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	<title>Niarts Anastratin &#187; Vergänglichkeit</title>
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	<description>Anastratin - das Online-Kulturdings von www.niarts.de</description>
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		<title>Virtuelle Jahre bröseln dahin&#8230;</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Apr 2009 14:28:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Dühning</dc:creator>
				<category><![CDATA[Glossen und Kommentare]]></category>
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		<category><![CDATA[Vergänglichkeit]]></category>
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		<description><![CDATA[Man spricht ja oft von Geschichtslosigkeit, von Zeitlosigkeit im Internet: Dass Zustände wahllos eingefroren würden, teils mit bedenklichen Folgen für die Betroffenen, in Vorstellungsgesprächen beispielsweise, wenn der letzte Suff mit den Kumpanen beim künftigen Chef in Spe vielleicht (oder doch sehr wahrscheinlich) nicht so gut ankommt. Man spricht aber auch von A-Historizität, von einer palimpsestischen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Man spricht ja oft von Geschichtslosigkeit, von Zeitlosigkeit im Internet: Dass Zustände wahllos eingefroren würden, teils mit bedenklichen Folgen für die Betroffenen, in Vorstellungsgesprächen beispielsweise, wenn der letzte Suff mit den Kumpanen beim künftigen Chef in Spe vielleicht (oder doch sehr wahrscheinlich) nicht so gut ankommt. Man spricht aber auch von A-Historizität, von einer palimpsestischen Struktur der Netze, weil nichts, was dort ist, bestimmt ist oder auf eine verlässliche historische Struktur und Quellenschicht zurückführbar sei.</p>
<p><span id="more-743"></span></p>
<p>Im Grunde genommen spiegelt die virtuelle Welt die reale aber mehr als man denkt, vor allem, was den Zerfall angeht. Damit sei nicht auf den oft konstatierten Niedergang von Kultur verwiesen, den es wohl nicht gibt, wohl aber auf den unabänderlichen Wandel, der alle Beständigkeit in sich negiert. Während im wahren Leben um uns herum sich die Welt verändert, Menschen altern und sterben, Freund- und Feindschaften in die Brüche gehen und neue sich herausbilden, so verhält es sich auch in der elektronischen Realität nicht viel anders, hier, in der antiseptischen Struktur, verwundert der Zerfall nur mehr, da man ja nicht damit rechnet, dass sich digitale Werte abnützen könnten &#8211; und doch tun sie das nicht weniger als analoge, physische.</p>
<p>So beobachte ich seit geraumer Zeit die schleichende Zombifizierung meines alten ICQ-Accounts. Viele Kontakte tummeln sich in der Liste, aber lebende Leichen sind sie mehr als wirkliche Kontakte und in den elf Jahren, die der Account nunÂ  schon besteht, haben sich Berge angesammelt, die Kontaktfreude vortäuschen, wo längst Leere gähnt. Die Ströme haben sich verlagert, es tröpfelt dort nur noch, eine Entwicklung scheint zu verenden, wie anderorts an anderen Stellen bei anderen ebenso erwähnt. Doch das ist der Lauf des Lebens, dass das eine versiegt und anderes dafür aufblüht, manchmal allerdings zeitlich versetzt und mit Fastenzeiten dazwischen.</p>
<p>So erinnere ich mich noch gut an die Zeit von vor 11 Jahren, als ich eine ausgiebige Briefkorrespondenz führte, die an die eines Goethe zwar nicht ganz hinkam, sich aber dennoch sehen lassen konnte: Umfangreiche Briefe, geschrieben von Hand, teils mehrfach überarbeitet und je nach Zielgruppe kindgemäßer oder philosophischer gestaltet. In späterer Zeit, um der gestiegenen Frequenz der Korrespondenzen Herr zu werden, stieg ich auf Emails um, die teils eine beachtliche Länge erreichen konnten und Gott und die Welt abhandeln.</p>
<p>Es waren Zeiten intensiver Dialoge, in mancher Hinsicht intensiver als das nachfolgende Chat-Zeitalter, das sich dafür teils persönlicher und therapeutischer gab und ungeahnte Vernetzungen ermöglichte. Als dieses den Zenit schon überschritten hatte, begann die kurze Phase des Forenschreibens. Doch große Lust kam bei mir hier weniger auf, denn ich bin kein Betroffenheits-Freak und für philosophische Essays ist diese Form genau so wenig geeignet wie für individuellere Gespräche, sodass ich mit den Gemeinplätzen des Onlinevolkes nicht viel anfangen konnte. Einer der Gründe vielleicht auch, warum es immer weniger wird mit virtuellen Kontakten bei mir. Ein anderer ist das Entsetzen darüber, dass der Verlust auch digital unvermeidlich bleibt, spätestens, seit große Teile des Internetarchivs www.archive.org im Nirvana verschwanden und damit auch ein Teil der Niarts-/KGT-Geschichte. Auch die letzte Umstellung der Phoenix-Webseite verlief nicht ohne deutliche Verluste, auch hier musste ich merklich Stöhnen, als Monate und Jahre von Arbeit wieder ins Nichts übergingen, nicht präsent blieben.</p>
<p>Verglichen mit der analogen Kunst, die älter und doch weniger verloren ist und ganz mein, individuell und unverklagbar, erscheint das virtuelle Netz doch mehr und mehr als heiße Luft, als ein Nichts, als Vanitas und als eitel, zumal wenn es wirklich Frühling wird und die virtuellen Pflänzchen gegen das echte Leben verblassen wie geisterhafte Schatten, die sich in Morgennebel auflösen.</p>
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		<title>Mit dem Zauberspiegel durch die Zeit</title>
		<link>http://www.anastratin.de/2009/02/27/mit-dem-zauberspiegel-durch-die-zeit/</link>
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		<pubDate>Fri, 27 Feb 2009 00:42:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Dühning</dc:creator>
				<category><![CDATA[Glossen und Kommentare]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Selbst]]></category>
		<category><![CDATA[Vergänglichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Youtube]]></category>
		<category><![CDATA[Zeit]]></category>
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		<description><![CDATA[Nach Mitternacht, wenn die Zeit stillzustehen scheint, stöbert man oft noch über interessante Onlineaufsätze und stößt so auch auf die Süddeutsche Zeitung. Nein, hier wird nicht getwittert, hier lebt der Essay noch und mit ihm ein Stück Lebenskultur. Google wird von der profanen Suchmaschine da zum Zauberspiegel und darüber gerät man dann selbst ins Sinnieren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nach Mitternacht, wenn die Zeit stillzustehen scheint, stöbert man oft noch über interessante Onlineaufsätze und stößt so auch auf die Süddeutsche Zeitung. Nein, hier wird nicht getwittert, hier lebt der Essay noch und mit ihm ein Stück Lebenskultur. Google wird von der profanen Suchmaschine da zum Zauberspiegel und darüber gerät man dann selbst ins Sinnieren und auch ins Staunen, wenn Menschen mit ihren Worten Perspektiven eröffnen, die man im Trubel sonst nicht gefunden oder zumindest übersehen hätte.</p>
<p><span id="more-613"></span>Es bleibt dabei, dass Äpfel keine Birnen sind und erst recht kein Gemüse und es daher müßig ist, sich darüber zu streiten, was denn besser sei und ob nicht das eine (Texte) bald dem anderen (Videos) unterläge oder gar <a title="Leise pfeift der Wind durchs Blog" href="http://blogoff.de/2009/02/19/leise-pfeift-der-wind/" target="_blank">untergeht</a>. Sicher, man kann es ermessen, indem man die Größe der Früchte abmisst oder die Anzahl ihrer Liebhaber abzählt, doch an den wirklich existenziellen Wahrheiten, die hinter allen Dingen stehen, ändert dies nichts: Es gibt nur die eine Welt um uns herum, egal, womit man sie betrachtet und solange man die Dinge an der Welt misst und nicht die eigentliche Welt mit ihren vielfältigen Abbildungen verwechselt, den Medien, hat jedes einzelne Medium seine Vor- und Nachteile.</p>
<p>Der Artikel <a title="Süddeutsche Zeitung: Der seltsame Fall des Benjamin Google" href="http://www.sueddeutsche.de/,ra4m1/kultur/954/459594/text/" target="_blank">&#8220;Der seltsame Fall des Benjamin Google&#8221;</a> von Christian Kortmann beschäftigt sich anhand von Google und Youtube-Videos essayistisch mit dem Phänomen der Selbstvergewisserung und dem Wandel der Zeit, dem eigenen auch vor allem. Was spiegelt uns eine Suchmaschine? Die Welt oder ihre Abbildung? &#8211; Die Abbildung unserer eigenen Sehnsüchte, nicht mehr und nicht weniger, meint Kortmann und legt uns abschließend ein echtes Fenster zur Welt nahe, aus dem man eher schauen sollte als in die Mattscheibe, oder doch zumindest zu gleichen Teilen, womit er zwar recht hat, aber &#8211; hier beißt sich die Katze in den Schwanz &#8211; wieder einmal mehr auf ebendiesen Bilderschirm zurückgreifen muss, Googles Youtube diesmal, um uns dies zeigend vor Augen zu führen.</p>
<p>Trotz alledem: Ein leicht süßsaurer doch leserlicher Artikel mit Tiefgang. Hier wird betrachtet, reflektiert und verknüpft und das Ergebnis ist sicher mehr als die Summe seiner Teile. Denn es verbindet Dinge, die bislang nur für sich waren, hier aber ein neues Mosaik bilden, das weiterführt. Mögen alle Teile auch sonst recht banal sein und längst vorhanden, so liegt, wie in jedem guten Essay, die Kunst in der Verknüpfung und das Ergebnis ist polyphon und offen, nicht einfach multimediale Selbstverstärkung. Darum ist auch keines seiner Teile verzichtbar: Der Text ebensowenig wie die Videos, die er verbindet und &#8211; oft vergessen &#8211; die Gedanken und Gefühle des Betrachters, die beide auslösen.</p>
<p>Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, sagt man. Tatsächlich zeigt sich vieles von dem, worüber Kortmann in seinem Artikel augenzwinkernd sinniert in den Bildern, Videos, auf die er verlinkt, ja mehr noch: Fast unbewusst fügen wir unsere eigenen Erfahrungen hinzu. Und wir werden betroffen, wenn wir den verlinkten <a title="Noah takes a photo of himself every day for 6 years" href="http://www.youtube.com/watch?v=6B26asyGKDo" target="_blank">Noah um 6 Jahre altern</a> sehen, von dort aus, youtubeintern verlinkt andere gar um <a title="41 Years in 60 Seconds (1966 - 2007)" href="http://www.youtube.com/watch?v=ZGgd0DUKok4&amp;feature=related" target="_blank">vierzig</a> oder auch nur, in <a title="She takes a photo every day : 200" href="http://www.youtube.com/watch?v=02e5EWUP5TE&amp;NR=1" target="_blank">rascher Bilderfolge</a>, um einige Monate. Da findet man viele Videos, die Menschen zeigen, die sich teils unheimlich wandeln, allmählich aber unabänderlich anders werden, Menschen, die sich andererseits aber doch so handfest darum bemühen, im Kern sie selbst zu bleiben oder auch nur sich selbst gewiss zu werden.</p>
<p>So wichtig scheint es ihnen, dass sie die unheimliche Mühe auf sich nehmen, sich nicht nur über Tage und Wochen, sondern gar über Monate oder Jahre in der immer gleichen Pose abzufotografieren, täglich und nur, damit für den Zuschauer die Zeit in einem kurzen Videos rasend Revue passiert und der Betrachter über das Gesehene schaut und je nach seiner Stimmung und musikalischer Untermalung in positive oder melancholische Verzückung gerät. Wobei wohl immer ein gewisser Schauder über die Zeit und ihr Vergehen mitschwingt, so wie man auch besinnlich und nachdenklich wird, wenn man im Herbst die Blätter fallen sieht oder an einem frischen Grab vorbeigeht, auf dem doch Blumen blühen. Manchmal aber überwiegt auch das Staunen, wie vielfältig und immer wieder neu Lebewesen sind und eben auch Menschen.</p>
<p>Sicher machen uns diese Bilder, Videos betroffen. Sie haben, um ganz frei mit Roland Barthes zu sprechen, das gewisse Etwas, das uns trifft, betroffener macht, inniger angehen kann, als jedes Wort, das wir lesen oder hören. Doch alleine reflektieren können sie nicht, die bunten Bilder, verstehen, dass müssen wir schon selbst tun. Und können oder tun wir es nicht selbst, so brauchen wir Erfahrungen, die wir von anderen borgen können, in wohlüberlegten Worten, Texten vor allem. Dann lassen wir uns doch recht gerne auch mal ein Stück an der Hand nehmen.</p>
<p>Beides aber sinnvoll zu verknüpfen, Bildgefühle und Wortgedanken, um damit über sich selbst hinaus und auf die Welt zu weisen sollte das eigentliche Ziel moderner Medien sein. Eine sinnvolle Verknüpfung, die auch dem Leser und Betrachter noch genug Raum für eigene Gedanken lässt und ihm ermöglicht, sein eigenes Besinnen nicht zu vernachlässigen, wird der Wirklichkeit um uns und in uns selbst wohl am ehesten gerecht. Hier bietet das Internet gegenüber dem Fernsehen bedeutsame Vorteile, da die Bilderflut eigentlich jederzeit sinnvoll ergänzt werden kann, auch individuell, indem der Nutzer selbst eigenen Gedanken nachgeht. Dazu kann es aber auch nötig sein, Denkpausen zu machen, zu schweigen oder auch bloß zu sinnieren oder zu träumen.</p>
<p>Dies aber ist etwas, was die Medien nicht können, nur die Menschen selbst, was diese aber oft vergessen, vor allem in einem Medium, das sich zunehmend selbst für die Welt hält. Daher ist Kortmann wohl zuzustimmen: Der Fall des Benjamin Google ist auch der Fall derer, die in den Spiegel schauen, unser eigener. Und so wird im Internet vieles bewegt, besprochen und bebildert, viel gesucht und gehäuft, kreist letztlich aber nur um sich selbst und erschöpft sich damit, wenn ein einziges Fenster immer offen steht.</p>
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