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	<title>Niarts Anastratin &#187; Schule</title>
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	<description>Anastratin - das Online-Kulturdings von www.niarts.de</description>
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		<title>Digitalisate und ihre Zukunft &#8211; eine Prophezeiung</title>
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		<pubDate>Wed, 04 Jan 2012 19:10:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Dühning</dc:creator>
				<category><![CDATA[Computer & Technik]]></category>
		<category><![CDATA[Glossen und Kommentare]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur und Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisate]]></category>
		<category><![CDATA[Schule]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Angst muss tief stecken, so tief, dass man sogar zum Äußersten bereit ist. Das Äußerste in diesem Fall war ein Vertrag, der es den Schulbuchverlagen ermöglichen soll, eine Abhörsoftware in Schulnetzen zu installieren, um die Lehrer, jene berüchtigten Raubkopierverbrecher, zur Strecke zu bringen. Ein neues Verbrechen wurde dazu geschaffen: Digitalisate! Vorzeichen einer geplanten Verwüstung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Angst muss tief stecken, so tief, dass man sogar zum Äußersten bereit ist. Das Äußerste in diesem Fall war ein Vertrag, der es den Schulbuchverlagen ermöglichen soll, eine <a title="Schultrojaner" href="http://blog.zdf.de/hyperland/2011/11/schultrojaner-paedagogisch-kontraproduktives-spitzelmodell/" target="_blank">Abhörsoftware in Schulnetzen zu installieren</a>, um die Lehrer, jene berüchtigten Raubkopierverbrecher, zur Strecke zu bringen. Ein neues Verbrechen wurde dazu geschaffen: Digitalisate!</p>
<p><span id="more-2880"></span></p>
<h3>Vorzeichen einer geplanten Verwüstung</h3>
<p>Zwar wird &#8211; nach berechtigter Entrüstung in den Medien darüber &#8211; der sogenannte <a title="Nachbehandlung der Causa Schultrojaner" href="http://www.taz.de/!82173/" target="_blank">Schultrojaner nachbehandelt</a>, vom Tisch ist er aber keinesfalls, auch nicht beim Kultusministerium in Baden-Württemberg. So flatterte z. B. allen Lehrkräften am Klettgau-Gymnasium vor Weihnachten Post ins Haus &#8211; dass sie jene schrecklichen Dinge, <em>Digitalisate</em> nämlich, natürlich nicht besitzen dürfen und keinesfalls je erstellen dürfen. Wie immer, wenn man Angst schüren und einschüchtern will, wurde der Sachverhalt nur unzureichend erläutert. Nun denn, soviel kann ich als verschwiegener Obersystemadministrator ja verraten: In den Schulnetzen des Klettgau-Gymnasiums gab es nicht mal welche!</p>
<p>Jedenfalls keine <em>Digitalisate</em> aus Schulbüchern, und nur jene dürften fraglich sein. Dass man dagegen im digitalen Zeitalter Informationen digitalisiert, das ist durchaus erwartbar und zudem &#8211; je nach Zweck und Art der Vorlage in unterschiedlicher Weise &#8211; nach geltendem Recht sogar erlaubt. Nicht zuletzt deswegen gibt es ja Urheberrechtsabgaben inzwischen auf alle Geräte, die dazu auch nur im Entferntesten verwendet werden könnten.</p>
<p>Ausgenommen davon sind in besonderer Weise hauptsächlich Schulbücher. Und genau darum war eine Software angedacht, um digitale Kopien derselben, jene &#8220;zweifelhaften Digitalisate&#8221; aufzuspüren und zu vernichten und jene bekanntermaßen üblen Gesellen, die Lehrer, auf disziplinarischem Wege zu bannen.</p>
<p>Die erste Maßnahme war jetzt jedenfalls eine Verwarnung. Je weniger eine Schuldzuweisung aber zutreffend ist, desto größer ist die Wut und Entrüstung darüber.  Momentan entrüsten sich hauptsächlich die Systemadministratoren, weil sie sowas üblicherweise wieder als Erste auszubaden haben.</p>
<h3>Wie man vollautomatisch zum Verbrecher abgestempelt wird</h3>
<p>Als Administrator, aber auch als Autor eigener &#8220;Lehrwerke&#8221; habe ich dagegen einiges einzuwenden. Nicht nur, dass in manchen anderen Schulen in überzogenem Maße nun jeder Scanner als &#8220;Mordwaffe&#8221; gebrandmarkt wird und es sogar andernorts Schulleiter geben soll, die sämtliche Nutzungsmöglichkeiten (inklusive Laufwerke und Netzverbindung) von PCs rigide verhindern möchten.</p>
<p>He, wenn man sie dann sowieso nicht mehr nutzen soll, außer als überdimensionierten Taschenrechner, wozu hat man in den vergangenen 10 Jahren das ganze Gerümpel für unmäßig viel Geld angeschafft und zwischenzeitlich nahezu jede Lehrkraft gezwungen, sich mit Computern zu beschäftigen &#8211; ob sie wollte oder nicht?</p>
<p>Wozu verbrennt man wochenweise Manneskraft mit der Instanthaltung einer ganzen Armee von Rechnern, wenn man umgekehrt jegliche produktive Betätigung damit verhindern möchte? Denn darauf läuft es ja wohl hinaus, wenn man gleich alle &#8220;Digitalisate&#8221; verhindern will!</p>
<h3>Was ist ein &#8220;Digitalisat&#8221;?</h3>
<p>Ein <em>Digitalisat</em>, so erklärt es beispielsweise auch die <a title="Digitalisat auf Wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Digitalisat#Endprodukt" target="_blank">allwissende Wikipedia</a>, ist ja letztlich nichts anders als eine mittels technischer Hilfsmittel wie Scanner oder Digitalkamera angefertigte digitale Kopie eines analogen Werkes, also das Endprodukt einer Digitalisierung. Folglich muss sie entweder als Bild oder als per OCR umgewandeltes Textdokument vorliegen. Die Möglichkeiten im Einzelnen sind da enorm, womit dann auch die technischen Probleme beginnen. Mit simplen &#8220;Wasserzeichen&#8221; wie bei Musikdaten (Mp3 etc.)  ist es in diesem Falle nämlich nicht getan. Nötig wäre ein enorm aufwendiger Abgleich mit einer gemischten Text/Bilddatenbank mit entsprechendem Traffic im System. Falscher Alarm wäre an der Tagesordnung.</p>
<p>Denn wie bitte schön soll jede noch so geniale Software rechtmäßig erstellte digitale Inhalte von unrechtmäßigen unterscheiden, besonders dann, wenn es noch nicht einmal die Verlage selbst sauber trennen?</p>
<p>Zwei Beispiele: Sowohl eine Glosse der Schülerzeitung Phoenix hat es in ein Lehrbuch geschafft als auch einige Unterrichtsmaterialien aus meinem Religionsunterricht. Im ersten Fall ist es weniger dem Verlag, als der VG Wort zu verdanken, dass der Urheber (ich) ordnungsgemäß vergütet und als solcher geführt wird, wie man dann auf S. 49 der neuen Ausgabe des Cornelsen Deutschbuchs <em>Orientierungswissen Deutsch</em> im Kapitel über Satirisches Schreiben auch nachlesen kann. Übrigens bin ich durchaus stolz darauf, es als Autor in ein bundesweit vertriebenes Schulbuch geschafft zu haben.</p>
<p>Im zweiten Fall hatte ich weniger Glück. Zwar fragte auch hier der Kösel-Verlag artig nach, als er meine Arbeitsblätter zu Utopia von Thomas Morus für seinen Lehrerkommentar zu Mittendrin 9/10 verwendete, und ich gab sie ihm wie immer &#8211; ganz der Creative Commons verpflichtet &#8211; freiwillig und mit besten Wünschen, sodass man auf S. 52 des Lehrerkommentars zu Mittendrin 3 als Material 1.8 mein passendes Arbeitsblatt fast wörtlich übernommen findet, aber im ganzen Lehrerkommentar findet sich kein einziger Hinweis auf die verwendeten Quellen. Wie bitteschön soll eine noch so genial konzipierte Plagiatsoftware da auf einen anderen Schluss kommen, als dass der um sein Urheberrecht gebrachte Autor nun zum Plagiator gebranntmarkt werden muss?</p>
<p>Darf ich jetzt also künftig meine eigenen Arbeitsblätter nicht mehr in der Schule einsetzen? Oder nur noch mit Schützenhilfe meines Anwalts? Genau danach sieht es aus!</p>
<p>Das ist schon ziemlich schlimm und hat dazu geführt, dass ich mit Arbeitsblättern inzwischen weit weniger freigiebig geworden bin, als ich das früher war, als alle meine Schüler meine selbsterstellten Arbeitsblätter auch auf der Niarts-Webseite herunterladen konnten. Fast könnte man meinen, dass es die Schulbuchverlage bestimmt auch nicht sehr schmerzt, wenn unliebsame Konkurrenz aus dem Netz schwindet. Vielleicht ist das ja sogar gewollt.</p>
<h3>Der Staat misstraut seinen Angestellten</h3>
<p>Härter trifft mich die Digitalisate-Propaganda aber als Administrator, denn dann muss ich künftig womöglich (natürlich mal wieder ganz unentgeltlich) als Erfüllungsgehilfe der Rechteverwertungsindustrie dabei helfen, Lehrerkollegen auszuspionieren.</p>
<p>Das geht mir nun wirklich gegen den Strich: Hier wird eine Saat des Misstrauens gesät, die &#8211; einmal mehr &#8211; recht wenig für den Dienstherrn spricht. Dieser misstraut offenbar seinen eigenen Beamten, die neben zwei Staatsexamen immerhin eine lange Probezeit hinter sich haben und dabei auch mehrfach auf die rechtsstaatliche Verfassung schwören mussten.</p>
<p>Das reicht aber offensichtlich nicht. Sonst müsste man sie ja nicht dauerüberwachen. Es sind ja offenbar alles potentielle Verbrecher. Schlimm, dass wir solchen Übeltätern unsere Kinder anvertrauen müssen, die freilich, weil sie ja ebenfalls potentielle Verbrecher sind, gleich mitüberwacht werden&#8230;</p>
<h3>Die Zukunft ist trotzdem digital</h3>
<p>Freilich, die Paranoia, die hier ganz offensichtlich am Werk ist, wird gegen die technische Entwicklung nicht viel ausrichten. Sieht man sich die Entwicklung in anderen Teilen der Welt an, wo es keine Buchpreisbindung gibt und verbindet den blühenden digitalen Buchmarkt mit der neue Gerätekategorie der Tabletrechner und mit den Notwendigkeiten des Schulalltags, dann braucht man kein großer Prophet sein, um zu erkennen, dass hier nichts so bleiben kann wie es gerade ist. Nicht nur der immer noch präsente Visionär Steve Jobs <a title="Spiegel.de: Schulbücher per iTunes?" href="http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,807093,00.html" target="_blank">hielt überfüllte Schulranzen im 21. Jahrhundert für veraltet</a> und war noch ganz am Schluss dabei, das iTunes-Prinzip und die Tablets in die Schulen zu tragen.</p>
<p>Projekte wie <a title="Projekt Gutenberg" href="http://gutenberg.spiegel.de/" target="_blank">Gutenberg.de</a>, aber auch die <a title="Zeno - ein Projekt der Digitalen Bibliothek" href="http://www.zeno.org/" target="_blank">Digitale Bibliothek</a> haben schon viel früher erkannt, dass das digitale Zeitalter angebrochen ist. Als Student, also vor mehr als 10 Jahren,  habe ich selbst aktiv dabei mitgeholfen, alte seltene Texte zu digitalisieren, um sie überhaupt wieder für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dafür hatte ich mich auch über das Regelstudium hinaus mit vergessenen Autoren beschäftigt wie Danziger Barockdichtern (Stichwort: <a title="Johannes Plavius - digitalisiert" href="http://www.niarts.de/plavius/index.html" target="_blank">Plavius</a>) oder mit dem oberrheinischen Dichterkreis um Johann Georg Jacobi. Beides war kein Verbrechen, sondern wissenschaftliche Arbeit und kulturschaffende Tätigkeit!</p>
<p>Nicht alle Digitalisate sind schlecht, wie es uns die Verlagsindustrie nun glauben machen will, indem sie den Begriff propagandistisch negativ besetzt!</p>
<p>Unabhängig davon bin ich auch heute immer noch der Überzeugung, dass uns das papierne Buch in Literaturkreisen <a title="Anastratin.de: Warum das Buch wohl nicht so schnell sterben wird..." href="http://www.anastratin.de/2009/04/25/warum-das-buch-wohl-nicht-so-schnell-sterben-wird/" target="_blank">noch lange erhalten bleiben</a> wird. Denn es hat in Sachen Nachhaltigkeit durchaus bleibende Vorzüge. Aber Gebrauchstexte, wie sie außer in Zeitungen auch in Schulbüchern zu finden sind, lassen sich problemlos durch digitale Inhalte ersetzen.</p>
<p>Damit meine ich <em>nicht</em>, dass man in plumper Manier Schulbücher einscannt, wie das jetzt von Verlagsvertretern, aber auch Teilen der Kultusministerien unterstellt wird. Denn das tut kein Lehrer, der halbwegs etwas von sich hält. Lehrer, zumindest die am Gymnasium, sind fachlich qualifizierte Hochschulabsolventen, die ihre Texte und Arbeitsblätter durchaus selbst schreiben können. Und wenn sie auch nur ein bisschen was auf sich halten, dann tun sie das auch.</p>
<p>Neben den Schulbüchern gibt es dank der modernen Referendariatsausbildung in jeder Fachschaft verborgene Schätze von Lernzirkeln, individuell zugeschnittenen Arbeitsblättern und gute Lehrer haben ganze Schrankwände bei sich zuhause gefüllt mit eigenem Unterrichtsmaterial.</p>
<p>Das einzige, was sie in Schulen bislang davon abhielt, ihre Werke in größerem Ausmaß zu verbreiten, sind die immensen Kopier- und Druckkosten, die schon immer ein besserer Kopierschutz waren als es jede Überwachungssoftware jemals sein könnte.</p>
<h3>Künftig: Tablets als Schulbuch &#8211; und PC-Ersatz</h3>
<p>Und genau diese Druckkosten fallen mit Ebookreadern und Tablets aber mittelfristig weg. Sobald eine Schule nur auf die Idee kommt, solche als Lehrmittel anzuschaffen, müssen die Schulbuchverlage tatsächlich bangen, insbesondere in Zeiten, wo jede Schule ein schuleigenes Curriculum mit individuellen Lehrinhalten bieten muss, was durch kein Schulbuch vernünftig abgedeckt werden kann.</p>
<p>Man muss kein Visionär sein um zu begreifen, dass neben den papiernen Schulbüchern auch die Computerräume auf der Liste der bedrohten Arten stehen. Denn sie sind zu sperrig, nehmen Schulraum weg, sind teuer in der Anschaffung und Erhaltung und zeitaufwendig in der Wartung. Selbst mit einem genialen Systemadministrator, den es in Schulen nur selten gibt &#8211; denn er muss am puren Schulalltag verzweifeln, wird ein normaler Lehrer mit der Massenabfertigung Computerraum nur mäßig glücklich, denn sie passt nicht zum pädagogischen Ziel der Individualbetreuung.</p>
<p>Zudem fühlt sich die autonom agierende Lehrkraft immer der Willkür eines Systems ausgeliefert, das sie womöglich kontrollieren will, allein dadurch, dass es sich der Kontrolle des Pädagogen entzieht, oder nicht richtig funktioniert.</p>
<p>Darum, weil die PCs letztlich so unpraktisch in der Handhabung sind wie die Schulbücher im Ranzen von Durchschnittschülern zu schwer, werden beide in absehbarer Zeit schwinden und gegen das ersetzt werden, was jetzt schon bei fast jedem Schüler vorhanden ist &#8211; eine Art Smartphone, nur etwas größer und mit Touchscreen oder Stift, leicht zugänglich, intuitiv nutzbar, interaktiv, optimalerweise mit einer Funkverbindung zu einem Projektionsgerät oder Bildschirm und einer Tauschmöglichkeit mit der Lehrkraft und für die Schüler untereinander.</p>
<p>Kleine, smarte Geräte, die jeder dabei hat und auf die er alles das kopieren und bearbeiten kann, was er gerade braucht &#8211; mehr braucht es für den Durchschnittsbetrieb an der Schule eigentlich nicht.</p>
<p>Das aber genau ist der Alptraum nicht nur der Schulbuchindustrie!</p>
<h3>Technik muss Hilfsmittel sein, kein Knebel</h3>
<p>Der neuerliche Vorstoß mit der Plagiatfindungssoftware mag aus dieser düsteren Sicht entstanden sein. Er wird diese Entwicklung dennoch nicht verhindern, sondern sogar beschleunigen, denn sie setzt das klassische Schulnetz dem Überwachungsverdacht aus und senkt seine Akzeptanz beim Nicht-Informatiklehrer (die große Mehrheit) noch weiter. Die getreuliche Befolgung von ministerialen Diktaten durch missmutige Erfüllungsgehilfen wird der klassischen Kübelinformatik daher langfristig den Rest geben und eigenverantwortlichen Lösungen und privaten Initiativen weiteren Vorschub. Schüler sind technisch inzwischen ohnehin viel weiter im Smartphone-Zeitalter angekommen, und die meisten Lehrkräfte sind es auch, ganz unabhängig vom Alter.</p>
<p>Schulen lassen sich daher nicht kontrollieren wie ein Gefängnis, und das passt auch einfach nicht zum Duktus einer demokratischen Gesellschaft, darum wird es auch nicht gelingen, zum Glück.</p>
<p>Ob man als Demokrat in einer iTunes-Monokultur glücklicher wird, die letztlich auch <a title="Heise - Wir brauchen wütende Nerds" href="http://www.heise.de/tr/artikel/Wir-brauchen-wuetende-Nerds-1397391.html" target="_blank">stark kontrollierend</a> ist, ist eine andere Frage, wenn sie sich in Schulen denn überhaupt stellen würde. Von ihrem Selbstverständnis her sind Lehrkräfte nämlich immer entweder Autokraten oder sehr kollegial gesinnt, niemals jedoch glücklich-dümmliche Untertanen, die kommentarlos Befehle ausführen. Daher sind jegliche Diktate zu einer unhinterfragten Monokultur zum Scheitern verurteilt, ebenso Abo-Modelle, denn die Schulträger können sich diese nicht leisten, zumindest nicht in dem finanziellen Rahmen, wie es sich die Verlagsindustrie mit scheelem Blick auf die Mobilfunkbranche wünscht.</p>
<p>Am ehesten Zukunft hat ein System, das dem einzelnen Pädagogen die Freiheit lässt, die Technik als das zu nutzen, was sie ist, ein optionales Werkzeug bei der didaktischen und pädagogischen Arbeit. Glücklich ist die Lehrkraft, wenn sie bei der ganzen Sache auch noch für ihr Fach kreativ sein kann. Ein System aber, was von oben herab diktiert wird und die persönliche Lehrfreiheit und Kreativität im Umgang mit den Schülern beschneidet, hat dagegen auf Dauer keine Chance, nicht einmal als Drohkulisse.</p>
<p>Das heißt nicht, dass ein solches System nicht hie und da mühsam errichtet wird, manche Schulen lieben es ja, mit teuren, wenn auch obsoleten Anschaffungen zu protzen (man erinnere sich an die Sprachlabore der 70er, manch sinnfreie Computeranschaffungen in 80ern und 90ern und neuerdings die sogenannten &#8220;Whiteboards&#8221;, teure Spielzeuge für prestigesüchtige Schulleiter und Systemadministratoren mit zuviel Freizeit). Ministerien spielen zur Not auch gerne mal die Disziplinarkarte aus und erlassen Verordnungen, ganz egal, ob diese umsetzbar sind oder nicht.</p>
<p>Aber beides wird wohl aufs Ganze gesehen ins Leere gehen. Dinge, die nicht Hand und Fuß und auch kein Herz haben, lassen sich auf Dauer nicht halten, oder nur mit unverhältnismäßig großem Energieaufwand. Beides würde in unserem Bildungssystem an den fortlaufenden Kosten von Zeit und Geld scheitern.</p>
<p>Die Zukunft der Technik ist deshalb eine, die wie von selbst zum Schulalltag passt, die sich geschmeidig anpasst, mithin eine dienende, aber sicher keine knebelnde. Und sie wird sinngemäß individualistisch sein, also vom Einzelnen ausgehen -und von ihm auch bezahlt werden müssen.</p>
<p>Je mehr man sich dagegen stemmt, desto schneller tritt es ein. Da hilft auch kein Lobbying.</p>
<p>Überfällig ist es längst. Und es wird kommen. Sehr, sehr bald &#8230;</p>
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		</item>
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		<title>Nichts zu lachen am KGT&#8230;</title>
		<link>http://www.anastratin.de/2011/02/05/nicht-zu-lachen-am-kgt/</link>
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		<pubDate>Sat, 05 Feb 2011 11:41:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Dühning</dc:creator>
				<category><![CDATA[Glossen und Kommentare]]></category>
		<category><![CDATA[KGT]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Schule]]></category>
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		<description><![CDATA[Wir leben in scheinbar blühenden, aktiven Zeiten am Klettgau-Gymnasium. Theater gibt es viel, auch viel Musik, viel Austausch, viel Sozialaktionen und neuerdings auch wieder deutlicher bildende Kunst, aber der Humor schwindet dabei zusehens, Komödien werden ja schon lange nicht mehr gespielt. Mit Ibsen steht immerhin wieder einmal ein echter Klassiker, durchaus auch sternchenthemenkompatibel, mit Hänsel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir leben in scheinbar blühenden, aktiven Zeiten am Klettgau-Gymnasium. Theater gibt es viel, auch viel Musik, viel Austausch, viel Sozialaktionen und neuerdings auch wieder deutlicher bildende Kunst, aber der Humor schwindet dabei zusehens, Komödien werden ja schon lange nicht mehr gespielt. Mit Ibsen steht immerhin wieder einmal ein echter Klassiker, durchaus auch sternchenthemenkompatibel, mit Hänsel und Gretel eine prominente Märchenoper auf der Bühne, es gibt nun statt Profilwochen und Projekttagen die ganz neuen Thementage und noch vieles, vieles mehr, wie der dankbar-füllige KGT-Terminkalender verrät.</p>
<p><span id="more-2008"></span></p>
<p>Ja, selbst an den Wochenenden und nachts ist fast immer was los. Doch eine Zeit für stille Töne oder mußevolle Kunst um ihrer selbst willen, die findet sich innerhalb die Schulgeländes nicht, noch nicht, vielleicht auch nie mehr. Schlaf oder Pausen scheinen die Akteure am KGT weiterhin nicht zu brauchen.</p>
<p>Es wird geklotzt und nicht gekleckert. Mit großen Aktionen, wo man sich nur wundert, wo all die Kraft herkommen soll in Zeiten des Doppelabiturs, werden weniger offene Akzente als vollendete Tatsachen geschaffen &#8211; oder man versucht es zumindest. Denn ob&#8217;s so gelingen kann, ist fraglich. Für zartbesaitete Diplomaten hat man dagegen wenig übrig. Leider auch nicht für stille Arbeiter, die das alles letztlich schultern müssen, die breite Masse, die solide, aber leider nicht &#8220;kreativ genug&#8221; ist. Sie wird bestenfalls ignoriert, häufig schon zurecht gebogen. Ja, teils hat man durchaus das Gefühl, dass längst ein Erbfolgekrieg um Pfründe ausgebrochen ist, die doch erst in einigen Jahren, wenn die Schulleitung doppelt wechselt, zu vergeben sind, wenn überhaupt. In der unausgesprochenen Angst vor den &#8220;diktatorischen Zuständen&#8221; im Waldshuter Nachbargymnasium führt man ganz intuitiv das herbei, was man doch eigentlich vermeiden will, eilig-herrscherliche Strukturen und ein davon überlastetes und sich zunehmend zurückziehendes oder egoistischer agierendes Kollegium. Nicht immer ist es Eigennutz, teils ist es blanker Selbstschutz.</p>
<p>Man könnte sich da ja fragen, ob eine Schulpolitik nur einen Hauch von zukunftssicher ist, wenn sie blindlings davon ausgeht, dass die Dinge immer optimal bleiben werden, wie sie es jetzt gerade im Moment offensichtlich sind, wo sich die Verhältnisse doch schon in den letzten Jahren so massiv geändert haben.</p>
<p>Wenn nicht klar ist, wie sich Dinge künftig entwickeln werden oder wenn gar kaum zu erwarten ist, dass es noch sehr viel mehr Spielraum geben wird, müsste man dann nicht vielmehr Freiräume schaffen für Kräftereserven (und zwar zeitliche, nicht bloß räumliche!), damit man welche hat, wenn sie nötig werden, was doch mehr als wahrscheinlich ist?</p>
<p>Wenn man Leute in Zeiten, wo die lehrerliche Hauptarbeit eigentlich voll und ganz auslastet, auf immer mehr Baustellen arbeiten lässt, muss man sich dann wundern, wenn die Lust allgemein hinschwindet, dass man die Leute immer mehr schieben muss, weil niemand, auch keine noch so perfekten Lehrkräfte oder Schüler, rund um die Uhr von allem aktiv begeistert sein können? Bei manchen Dingen hat man auch nicht unbedingt das Gefühl, dass sie wirklich &#8220;erdbebensicher&#8221; konzipiert sind oder muss sogar Angst haben, dass man später von eventuellen Trümmern gleich miterschlagen wird.</p>
<p>Man könnte, was aber zweifellos viel böses Blut geben würde, mal eine Liste von Prioritäten für die nächsten zwei Jahre setzen, statt alles mal so &#8220;experimentell&#8221; durchzuprobieren, Ressourcenkonflikte einfach zu ignorieren und letztlich sehr kaltherzig &#8220;das Gesetz der Selektion&#8221; entscheiden zu lassen. &#8220;Survival of the fittest&#8221; mag zwar eine fachgerechte Erklärung biologischer Abläufe sein, aber moralisch sind ihre Ergebnisse selten, zwischenmenschlich wirkt das, zum inoffiziellen Leitmotiv erhoben, schlechthin fatal und die damit verbundenen selektiven Verluste können wir uns schlichtweg nicht leisten!</p>
<p>Das wissen viele Schüler und eine Menge Lehrer am KGT, vermeiden daher in der Regel auch öffentliche Kritik, halten sich im Zweifelsfall einfach zurück und agieren zunehmend abwartend. Alle wollen doch überleben. Wer wollte sich darüber beklagen? Ich fürchte aber, die Enttäuschung bei den vielen Einzelakteuren wird trotzdem groß sein und die eigentliche Ursache für die schon jetzt oft beklagte fehlende Resonanz wird weiter verdrängt werden.</p>
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		<title>Willkommen im neuen Schuljahr 2010/2011!</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Sep 2010 12:19:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Dühning</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geheimdienstberichte]]></category>
		<category><![CDATA[NID Dossiers]]></category>
		<category><![CDATA[2010]]></category>
		<category><![CDATA[2010/2011]]></category>
		<category><![CDATA[KGT]]></category>
		<category><![CDATA[Schule]]></category>
		<category><![CDATA[Schuljahr]]></category>
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		<description><![CDATA[Nun ist es da! &#8211; Mit dem neuen Schuljahr beginnt mit dem Doppeljahrgang wieder so eine heiße Phase der Gymnasialreform. Wenngleich der Doppeljahrgang selbst und seine unmittelbaren Folgen von manchen wohl auch überbewertet werden, so ist er doch eine logistische Herausforderung und erzwingt auch einiges an Umdenken &#8211; mithin auch deutlich mehr Effizienz von Lehrern [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nun ist es da! &#8211; Mit dem neuen Schuljahr beginnt mit dem Doppeljahrgang wieder so eine  heiße Phase der Gymnasialreform. Wenngleich der Doppeljahrgang selbst  und seine unmittelbaren Folgen von manchen wohl auch überbewertet  werden, so ist er doch eine logistische Herausforderung und erzwingt  auch einiges an Umdenken &#8211; mithin auch deutlich mehr Effizienz von  Lehrern und Schülern. Die sich daraus ergebenden mittel- und  langfristigen Konsequenzen werden sich aber wohl erst im darauffolgenden  Schuljahr so richtig zeigen. Letztlich verjüngt sich dadurch doch das  Personal und durch den faktischen Wegfall der alten Klassenstufe 11 geht  dem Gymnasium auch eine Stufe verloren, die bislang in SMV und vielen  AGs die schülerische Trägerschicht stellte. Entweder müssen die  Schüler dann wohl jünger erwachsen werden, oder Lehrkräfte die Lücken  ausfüllen.</p>
<h3>Was war&#8230;</h3>
<p>Es war einmal ein traumhafter Stundenplan mit zwei unterrichtsfreien  Tagen unter der Woche&#8230; hach &#8230; &#8211; Allerdings haben wir die ja auch  dringend gebraucht bei den vielen Oberstufen- und Abikorrekturen neben  den EDV-Reparaturen her. Trotzdem, es war ein bedeutsames Jahr und bis  auf die Korrekturen auch eines, an das man sich gerne zurückerinnert:  Die Schüler waren ja eigentlich ziemlich nett und auch kreativ. Mit dem  Abitur 2010 ging ein Zeitalter zuende, das erste Kapitel Lehrertum am  KGT. Nun gibt es keine Lehrer der ersten Stunde mehr. Nun gibt es keine Schüler mehr, die Herrn Dühning noch kannten, als  er jung und unverbraucht war (die neuen jungen Schüler vergleichen ihn stattdessen schon mit Dr. House). Bald gibt es auch keine G9er mehr. Das  allerletzte Aufgebot bleibt immerhin  in Form der künftigen Reli-13er.</p>
<p>Mit dem Schuljahresende  2009/2010 stehen auch einige personelle Wechsel an. Mit Herrn Braun und  Frau Conrads verließen zwei prägende Urgesteine das Klettgau-Gymnasium  und die Geschichte wandelt sich. Ein Menschenzeitalter ging zuende. Die  amtierende Lehrergeneration hat von vielen Dingen keine Ahnung mehr und  ist bereits fleißig dabei, unnötig Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Das  künftige KGT wird trotzdem ein neues und anderes sein.</p>
<p>Gleichzeitig  scheint momentan der Zenit von Herrn Dühning überschritten: Als den  großen Erben hat man ihn einst bezeichnet, und diverse teils  unbeabsichtigte Erbschaften sind dabei, ihn zu verausgaben. Er ist  EDV-Technischer Leiter, Webmaster, faktisch stellvertretender  Pressechef, KGT-Songtexter, Beichtvater und neuerdings auch Personalrat &#8211;  wenngleich letzteres wohl nicht von Dauer bleiben wird. Insgesamt ist  die Zusammenstellung so auch etwas zuviel, weshalb nun eine strikte  Abrüstung ansteht: Der Posten des Webmasters wird im Laufe des kommenden  Schuljahrs an Kollegin Goeres übergehen. Der Personalratsposten geht an  denjenigen, der die neuerliche Wahl gewinnt. Hoffen wir, dass sich  diesmal auch genug KandidatINNEN stellen. Und bitte diesmal mehr als die unbedingt erforderliche  Mindestzahl, damit es keine weiteren Abzählspielchen gibt&#8230;</p>
<h3>Was wird&#8230;</h3>
<p>Alles neu macht der September! Viele neue Klassen gibt es im  Schuljahr 2010/2011, insbesondere gut mit Stunden vertreten ist die  Klasse 5c, deren Klassenlehrerschaft Martin Dühning ab diesem Schuljahr  übernimmt, traditionsgemäß im guten alten Raum 202B, der aber so langsam  dringend mal wieder einen neuen Anstrich bräuchte. Das wäre doch mal  wieder was. Auch sonst steht unterrichtstechnisch einiges kreatives auf  dem Plan &#8211; zeichnet sich am Horizont doch schon das nächste  Schullandheim ab. Ansonsten, keine personellen Unglücksfälle  vorausgesetzt, fällt die Oberstufenbelastung zunächst moderat aus trotz  Doppeljahrgang und auch im Netzwerk scheint es aufwärts zu gehen,  wenngleich auch sehr langsam.</p>
<p>Denn EDV-technisch geht wieder  einmal alles nicht so schnell, wie man es sich wünscht. Die Umstellung  der Clients auf Windows 7 war über die Sommerferien noch nicht möglich,  denn die verwendete paedML ist noch nicht soweit. Verzögerungen gibt es  auch bei der Erneuerung der KGT- und der Phoenix-Webseite. Die  Joomla-Entwickler sind nun bald bei Beta 9 angelangt, aber wohl noch  lange nicht bei der Endversion des langerwarteten Joomla 1.6. Damit  wären die Sommerferien eigentlich fast mal zu nutzen gewesen &#8211; hätten  wir 2010 nicht einen der kältesten und nassesten Augustmonate seit  Beginn der Wetteraufzeichnungen gehabt. Naja, c&#8217;est la vie&#8230;</p>
<p>Aus  dem, was noch nicht fertig ist, kann man sich nun relativ einfach  ableiten, was dann dieses Schuljahr wohl noch kommen wird: Ein paar  EDV-Veränderungen mitten im Schuljahr. Hoffen wir, dass das klappt! <img src='http://www.anastratin.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> </p>
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		<title>Halbgötterei</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Feb 2010 13:01:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Dühning</dc:creator>
				<category><![CDATA[Glossen und Kommentare]]></category>
		<category><![CDATA[Heldentum]]></category>
		<category><![CDATA[Schule]]></category>
		<category><![CDATA[Tragik]]></category>
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		<description><![CDATA[Der ideale Lehrer ist hünenhaft männlich, von archaisch großer und vollkommener Gestalt, eine charismatische Autorität, vollkommen von sich selbst überzeugt und hat ein schlechtes Gedächtnis. Durch seine überwältigende Männlichkeit bügelt er alle Widerstände unbesonnen nieder, ohne sich über mögliche Folgen Gedanken machen zu müssen - denn er weiß: Alles was er tut ist gut und richtig und könnte nicht besser sein. Fehler macht er nicht, und falls es so sein sollte, hat er sie längst schon vergessen, da er ein Gedächtnis hat wie ein Sieb.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der ideale Lehrer ist hünenhaft männlich, von archaisch großer und vollendeter Gestalt, eine charismatische Autorität, vollkommen von sich selbst überzeugt und hat ein schlechtes Gedächtnis. Durch seine überwältigende Männlichkeit bügelt er alle Widerstände unbesonnen nieder, ohne sich über mögliche Folgen Gedanken machen zu müssen &#8211; denn er weiß: Alles was er tut ist gut und richtig und könnte nicht besser sein. Fehler macht er nicht, und falls es so sein sollte, hat er sie längst schon vergessen, da er ein Gedächtnis hat wie ein Sieb.</p>
<p><span id="more-1257"></span></p>
<p>Daher sieht man ihm auch alles nach. Nur die Namen und Listendaten der Schüler kann er auch noch Jahrzehnte später problemlos herunterspulen, auch wenn er längst schon vergessen hat, was für Menschen das waren, welche die Namen trugen. Alles das ist Schall und Rauch, wie sollte es auch anders sein.</p>
<p>So bewältigt er seinen Schulalltag und übersieht alle unnützen oder völlig widersinnigen Unmöglichkeiten, im Wissen darüber, dass er das Zentrum des Universums ist und die Schüler seine hilflosen und dummen Schützlinge. Freilich ist er in der Lage, jederzeit das Gefühl zu vermitteln, dass er ganz bei der Sache ist, denn es gibt nur die eine Sache und die ganze Welt ist für ihn ein Schulbuch, dass es erst noch zu schreiben gilt. Er ist der einzige Autor, ein Erschaffer, Weltgestalter, Schöpfer, Halbgott.</p>
<p>Der Halbgott, halb Mensch, halb Monster, aus der Antike hat er überlebt im deutschen Schulwesen. Obwohl durch die moderne Heldenkritik längst als Mythos widerlegt, ist er immer noch Ideal im Kopf der Schüler, Eltern und auch der Lehrer und Schulleitungen. Da wimmelt es dann noch von Heraklen, Minotauren, Sphinxen und anderen mythischen Wesen, die sich immer wieder neu in jungen und unerfahrenen Lehrkräften inkarnieren, die dumm genug sind, nur die Hälfte des Sagenstoffes zu lesen &#8211; den Aufstieg des Helden &#8211; und dabei völlig übersehen, dass noch jeder antike Held, sei er griechisch, römisch oder nordisch, ein jähes und wenig erquickliches Ende fand.</p>
<p>Sei&#8217;s drum: Das Ideal ist und bleibt der griechische Halbgott: schön, willenstark und doch irgendwie bestaunenswert einfältig. Viel Energie schöpfend in ewig-schwangere Projekte, die nicht sinnvoller sind als die Kraftakte eines Sisyphos. Je mehr Kraft dabei zum Einsatz kommt, desto größer jedoch fällt der Applaus aus. So funktionieren die landläufigen Beförderungsmechanismen und auch die Referendarsausbildung ist noch weitgehend auf unterrichtliche Heldentaten abgestimmt. Die göttlichen Wirrungen der Bildungspolitik können den dumpfen, selbstbewussten Kämpfer nicht aus seinem sicheren Schritt bringen. Doch leider, so lehren uns die Mythen, sind Halbgötter weder ewig jung noch unsterblich und das antike Schicksal kennt keine Gnade. Und so brennen sie dann regelmäßig und leider oft völlig unnötigerweise nach wenigen Jahren nieder, die einstmals gefeierten Helden, und niemand nimmt davon Kenntnis. Und wenn er es denn täte, so würde man es gleich wieder vergessen. Denn die flüchtige Schülerschaft verrinnt nach wenigen Jahren und die restlichen guten Lehrer haben ja ein schlechtes Gedächtnis.</p>
<p>Nur die schlechten und schwachen Lehrkräfte &#8211; also die, die in der Regel auf Dauer im System überleben, aber nicht über archaische Kräfte verfügen, die eben &#8220;bloß&#8221; einfache <em>Menschen </em>sind, daher nicht gehört werden und wenig Ansehen besitzen, wundern sich und bestaunen oft schauervoll die heldenhafte, in ewig mythischem Kreislauf sich wiederholende Tragik.</p>
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		<title>Grußworte zum Schuljahresbeginn 2009/2010</title>
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		<pubDate>Thu, 03 Sep 2009 22:30:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Dühning</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[KGT]]></category>
		<category><![CDATA[Schule]]></category>
		<category><![CDATA[Schuljahr]]></category>
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		<description><![CDATA[Vieles ist bewegt worden und vieles wird noch bewegt werden und alle, alles und rundherum ist gewandelt und wandelt sich. Da fragt sich ein wandelnder Wanderer womöglich, wohin das noch führen wird. Wir wissen es nicht - aber das ist eben das Leben.
Das Schuljahr 2008/2009 hatte es in sich. Es bestand aus zugewachsenen Aufgaben, bleistiftsweise einem störrischen alten Schulnetz und es bestand aus einem langen und kalten Winter, einem trüben Frühjahr und einem verregneten Frühsommer.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vieles ist bewegt worden und vieles wird noch bewegt werden und alle, alles und rundherum ist gewandelt und wandelt sich. Da fragt sich ein wandelnder Wanderer womöglich, wohin das noch führen wird. Wir wissen es nicht &#8211; aber das ist eben das Leben.</p>
<h3><span id="more-1021"></span>Was war&#8230;</h3>
<p>Das Schuljahr 2008/2009 hatte es in sich. Es bestand aus zugewachsenen Aufgaben, bleistiftsweise einem störrischen alten Schulnetz und es bestand aus einem langen und kalten Winter, einem trüben Frühjahr und einem verregneten Frühsommer. Alles in allem war das Jahr reichlich rheumatisch und diesmal ließ sich das auch nicht mehr ganz verbergen. Mann sagt es ja nicht gerne, aber teilweise ging man am Stock im vergangenen Schuljahr!</p>
<p>Nun sollte man daraus aber keineswegs schließen, dass dieses Jahr eine Brache war oder ein Misserfolg. Im Gegenteil &#8211; alles, was in Angriff genommen wurde, und das war nicht wenig, war ein Erfolg. Die Schülerzeitung Phoenix lief fast von selbst, zumindest in der ersten Jahreshälfte, so konnte aus der Portotasche ein optisches Portfolio fürs KGT entstehen, welches zum Neujahrsempfang der Stadt Waldshut-Tiengen auch erfolgreich vorgezeigt wurde &#8211; wenn dies auch längst schon wieder vergessen ist.</p>
<p>Auch Perforierte Lyrixx gingen keineswegs unter, sondern wurden ein Erfolg, trotz einer stärker werdenden Nörgelfraktion, denen manch Angebot am KGT wohl offenbar zuviel wird. Die KGT-Webseite konsolidierte sich, das Netzwerk hielt, wenn auch mit Biegen und Brechen und auch im Unterricht lief so manches Projekt. Alles in allem fiel auch in diesem Schuljahr die Ernte gut aus, doch der Preis dafür war spürbar.</p>
<p>Über die Ferien war es dann endlich so weit und die Neuordnung der Verhältniss im EDV-Wesen am KGT wurde angegangen. Manch Altlast wurde beseitigt und neue Fundamente gelegt, auf dass die Zukunft etwas weniger beschwerlich würde als die Vergangenheit. Ganz sind die Umbauarbeiten noch immer nicht abgeschlossen und man wird sehen, ob die Hoffnung Früchte trägt.</p>
<h3>Was wird&#8230;</h3>
<p>Was mag das Schuljahr 2009/2010 bringen? Etwas bessere Witterung hoffentlich und damit verbunden mehr Gesundheit, vielleicht auch etwas weniger Baustellen und dafür mehr Schlaf, Ruhe und Muße. Vielleicht ein paar neue Phoenix-Heftlein und ein gutes Abitur für den Deutschkurs und einige launige Stunden im nunmehr realen Ganztagesunterricht.</p>
<p>Hoffen wir&#8217;s&#8230;</p>
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