Im Frühjahr 2025 erstellte ich eine Jubiläumsfarbpalette, die sich eigentlich als ideal erwies – dennoch soll man auf der Suche bleiben, sodass ich inzwischen eine weitere experimentelle Aquarell-Farbpalette für das Jahr 2026 erstellt habe.
Im Januar 2026 brachte der Hersteller Schmincke für seine Horadam Aquarellfarben drei historische Sondertöne heraus, Solferino, Casslerbraun und Gummi guttae (Gamboche), die ich bereits in einem anderen Artikel vorgestellt hatte.

Was fehlte, war aber ein Blauton. Daher sah ich mich im Sortiment von Schmincke um und fand dort die Edition Felix Scheinberger, die einen Farbkasten mit 12 Näpfchen bietet.
Der Illustrator Felix Scheinberger ist für seine Werke zum Urban Sketching bekannt, die Edition bei Schmincke erschien bereits im Sommer 2025. Das Farbspektrum sprach mich an, da es einerseits nette Farben in einer Palette versammelte, die nicht ganz dem Normspektrum entsprechen, andererseits auch Farbtöne, die ich freiwillig so nie einzeln kaufen würde.
Im Original umfasst die Palette folgende Farbtöne:
- Gelb und Orange:
- Neapelgelb (229),
- Reingelb (216),
- Chromorange (214).
- Rot und Magenta:
- Geraniumrot (341),
- Purpur Magenta (367).
- Blau und Grün:
- Kobalttürkis (509),
- Ultramarin feinst (494),
- Indigo (485),
- Maigrün (524).
- Erdtöne:
- Lichter Ocker (655),
- Goldbraun (654),
- Sepiabraun (663).
Wie Felix Scheinberger auch selbst ein Kapitel in seinem Buch „Wasserfarbe für Gestalter“ (2020) betitelt: „Jeder ist in seiner eigenen (Farb-)Welt“ – schon deshalb ist der Farbkasten als Ansatz gedacht und lässt sich um eigene Vorlieben erweitern:
Der Farbkasten bietet insgesamt Platz für 18 halbe Näpfchen (bzw. 21, wenn man den Platz komplett nutzt), sodass sich auch die drei Schmincke Sondertöne integrieren lassen. Dabei fiel mir allerdings auf, dass sich dann Farben doppeln und dafür dann bestimmte Farbtöne fehlen. Insgesamt ist Felix Scheinbergers Palette recht farbstark, daher modifizierte ich sie so, dass ein paar mehr blasse Töne und auch einige granulierende Farben hinzukommen, die (vorerst) letzte Version 2026 meiner überarbeiteten Farbpalette mit 18 Farbtönen sieht daher wie folgt aus:

- Gelb und Orange:
- Reingelb (216),
- Gummi guttae (210),
- Neapelgelb (229),
- Chromorange (214).
- Rot und Magenta:
- Geraniumrot (341),
- Krapprot tief (354),
- Solferino (375),
- Chinacidron Purpur (472)
- Blau und Grün:
- französisches Ultramarin (493),
- Phtaloblau (484),
- Kobalttürkis (509),
- Paynesgrau bläulich (787),
- Maigrün (524),
- Kobaltgrün tief (533)
- Erdtöne:
- Lichter Ocker (655),
- Goldbraun (654),
- Casslerbraun (675),
- Sepiabraun (663)
Gelb und Orange
Reingelb (216) ist, wie der Name schon vermuten lässt, ein sehr klares Gelb, das sich gut mischen lässt und auch für Lasurtechniken eignet. In Mischungen ist es relativ durchsetzungsfähig, weshalb es zu knalligen Farben führt. Gummi guttae (210) ergänzt das Gelb sehr gut, da es sich, ähnlich wie Neva Indian Yellow oder Lasurgelb unterschiedlich schattiert, je nachdem, wie kräftig man die Farbe aufträgt. Besonders in Farbmischungen entstehen dabei interessante Verläufe. Neapelgelb (229) ist ein recht erdiger, lichter Farbton, er enthält Titanweiß und ist daher stark deckend.
Gewöhnlich mische ich kräftige Orangetöne eigentlich selbst, habe aber interesseweise das von Scheinberger vorgeschlagene Chromorange (214) beibehalten. Mal sehen, was sich damit mischen lässt.
Rot und Magenta
Hier habe ich die ursprüngliche Palette etwas erweitert: Geraniumrot (341) ist ein wenig gelbstichiger als die Rottöne, die ich ansonsten wähle, daher habe ich noch Krapprot tief (354) ergänzt, das in eine andere Richtung geht und in Mischungen weniger knallige Farbtöne erzeugt. Außerdem kann man damit prima lasieren.
Das ursprüngliche Purpur Magenta (367) habe ich durch Solferino (375) ersetzt, weil sich beide Farben sehr ähneln, mir die Fließeigenschaften von Solferino aber besser gefallen, obschon ich der Meinung bin, dass Solferino penetrant an Malmedien haftet und anders als in der Farbtabelle angegeben nur sehr schwer abwaschbar ist (die Farbe ist also Staining und nicht Half Staining, wie angegeben).
Hinzugefügt habe ich auch noch Chinacidron Purpur (472), was ein kräftiges Violett ist. Wie bei den meisten Chinacidrontönen ist die Farbe durchsetzungsfähig, eignet sich aber auch für Lasurtechniken.
Blau und Grün
Hier habe ich die ursprüngliche Farbpalette am meisten erweitert. Zwar lassen sich auch ganz ohne Grün wunderschöne Grafiken erstellen, wie man beispielsweise beim Intro zur Animeserie „La Quète d’Ewilan“ (2026) sehr schön in Szene gesetzt sieht, aber in eine komplette Farbpalette gehört natürlich auch Grün.
Das sehr knallige, klare und etwas künstlich wirkende Maigrün (524) habe ich daher um Kobaltgrün tief (533) ergänzt, was dazu eher gegensätzlich ist: Die Farbe granuliert stark, ist gedämpft und Dunkel. Gerade im Zusammenspiel mit den anderen recht kräftigen Farben der Scheinberger-Palette zeigt sie aber ihre Stärken, beispielsweise wenn man sie mit Gelb oder Blautönen vermischt.

Bei den Blautönen ersetzte ich Scheinbergers Ultramarin feinst (494) durch das französisches Ultramarin (493), was diesem vom Pigment gleich, aber stark granulierend ist. Dazu ergänzte ich Phtaloblau (484), was ein sehr klares Blau ist – experimentiert hatte ich auch mit Kobaltblau hell (487), doch lassen sich mit Phtaloblau meines Erachtens bessere Farbmischungen erzielen. Eine nicht im Set enthaltene Lieblingsfarbe von Felix Scheinberger ist übrigens auch Bergblau (480), was sicher gut in die Palette gepasst hätte, chemisch allerdings nur aus dem Pigment von Ultramarin mit Zugabe von Titanweiß als Aufheller besteht, daher entschied ich mich letztlich doch für Phtaloblau, was ein ganz eigener Blauton ist.
Beibehalten habe ich Kobalttürkis (509), was allerdings eine Farbe ist, die in meinem Farbspektrum normalerweise nicht vorkommt – denn es ist genau ebenjene Farbe, die ich bei Migräne unerträglich finde und damit mit ebensolcher assoziiert. Trotzdem soll man ja offen für Neues bleiben, daher bleibt sie Teil der Palette. Mal schauen, was sich damit erschaffen lässt.
Indigo ist eigentlich eine sehr hübsche dunkle Farbe, allerdings nur mäßig Lichtecht – daher habe ich sie durch Paynesgrau bläulich (787) ersetzt, was eine wundervolle, etwas gedämpftere Alternative ist.
Erdtöne
Die Erdenfarbtöne habe ich fast in Scheinbergers Originalfassung gelassen, da ich eigentlich alle Erdentöne mag: Lichter Ocker (655) ist ein sehr sonniger Sienaton, Goldbraun (654) ein kräftig oranges Braun, Sepiabraun (663) eignet sich wunderbar für Schattierungen oder auch monochome Skizzen. Ergänzt habe ich noch den aktuellen Sonderton Casslerbraun (675), obwohl dieser Sepia arg ähnlich ist, wenngleich fragiler und mit interessanteren Fließeigenschaften. Es fehlt eigentlich noch ein Umbraton, der eigentlich in jede Aquarellpalette gehört, aber mal sehen, ob sich mit den vorhandenen Brauntönen auch ohne malen lässt.

Eine erste Skizze mit den neuen Farben gab es schon mal, sie verwendet Reingelb, Chromorange, Chinacidron Purpur, Solferino, Ultramarin, Maigrün, Kobaltgrün Tief, Lichter Ocker, Goldbraun und Casslerbraun.
Ergänzungen
Nutzt man den komplett vorhandenen Platz, also 21 Fächer, kann man diese Palette noch um drei Farben bereichern – und, sofern man dann noch Sepia oder Casslerbraun weglässt, erhält man mit folgenden vier Farben eine ideale Palette:
- Olivegrün gelblich (525) – diese Farbe ist weniger „giftig“ als Maigrün und eignet sich besser für sanftere Grüntöne.
- Buff Titan (190) – diese Spezialfarbe der Schmincke Signature Edition ist eine ungereinigte Variante von Titanweiß, die noch Spuren von Eisenoxid enthält, dennoch ist es nur ein Pigment. Damit eignet sie sich perfekt zum Abtönen von grellen Farben.
- Potter`s Pink (370) – dies ist eine geradezu universell geeignete Farbe zum Abtönen, die auch Granulationseffekte hinzufügt.
- Umbra gebrannt (668) – ein universeller, sehr lichtechter Braunton, der eigentlich in jede Palette gehört, ich würde empfehlen, diesen entweder als Ersatz für Casslerbraun oder Sepia zu verwenden, so erhält man etwas mehr Vielfalt in der Palette.








