Kommt ein Vöglein geflogen…

Ein kleines Vöglein, goldschillernd und mit einem trauten Brieflein, kam geflogen und setzte sich ganz holdselig auf einen vorfrühlingshaften Blütenzweig. Da ruhte es dann, zart, friedfertig und genau so liebenswert, wie es in der katholischen Kirche derzeit nicht zugeht. Tja, leider muss man sagen, hatte es dann später ganz zurecht ein schlechtes Gewissen,  das Vögelchen, genau so eines, wie es manche hier und dort viel eigentlich viel nötiger hätten als Brief- oder Friedenstauben – ach, wären sie nur vernünftiger!

Kommt ein Vöglein geflogen...
Kommt ein Vöglein geflogen...

Mit der Vernunft aber ist es auch so eine Sache in Liebesdingen. Nun könnte man einiges einwenden, über vieles berichten und mancherlei davon wäre sogar unfreiwillig komisch. Jedoch bleibt der traurige und in mancher Hinsicht doch recht profane Umstand davon unberührt, dass der süße Valentinstag heuer leider schon längst vorbei ist – auch für Domspatzen – und das liebe, küsschentrunkene Brieflein, welches das Vögelchen mit sich durch den glitzernden Äther im Schnabel getragen hat, leider zu spät erst ankam, viel zu spät und eigentlich auch sonst ganz zum falschen Zeitpunkt.

Und so gibt es manche Augenblicke, manche Offenbarungen, die sich nie ereignen, nur, weil sie aus apostalischen Gründen schlichtweg verpasst oder falsch zugestellt wurden, wofür viele nichts können, das Vöglein aber schon. Dies gebe ich all jenen zu bedenken, die heute noch so erpicht darauf sind, einen Vogel zu haben statt sich besser selbst auf den richtigen Weg zu machen. Gerade in Liebesdingen lässt man ja doch besser nicht schicken!

Immerhin, es bleibt ja noch zu hoffen, dass die Rückantwort vernünftiger zugestellt wird und nicht alle Liebe auf der Welt inzwischen aufgebraucht ist…