Drei Sonette zum Abschied
Bevor ich wieder in das Reich der falben Buchstabendämmerung entgleite und für die nächste Zeit weder ansprechbar, noch allenfalls vorhanden sein werde, in einer kurzen, deprimierten Pause, habe ich ein paar Gedichtlein ersonnen, die niemand braucht, die aber vielleicht auch niemandem schaden – und wenn doch, dann wohlverdient. Weiterlesen
Frühlingsgefühle III
Es war zunächst Sabbat, spät nachmittags schon, der Tag vor dem Palmsonntag und mindestens der dritte, nachdem jene furchtbare Erkältung über ihn gekommen war, da beschloss D., dennoch endlich einen deutlichen Fortschritt in seinem Leben zu wagen, also wieder einmal einen bewusst frühlingshaften Spaziergang anzutreten. Da er nicht alleine in die inzwischen vielleicht zaghaft angegrünte, leider aber doch weiterhin reichlich feucht verregnete Natur hinausschreiten wollte, begab er sich zu seinem imaginären Lieblingssofa, worauf seine charmante imaginäre Freundin gerade ahndungsvoll einen weiteren imaginären Wollschal in meistenteils undefinierbaren Farben strickte, und D. erkundigte sich höflich, ob sie ihm denn beim Lustwandeln im imaginären Frühlingswetter nicht Gesellschaft leisten mochte. Er bekam, wie allerdings schon zu erwarten gewesen war, keine Antwort. Weiterlesen
Frühlingsgefühle II
Als D. aber nicht mehr aus noch ein wusste und sich seine getrübten Augen über dem verbitterten Tee einer schlichten Tasse still dämpfender Kräutermischung nur gar kärglich spiegelten, besann er sich, blickte tief in sich hinein und vermeinte sich bewusst zu werden, dass es außer dem Leuchten der Gestirne und der Natur, doch auch andere Lichter und Schattierungen gab, die selbst dann, wenn es, ganz unerwartet, früher schon düster wurde, unentwegt und destotrotz weiter glommen, im Fernen verschwommen sogar mehr noch: klangen, wie man dies auf Basis reiner physikalischer Vermutung nicht erwartet hätte.
Frühlingsgefühle
Nachdem D. das ältliche Fenster geöffnet hatte, wurde ihm verdächtig schnell bewusst, dass “Frühling” und in gewisser, selbst durch penibles Ignorieren kaum zu leugnender Weise auch “Wärme” doch recht relative Begrifflichkeiten waren. Jedoch war es weniger den Begriffen selbst, als der sie umgebenden Gesellschaft anzulasten, die das Ganze unmerklich herunterzog:
Es handelte sich, wie der Deutschlehrer wusste, um nichtsnutzige adverbiale Bestimmungen, überfällige bis heimtückische attributive Ergänzungen und anderen semantischen Kleinkram, welcher, sofern man ihn nicht rechtzeitig genug bemerkte, unweigerlich jeden ins Verderben treiben würde – oder in diesem Falle in eine böse Erkältungskrankheit. Weiterlesen
