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	<title>Niarts Anastratin &#187; Reise</title>
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	<description>Anastratin - das Online-Kulturdings von www.niarts.de</description>
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		<title>Norden, nördlicher, Kap. 3</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Aug 2008 09:26:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Dühning</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Teil drei des Reiseberichtes: Mittwoch, 13.08.08 Mit zu wenig Schlaf kommt wenig Freude auf, darum fühlte ich mich am gesamten Mittwoch recht elend, wobei auch das miese Wetter und meine Fußverletzung kräftig mithalfen. Während sich meine Füße nur ziemlich bedenklich anfühlten vom vielen Laufen &#8211; ein Königreich für ein Fahrrad! &#8211; war das Wetter katastrophal. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-191" title="Norderney, am Strand" src="http://www.anastratin.de/wp-content/uploads/2008/08/norderneystrand-2-400.jpg" alt="" width="400" height="402" /></p>
<h2>Teil drei des Reiseberichtes: Mittwoch, 13.08.08</h2>
<p>Mit zu wenig Schlaf kommt wenig Freude auf, darum fühlte ich mich am gesamten Mittwoch recht elend, wobei auch das miese Wetter und meine Fußverletzung kräftig mithalfen. Während sich meine Füße nur ziemlich bedenklich anfühlten vom vielen Laufen &#8211; ein Königreich für ein Fahrrad! &#8211; war das Wetter katastrophal. Mehrmals kamen wir in heftige Schauer und wurden ganz verregnet. Dabei hatte der Wetterbericht ganz anderes versprochen gehabt für den Inseltag!</p>
<p><span id="more-184"></span><br />
Auf dem Programm stand heute die Norderney, &#8220;Nordens neue Insel&#8221;. Um sie zu besuchen begaben wir uns zunächst zum Marktplatz in Norden, wo wir bei der Kurverwaltung eine leicht vergünstigte Tageskarte für die Fahrgesellschaft kauften. (Die Kurtaxe für Norderney war inklusive, damit hätte man bestimmt noch manch andere hübsche Sachen anstellen können, wäre der Tag ein anderer gewesen.) Danach fuhren wir per Bus zur Mole, wo wir in eine der Frisia-Fähren stiegen, die aber schon ziemlich mit Touris überfüllt war. Mein Bruder wollte unbedingt auf das Promenadendeck, mir jedoch war das zu zugig und etwas zu weit oben, mir wurde schon von der Treppe ganz schwindelig.</p>
<p>Da das Mitteldeck schon mit lauter Gestalten überrannt war, zog ich mich auf das Unterdeck zurück, wo man durch die Bullaugen nicht viel sehen konnte außer dem einen oder anderen Brecher. Doch die Sitze waren dort gepolstert und sehr bequem. Eine Gruppe von munteren Italienern setzte sich um mich herum, &#8220;kesselte&#8221; mich ein, wie ihre Reiseleiterin es selbst nannte, begannen gleich heiter zu schwadronieren, was mich nicht weiter störte, da ich ihre Sprache ja nicht verstand. So konzentrierte ich mich darauf, nicht gleich einzuschlafen, was schwer war, da die Fähre zunehmend ins Schaukeln geriet wie eine Wiege. Doch nach 50 Minuten war die Überfahrt überstanden, auch wenn ich nun seehundemüde war und meine drei Frühstückskaffeetassen gänzlich ihre Wirkung verloren hatten.</p>
<p>Mit weiterhin schmerzenden Füßen schritt ich später über die Promenade von Norderney-Stadt, mein Bruder versuchte mich mit Worten aufzuheitern, was ihm allerdings nicht so recht gelang. In einem billigen Fischrestaurant servierte uns ein jugendlicher Kellner das Mittagessen. Leider muss ich sagen, dass ich in den Restaurants an der Nordseeküste enttäuscht wurde. Hier nahm ich ein Schollenfilet mit preußischem Kartoffelsalat zu mir, doch zuhause mit geeigneter Küche hätte ich beides sicherlich wesentlich besser hingekriegt. Am Vortag war ich schon herbe vom Seelachs enttäuscht gewesen. Die Unsitte, allen Fisch zu panieren, kann ich wirklich nicht nachvollziehen, zumal wenn er danach auch noch fritiert wird. Abgesehen davon, dass das Endergebnis viel zu fett ist, geht dabei jeglicher Individualgeschmack verloren. Doch wir waren wohl einfach in den falschen Restaurants &#8211; am letzten Tag fand mein Bruder noch ein besseres, doch da war mein Magen dann schon hinüber.</p>
<p>Nach dem Essen schritten wir am Nordstrand entlang und wollten Richtung Oststrand, teils aber, weil der jugendliche Kellner uns Seemannsgarn von bevorstehenden Stürmen aufgetischt hatte &#8211; es sei bereits eine Sturmwarnung ausgegeben worden und der Fährbetrieb würde gleich eingestellt &#8211; als Südlichter wussten wir nicht so recht, was wir davon zu halten hatten, teils auch, weil meine Füße auf der steinernen Uferbefestigung zunehmend nachgaben, kamen wir nicht sehr weit.</p>
<p>So machten wir beim Nordbad etwa in Höhe des Denkmals StoppÂ  und logierten zunächst auf dem Wellenbrecher, wo ich mein Handtuch ausbreitete und etwas zu ruhen versuchte. Da mein Bruder wohl ein schlechtes Gewissen hatte wegen der durchsägten Nacht, mietete er einen Strandkorb an, es war die Nr. 70. So kam ich doch noch zu einem Augenblick Strandurlaub am Meer. Zum Baden war es jedoch viel zu kalt und hinter uns braute sich ein grausliges Schauerwetter zusammen.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-192" title="Strandkorbidyll" src="http://www.anastratin.de/wp-content/uploads/2008/08/norderneystrandkorb70-hjd.jpg" alt="" width="400" height="533" /></p>
<p>Nach einer halben Stunde Strandkorbidyll ergriffen wir deshalb die Flucht, kamen schon auf den Dünen dennoch in einen gräulichen Graupelschauer, der uns zerzauste und einweichte. Wir verzichteten auf die weiße Düne, Aussichtsplattform und Leuchtturm, triefend begaben wir uns dann zurück in Richtung Mole. Das war auch besser so, denn auf dem Rückweg musste ich meine Schuhe ausziehen, weil es mit einfach nicht mehr ging. Also versuchte ich es zunächst barfuß, dann in den neuen Sandalen, was so halbwegs klappte. Ich muss aber dennoch ziemlich verwüstet ausgesehen haben, was mir viele mitleidige Blicke verschaffte. Weil wir die nächste Fähre lahmenderweise verpasst hatten, warteten wir im Hafenrestaurant, wo mich ein großer Milchkaffee davor bewahrte, an Ort und Stelle einzunicken.</p>
<p>In der Fähre dann, die wiederum überfüllt war, diesmal aber wohl auch größer als die erste, trennte ich mich wiederum von meinem Bruder und fand nun auch im Bordrestaurant einen Platz. Dort bestellte ich spontan eine große Tasse heiße Schokolade, die ich dann 10 Minuten lang genüsslich nippte. Es war eine gute Idee gewesen, Schokolade hat etwas besonderes an sich, vielleicht sogar magisches. Ich erinnere mich, dass ich schon als Kind vor vielen, vielen Jahren heiße Schokolade auf einem Schiff getrunken hatte, doch es war auf dem Schwabenmeer und zusammen mit meinen Großeltern, bei einer Rundfahrt Richtung Bregenz. Das war auch sehr schön gewesen &#8211; und mit der Schokolade und den Erinnerungen gewann ich neue Kraft.</p>
<p>Die Erinnerung sei das einzige Paradies, aus dem man nicht vertrieben werden könne, habe ich im alten KGT-Gästebuch vor einiger Zeit mal in einem Beitrag eines Abiturienten gelesen &#8211; nun, das stimmt nicht ganz, auch Erinnerungen können verloren gehen. Das wurde mir klar, als ich während meines Studiums neben einer Alzheimerpatientin lebte. Insofern liegt Jean Paul leider ziemlich falsch. Symptomatischerweise ging auch kurz darauf der Gästebucheintrag verloren &#8211; das war kurz vor dem Webmasterwechsel. Um schlimmeres zu verhindern, habe ich das KGT-Gästebuch dann auch gleich durch ein neues ersetzt, in der Hoffnung, damit zumindest das digitale Alzheimer besiegt zu haben.</p>
<p>Erinnerungen wertschätze ich sehr, obwohl sie wie gesagt nicht ewig sind. Aber immerhin können Erinnerungen und Assoziationen einen Menschen über manchen Misserfolg hinwegtrösten, außerdem lassen sie Verbindungen knüpfen und sie zeigen Wege auf, die richtig eingeschlagen, immerhin dazu führen können, dass man dem Paradies wieder etwas näher kommt, statt sich noch weiter davon zu entfernen. Dabei ist es unerheblich, ob die Erinnerungen positiv oder negativ behaftet sind, denn man kann ja auch aus Fehlern lernen. Wichtig ist nur, Erinnerungen überhaupt zu haben.</p>
<p>Während sich die Fähre durch ein aufgewühltes, mal an Spülwasser, mal an blinkende Alufolie erinnerndes Meer schob, belauschte ichÂ  die Gespräche am Nachbartisch, eine Gruppe wohl aus Hinterzarten im Schwarzwald. Sie sahen aus, als seien sie direkt aus einer Episode der Schwarzwald-Soap &#8220;Die Fallers&#8221; entsprungen. Es muss aber eine fortgeschrittene Staffel gewesen sein, denn sie sahen schon recht alt aus, wenngleich sie recht munter waren. Irgendwie waren sehr viele zerzauste Gestalten an Bord, sodass ich mich dort mit Recht heimisch fühlen konnte.</p>
<p>Gegen Ende der Fahrt entschied ich mich zu früh, meinen bequemen Platz zu verlassen und stellte mich in einer langen Schlange mit quengelnden Kindern sowie entnervten Eltern. Die Kinder waren sichtlich übermüdet und auf Destruktion aus, die Eltern rigoros. Gelegenheit, das auszukosten, gab es lange, denn das andocken klappte nicht so ganz, die Fähre brauchte dazu ganze zehn Minuten, es gab viel Schelte und viele kleine, quiekige Tränen flossen dabei.</p>
<p>Doch irgendwie gelang es dann doch noch und ich kam raus. Die Rückfahrt im Bus verlief auch ohne Komplikationen, das Wetter besserte sich wieder in schönsten Sonnenschein &#8211; als hätte es die Regenschauer davor nicht gegeben &#8211; und ich beschloss, den nächsten Ausflug auf den Nachmittag zu schieben, da das Wetter am Vormittag bislang immer unzuverlässig gewesen war.</p>
<p>Während mein Bruder abends nochmal ausging, blieb ich zuhause, litt in Ruhe an meinen Füßen und holte etwas Schlaf nach.</p>
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		<title>Norden, nördlicher, Kap. 2</title>
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		<pubDate>Mon, 18 Aug 2008 18:37:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Dühning</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Teil zwei des Reiseberichtes, Dienstag 12.08.08 Dienstag begann mit einem mondänen Frühstück. Neben insgesamt sechs Brötchen (für zwei Personen) waren noch Wurst, Käse, zwei Eier, zwei Gläser Orangensaft, Kaffee, echter Ostfriesentee und ein Schälchen Marmelade mit an Bord. Alles war recht appetitlich zubereitet, die Brötchen auch frisch. Die Reisebeschreibung hatte also nicht übertrieben, als sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Teil zwei des Reiseberichtes, Dienstag 12.08.08</h2>
<p>Dienstag begann mit einem mondänen Frühstück. Neben insgesamt sechs Brötchen (für zwei Personen) waren noch Wurst, Käse, zwei Eier, zwei Gläser Orangensaft, Kaffee, echter Ostfriesentee und ein Schälchen Marmelade mit an Bord. Alles war recht appetitlich zubereitet, die Brötchen auch frisch. Die Reisebeschreibung hatte also nicht übertrieben, als sie das Frühstück anpries.</p>
<p><span id="more-175"></span></p>
<p>Den Vormittag gingen wir dann in die Stadt Norden, wo ich zunächst eine Bankfiliale aufsuchte, um überschüssiges Bargeld deponieren zu lassen. Danach besuchten wir das örtliche Heimatkundemuseum, an wahrlich großer Bau mit vielen historischen Details. Neben Heimatkundlichem ist auch ein Teemuseum angeschlossen, zudem gab es in einer Sonderausstellung einiges über die norder Industrie zu erfahren. Da das Museum sehr umfangreich ist, verbrachten wir dort fast den gesamten Vormittag und verzichteten auf das Waloseum, obwohl es uns sehr empfohlen worden war.</p>
<p>Danach spazierten wir in Richtung Norddeich, was leider deutlich weiter weg lag als mein Bruder meinte und ich befürchtete. Meine Fußverletzung vom letzten Schluchseerundgang blühte auf den harten, roten Pflastergehwegen wieder auf, was mir in den Folgetagen noch viel mehr Schwierigkeiten bereiten würde. Auch das Wetter ließ schnell zu wünschen übrig. Schauer zogen über uns hinweg, wir wurden plitschnass, da nutzte auch unsere wetterfeste Kleidung nichts. Schließlich erreichten wir den Küstenort. In Norddeich suchten wir zuerst den Deich auf um das Meer zu sehen, aber das Meer war leider grade nicht da. Dann besuchten wir die Seehundstation, die leider völlig mit Touristen überlaufen war, ebenso das benachbarte Bad. Deshalb verzichteten wir auf das Wellenbad und marschierten zur Mohle, wo es immerhin ein wenig Wasser gab und einige nette Schiffe. Auch einige Wattwanderer konnten wir beobachten, in der Ferne, in trübem Sonnenschimmer auch die beiden Inseln Juist und Norderney. Auf dem Rückweg nahmen wir dann einen Bus, die Fahrt kostete dank Kurkarte nur 1 EUR. Dieser setzte uns beim Marktplatz in Norden ab</p>
<p>Norden ist eine sehr hübsche Stadt mit klassizistischen Bürgerhäusern und vielen netten, kleinen Geschäften. Insofern ähnelt es etwas Waldshut oder Tiengen, doch ist in mancher Hinsicht besser. In den Geschäften fand ich neben ein paar wirklich brauchbaren, bequemen Sandalen auch einen sturmfesten regengrauen Minischirm, ein paar Stifte und ein kleines blaues Büchlein, in das ich meine Beobachtungen notieren konnte. Wahrscheinlich hätte ich auch noch viel mehr nützliche und unnütze Dinge gefunden, wenn die Geschäfte nicht pünktlich um 18 Uhr geschlossen hätten, was aber auch recht sympathisch ist. Geld scheint doch nicht alles zu sein. Auch die Preise sind in Norden wesentlich humaner als in Waldshut-Tiengen &#8211; so kosteten mich die Sandalen nur 35 EUR, für vergleichbares habe ich am Hochrhein schon das doppelte gezahlt.</p>
<p>Lustig fand ich die Fassade einer Hilfsschule, die sich Piratenschule nennt. Kecke jugendliche Piraten waren dort angemalt, ich musste gleich ein Foto davon machen. In einem weiteren Geschäft, das leider schon geschlossen hatte &#8211; oder zum Glück, blickte ich auf die größte Klangschale, die ich jemals gesehen habe, mit fast einem Meter Durchmesser. Die anzuschlagen, das wäre was gewesen&#8230;</p>
<p>Der Dienstag endete mit einer sternklaren Nacht, die so tat, als hätte es nie geregnet, in welcher ich aber leider auch keine Ruhe fand, weil mein Bruder ganze Wälder zersägte. Am nächsten Morgen fühlte ich mich dann, als hätte ich dreimal Kiel geholt&#8230;</p>
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		<title>Norden, nördlicher</title>
		<link>http://www.anastratin.de/2008/08/17/164/</link>
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		<pubDate>Sun, 17 Aug 2008 13:28:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Dühning</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Norden]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein Reisebericht &#8211; Teil 1: Montag, 11.08.08 Alle 26 Jahre macht auch mal Martin Dühning Urlaub. Zumindest versucht er es. Nach dem letzten echten Urlaub im Jahre 1982 in Norditalien war es nun mal wieder Zeit. Einfallslos, wie ich nun mal bin, verfiel ich auf das Reiseziel meines vorletzten Urlaubs, Ostfriesland, auch, weil ich das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-173" title="Ostfriesland 1981" src="http://www.anastratin.de/wp-content/uploads/2008/08/ostfriesland19811.jpg" alt="" width="400" height="400" /></p>
<h2>Ein Reisebericht &#8211; Teil 1: Montag, 11.08.08</h2>
<p>Alle 26 Jahre macht auch mal Martin Dühning Urlaub. Zumindest versucht er es. Nach dem letzten echten Urlaub im Jahre 1982 in Norditalien war es nun mal wieder Zeit. Einfallslos, wie ich nun mal bin, verfiel ich auf das Reiseziel meines vorletzten Urlaubs, Ostfriesland, auch, weil ich das Meer mal wieder sehen wollte und der Sommer hier bislang schon heiß genug gewesen war, weshalb ich nicht auch noch in den Süden wollte. Deshalb sollte es nun nach NORDEN gehen.</p>
<p><span id="more-164"></span></p>
<h3>Von Lauchringen nach Köln</h3>
<p><strong>5:30 Uhr</strong> &#8211; Aufstehen zur Unzeit, verschlafenes Frühstück, ohne Kaffee leider, letzte Vorbereitungen, eine Woche ohne Computerarbeiten (Juchu!!!) &#8211; schon am Tag zuvor wurde der Computer demontiert für die anstehende Schreibtischreparatur in Abwesenheit.</p>
<p><strong>6:15 Uhr</strong> &#8211; Abfahrt von zuhause an den Bahnhof Lauchringen, dort geht golden die Sonne auf, gegen Westen, wohin die Reise gehen wird, erstrahlen zwei frühmorgendliche Regenbogen. Ein gutes Zeichen, hoffentlich.</p>
<p><strong>6:31 Uhr</strong> &#8211; von Lauchringen aus geht die Fahrt mit dem Interregionalexpress nach Basel, verläuft reibungslos, Ankunft dort 7:15 Uhr, pünktlich, nach Jahren funktioniert die Neigetechnik wohl endlich standardmäßig.</p>
<p><strong>7:21 Uhr</strong> &#8211; Mit dem ICE geht es nach Köln, zum Glück auf vorreservierten Plätzen, denn schon ab Freiburg im Breisgau wird es immer voller im Zug. Die Atmosphäre ist recht lärmig, auf dem Gang des Großraumwagens geht es zu wie in der Abfertigungshalle eines Großflughafens:Â  Menschen mit Koffern drängen vorbei, irgendwelche (Möchtegern-)Manager und Geschäftsleute führen selbstgewichtige Handygespräche, hinter uns schnabulieren zwei Dämchen aus wohl gutsituierten Häusern pausenlos über das luxuriöse Leben von Studenten, irgendwelche möglichen Studentenappartments in allen möglichen Großstädten Deutschlands wie München, Köln, Berlin und anderes. Es ist verwunderlich, das manche Leute so viel und pausenlos schwatzen können, ganz ohne heiser zu werden oder nach Luft zu ringen. Draußen rast die Landschaft vorbei.</p>
<p>Mit leichter Verspätung sind wir um 11:08 Uhr endlich in Köln, wo wir länger Aufenthalt haben.</p>
<h3>Köln und von Köln bis Norden</h3>
<p>Langsam wache ich auf, doch der Schädel schwirrt mir vom frühen Aufstehen. Die Bahnhofshalle Köln ist akkustisch wie optisch eine Katastrophe. Büchse wird sie genannt, und so klingt sie auch. Mehrere Lautsprecherdurchsagen verlaufen synchron in die Nachhallleere.</p>
<p>Völlig unverständlich, psychedelisch &#8211; Sprachnirvana. So muss man hören, bevor man ins letzte Delirium verfällt. Immerhin scheinen allein für die vielen Durchsprechereien mindestens fünf Leute abbestellt zu sein. Soviel haben Waldshut, Lauchringen und Tiengen nicht mal insgesamt zusammen. Hier dagegen scharen sich die Bahnmitarbeiter auf jedem Gleis.</p>
<p>Auf Bahnsteig 3, wo wir später abfahren, fährt zunächst ein Regionalexpress nach Gießen ein. Später trifft unser IC nach Norddeich Mole ein, wird aber wegen einer Baustelle vor Duisburg eine Umleitung nehmen. Wir verlieren damit eine Viertelstunde, aber egal, diesmal brauchen wir ja nicht mehr umsteigen. Außerdem holen wir bei jeder Station ein bisschen auf. Am Ende sind wir wieder in der Zeit.</p>
<p>Diesmal haben wir zwei Plätze in einem Wagenabteil gebucht, aber die Abteile sind sehr eng. Da alles voll ist, wird das Reisen hier sehr unbequem. Vielleicht sollte man das nächste mal doch 1. Klasse buchen, auch wenn es deutlich teurer ist. Neben einem freundlichen Ehepaar aus Baden-Baden, wie wir später erfahren, sitzen zunächst zwei handfeste Männer aus Duisburg im Zug, denen zu lauschen recht lustig ist. In Sprache und Mienenspiel erinnern sie mich an meinen Phoenix-Mitarbeiter Victor. Schon lustig, wie heimelig einem regionale Eigenheiten vorkommen können. Als die beiden in Duisburg aussteigen, ist mehr Platz im kleinen Abteil. Mein Bruder kommt ins Gespräch mit dem badenser Ehepaar. Es ergibt sich, dass beide bei einer Schwarzwald-Schweizfahrt schon mal bei einem seiner Ex-Arbeitskollegen in dessen Hähnchenlokal unvergesslich getafelt haben, vor 20 Jahren, wovon sie immer noch trefflich zu schwärmen wissen, genauso wie von der Insel Norderney, wo es so gut wie nie regnen soll, wie sie betonen. Seit vielen, vielen Jahren, zwölf werden es wohl sein, besuchen sie schon die Insel für eine alljährliche Sommerkur.</p>
<p>Für Lebensgeschichten und Kurzbekanntschaften sind Zugabteile besonders geeignet. Deshalb hatte ich sie auch bevorzugt gebucht. Wenn ich zu Studienzeiten früher in den Zug von Seebrugg nach Freiburg stieg, hatte ich immer wieder interessante Menschen getroffen, die auf der Reise nach Norddeich waren und vieles zu erzählen wussten. Schade, dass es die Linie Seebrugg-Norddeich nicht mehr gibt. Vom Schluchsee direkt in den Norden zu fahren, davon habe ich früher immer geträumt. Vielleicht hätte ich auch früher davon Gebrauch machen sollen, aber da mangelte es mir noch an Geld. Mit 500 DM Unterhalt im Monat ist ein solcher Urlaub eben nicht drin. Schön wäre es trotzdem gewesen.</p>
<p>Nun bewundere ich die jungen Leute in den Zügen, beneide sie auch zugegeben, um ihren jugendlichen Urlaub und ihre offenbar reichlich vorhandenen vermögenden Eltern. Und solche jungen Leute gibt es viele, dazu aber später mehr. Im kleinen Zugabteil, in dem wir jetzt sitzen, ist davon erst mal nichts zu bemerken. Nur ein nerviger Teenager-Trupp sträunert zwischen den Abteilen herum und ärgert die Leute und den Schaffner. Schullandheim wahrscheinlich, oder eine Jugendtruppe, wohl eher letzteres, denn fast überall sind ja noch Ferien in Deutschland, obwohl die Duisburger vorher erwähnten, dass in Nordrhein-Westfalen die Schule schon wieder beginnt, zeitgleich mit der besagten Streckensperrung der Deutschen Bahn, worüber sich die beiden trefflich amüsierten. Wer gibt schon auf Schülerzüge acht?</p>
<p>In Papenburg steigen zwei weniger appetitliche Damen ein. Sie wollen uns von unseren reservierten Plätzen verscheuchen, weil sie auch reserviert haben. Obwohl es eigentlich kein Problem gibt, immerhin sind von den sechs Plätzen ja noch zwei frei. Nach kurzer schroffer Auseinandersetzung ist das Abteil wieder vollbesetzt und es währt Totenstille. Selbst die Badener schweigen. Als die beiden Damen wieder aussteigen in Leer, sind alle sehr erleichtert. Die Landschaft hat sich inzwischen gewandelt, die Häuser werden rot, die Heide blüht violett, lila und blau. Große Rotoren auf langen, dünnen Stahlhälsen säumen in Rudeln den Horizont. Schön, dass die Windenergie hier so Einzug gehalten hat. Wie viel Strom man damit wohl erzeugt? Diese Frage stelle ich mir immer wieder.</p>
<p>Auf der Strecke nach Köln hatte ich den technischen Fortschritt aber auch schon bedauert. ICE ist zwar schnell, aber die alte Rheintalstrecke war doch schöner. So schwinden alle Schlösser und Städte und Flussschwingungen, die man in den ICE-Tunneln und Wällen der Schnellstrecke nicht mehr sehen kann. Nun was soll&#8217;s, die alten Zeiten sind wohl ein für alle mal vorbei.</p>
<h3>Norden, am Abend</h3>
<p>Um 15:48 Uhr erreichen wir planmäßig den Norder Hauptbahnhof. Wie vereinbart holt uns unsere Gastgeberin am Bahnhof ab mit dem großen Familienwagen. Obwohl wir die Familie in den kommenden Tagen eigentlich nie zu Gesicht bekommen, zeigen der Kindersitz aber auch viele kleine Schuhe im Hausflur, dass der Name &#8220;Familie&#8221; im Titel wohl zurecht geführt wird.</p>
<p>Unser Fremdenzimmer ist sehr schön und erinnert mich an glücklichere Wohnzeiten. Die Möbel gleichen denen meiner Denzlinger Refendarswohnung, auch der Lichteinfall. Nur der Balkon und die Störche fehlen. Durch Denzlingen waren wir heute morgen übrigens auch gefahren, aber natürlich nicht durch die Wohnung. Was mein alter Vermieter heute wohl macht, sieben Jahre später?</p>
<p>Es ist noch nicht spät, aber die Fahrt war sehr anstrengend, der Schlafmangel macht sich bemerkbar, darum falle ich gleich ins Bett,Â  womit die Reisebeschreibung für heute endet.</p>
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