Menschen, die wie Licht sind

Ein helles Licht (Foto: George Becker via Pexels)
Ein helles Licht (Foto: George Becker via Pexels)

Es gibt sie: Menschen, die wie Licht sind an dunklen Tagen, die innerlich leuchten und die ihre Umgebung erhellen. Aber sie sind und waren wohl immer schon selten.

Häufig fallen einem im Leben Menschen auf, die anecken, rüpeln oder die mit ihrer Rücksichtslosigkeit anekeln. Widerlinge. Die sind wie Feuerbrände, verbreiten Schmerz und Qualm und scheinen sich von anderer Leute Schrecken zu ernähren. Es sind die Leute, die glauben, mit ständigem Aktionismus und Prestigeobjekten punkten zu müssen, die mit billigen Erfolgen protzen, die sich dreist bereichern oder die pöbeln und einreißen und kurzerhand zerstören, was in Jahren mühsam gewachsen ist. Es sind asoziale Individuen, die keine Grenzen kennen außer den Mauern, die sie selber schaffen. Unglücklicherweise setzt man diesen Stürmern im Pantheon der Geschichte üblicherweise Denkmäler, oder in Hochglanzprospekten und Jahrbüchern. Denn diese Menschen sind es, die in unserer Gesellschaft die Erfolge einheimsen.

Es gibt aber auch noch jene Menschen, die wirklich Gutes tun, manchmal nur, indem sie sind, was sie sind: ein Licht. Sie ähneln ein wenig der Fee im Märchen, einem leuchtenden weißen Hirsch im dunklen Nachtwald, bloß, dass sie einem auch in der grauen Alltagsrealität begegnen können, wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht und etwas Glück hat. Denn sie sind schon ein wenig selten und man übersieht sie auch leicht – denn man findet sie selten bei Prestigeprojekten, Feten und Feiern, sondern eher an Orten, wo man leben kann, aber wenig Ruhm einkassieren. Dort halten sie sich häufiger auf, denn diese lichten Gemüter streben nicht nach Erfolg und Ruhm, sondern sind sich selbst genug; das aber nicht im Sinne von Selbstgefälligkeit oder Gleichgültigkeit, nein, in eher mystischem Sinne: Sie erfreuen sich an der Leichtigkeit, die mit ihnen ist, weshalb sie der Gesellschaft zwar nicht aus dem Weg gehen, das eitle Treiben der Mächtigen und ihrer Speichellecker aber ignorieren, sich vielmehr am Kleinen erfreuen oder an dem Guten, dass sie selbst tun – und das nicht aus Ehrgeiz oder Ideologie; lichte Menschen sind keine Prinzipienreiter, sondern einfach helle Gemüter, weil es aus ihnen heraus strahlt.

Lichte Menschen sind keine Gutmenschen. Sie wirbeln nicht mit guten Taten durch die Gemeinschaft und fühlen sich auch nicht genötigt, hier und überall die Welt zu retten und die Gesellschaft mit ihren gutgemeinten Tätigkeiten umzustülpen, nein, sie scheinen aus sich selbst heraus und sind ihren Mitmenschen einfach Licht, indem sie einfach Freundlichkeit und Wärme verstrahlen. Sie sind keine Helden, sie sind keine Heroen. Es sind Menschen, wie man sie sich als Mutter oder Vater wünschen würde, vielleicht auch als Oma oder Opa, es sind Menschen, die unserer Gesellschaft gut täten, wenn die mal das Sagen hätten, weil sie verständig statt vernunfttrocken und hilfsbereit statt ambitioniert sind. Sie heilen, statt zu revolutionieren.

Vielleicht, wenn ich die Gnade habe, werde ich in meinem Leben noch ein paar Menschen von dieser freundlich-hellen Sorte begegnen und dafür etwas weniger Fanatikern, Ideologen und Egoisten.

Über Martin Dühning 1116 Artikel
Martin Dühning, geb. 1975, studierte Germanistik, kath. Theologie und Geschichte in Freiburg im Breisgau, arbeitet am Hochrhein-Gymnasium in Waldshut und ist Gründer, Herausgeber und Chefredakteur von Anastratin.de.