Novembers Ende

Bewusst fühlende Person (Foto: Dimitrij Ganin via Pexels)
Bewusst fühlende Person (Foto: Dimitrij Ganin via Pexels)

Nach langer Zeit gibt es, zum Ende dieses denkwürdigen Herbstes, mal wieder drei deutschsprachige Gedichte – und eines davon ist vertont.

Stille - Gedicht von Martin Dühning
Stille – Gedicht von Martin Dühning

Stille

Ich schreibe meine Worte in den Sand;
Die Wellen wogen weiter, laut wie leise,
Die Brise weht, im Sand zerrinnt der Sinn,
Die Worte schwinden, sinken ziellos hin,
Und was Gedanken flüsternd einst verband
Verstummt auf eine unbekannte Weise,
Die weder Dur, noch Moll und ohne Melodie
Verklang – vergessen – und das war sie …

* * *

Was wir brauchen - Gedicht von Martin Dühning
Was wir brauchen – Gedicht von Martin Dühning

Was wir brauchen…

Wir brauchen nicht noch mehr von diesen „Helden“,
Die mit zänkischer Kraft ihr Leben heroisch wegwerfen,
Die für Ehre, Nation oder Konfession ihr Blut vergeuden
Und damit doch nur den Boden der Schöpfung entweihen.

Wir brauchen nicht noch mehr von diesen Besserwissern,
Den selbsternannten „Experten“, „Alternativen“ und Quertreibern,
Die lästernd herumschreien, poltern, kreischen und grölen,
Damit man sie auch ja nicht in der Weltgeschichte übersieht.

Wir brauchen nicht noch mehr von diesen geklonten „Superstars“,
Die eine Lebenslüge zur großen Weisheit aufblähen, tuten, blasen,
Bis sie irgendwann platzen und nur Sinnfetzen zurücklassen,
Die wie Werbeglitter unablässig auf uns herunterrieseln.

Wir brauchen mehr Pfleger und mehr Heiler und solche Menschen,
Die nicht für ihren Ruhm und ihr Glück, sondern für andere da sind,
Die bei Problemen nicht einfach aufgeben, sondern reparieren helfen,
Was wir in unserer großen Gier nach Glück und Selbst beschädigt haben.

Wir brauchen keine ewig Jungen, sondern die Erfahrung von Großeltern,
Die uns aus ihrem Leben erzählen und die uns an all das erinnern,
An all das, was zwar nicht makellos ist, was aber im Leben wirklich zählt.
Wir brauchen nicht Stärke und Perfektion, wir brauchen die Kraft der Schwäche,
Wir brauchen die ganze Wahrheit, auch die dunkle, die Lehre vom Scheitern,
Damit wir nicht vorschnell aufgeben, sondern immer wieder aufstehen –
Trotzdem – und gerade deswegen.

Hoffnung aber, Hoffnung brauchen wir am allermeisten,
Nicht nur für uns, sondern für unsere Mitmenschen, unsere Nächsten
Und für die Zukunft!

* * *

Sinnfrage - Gedicht von Martin Dühning
Sinnfrage – Gedicht von Martin Dühning

Sinnfrage

Es ist ein wenig schade, dass ich nie
Auf Menschen stieß in all den Jahren,
Die mich erleuchtet hätten und
Die mir in den dunklen Stunden Trost
Und in den hellen Sinn geboten hätten.
Stattdessen funkelte ich ewig einsam,
Halb verträumt, halb wach, allein
Im Sommerwald im hohen Sonnenschein
Und auch im nebelklammen Winter,
Dieser großen, weiten Nacht,
Als winzig kleines Flackern, Kerzlein
In den meisten Stunden, brannte still
In mich hinein mit Hoffnung, die von anderen
Verspottet wurde, weil sie stillen Glauben
Nicht verstehen konnten, lästern,
Wenn man betend sehnt ins Weite und
Wenn man denn mehr als Eigenglück und
Puren Eigensinn in einer Zeit vermutet,
Die manche große Frage stellt und
Längst vergessne Schranken setzt
Auch denen, die es ignorieren
Wollen – bis zuletzt.

* * *

„Sinnfrage“ (2021) – vorgetragen von Martin Dühning:

Über Martin Dühning 1240 Artikel
Martin Dühning, geb. 1975, studierte Germanistik, kath. Theologie und Geschichte in Freiburg im Breisgau, arbeitet am Hochrhein-Gymnasium in Waldshut und ist Gründer, Herausgeber und Chefredakteur von Anastratin.de.