Herbstlyrik

Herbstliche Astern im September 2017 (Foto: Martin Dühning)
Herbstliche Astern im September 2017 (Foto: Martin Dühning)

Es ist Herbst, eine allgemein recht poetische Zeit – vier Gedichte haben wir schon mal.

So richtig herbstlich war es bislang noch nicht, zumindest was die typischen Stimmungen angeht, und sehr lyrisch war dieses Jahr auch nicht unbedingt, aber immerhin kamen wieder drei Werke zustande seit unseren vorigen. Die beiden ersten sind Elegien, dann ein politisches Gedicht und schließlich ein Beispiel-Achrostichon für meine Deutsch-8er.

Elegie des Heimatlosen

Ich bin der letzte Mensch auf Erden
Und alle, die ich kannte, sind schon fort:
Ein fremdes Kommen, Gehn und werden.
Ich sehne mich nach einem andern Ort.

Nach jenem andern Ort geht nun mein Sehnen,
Im Anderland, wo Morgentau noch prunkt,
Hier muss ich mich geschlagen wähnen,
Das Grün – vergilbt! Die Welt wird graugetunkt.

Was haben sie davon, von all dem Prassen,
Der Gier, die sie den lieben langen Tag,
Wie ihren Wachhund von der Kette lassen?
Man fühlt sich einsam, wenn man das nicht mag,
Wie sie mit Blech sich durch die Gegend schieben,
Dem Zombie gleich an goldbesticktem Stock,
Mehr tot als lebend ihre Karren lieben,
Im Herzen silbern ihren Leichenrock.
Und doch gehört die Zukunft ihnen,
Mir geht das Leben aus mit jedem Tag.
Die mehren zinsvoll ihre Totenbienen,
Ich hause lebendig in einem Sarg.

Ich bin so einsam, wie ich das hier hasse!
Es nutzt nur nichts, die Nachtigall ist fort,
Die Nachbarn glotzen von der fremden Gasse,
Ich sehne mich nach einem andern Ort.

* * *

Leiden

Die vielen ungenutzten Stunden
Bin ich leid;
Ich bin es leid, dass unumwunden
In Tagen, Wochen, langen Monden
Nichts geschieht.

Und all die Hoffnung
Auf ein neues Grünen
Ist dahin;
Es ist dahin die schöne Zeit,
Da wir beisammen waren;
Nur kurze Weil.

In vielen kummervollen Nächten
Ist nichts geschehn.
Ich hab gesehn nicht, wie die Bäume
Früchte trugen,
Und meine Körbe all,
Sie blieben Leer.

Leer blieben meine Stunden, Tage
Und Minuten,
Nur in den Träumen blüht es noch
Und doch,
Die vielen ungenutzten Stunden
Bin ich leid.

* * *

Luther: Denk mal

Erstarrt zu Bronze
Und mit heeren Fingern greifend,
Steht’s:
Als wenn ein Wind die frische Geste
Altklug schnell zu Geschichte wischte
Und das grüne Leben
In goldene Legende hingeweht.

Doch wo einst Worte sprachen
Und der hohe Geist erklang,
Da tönt von Bronze nur die Glocke,
Da gurren nur noch tumbe Tauben,
Und jene Krähen, die im Aas
Vergangner Tage Tinte speien,
Mit wüsten Füße über viele Seiten tapsen,
Sind Spießgesellen, wenn
Die Nebel wieder wallen
Und es dunkelt.

Der helle Tag jedoch – längst jäh verblasst,
Der Menschenfreunde staunend Raunen
ist verstummt.

* * *

Stiftehalter

S o vieles liegt da kunterbunt
T otal verheddert kreuz und quer
I m Ranzen rum. Es ist so schwer
F ür manchen Schüler Stund‘ um Stund‘,

T agtäglich bei dem ganzen Stress,
E cht aufzuräumen. Denn man hat
H aufen von Hausis, ist dann matt,
A ufräumen wär‘ da ein Exzess!

L iebt man die Ordnung, braucht das Zeit
T augt nur, was uns schafft ein System
E s geht jedoch auch ganz bequem
R eicht dir ein Stiftehalter weit.

* * *