Munkeljahr

Dämmerung am 1. Januar 2017 (Foto: Martin Dühning)
Dämmerung am 1. Januar 2017 (Foto: Martin Dühning)

Das Jahr 2017 gehört fraglos zu den bisher unerfreulichsten meines Lebens. Alles war umsonst, der Todesengel hat mehrfach gesiegt. 2017 begann kläglich und endete jämmerlich. Endlich ist es rum.

Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt man. Doch 2017 war so ein hoffnungsloses Jahr. Es gibt eigentlich nichts Gutes zu berichten, es begann wenig erfreulich und endete grauslich. Es war ein Jahr, indem grausliche Leute triumphierten, und geliebte und geachtete Menschen hinschwanden. Neues kam nicht. Selbst meine Geliebte ließ mich in meinem Unglück allein und kündigte mir die Freundschaft. Insofern könnte man das Jahr 2017 meinerseits getrost ganz aus der Geschichte tilgen.

Nun ist aber auch das Ende, wenn es sich ereignet, zuhauf, vielleicht eine kleine Rückschau wert. Ich will mich gar nicht noch ein weiteres Mal darüber auslassen, dass 2017 künstlerisch, gartentechnisch und zwischenmenschlich jämmerlich und katastrophal war, ja auch finanziell, aber besondern auch was die Lebensorientierung angeht, verwiesen sei nur auf drei Beispiele:

Am 3. Februar 2017 verstarb der langjährige Landeskantor Martin Gotthard Schneider. Ich bin ihm zwar nie persönlich begegnet, dennoch prägte sein Werk mein Leben mit. Musikalisch, wie ich durchaus bin, ist das für mich sehr wichtig. Elf Jahre kam ich über die Kantorei Hochrhein, die damals von seiner Schülerin Trude Klein geleitet wurde, immer wieder mit seinem Liedgut und seinen Kompositionen in Berührung. Manche seiner Melodien habe ich tief in meinem Wesenskern verinnerlicht, so beispielsweise auch „Warum bleibst Du in der Angst?“, dessen Text vom leider vergessenen Pastor und Dichter Kurt Wiegering stammt, den ich erst über ihn entdeckt habe. Vergessen worden sind anderorts aber auch Schneiders einst vielgelobte Werke selbst, außer vielleicht in meinem Kopfkino. Dort bleibt er allerdings lebendig: Manch eine meiner digitalen Kompositionen habe ich in Schneiders Stil gestaltet, seine berühmten Weihnachtspartituren zu „Jetzt ist die Zeit zum Freuen“ hatte ich schon in den 1990er Jahren von Hand in MIDI-Dateien umgesetzt. Dass Schneider dann auch noch an einem 3. Februar starb, ein Tag, der für mich biografisch sehr wichtig ist, tat sein Übriges, mir das Jahr schon im Anbeginn zu vergällen. Lediglich der frühe Tod meines Kunsterziehers Roland Ueber im Jahre 2013 hat mich damals mehr verletzt. Während die bildende Kunst bei mir aber eher eine Kopfangelegenheit ist, ist die Musik für mich eine Herzensangelegenheit. Mit Schneider endet auch ein kleines Stück von mir.

Der nächste Mensch, der mich durchaus mitgeprägt hat, starb am 10. August 2017 – Ruth Pfau, für mich ein, wenn nicht DAS Vorbild gelebten und couragierten Christentums. Pfau war für mich immer ein Symbol, dass aufrichtiger Glaube nicht nur in Heiligenlegenden existiert, dass Verständigung zwischen Religionen und Völker hinweg real lebbar ist – nun ist sie selbst zur Legende geworden. Nicht nur in Pakistan gilt ihr Tod als großer Verlust, denn mit ihr verlässt eine weitere Seele die Welt, die sich für mehr Humanität und eine bessere Welt eingesetzt hat. In einem Zeitalter des Getrumpels, der Extremisten und vielfacher Dreistigkeiten war sie ein heilsamer Gegenpol. Auch ethisch war 2017 ein kümmerliches Jahr.

Nicht zuletzt aber steht 2017 unter dem Schatten der langen Krankheit und des Todes meiner Mutter. Sicher, Ursula Dühning war weder eine bekannte Künstlerin, noch ein ethischer Pfeiler, und doch verkörpert sie für mich sowohl Kreativität als auch Sanftmut – beides wurde allerdings bereits 2015 schwer beschädigt durch ihren tragischen Unfall in jenem düsteren Februar 2015, dessen Folgen die kompletten Folgejahre verdüsterten, und während ich nicht nur diesen Februar 2015, an dem sich der Fall meiner Mutter ereignete und der Ärger mit allzu dreisten Nachbarn entspann, die diesen Umstand in widerlicher Weise für ihre egoistischen Zwecke auszunutzen verstanden – während ich nicht nur diesen dunklen Monat gerne aus der Geschichte getilgt hätte, so gilt dies ganz insbesondere für das komplette Jahr 2017, indem sich nicht, nein rein gar nichts ereignete, was sich in irgendeiner Weise positiv auf mein Leben ausgewirkt hätte – und damit bleibt mir nur ein einziges Urteil:

2017 war für mich ein MUNKELJAHR, eine Zeit endlosen Klagens und tiefen Kummers, eine lange Schattennacht, in der selbst für Tränen und Trauer die Kraft fehlte.

Da bleibt nur zu hoffen, dass es endlich sein Ende findet. Ich werde 2017 ganz bestimmt nicht nachtrauern!