p>
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		<title>Frühlingsgefühle III</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Mar 2010 14:20:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Dühning</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schreibwerkstatt]]></category>
		<category><![CDATA[Frühling]]></category>
		<category><![CDATA[Imagination]]></category>
		<category><![CDATA[Narr]]></category>

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		<description><![CDATA[Es war zunächst Sabbat, spät nachmittags schon, der Tag vor dem Palmsonntag und mindestens der dritte, nachdem jene furchtbare Erkältung über ihn gekommen war, da beschloss D., dennoch endlich einen deutlichen Fortschritt in seinem Leben zu wagen, also wieder einmal einen bewusst frühlingshaften Spaziergang anzutreten.  Da er nicht alleine in die inzwischen vielleicht zaghaft angegrünte, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es war zunächst Sabbat, spät nachmittags schon, der Tag vor dem Palmsonntag und mindestens der dritte, nachdem jene furchtbare Erkältung über ihn gekommen war, da beschloss D., dennoch endlich einen deutlichen Fortschritt in seinem Leben zu wagen, also wieder einmal einen bewusst frühlingshaften Spaziergang anzutreten.  Da er nicht alleine in die inzwischen vielleicht zaghaft angegrünte, leider aber doch weiterhin reichlich feucht verregnete Natur hinausschreiten wollte, begab er sich zu seinem imaginären Lieblingssofa, worauf seine charmante imaginäre Freundin gerade ahndungsvoll einen weiteren imaginären Wollschal in meistenteils undefinierbaren Farben strickte, und D. erkundigte sich höflich, ob sie ihm denn beim Lustwandeln im imaginären Frühlingswetter nicht Gesellschaft leisten mochte.  Er bekam, wie allerdings schon zu erwarten gewesen war, keine Antwort.<br />
<span id="more-1367"></span></p>
<p>Also begnügte sich D. damit, stattdessen seinen lieben imaginären Hund auf die kleine, arglose Wanderung mitzunehmen. Der imaginäre Hund antwortete zwar nicht, war von D. aber auch gar nicht extra darüber befragt worden und wurde einfach zwangsrekrutiert. Ihn auf seinen mehr ziellosen als planungsvollen Spaziergängen zu begleiten war ohnehin der eigentliche Hauptlebenszweck des imaginären Hundes. &#8211; Da D. Hunde aber im Allgemeinen überhaupt nicht besonders mochte, hatte es recht lange gedauert, bis er sich dann doch für genau ihn entschieden hatte, weil er über die meisten Eigenschaften, die D. an Hunden für gewöhnlich verabscheute, nicht erst verfügte, und mehr noch, auch einige sehr positive Merkmale aufwies: Der imaginäre Hund war, wie für gewöhnlich die meisten imaginären Haustiere, von eher blässlicher Färbung, also ziemlich durchschaubar, darüber hinaus ausgesprochen folgsam, sehr still, kostensparend und äußerst genügsam. Letzteres war besonders wichtig auch deshalb, da D. aufgrund seiner schwer voraussehbaren Arbeitszeiten oft spät oder teils gar nicht mehr abends zurückkam, somit den Hund kaum selbst regelmäßig füttern oder pflegen konnte und weil in dieser Sache auf D.s imaginäre Freundin auch kein Verlass war.</p>
<p>Es war nun zwar sicherlich nicht so, dass D.s imaginäre Freundin mit seinem treuen tierischen Gefährten etwa nicht auskam, oder dass sie ihn gar innerlich ablehnte, aber obwohl sie sich selbst nie laut bei D. darüber beschwerte, geschweige denn in den abendlichen Zwiegesprächen etwa entsprechende Defizite offen zugab, so hatte D. doch oft das Gefühl, dass sie jegliche Hausarbeiten, wahrscheinlich aus feministischen Erwägungen heraus, prinzipiell ablehnte, um nicht gar zu sagen: boykottierte. D., der sich übrigens selbst für einen aufgeklärten und emanzipierten Mann hielt, hatte sich damit längst abgefunden und erledigte also das meiste im Haushalt realiter ganz alleine, nur um den Hund machte er sich doch dann und wann Sorgen. Aber auch dieser, wohlerzogen wie er war, zeigte nie ein Zeichen des Unmutes. Auch machte das Tier keinesfalls einen ungepflegten oder gar kränklichen Eindruck. Vielmehr strotzte es nur so vor Imaginationskraft. Dies war eigentlich einer seiner herausragendsten Vorteile.</p>
<p>D. schritt also betont gemeinschaftlich und frohgemut in die freie Natur hinaus, betrachtete nachdenklich die vielen kleinen Regentropfen, die mit großem Eifer in die zahlreichen grauen Pfützen auf dem Feldweg hüpften, genau so, wie das D.s imaginärer Hund eben nicht tat. Nachdem D. diesem Treiben eine Weile tatenlos zugesehen hatte, beschloss er, seinen schottisch kleinkarierten Regenschirm zu öffnen, obwohl es etwas windig und D. inzwischen ohnehin schon ziemlich durchnässt war, was ihm aber nicht soviel ausmachte, da sich D. sicherlich nicht mehr würde erkälten können, denn er war es schon.</p>
<p>Die ihn umgebende Natur aber machte ihm doch zu schaffen. Betrüblich verharrte sie in fadem Stumpfsinn. Kahl und flach lagen die Äcker. Nur die Wegkreuze standen wie seit unerdenklichen Zeiten windschief in der Landschaft und gemahnten an das Ende aller Dinge. Nirgends war eines der putzigen Feldkaninchen zu sehen, die im Sommer doch manchmal über das Feld hoppelten, aber Sommer war es auch nicht. Und auch kein kleines weißes Wiesel zeigte sich, wie manchmal im Herbst, denn auch Herbst war es nicht. Selbst die Eichhörnchen, ansonsten zu fast jeder Jahreszeit bei den alten Eichen vorzufinden, blieben an diesem Tage wohl lieber zuhause. Somit war kein einziges Tier in der Nähe, mit dem D.s imaginärer Hund lustig hätte spielen können. Und wohl deshalb tat er das auch nicht und verhielt sich mindestens genauso passiv und lethargisch wie sein Herrchen.</p>
<p>D. aber kamen mit der Zeit ernstliche Zweifel, ob dies um ihn herum wirklich schon realer Frühling sein konnte. Einerseits, so meinte D. zu wissen, sei Frühling ja eine wonnevolle Jahreszeit, voller Augenblicke der Freude und vieler lustvoller Menschen, auferweckter Tiere und blühender Pflanzen. So zumindest glaubte er dies in einigen seiner vielen Bücher gelesen zu haben. Abgesehen von einigen verkrüppelten Gräslein und altersschwach dahinsiechenden Obstbäumen mit grünen Schimmelflechten war aber kein Zeichen von Leben am Ort. Andererseits, soweit sich seine geografischen und metereologischen Schulkenntnisse noch rekonstruieren ließen, war Frühling doch die Jahreszeit, in welcher die Sonnenscheinfrequenz kontinuierlich ansteige. Am grauen Himmel waren aber nur schwerfällig dahintröpfelnde Wolkenmassen auszumachen.</p>
<p>Vielleicht, so fragte sich D., hatte er ja einen Fehler begangen? War er vielleicht zu hoffnungsvoll gewesen, hatte sich zu sehr in die Sache hineingesteigert? Übertriebene Vorerwartungen und zuviel falscher Optimismus waren, so wusste er, die Hauptursachen von Leid in der Welt und eines der größten Übel der Menschheit. Hier konnte nur maßvolle innere Ausgeglichenheit und konzentrierte Besonnenheit helfen. D. holte tief Luft, so gut es seine verschnupften Lungen zuließen, konnte aber doch auch nichts mehr als feucht hustend wieder ausatmen. Eine innere Mitte, sollte er sie jemals besessen haben, war so nicht zu finden. Er musste, wollte eigentlich weitergehen.</p>
<p>Doch D. hielt stattdessen verdutzt inne und schaute etwas ratlos um sich. Sein treuer Hundegefährte war nirgends mehr zu sehen. Auch das noch, seufzte D., und machte sich betröpfelt auf den Weg nachhause, wo ihn sicher bereits seine imaginäre Freundin nicht erwartete, dafür aber umso mehr Hausarbeiten, die er sich abzubearbeiten wiederum innerlich weigerte. Hinter dem dicken grauen Wolkenschleier schwand derweil auch heimlich die treulose Sonne dahin. Obwohl die Sonnwende vorüber war und bereits das Osterfest nahte, hatte sie es äußerst eilig, sich einfach davonzumachen.</p>
<p>Treulos, diese ganze Welt, murrte D., aber letztlich war es ihm egal. D. schloss seine Augen, stellte sich einfach eine schöne, blendende Sommersonne vor, schritt in Gedanken an einem beblümten Abgrund entlang, ein sommerlich leichtes Bündel über der Schulter, begleitet von seinem treuen Hündlein. Er war die Null, wurde ihm in diesem Augenblick klar, der Narr.</p>
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		<title>Frühlingsgefühle II</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Mar 2010 12:12:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Dühning</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schreibwerkstatt]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerung]]></category>
		<category><![CDATA[Frühling]]></category>

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		<description><![CDATA[Als D. aber nicht mehr aus noch ein wusste und sich seine getrübten Augen über dem verbitterten Tee einer schlichten Tasse still dämpfender Kräutermischung nur gar kärglich spiegelten, besann er sich, blickte tief in sich hinein und vermeinte sich bewusst zu werden, dass es außer dem Leuchten der Gestirne und der Natur, doch auch andere [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als D. aber nicht mehr aus noch ein wusste und sich seine getrübten Augen über dem verbitterten Tee einer schlichten Tasse still dämpfender Kräutermischung nur gar kärglich spiegelten, besann er sich, blickte tief in sich hinein und vermeinte sich bewusst zu werden, dass es außer dem Leuchten der Gestirne und der Natur, doch auch andere Lichter und Schattierungen gab, die selbst dann, wenn es, ganz unerwartet, früher schon düster wurde, unentwegt und destotrotz weiter glommen, im Fernen verschwommen sogar mehr noch: <em>klangen</em>, wie man dies auf Basis reiner physikalischer Vermutung nicht erwartet hätte.</p>
<p><span id="more-1355"></span></p>
<p>Ohne geradewohl der Versuchung zu erliegen, in ferne, mythische Zeiten abzudriften, die ja nicht waren, wie er wusste, entschloss sich D., kurzfristig einige prosymetrische Anwandlungen zu dulden, die im Roman seines Lebens zwar sichtlich deplaziert waren, stilistisch sich auch kaum harmonisch einfügen würden und deren Inhalt zudem von äußerst zweifelhafter Qualität wäre, doch als das Glimmen stärker und stärker wurde, stellte er die Tasse sogar fast mutwillig in sein Blickfeld:</p>
<p style="padding-left: 30px;"><em><strong>Zeitlos, Erinnerung</strong></em></p>
<p><em>Zeitlos, Erinnerung: Schreite ich hinab<br />
Über die Hügel, die grünbetauten,<br />
Wie im April vor Jahren,<br />
Weiß ich es noch.</em></p>
<p><em>Kam so schnell nicht mehr,<br />
Kommt auch künftig nicht,<br />
Wird doch immer sein:<br />
Wie im April vor Jahren,<br />
Weiß ich es noch.</em></p>
<p><em>Kommst du auch nicht mehr,<br />
Bist du nicht mehr da,<br />
Einer weiß es noch,<br />
Einer ruht und bleibt,<br />
Wenn die Sonne sinkt,<br />
Wenn der Mond vergeht,<br />
Weiß ich es noch.</em></p>
<p><em>Gib nicht viel auf Ruhm,<br />
Gib nicht viel auf Stein,<br />
Zürne nicht, wenn zerfällt,<br />
Was du und an dir<br />
geschaffen.</em></p>
<p><em>Wenn die Sonne sinkt,<br />
Wenn der Mond vergeht,<br />
Wenn dein Schatten selbst<br />
hinschwindet:<br />
Einer weiß es noch,<br />
Wie im April vor Jahren.</em></p>
<p style="padding-left: 30px;"><em>* * *<br />
</em></p>
<p>Dies aber blieb ihm bewusst, dass trotz allem dies denen suspekt bleiben musste, die im überzogenen Bewusstsein herumrechneten, selbst licht zu sein, wenigstens aber doch helle Leuchten, ja mehr noch: dass die Worte meistenteils wie derbe Teeflecken hinweggewischt würden oder von der gemein dahin eilenden, pausenlos Kaffee trinkenden Taschenrechnergesellschaft jenseits der Fenster überhaupt erst gar nicht festgestellt. Sei es drum, rechtfertigte sich D. gegenüber der zwischenzeitlich gelangweilten Teetasse, es war eben drum nicht jedem vergönnt, Schattierungen zu deuten oder in der Musik mehr als Schwingungen zu sehen und zudem sei jeder seines Schicksales eigener Schmied, selbige aber in Ermangelung anderer Werkzeuge müssten oft notgedrungen und mit aufrecht vermeintem Ernst in allem und jedem einen Amboß erblicken.</p>
<p>Da schwand das letzte Aufgebot Zephirs dahin, hinter den Vorhängen verdunkelte es sich und D. wähnte zwischen den halbwegs zugezogenen Bordüren einen kalten Schauer über einen naheliegenden Dachgiebel wehen; Das Gefäß aber war erstarrt, der Schimmer über der Tasse erlosch, das Gemisch darinnen blieb wieder Tee: erkaltet, düster und getrübt, und war zudem recht bitter geworden.</p>
<p>Welch Ironie, dachte D., dass wir immer nur die Schlagschatten wahren.</p>
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		<title>Frühlingsgefühle</title>
		<link>http://www.anastratin.de/2010/03/24/fruhlingsgefuhle/</link>
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		<pubDate>Wed, 24 Mar 2010 17:55:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Dühning</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schreibwerkstatt]]></category>
		<category><![CDATA[Erkältung]]></category>
		<category><![CDATA[Frühling]]></category>

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		<description><![CDATA[Nachdem D. das ältliche Fenster geöffnet hatte, wurde ihm verdächtig schnell bewusst, dass &#8220;Frühling&#8221; und in gewisser, selbst durch penibles Ignorieren kaum zu leugnender Weise auch &#8220;Wärme&#8221; doch recht relative Begrifflichkeiten waren. Jedoch war es weniger den Begriffen selbst, als der sie umgebenden Gesellschaft anzulasten, die das Ganze unmerklich herunterzog: Es handelte sich, wie der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nachdem D. das ältliche Fenster geöffnet hatte, wurde ihm verdächtig schnell bewusst, dass &#8220;Frühling&#8221; und in gewisser, selbst durch penibles Ignorieren kaum zu leugnender Weise auch &#8220;Wärme&#8221; doch recht relative Begrifflichkeiten waren. Jedoch war es weniger den Begriffen selbst, als der sie umgebenden Gesellschaft anzulasten, die das Ganze unmerklich herunterzog:</p>
<p>Es handelte sich, wie der Deutschlehrer wusste, um nichtsnutzige adverbiale Bestimmungen, überfällige bis heimtückische attributive Ergänzungen und anderen semantischen Kleinkram, welcher, sofern man ihn nicht rechtzeitig genug bemerkte, unweigerlich jeden ins Verderben treiben würde &#8211; oder in diesem Falle in eine böse Erkältungskrankheit.<br />
<span id="more-1335"></span><br />
Der Frühling war nämlich kaum oder allenfalls auszugsweise, wahlweise auch eher astronomisch oder metereologisch, jedoch nicht wirklich klimatisch verifizierbar über das Wochenende eingetreten. Und so war auch die Wärme nicht gänzlich fühlbar, allenfalls erahnbar, oder doch eher ganz unmerklich, jedenfalls aber nicht ausgeprägt gewesen, was man ganz im Gegensatz dazu von Regen-, Graupel- und sonstigen Schauerlichkeiten nun wieder nicht behaupten konnte.</p>
<p>Leidlicherweise war D., als dann endlich ein Hauch von Zephyr durch die Landschaften strich, dann schon so mit zerzupften Schals und aufgebrauchten Taschentüchern umgeben, die ihm der üble Boreas eingebrockt hatte, dass er die letztlich doch noch eintreffenden linden Frühlingslüfte kaum mehr wahrnahm. Hüstelnd, keuchend und schnäuzend schleppte sich D. zum Fenster, üble Gedanken in sich zusammenköchelnd, um die Vorhänge wieder ganz oder zumindest teilweise zuzuziehen. Denn die eitle Sonne mochte er so nun auch nicht mehr betrachten, Temperaturen nahm er durch die Schmerzmittelwand nicht mehr wahr. Fühlen oder sehen mochte er weder die tülden Grünpflänzchen in den Gartenschatten, noch die zerknitterten Schmetterlinge an den Hauswänden, die den Frost fast ganz wie er wohl auch ein paar mal zu oft abbekommen hatten.</p>
<p>Diese Welt, dachte D., ist einfach auf Widerwärtigkeiten hin ausgelegt: Entweder, man bringt die wenigen schönen Sonnentage, die aber ohnehin mehr eingebildete als wirkliche waren, in Büros, Klassenzimmern oder Konferenzsitzungen zu, oder man war krank, da es an den Wochenenden ja immer &#8211; und zwar statistisch durchaus belegbar &#8211; zu kaum lobenswerten metereologischen Entwicklungen kam.</p>
<p>Nun gut, versuchte sich D. vergeblich zu trösten, immerhin war ja noch erst März, oder zumindest immer noch ein wenig, und die Hoffnung allenfalls gegeben, nicht jedoch ganz zu verwerfen, dass, um dem Leiden ein Ende zu setzen, irgendwann doch eine längere Gutwetterphase eintreten könnte.</p>
<p>Wohlwissend aber, dieser kümmerliche Gedanke lenke vom Kummer an der Welt nicht ab, starrte D. wenig später schon verbittert in eine Kräuterteetasse und wünschte sich in die guten alten Zeiten zurück, die, wie er genau wusste, ohnehin nie existiert hatten.</p>
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		<title>Fasnacht auf der KGT-Webseite</title>
		<link>http://www.anastratin.de/2010/02/11/fasnacht-auf-der-kgt-webseite/</link>
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		<pubDate>Thu, 11 Feb 2010 18:14:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Dühning</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Alemannisch]]></category>
		<category><![CDATA[Fastnacht]]></category>
		<category><![CDATA[Gedicht]]></category>

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		<description><![CDATA[Für die KGT-Webseite haben wir nun ein kleines Fasnachtsgedicht geschrieben, stilecht in Hochalemannisch. Freilich ist die Mundart nicht mehr weit verbreitet und am Klettgau-Gymnasium zweimal nicht. Den &#8220;Eliten&#8221; fehlen heimatliche Worte, scheints. Die Alemannische Version lautet so: Narri, narro! Do lueg mol her, sisch Fasnacht do, wenn dusse au no d&#8217;Winter goht und i&#8217;de Zittig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Für die KGT-Webseite haben wir nun ein kleines Fasnachtsgedicht geschrieben, stilecht in Hochalemannisch. Freilich ist die Mundart nicht mehr weit verbreitet und am Klettgau-Gymnasium zweimal nicht. Den &#8220;Eliten&#8221; fehlen heimatliche Worte, scheints. Die Alemannische Version lautet so:<br />
<span id="more-1288"></span></p>
<h3>Narri, narro!</h3>
<p>Do lueg mol her, sisch Fasnacht do,<br />
wenn dusse au no d&#8217;Winter  goht<br />
und i&#8217;de Zittig dinne schtoht,<br />
des Chrischtchind zu üs nümmi  chunt.</p>
<p>Macht eu&#8217; nüht druus,<br />
sint eifach froh,<br />
und bei de  Bällä drinket id so,<br />
denn gitts ä schöni Hoorig Mess.</p>
<p>De  Schneiki chunt uf sinni Choscht<br />
nooch Aschermittwoch einetwegge<br />
und  us&#8217;m Schnee würd widda Regge<br />
und d&#8217;Sunn schient vielliecht au  nomohl.</p>
<p>Jetz söttet ihr nit lammetiere,<br />
jetz isch die Ziit zum  zemme fiere,<br />
Narri, Narro<br />
und hoorig isch die Katz!</p>
<address style="padding-left: 30px;">Dä Webmaschta</address>
<p>Die hochdeutsche Übertragung des Gedichts für nichtalemannische Mitbewohner am KGT gibt es auf der Schulwebseite.</p>
]]></content:encoded>
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