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	<title>Niarts Anastratin &#187; Lyrik</title>
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	<description>Anastratin - das Online-Kulturdings von www.niarts.de</description>
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		<title>Drei Kalendentexte</title>
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		<pubDate>Sat, 02 Apr 2011 16:05:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Dühning</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Schreibwerkstatt]]></category>
		<category><![CDATA[Frühling]]></category>
		<category><![CDATA[Rundgedicht]]></category>
		<category><![CDATA[Sonett]]></category>
		<category><![CDATA[Winter]]></category>
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		<description><![CDATA[Drei Gedichte, die sich kontrapunktisch nicht fügen wollen in die Zeit, sind nur neu entstanden in den vergangenen Wochen. Mehr war nicht und Bilder habe ich keine dazu. Da sie aber, wie bei Lyrik oft, selbst solche enthalten, ist das vielleicht auch nicht nötig. Wanderers Nachtlied (Januar) Bilder aus besseren Zeiten, Die Zeit kehrt nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Drei Gedichte, die sich kontrapunktisch nicht fügen wollen in die Zeit, sind nur neu entstanden in den vergangenen Wochen. Mehr war nicht und Bilder habe ich keine dazu. Da sie aber, wie bei Lyrik oft, selbst solche enthalten, ist das vielleicht auch nicht nötig.</p>
<h3><span id="more-2107"></span>Wanderers Nachtlied (Januar)</h3>
<p>Bilder aus besseren Zeiten,<br />
Die Zeit kehrt nicht zurück.</p>
<p>Bleibt ein Stück in Erinnerung,<br />
bleibt ein Mosaik, wie Regenbogen-<br />
splitter über kaltem Horizont,<br />
Eisbögen am Sommerende.<br />
Die Zeit kehrt nicht zurück.</p>
<p>Ist nun dunkel, ist nun kalt,<br />
Der letzte Herbst vorüber,<br />
Neuer Frühling scheint so weit.<br />
Winter im Kristall, im Herzen.<br />
Zukunft ist noch nicht.<br />
Die Zeit kehrt nicht zurück.</p>
<p>Bilder aus besseren Zeiten,<br />
Die Zeit kehrt nicht zurück.</p>
<p>Wenn es Abend wird, in der Ferne<br />
Zwei Füchse spielen am Ende<br />
Über vergangene Felder<br />
Tönen Kinder, die nicht mehr sind.<br />
Sage leise: Lebewohl!<br />
Die Zeit kehrt nicht zurück.</p>
<p>Kann am Ende doch ein neuer Anfang sein,<br />
Wie eine Stadt in den Wolken?<br />
Da geht auch der Wanderer hin<br />
und verlässt die Geisterstätten<br />
und kehrt nicht mehr zurück,<br />
wie die Bilder aus besseren Zeiten.</p>
<p>* * *</p>
<h3>Die dunklen Stunden (Februar)</h3>
<p>Es muss Winter gewesen sein,<br />
als der finstre Wind geschwinde<br />
uns ums Haus wehte, fast verwehte,<br />
es muss Winter gewesen sein.</p>
<p>Es muss Winter gewesen sein,<br />
als die Zeit nichts drehte,<br />
nebelverwoben stille stand, blinde.<br />
Es muss Winter gewesen sein.</p>
<p>Es muss Winter gewesen sein,<br />
Als wir selbst mit uns, entzweit:<br />
Der eine noch Atem, der andere<br />
im Geiste längst ganz fort geweht.</p>
<p>* * *</p>
<h3>Des Frühlings grünes Kleid (März)</h3>
<p>Wie schön ist es im Frühling krank zu sein,<br />
Man langweilt sich dann auch nicht so, allein,<br />
Man lernt Bescheidenheit und macht sich klein,<br />
Die Sünden wäscht man ab, die Seele rein.</p>
<p>Was ist die Frühlingswelt als matter Schein:<br />
Die ganzen eitel-bunten Blümelein,<br />
Die wollen nur rundum bewundert sein:<br />
Von Tugend zeugt das nicht! Es ist nicht fein!</p>
<p>Nein, lerne Du im Herzen Lauterkeit<br />
Und übe Dich in kargem Selbstmitleid<br />
Dann wirst Du klug und bleibst dir selbst gescheit.</p>
<p>Wärst du in dieser dummen Jahrezeit<br />
Nur lauter Lust und tumbe Fröhlichkeit,<br />
Trügst lieber auch Du so ein Narrenkleid!</p>
<p>* * *</p>
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		<title>Drei Sonette zum Abschied</title>
		<link>http://www.anastratin.de/2010/05/03/drei-sonette-zum-abschied/</link>
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		<pubDate>Mon, 03 May 2010 17:37:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Dühning</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Frühling]]></category>
		<category><![CDATA[Gedichte]]></category>
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		<description><![CDATA[Bevor ich wieder in das Reich der falben Buchstabendämmerung entgleite und für die nächste Zeit weder ansprechbar, noch allenfalls vorhanden sein werde, in einer kurzen, deprimierten Pause, habe ich ein paar Gedichtlein ersonnen, die niemand braucht, die aber vielleicht auch niemandem schaden &#8211; und wenn doch, dann wohlverdient. Maienfrost Der süße Frühling ist uns jäh [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bevor ich wieder in das Reich der falben Buchstabendämmerung entgleite und für die nächste Zeit weder ansprechbar, noch allenfalls vorhanden sein werde, in einer kurzen, deprimierten Pause, habe ich ein paar Gedichtlein ersonnen, die niemand braucht, die aber vielleicht auch niemandem schaden &#8211; und wenn doch, dann wohlverdient.<br />
<span id="more-1442"></span></p>
<h3 style="padding-left: 30px;">Maienfrost</h3>
<p style="padding-left: 30px;">Der süße Frühling ist uns jäh geknickt,<br />
Im Land des Lächelns strömen blutig Flüsse,<br />
Von Sünde künden einstmals heilge Küsse,<br />
Und Aschewolken hat der Herr geschickt.</p>
<p style="padding-left: 30px;">Wo sind die Dinge, die uns einst beglückt?<br />
Wo sind die Träume, die mit Blütensüße<br />
Gekühlt das Haupt, das Herz und auch die Füße?<br />
Wo ist der Trost, wenn Kummer uns bedrückt?</p>
<p style="padding-left: 30px;">Wir haben unsren Sinn längst weggeklagt,<br />
Da ruft nicht Nachtigall und nicht die Lerche,<br />
Wenn Nacht ist und die Welt in tiefem Frost.</p>
<p style="padding-left: 30px;">Da sind nur Krähen noch, die man nicht jagt,<br />
Und Spatzen, die verzettert zynisch zwitschern,<br />
ganz farblos, falb und bitter tief erbost.</p>
<p style="padding-left: 30px;">* * *</p>
<h3 style="padding-left: 30px;">Phaeton</h3>
<p style="padding-left: 30px;">Der Stolz durchzieht das Land ja heiter weiter,<br />
Aus Nasen, Mündern, Augen, Ohren, Poren,<br />
Quilt es verdächtig mächtig selbsterkoren<br />
Und selbstgeliebt: Was macht uns heiter!</p>
<p style="padding-left: 30px;">Längst bauten wir zum Himmel eine Leiter<br />
Aus Fortschritt, Wissen, Macht: ein hoher Thron,<br />
Versteckten Nehmens, unsre Tradition:<br />
Wir machen selbst uns liebend gerne breiter</p>
<p style="padding-left: 30px;">Und halten klüger uns als Polyphem<br />
Und stärken Ikaros die jungen Flügel<br />
Und steigen mit ihm heilig hoch hinan;</p>
<p style="padding-left: 30px;">Dem Phaeton gleichend, kühn und zielbewusst<br />
Am Steuer jubelnd, lenken wir den Plan<br />
Und ziehen zügellos die goldne Bahn.</p>
<p style="padding-left: 30px;">* * *</p>
<h3 style="padding-left: 30px;">Abendbitte</h3>
<p style="padding-left: 30px;">Bevor ich wieder in das Reich der Träume<br />
Entgleite, wo die guten Engel blieben<br />
Und süße Wesen noch die Sterne lieben,<br />
Wenn längst entlaubt am Wege stehn die Bäume,</p>
<p style="padding-left: 30px;">Lass mich noch einmal deinen Segen spüren<br />
Den du uns vor dem Abschied hast versprochen<br />
Und segne meine Stunden, Tage, Wochen,<br />
Lass meine Wege nicht ins Dunkel führen.</p>
<p style="padding-left: 30px;">Denn dunkel stehn Gewitter oft am Himmel,<br />
Der grüne Halm, die klitzekleine Blüte,<br />
Entblösst und sinkt im kalten Hagelschauer.</p>
<p style="padding-left: 30px;">Der andern Würmlein zahlloses Gewimmel<br />
Um Glück und Geld und and&#8217;res &#8211; ach, behüte!<br />
Wie überwände ich allein die schwarze Mauer?</p>
<p style="padding-left: 30px;">* * *</p>
]]></content:encoded>
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		<title>The Snow Queen</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Dec 2009 15:41:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Dühning</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Musical]]></category>
		<category><![CDATA[Schneekönigin]]></category>
		<category><![CDATA[Tod]]></category>
		<category><![CDATA[Winter]]></category>
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		<description><![CDATA[Mitte Dezember stieß ich tatsächlich auf ein interessantes Weihnachtsmärchen, "Die Schneekönigin" von Hans Christian Andersen, in einer finnischen und einer britischen Adaption. Letztere, "The Snow Queen", wartete in ihrer filmischen Umsetzung mit interessanten visuellen Effekten, minimalistischer Schauspielerbesetzung und - mal wieder - Patrick Steward im Hintergrund, interessanten poetischen Seiteneffekten auf. Die Musik stammt von Paul K. Joyce.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf der Suche nach erträglicher Weihnachtsmusik hatte ich mich bereits Anfang November an die neue Winter-CD von Sting gemacht, immerhin ein umsichtiger Musiker, der nicht leichthin in Kaufhausgedöns verfällt. Weihnachtslieder waren es dann doch. Interessanter kamen schon seine Dowland-Interpretationen daher und brachten mich auf einige persönliche Intonationsideen, die ich aufgrund einer heftigen Grippeattacke dann aber doch mal wieder nicht umsetzen konnte.</p>
<p>Mitte Dezember stieß ich dann tatsächlich auf ein interessantes Weihnachtsmärchen, &#8220;Die Schneekönigin&#8221; von Hans Christian Andersen, in einer finnischen und einer britischen Adaption. Letztere, &#8220;The Snow Queen&#8221;, wartete in ihrer filmischen Umsetzung mit interessanten visuellen Effekten, minimalistischer Schauspielerbesetzung und &#8211; mal wieder &#8211; Patrick Steward im Hintergrund, interessanten poetischen Seiteneffekten auf. Die Musik stammt von Paul K. Joyce. Während die deutsche Synchronisation, obwohl sie nicht schlecht ist, gerade beim Libretto auf das seichte Niveau von Disney-Derivaten abdriftet, bleibt die englische Originalversion der Tradition des britischen Weihnachtsmusicals treu. Musikalisch trägt Joyce gerade bei den Orchestersuiten etwas viel Schmalz auf, doch die Kombination teils minimalistischer Zwischensequenzen und klassischer englischsprachiger Lyrik verleiht dem Ganzen insgesamt poetische Tiefe.</p>
<p>Im Grunde genommen geht es bei &#8220;The Snow Queen&#8221; wie auch in Andersens Original um &#8220;The undefeated Enemy&#8221; &#8211; den Tod, sanft aber treffend umkleidet im Motiv des Winters und der Schneekönigin. Die Grundbotschaft: &#8220;Liebe überwindet den Tod&#8221;, ist so simpel wie auch überzeugend umgesetzt, zumal schon in Andersens Original allerlei archetypische, tiefenpsychologisch ergiebige Zwischensequenzen einer allzu eindimensionalen Verdeutung entgegenwirken. Freilich wurde die hochkomplexe Originalgeschichte auch in der britischen Version der BBC von 2005 mal wieder entschlackt. Anders als bei anderen Interpretationen des Stoffs verhindern aber die integrierten lyrischen Texte eine primitive Schwarzweißmalerei oder eine Reduktion des Stoffes auf Vorschulniveau &#8211; wobei es gelingt, im Endeffekt Kinder wie auch Erwachsene anzusprechen. Das kindliche Gemüt wird sich an den märchenhaften Motiven ergötzen, ältere an der doch betroffen machenden Poesie von Lyrikern wie  Hilaire Belloc, Vita Sackville-West, Lord Byron, Christina G. Rossetti, W. H. Auden oder Sir Thomas Moore. Ein Grundmotiv ist das berühmte und der Lyrikerin Mary Elizabeth Frye zugeschriebene &#8220;Do not stand at my grave and weep&#8221; &#8211; das als einzige Vertonung auch in der deutschen Übersetzung einigermaßen überzeugen kann. Wer den Reiz der Sprache hören will, sollte aber besser auf das englische Original umstellen oder gleich den Soundtrack zurate ziehen, der die ursprüngliche Musicalfassung zu Gehör gibt. Dort ist statt Patrick Steward Juliet Stevenson (im Film spielt sie die Mutter Gerdas) als Erzählerin zu hören und als Rezitatorin überzeugt sie durchaus mehr als der steward&#8217;sche Rabe im Film.</p>
<p>Wieder einmal mehr fragte ich mich, ob man dieses Musical nicht auch schulisch umsetzen könnte. Gut, man müsste gerade die Orchestersuiten dramatisch zurecht stutzen, das Libretto ließe sich aber auch von einem Mittelstufenchor problemlos umsetzen und lebensrelevant ist das Thema Krankheit und Tod für Schüler allemal. Gerade auch in der dunklen Jahreszeit. Daneben lässt Hans Christian Andersen wie auch Joyces musikalische Interpretation viel Raum für Aktualisierung. Denn den Weg zur Schneekönigin säumen auch heute noch allerlei sinnestrübende Spiegelscherben, wundersame Blumenzauberinnen und Räuber. Bei alledem böte das Szenario genug Raum für romantische und fantastische Gemüter, was neueren Bühnenstücken ja leider oft fehlt. Die englische Originalsprache, die viel Anteil an der poetischen Tiefe hat, sollte man beibehalten. Das Stück ist in seiner Handlung verständlich genug, um auch fremdsprachig aufgeführt zu werden. Nachdenklichen Gemütern erschließt sich der lyrische Tiefgang ohnehin erst beim wiederholten Anhören.</p>
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		<title>Seichtes Blasen &#8211; Lyrik zum Fest</title>
		<link>http://www.anastratin.de/2008/12/25/seichtes-blasen-lyrik-zum-fest/</link>
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		<pubDate>Thu, 25 Dec 2008 17:10:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Dühning</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Religion & Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Schreibwerkstatt]]></category>
		<category><![CDATA[Heuchelei]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachten]]></category>
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		<description><![CDATA[Weihnachten, das ist die Zeit sanfter, liebgesäuselter Gedichte. Meinen zumindest die Unterteufel, welche nach Kräften die eigentliche Botschaft zerschwelgen wollen. Um Weihnachtslieder vom Glittertand gänzlich zu befreien, melodisch korrekt, ist die Zeit freilich zu knapp. Das ist eine längerfristige Aufgabe. Sieben Gedichtlein ohne Ton, das brachte ich aber noch zustande. I. Blasorchester Dies ist die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Weihnachten, das ist die Zeit sanfter, liebgesäuselter Gedichte. Meinen zumindest die Unterteufel, welche nach Kräften die eigentliche Botschaft zerschwelgen wollen. Um Weihnachtslieder vom Glittertand gänzlich zu befreien, melodisch korrekt, ist die Zeit freilich zu knapp. Das ist eine längerfristige Aufgabe. Sieben Gedichtlein ohne Ton, das brachte ich aber noch zustande.</p>
<p><span id="more-398"></span><strong>I. Blasorchester</strong></p>
<p>Dies ist die Zeit nicht, wo gesprochne Worte<br />
als Hall mehr sind und wirklich eingeprägte,<br />
wo wahr und dicht die Sprache an die Orte<br />
des Lebens strömt und Ewigkeit erwägte.</p>
<p>Dies ist die Stunde praller, hohler Phrasen,<br />
wo Lärmen alles ist, wo alle wogen<br />
und saugen aus der Fülle bunter Blasen;<br />
wie Seife schäumt&#8217;s, die eifrigst aufgesogen.</p>
<p>Wen wundert&#8217;s, dass nur seichte Reime fallen,<br />
Die schweren aber auf dem Boden rollen,<br />
Dem Becher gleich, den keiner halten wollt&#8217; -</p>
<p>Wenn nur zersungene Vokale hallen,<br />
Dem Mammon nur gewidmet ist das Wollen,<br />
Kein Wunder, dass die Muse nur noch schmollt.</p>
<p>*</p>
<p><strong>II. Draußen vor der Tür<br />
</strong><em>(in Betrachtung einer Obdachlosenunterkunft)</em><strong></strong></p>
<p>Am Fluss, dem Wasser nah, hat er gebaut,<br />
Sein grünes Zelt, frech abgestellt am Saume,<br />
Unheimlich wirds den Schlemmenden beim Baume,<br />
Wenn Gold zum Trotz er durch ihr Fenster schaut.</p>
<p>Da nutzt kein Leuchtestern und keine Kerzen,<br />
Hilft goldne Krippe nicht und kein Spalier,<br />
Nicht Myriaden Weihnachtsenglein hier,<br />
Er deutet auf den Frost in ihren Herzen.</p>
<p>Wie leicht&#8217;s wärs doch: ein hübsches kleines Grab<br />
zu schmücken und den Penner zu bedauern,<br />
Noch spürt man Solomons gefallne Narben.</p>
<p>Es ist ein Graus mit dieser falschen Zeit:<br />
Den toten Mann verehrt man allbereit,<br />
Doch die Lebendgen müssen weiter darben.</p>
<p>*</p>
<p><strong>III. Zum Himmel hoch<br />
</strong><em>(nach der Kanzelpredigt ökumenisch zu intonieren)</em><strong></strong></p>
<p>Als Sankt Martino Luther reisen tat,<br />
Ins alte Rom, die Stadt der schönen Frauen,<br />
Da packte ihn sehr schnell das nackte Grauen,<br />
So tief gesunken war die heilge Statt.</p>
<p>Wo Pilger beten sollten, rollt&#8217; nur Gold,<br />
In höchsten Ämtern herrschte eitler Wahn,<br />
Die Kirche kurvte auf der schiefen Bahn,<br />
Dies reute Luther, was er bessern wollt.</p>
<p>Schaun wir uns heute diese Stätten an:<br />
Die leichten Damen sind längst abgewöhnt,<br />
Das Gold blieb, und die Herren ausgegraut,</p>
<p>Auch ist kein Luther mehr, der mahnen kann,<br />
Weil man sich eigne Stätten längst gebaut,<br />
Wo anderorts man neuen Götzen fröhnt.</p>
<p>*</p>
<p><strong>IV. Späte Gerechtigkeit</strong></p>
<p>Tief sitzt die Angst der Schönen und der Reichen,<br />
Die angeschafft mit Macht so manchen Schatz,<br />
Sie bangen nun, das alles für die Katz&#8217;<br />
Gerafft und angehäuft, wenn sie erbleichen.</p>
<p>Erbleichen wollen sie zuletzt vermeiden,<br />
Wer festgesetzt zur rechten Zeit das Wort,<br />
So sprechen sie, weicht nicht vom goldnen Hort<br />
und wird den blassen Tod nicht leiden.</p>
<p>Doch leiden täglich viel zu viele Kinder<br />
Des einen Schöpfers, dass man das verstünde,<br />
Das bloße Raffen ist nicht mehr als Sünde,</p>
<p>Drum schonen nicht die eitlen Leuteschinder,<br />
Wenn sie auch täglich viel Rendite machen,<br />
Die Todesengel selbst &#8211; die leise lachen.</p>
<p>*</p>
<p><strong>V. Prophetie</strong></p>
<p>Wär ich Prophet, ich wüsste viel zu sprechen,<br />
Von nahem Unheil, übler Gegenwart,<br />
Vom wahren Sinn des Heiles, das uns ward,<br />
Und starken Engeln, die das Unrecht rächen.</p>
<p>Was Amos, Joel, Jeremia sprachen?<br />
Für Nikoläuse oder Weihnachtsstress,<br />
Für Kaufrausch oder wildes Business<br />
Sprachen sie nicht! Wohl eher, aufzuwachen</p>
<p>Aus süßen Träumen, die uns nur vernebeln,<br />
Weil Wahrheit etwas andres ist als Glimmer -<br />
Und doch wird es mit jedem Jahre schlimmer,<br />
Die Weihnachtsbotschaft gänzlich zu zersäbeln,<br />
In goldenen Präsenten zu ertränken -<br />
Wär ich Prophet &#8211; das gäb ich zu bedenken.</p>
<p>*</p>
<p><strong>VI. Oh Tannenbaum!</strong></p>
<p>Es steht ein Baum und kümmert in der Stube,<br />
Wie jedes Jahr ein Anblick für die Tränen,<br />
Der Inbegriff von unerfülltem Sehnen,<br />
Wenn Frühlingshoffnung nadelt in die Grube.</p>
<p>Es ist dem mittelmäßig ausgelernten Manne<br />
Bekannt, dass Bäume, wenn man ihre Wurzeln<br />
Abhackt, verenden müssen: Blättlein purzeln<br />
Zu Boden &#8211; oder Nadeln bei der Tanne.</p>
<p>Doch scheint&#8217;s egal, denn jedes Jahr aufs Neue,<br />
Zur gleichen Zeit und für die selbe Spanne,<br />
Geschieht der Pflanzenmord auf gleiche Weise.</p>
<p>Man sagt, es sei, auf dass man sich erfreue,<br />
Nichts schön&#8217;res gäb es als die tote Tanne.<br />
Glaub mir: Die Menschen haben eine Meise!</p>
<p>*</p>
<p><strong>VII. Doofe Weihnachten</strong></p>
<p>Das Zeug ist viel, Geschenklein ohne Ende,<br />
Davon viel Müll, manch Krempel nur; man fragt,<br />
auffindend, was man gar nicht braucht, und klagt,<br />
dass, was man eigentlich gewollt, nicht fände.</p>
<p>Hilft uns das Wort nicht, wollen wir verzagen.<br />
Soll, was nicht werden darf, dann Retour gehn?<br />
Darf, wem die Hoffnung dunkel ward, dann sehn?<br />
Wenn heute nicht &#8211; was bringt das ganze Klagen?</p>
<p>Es geht vorbei, mein Herz, ist fast vorüber!<br />
Das schlimme Fest, das jedes Jahr uns quält;<br />
Der letzte Engel ist schon ausgezählt,<br />
Der letzte Niklaus zieht sein Mützchen über,<br />
Und stiefelt grummelnd in den Bart davon -<br />
Nicht lange und man feiert Fasnacht schon!</p>
<p>*<strong><br />
</strong></p>
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