Sisyphos

Wenn man in jeder Sache bis ins Detail erfolgreich ist, täglich im Dutzend – jeden Fels den Berg hochrollt und doch sowohl Felsen wie auch die Berge dennoch nicht weniger werden, hinter denen sich der grüne Horizont versteckt, dann wird einem klar, dass man ja gar keine Chance hat!

Denn der Arbeit ist viel zuviel. Zuviel an viel zu einfach lösbar erscheinenden Routineaufgaben, die doch wie ein Heer von Wanderameisen über den Ahnungslosen herfallen und ihn bis auf die Knochen abnagen – noch nicht mal im Schlaf; doch auch an Flucht ist nicht mehr zu denken. Denn sie sind überall!

Zuviel wie zuviel des Guten, sei es Lob oder Tugend auch oder das, was sich dafür hält und nur falsche Strebsamkeit ist, eine Strebsamkeit, die einen tiefer und schneller in den Erdboden zieht als der Gräber graben kann. Oder Ausnutzung, clever kalkulierte oder sonst etwas was glänzt und funkelt wie unzählige Glasscherben auf dem Asphalt, bevor sie den Fuß zerschneiden.

Zuviel auch falscher Hoffnung, die vom guten Willen der Menschen ausgeht, der meist doch eher Gleichgültigkeit ist oder die Ahndung von Selbstverständlichkeiten, aneinander vorbei gelebte, mit weißer Andorrafarbe übertüncht und doch gänzlich kulturlos, wie gleich Gültiges nunmal immer ist.

Und doch – bleibt dem Sisiphos zumindest die Ewigkeit erspart auf Erden! Ahnt er dunkel, dass der Mühen ein Ende genau dann sein wird, wenn der Fels ihn schließlich, haben seine Kräfte ausreichend nachgelassen, überrollen wird, oder eben die Heerscharen von Kieselsteinen und Sandkörner des spröden Alltags ihn unter sich verschütten. Sünde ist, dass es keine Festtage mehr gibt im zeitlosen Abyss. Und dass Erinnerung wäre, braucht er noch nicht mal zu fürchten: Denn weder Ameisen noch Sandkörner haben viel Gehirn. Sie trampeln nur, rieseln und rollen…