Manchmal sehe ich am Horizont…

Noch mehr Meer, Sonne und Strand... (Foto: Martin Dühning)
Noch mehr Meer, Sonne und Strand... (Foto: Martin Dühning)

Während die Märzenlandschaft im Regenmeer verschwimmt, sinnt meine Seele dem Meerblick nach. Ein horizontales Gedicht…

Manchmal sehe ich am Horizont…

Manchmal sehe ich am Horizont
Die Schiffe ziehn,
Teilen kraftvoll all die krassen Wogen;
Kraftlos gingen alle meine Tage hin,
Sind vorbeigezogen:

Wogen sind’s, die uns das Leben bringt,
Auf und Ab und ständiges Verrinnen,
All der Sinn, Gedanken freier Bahn,
Zog vorbei in Einsamkeit, im Wahn,
Brachten Tränen nur, wo andre lachend singen.

Manchmal sehe ich am Horizont
Die Wolken ziehn,
Teilen abendlicher Sonne Sinken;
Wehmut droht mir, ist die Zeit doch hin,
Kann im Kummer nur ertrinken:

Trunkenheit, der ewig gleiche Fluch,
Gleichwohl, dass ich ihm versagte,
Bricht beständig alle Dämme, ragte
Über, unsrer Freundschaft Leichentuch.

Manchmal sehe ich am Horizont
Die Sterne ziehn,
Teilen funkelnd stiller Nächte Dunkel;
Schlaflos gingen alle meine Stunden hin,
Voller Zagen und Gemunkel:

Seh’ in Sternennächten keine Hoffnung mehr,
Hast mir Deine eigne so verbittert,
Dass, wo Träume blüten einst, verwittert,
Was an Lebensknospen: stirbt, so sehr.

Manchmal sehe ich am Horizont
Ins Dämmerlicht,
Wünsch mir nochmals neu den Morgen;
Wünschte bloß, und geb’ verloren hin,
Tagt uns doch kein neues Morgen:

Wer die Hoffnung leugnet, der verschlingt
Aller künft’gen Tage Möglichkeiten,
Ich erspare Dir die Einzelheiten,
Weiß doch, dass es eh nichts bringt.
Weiß doch, dass es garnichts bringt.

Manchmal sehe ich am Horizont
Mein Schifflein ziehn,
Teilt in Mühe, all herum, die Wogen;
Sinnlos gingen alle seine Chancen hin,
Sind längst fortgezogen.

* * *

Über Martin Dühning 1079 Artikel
Martin Dühning, geb. 1975, studierte Germanistik, kath. Theologie und Geschichte in Freiburg im Breisgau, arbeitet am Hochrhein-Gymnasium in Waldshut und ist Gründer, Herausgeber und Chefredakteur von Anastratin.de.