Der traurige Alltag eines Monarchen

Intrografik von "Yes, Your Grace" (Grafik: Presskit von Brave At Night LTD)
Intrografik von "Yes, Your Grace" (Grafik: Presskit von Brave At Night LTD)

„Yes, Your Grace“ nennt sich das neueste Computerspiel von Brave At Night LTD, es wurde am 6. März 2020 von No More Robots publiziert.

„Yes, Your Grace“ ist eine Art Königreich-Simulation bzw. Adventure alter Schule und wurde von einem fünfköpfigen Team in der derzeit ja wieder angesagten Retro-Optik kreiert. (Ach, hätten wir Mogimouse Apokalypse damals doch nur in der Originaloptik weiterentwickelt!). Man spielt in der Rolle von Eryk, dem König des kleinen Reiches Davern, der sich tagein tagaus mit kleinen oder meist auch großen Problemen herumschlagen muss. Die Staatskasse ist eigentlich ständig leer und die Untertanen stellen viele Anforderungen. Auch die Nachbarn sind nicht unbedingt wohlwollend gestimmt und die eigene Familie, bestehend aus Ehefrau Aurelia und den Töchtern Loursula, Asalia und Cedani sind auch nicht gerade eine mentale Stütze. Mit der Zeit wächst einem der arme Eryk ans Herz und der König kann einem auch wirklich leid tun.

König Eryk gibt eine Audienz in "Yes, Your Grace" (Grafik: Presskit von Brave At Night LTD)
König Eryk gibt eine Audienz in „Yes, Your Grace“ (Grafik: Presskit von Brave At Night LTD)

Wie in einem Adventure üblich, steht man oft vor Entscheidungen, die sich allesamt später irgendwie auswirken, nicht immer zur Freude von König Eryk. Komplette Entscheidungsfreiheit hat man aber oft nicht, oft geht es eher um das kleinere Übel und manche Schicksalschläge lassen sich wohl gar nicht vermeiden. Manchmal wünscht man sich da mehr, besonders beim wiederholten Spielen. Einige Questzweige scheinen auch nicht komplett weitergeführt zu werden, vielleicht bessert hier ein Update noch nach. Alles in allem kommt man in etwa 10 Stunden Spielzeit gut durch, das Game spielt also definitiv in einer anderen Liga als Rollenspielgranden wie Skyrim etc. Ein echtes RPG ist es wohl auch nicht, da man den Charakter nicht wirklich individualisieren kann – aber als kleines Adventure taugt es allemal.

Sehr schön ist auch die eher triste Stimmung umgesetzt. Neben der trotz Retro-Optik (oder gerade deswegen) sehr emotional umgesetzen Szenerie trägt besonders auch der Soundtrack zur Atmosphäre bei. Dieser spielt ebenfalls nicht unbedingt in der Oskar-Liga, einige Titel gehen qualitativ aber über das hinaus, was man von einem kleineren Computerspiel erwarten kann, beispielsweise der Song „Koleda“, den die polnische Metall-Folkband „Merkvolk“ beigesteuert hat. Story, Grafik und Soundtrack verleihen dem Spiel eine slawisch-melancholische Stimmung.

Das Spiel ist bislang für Microsoft Windows erschienen und wird über die Plattform Steam vertrieben.

Mehr über das Spiel kann man auf der Webseite von Brave At Night LTD erfahren.

 

Über Martin Dühning 1164 Artikel
Martin Dühning, geb. 1975, studierte Germanistik, kath. Theologie und Geschichte in Freiburg im Breisgau, arbeitet am Hochrhein-Gymnasium in Waldshut und ist Gründer, Herausgeber und Chefredakteur von Anastratin.de.