Lyrische Mondfinsternis

Der Blutmond am 27. Juli 2018 (Foto: Martin Dühning)
Der Blutmond am 27. Juli 2018 (Foto: Martin Dühning)

Heute haben wir übrigens eine Mondfinsternis, am Himmel oben. Unten: Blutmondgedichte, in die leere Nacht geschrieben, drei Gedichte, teils mit gestohlenen Worten, was soll’s…

All die langen Jahre

All die langen Jahre
hoffte ich umsonst,
Wo sich anders Paare fanden,
Banden Tod und Krankenbetten,
Wanden widerliche Winden
Meine Lieben in die Gruft,
Die da ruft: „Nur Verlust!“

Wusste nicht, als ich den Engel
Einst um einen Aufschub bat,
Dass nur Ärger, graue Tage
Plage, Not und Arbeitsberge
Warten würden dieserseits.

Ach, als ich den Silberfaden
In den kleinen Händen hielt,
Damals, auf der Todesbrücke,
Hätt‘ ich ihn nur fliegen lassen,
Meinen kleinen Lebensdrachen,
Hätt‘ mir all dies Leid erspart,
Das vor mir nun aufgebahrt:
Vierzig langer Jahre Früchte:
Bitter, lieblos, seelenkalt.

Das ist’s, was uns werden alt
Lässt, wenn vom Trost nur noch
Ein Rest ist,
zotterlumpen Mitleidsblick
– den man mir noch zugeschickt.

* * *

Mein Haus

Ich baue ein Haus,
für mich ganz allein,
Mit Fenstern nach Innen zum Schwelgen,
Statt Türen führen
Die Treppen hinauf, rauschen
Spiralen an Blütengeländern,
Raus in den Äther der Wolken,
Zu Sternen und Regenbogen,
Wo Nachtigallen einst flogen.

Ich baue ein Haus,
für mich ganz allein,
Es ist in die Wälder und Strände gebaut,
Aus längst vergangenen Tagen,
Und neigt sich zu Sonnentälern,
Wo wir einst am Kirschblütentag
Vorbeihuschend eilten zum Horizont,
Dort, wo einst die Feenkinder
Lachten, sangen und spielten,
Unerkannte Namen und Äuglein,
Der Augenblicke,
Die zwischen den Welten so sind,
Und wo, wenn die Stunde es bringt,
Das Leben, im Traum, noch gelingt.

Dort steht dann mein Haus
Und starrt und weilt,
Und wird doch wohl niemals
Gefunden.

* * *

The Void

„This is an empty world. This is Nothing.“
Came the Witch’s voice.

And she was right,
as nothing more is, to return –
To point it: dark not bright
and even lesser than the poorest night,
which ceils the stars,
not no one’s mind,
like this pure emptiness of thoughts,
that aren’t. Ever. No more. As it’s said.

These cruel words, that have been stolen
from a foreign language,
works of higher kind,
will not return, what have been
wispered to the stones, not heart.

And there is nothing more to say
into an empty world,
and all the thoughts,
as in the end returns:
They will be nothing,
Doomed to void.

* * *

Über Martin Dühning 1079 Artikel
Martin Dühning, geb. 1975, studierte Germanistik, kath. Theologie und Geschichte in Freiburg im Breisgau, arbeitet am Hochrhein-Gymnasium in Waldshut und ist Gründer, Herausgeber und Chefredakteur von Anastratin.de.