Allerlei Gouache-Farben

Ein provisorischer Fuchs, gemalt mit Schmincke Englischrot, Indischgelb und Preußischblau (Grafik: Martin Dühning)
Ein provisorischer Fuchs, gemalt mit Schmincke Englischrot, Indischgelb und Preußischblau (Grafik: Martin Dühning)

Gouache ist eine schöne Sache, wenn man wasserlösliche Farben braucht und Aquarellfarben zu wenig decken. Vor allem für schnelle Arbeiten und Konzepte eignet sich die Technik sehr.

Wohl deshalb, weil es klassischerweise eher in der analogen Designerbranche eingesetzt wurde, heißen Gouache-Farben oft „Designer(s) Gouache“. Inzwischen sind die meisten Grafiker aber auf digitale Produktion umgestiegen und Gouache-Farben haben sich bei Kleinkünstlern als ideale Ergänzung zu Aquarellfarben erwiesen. Fast alle Hersteller werben damit, dass man ihre Aquarell- und Gouacheprodukte problemlos miteinander mischen kann.

Wozu braucht man eigentlich Gouache-Farben und worin besteht der Unterschied zu Aquarellfarben?

Gute Gouache brilliert auch bei dunklen Farbtönen und man kann auch von dunkel nach hell malen, was mit Aquarell nicht geht (Grafik: Martin Dühning).
Gute Gouache brilliert auch bei dunklen Farbtönen und man kann auch von dunkel nach hell malen, was mit Aquarell nicht geht (Grafik: Martin Dühning).

Gouache-Farben sind in der Regel deckend, sodass man, anders als Aquarellmalerei, auch von dunkel zu hell malen kann. Bei guten Farben lässt sich bei dickerem Auftrag auch Impasto arbeiten, allerdings auf die Gefahr hin, dass die Farbe rissig wird, wenn man sie nicht mit Bindemitteln stützt. Ansonsten ähneln Gouache-Farben Acrylfarben mit dem Vorteil, dass man angetrocknete Farben auch wieder mit Wasser anlösen kann. Sie lassen sich, wenn man sie stark verdünnt, auch lasierend auftragen. Bei guten Gouachefarben entsteht dann die Anmutung von Aquarellfarben, manchmal entstehen auf dem Papier auch Effekte, die an Granulation erinnern. Allerdings wirken Gouachefarben nicht so prägnant im dünnen Farbauftrag wie ihre zarteren Aquarellgeschwister. Weil sich Gouache-Farben besser zum Mischen eignen, gibt es auch nicht ganz so viele verschiedene Pigmente wie bei Aquarellfarben. Viele Hersteller bieten aber einen Grundstock „klassischer“ Farbtöne an, um es Einsteigern zu erleichtern, sich mit den Gouachefarben zurechtzufinden. Dabei werden teils die gleichen Pigmente wie bei Aquarellfarben benutzt.

Gerade bei billigen Gouachefarben bemerkt man aber den Unterschied zu den Aquarellfarben kaum, weil hier die Pigmente durch Bindemittel gestreckt wurden und die Farben im deckenden Auftrag dann oft sehr stumpf erscheinen. Ich habe vier Hersteller im Folgenden miteinander verglichen und beginne bei den sehr guten Farben.

Winsor & Newton Designers Gouache

Die Gouache-Farben von Winsor & Newton gehören zu den Farben, die ich am liebsten einsetze. Alle Farbtöne sind sehr kräftig und leuchtend, decken gut, machen aber auch eine gute Figur, wenn man sie lasiert. Besonders von der Designer-Serie gibt es sehr viele „klassische“ Farbtöne, was einem, wenn man von Öl- oder Acrylfarben kommt, sehr erleichtert, sich zurechtzufinden.

Winsor & Newton Gouache überzeugt mit gut deckenden und leuchtenden Farben (Foto: Martin Dühning)
Winsor & Newton Gouache überzeugt mit gut deckenden und leuchtenden Farben (Foto: Martin Dühning)
Auch die Erdentöne bei Winsor & Newton sind gut deckend und haben teils hervorragende Lichtechtheit (Foto: Martin Dühning)
Auch die Erdentöne bei Winsor & Newton sind gut deckend und haben teils hervorragende Lichtechtheit (Foto: Martin Dühning)

Da die Farben gut pigmentiert sind, lassen sie sich aber auch gut mischen, ohne fahl zu werden. Besonders gut schneiden die Farben auch bei der Lichtechtheit ab, für die Primärfarben hat Winsor & Newton eigene Varianten herausgebracht, die Winsor-Farbtöne. Diese steigern meist auch noch etwas die Lichtechtheit.

Neben den hochpreisigen Designers-Farben gibt es für Einsteiger auch spezielle Sets mit etwas weniger pigmentierten Farbversionen. Sehr empfehlenswert finde ich das Einsteiger-Set mit 10 klassischen Farbtönen à 12 ml für ca. 15 EUR. Es ist in seiner Qualität für diese Preisstufe ungeschlagen und weitaus besser als andere Niedrigpreisvarianten.

Ich selbst verwende für die meisten meiner Gouache-Bilder die Designers Farben von Winsor & Newton.

Schmincke Designer Gouache und HORADAM Gouache

Von Schmincke gibt es gleich drei Serien, die sich an professionellere Gouache-Anwender richten (und wenn man die Gouache-Serie für Kalligraphie dazurechnet, sogar noch eine vierte). Hervorheben möchte ich besonders die Designers-Serie, die Farben nach dem HSK-Profil anbietet. Diese werden meist in 20 ml-Tuben angeboten, womit man bei größeren Formaten deutlich besser wegkommt als mit den viel kleineren Tuben der Konkurrenz. Etwas kleiner, nämlich 15 ml, sind die Tuben der HORADAM-Serie, die sich vornehmlich an klassische Künstler richtet. Hier gibt es auch deutlich mehr „klassische“ Farbtöne. Alle Schmincke-Wasserfarben lassen sich aber sehr gut miteinander kombinieren, weshalb man die Serien auch problemlos mischen kann. Beispielsweise habe ich die Designer-Serie noch mit HORADAM-Farben „Preußischblau“, „Kobaltgrün“ und „Violett“ ergänzt, um die Lücken in der Designer-Serie zu schließen. Natürlich hätte ich diese Farbtöne auch aus dem Bestand zusammenmischen können, aber da ich sie sehr häufig brauche, beschleunigt es das Arbeiten.

Das 12er-Set Designer Gouache von Schmincke kostet stolze 70 EUR, dafür bekommt man aber wirklich sehr gute Farben und die größeren 20ml-Tuben reichen auch sehr weit (Foto: Martin Dühning).
Das 12er-Set Designers Gouache von Schmincke kostet stolze 70 EUR, dafür bekommt man aber wirklich sehr gute Farben und die größeren 20ml-Tuben reichen auch sehr weit (Foto: Martin Dühning).

Besonders hervorzuheben ist, dass die Schmincke-Farben sich gleichmäßig und äußerst fließend auf dem Papier verbreiten. Sie sehen deckend sehr schön aus, machen sich aber erstaunlich gut auch als Aquarell-Ersatz. Selten habe ich Gouache-Farben erlebt, die selbst auf billigem Aquarellpapier so gut zerfließen. Einige Farben sind auch deutlich hübscher als die der Konkurrenz, beispielsweise das Indischgelb, das Preußischblau oder auch das Englischrot, was ein wenig mehr Rotanteile besitzt als das ähnliche „Venetian Red“ von Winsor & Newton. Damit eignet es sich besonders gut auch, um das Fell von Rotfüchsen zu malen.

Ein provisorischer Fuchts, gemalt mit Schmincke Englischrot, Indischgelb und Preußischblau (Grafik: Martin Dühning)
Ein provisorischer Fuchts, gemalt mit Schmincke Englischrot, Indischgelb und Preußischblau (Grafik: Martin Dühning)

Für sehr große Formate gibt es auch noch die Akademie-Gouache-Farben. Hier gibt es wirklich sehr, sehr große Tuben, mit denen man ganze Wände bemalen könnte. Das Einsteiger-Set mit zehn Farben fängt bei einer Tubengröße von 60 ml an. Größere Tuben findet man bei anderen Profianbietern selten.

ARTRANGERs Gouache Poster Tempera

Es gibt auf dem Markt auch sehr viele billige Gouache-Farben, wofür ich als Negativbeispiel die von ARTRANGERs aufführen möchte. Deren Set enthält 24 Farben in Plastiktuben zu jeweils 12 ml. An ihnen kann man sehr gut demonstrieren, was gute Gouachefarben NICHT sind. Da Billiganbieter sehr häufig an den Pigmenten sparen, werden die Farben mit Bindemittel gestreckt. Wenn das gelingt, hat das natürlich sehr wohl Einfluss auf die Farbwirkung, da Farben mit weniger Pigmenten stumpfer und fahler wirken und weitaus weniger gut decken. Im Idealfall verfälscht das aber nicht die Farben selbst.

Leider ist das aber bei den Farben von ARTRANGER der Fall, das Bindemittel, was übrigens leicht nach Buttersäure riecht, ist gelblich, was vielen Farben einen unpassenden Gelbstich verpasst. Besonders misslungen ist das „Titanium White“, was beige ausfällt, beiger als das Mischweiß, was ebenfalls im Set ist, und beide Weißvarianten decken miserabel. Besonders beim „Titanium White“ kann ich nicht nachvollziehen, warum man hier dermaßen beim Pigment gespart hat, denn Titanweiß ist ein recht preisgünstiges Industriepigment, was überall verwendet wird, selbst in Zahnpasta.

Die Verpackung macht einen wertigen Eindruck, die Farben selbst leider nicht (Foto: Martin Dühning)
Die Verpackung macht einen wertigen Eindruck, die Farben selbst aber leider nicht (Foto: Martin Dühning).
Die Farben von Artrangers sind recht fahl und stumpf, besonders dem zweiten Gelbton fehlt es an Leuchtkraft. Wie auf dem Foto deutlich zu erkennen ist, ist das "Titanweiß" nicht wirklich weiß (Foto: Martin Dühning)
Die Farben von Artrangers sind recht fahl und stumpf, besonders dem zweiten Gelbton fehlt es an Leuchtkraft. Wie auf dem Foto deutlich zu erkennen ist, ist das „Titanweiß“ nicht wirklich weiß (Foto: Martin Dühning).

Aber auch andere Farbtöne im ARTRANGERs Set kann man nur als misslungen bezeichnen, beispielsweise das „Yellow Mid“, was sehr stumpf und dunkel ist und niemals mit dem Gelbton „Kadmiumgelb“ zu vergleichen, der wohl ursprünglich angestrebt war. Ähnlich misslungen ist das „Cobalt Blue“, was eher ein schmieriges Dunkelgrau ist. Gelungener dagegen sind die Rot- und Grüntöne, das „Prussian Blue“ und das „Black“. Ein Opfer des gelbstichigen Bindemittels ist aber das „Cerulean Blue“, was dadurch zu einem Türkis wird. Weil die mitgelierten Weißtuben keine Deckkraft haben, kann man die Farben auch nicht davor retten, in der Mischung zu „versumpfen“. Außerdem glänzen sie, wenn man sie etwas dicker aufträgt, was bei Gouache-Farben nicht sein sollte. Auch das hängt wohl mit dem Bindemittel zusammen.

Zur Lichtechtheit kann ich keine Aussagen machen, weil ich mich über diese Farben dermaßen geärgert habe, dass sie gleich wieder im Müll gelandet sind. Einsteiger sollten sich nicht von der erstaunlich guten Bewertung in den Rezensionen bei Amazon täuschen lassen: Wer jemals schon mit Gouache-Farben gearbeitet hat, wird damit nicht glücklich! Und echte Einsteiger tun sich wirklich einen großen Gefallen, wenn sie besser gleich zum gleich teuren (!) Einsteigerset von Winsor & Newton greifen, dann haben sie wesentlich mehr Spaß am Malen und wahrscheinlich auch länger Freude an ihren Werken (denn ich vermute, dass bei ARTRANGER das Bindemittel bereits in der Tube vergilbt ist).

Castle Arts Gouache

Zu den preisgünstigen Gouache-Farben zählen auch die des britischen Anbieters Castle Arts. Dieser hat besonders bei Farbstiften überaus gute Angebote. Die Gouache-Farben zählen nicht zu den besten Produkten von Castle Arts. Das Set enthält 24 Farben, ebenfalls in 12ml Tuben, diesmal aber sind es Metalltuben. Auch hier merkt man, dass etwas am Pigment gespart wurde und die Farben sind im dickeren Auftrag etwas schmierig und glänzend. Im Vergleich zu Winsor & Newton und Schmincke fallen die Farben deutlich stumpfer und dunkler aus. Das ist nicht so ganz geschickt, weil im Set von Castle Art nur ein Weiß mitgeliefert wird und – das ist eigentlich der größte Kritikpunkt bei allen Produkten von Castle Arts – man kann leider keine einzelnen Farben nachbestellen!

Man wird also nicht umhin kommen, sich von einem anderen Anbieter noch etwas Weiß zu besorgen, um die Farben aufzuhübschen. Die Farbmischung im Set von Castle Arts ist allerdings durchaus brauchbar. Es fehlt nur ein Kadmiumgelbton, das „Terracotta Light“ fällt als Orangeton zu dunkel aus und unterscheidet sich daher zu wenig vom „Orange Lake Deep“, aber die Blautöne sind gelungener und es gibt auch genug Varianz bei den Grüntönen.

Die Farben von Castle Arts gibt es nur in fixen 24er-Sets, einzelne Farben kann man leider nicht nachbestellen. (Foto: Martin Dühning)
Die Farben von Castle Arts gibt es nur in fixen 24er-Sets, einzelne Farben kann man leider nicht nachbestellen. (Foto: Martin Dühning)
Auch die Gouachefarben von Castle Art fallen dunkler und stumpfer aus als die hochpreisigen Pendants, insgesamt ist die Farbauswahl aber ausgeglichener. Ein zweites Weiß hätte nicht geschadet. (Foto: Martin Dühning)
Auch die Gouachefarben von Castle Art fallen dunkler und stumpfer aus als die hochpreisigen Pendants, insgesamt ist die Farbauswahl aber ausgeglichener. Ein zweites Weiß hätte nicht geschadet. (Foto: Martin Dühning)

Nicht verwirren lassen sollte man sich aber von der Namensgebung der Farben, die meist nicht die Farbtöne trifft. Das „Coral“ ist in Wirklichkeit ein Hautrosa, keine Koralle, das „Emerald Green“ ist ein helles Grasgrün und smaragdgrün wirkt dagegen eher das „Prussian Green“. Die Erdentöne sind aber treffend bezeichnet, es ist, statt einem zweiten Weiß, was nützlicher gewesen wäre, auch ein Grauton mitgeliefert, „Charcoal Gray“.

Man kann mit diesem Farben durchaus malen, sie sind eben etwas stumpfer und dunkler als das von Gouache-Farben zu erwarten gewesen wäre. Ich vermute stark, dass Castle Arts hier nur die Rezeptur seines Aquarellsets variiert hat, denn die Farben sind eher etwas dickere Aquarellfarben als Gouache. Was für die Castle Arts Farben spricht, ist der Preis, den man mit entsprechenden Rabatten auf der Castle Arts Webseite nochmal deutlich senken kann, wenn man Glück hat, auf unter 10 EUR für das Set. Für diesen Preis kann man sich nicht groß beschweren.

Wenn man sich bei Castle Arts umsieht, würde ich dort aber eher die Aquarellstifte und die Ölfarbstifte (Gold-Serie) empfehlen, die vielen Acrylfarben-Sets – und vielleicht auch noch die Bleistiftsets. Die Gouache-Farben sind nicht ihre besten Produkte.

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Martin Dühning, geb. 1975, studierte Germanistik, kath. Theologie und Geschichte in Freiburg im Breisgau, arbeitet am Hochrhein-Gymnasium in Waldshut und ist Gründer, Herausgeber und Chefredakteur von Anastratin.de.