Am Freitag, den 24. April 2026 endete am Hochrhein für mich eine Ära: Ich benutzte zum letzten Mal die alte Hochrhein-Bahn. Nach all den Ausfällen und Verspätungen der vergangenen 25 Jahre trauere ich ihr nicht nach.
Ich weiß noch, wie aufgeregt wir (unsere Mutter, mein Bruder und ich) in den 1990er Jahren waren, als die damals(!) modernen Dieseltriebwagen die alten Züge ersetzten, die ich in meiner Schulzeit erlebt hatte. Wir fuhren sogar einmal nur deswegen nach Waldshut, um die neuen Triebwägen in Aktion zu erleben.
Mehr als 30 Jahre später ist von der Begeisterung nicht mehr sehr viel geblieben, zumal der Kahlschlag, der sich bei der Bahn seither mit staatlich verordnetem Innovationsstau verband, einem gerade am Hochrhein jede Freude am Bahnfahren vermiest hat. Eigentlich bin ich zeitlebens immer sehr gerne Bahn gefahren, doch ständige unangekündigte Zugausfälle, miserable und teils gefährliche Zustände an Bahnhöfen gepaart mit offensichtlich plakativ-dummen Werbeaktionen (Wie streichen unsere Züge gelb und behaupten dann, es wäre alles neu) lehren selbst Bahnliebhabern das Fürchten. Ich kann nicht mehr nachzählen, wie oft ich mich im Herbst und Winter schon übelst erkältet habe, weil ich an einem leeren Bahngleis zurückgelassen wurde – die Durchsage, dass der Zug aus „personalen“ oder „fahrplantechnischen“ Gründen ausfällt, kommt ja meist immer erst dann, wenn die Busse nebenan bereits abgefahren sind. Auch sonst herrschte Service-Wüste. Der Tiefpunkt ereignete sich 2018, als ich einmal im Zug ohnmächtig wurde und einfach liegen gelassen wurde, weil niemand da war, der sich zuständig fühlte. Wahrscheinlich muss ich noch dankbar sein, dass ich damals nicht auch noch ausgeraubt wurde. Eigentlich ist am deutschen Hochrhein nur das Gesundheitssystem noch kaputter als die Hochrhein-Bahn.
Nicht nur ich freue mich daher auf eine Grunderneuerung. Auch den am Bauprojekt beteiligten merkt man allerorten regelrechte Begeisterung an und Vorfreude auf die „neue“ Bahn, die irgendwann 2027 kommen wird. Ich glaube zwar nicht, dass die Elektrifizierung die Grundprobleme der eingleisigen Strecke lösen wird, zumal Oberleitungen meiner Erfahrung mit der Dreiseenbahn nach auch anfällig für Störungen sind, aber vielleicht helfen die flankierenden Maßnahmen, beispielsweise, dass diverse Bahnhöfe zu Kreuzungsbahnhöfen ausgebaut werden. Vielleicht gibt es dann auch nicht mehr ganz so uralte, kaputte Züge. Und wenn gar, wie viele leidgeprüfte Pendler hoffen, die SBB irgendwann die Strecke übernimmt, wie schon beim Seehaas oder im Wiesental, dürfte es mit deren – in realiter und nicht nur auf dem Papier – effizienteren Struktur deutlich besser werden, zumal da weniger an „Schienenmaterial“ und Personalservice gespart wird. Wahrscheinlich lassen sich die Schweizer auch nicht so sehr von pseudo-spar-geilen und allzu autoaffinen deutschen Politikern unter Druck setzen.
Für meine letzte Fahrt mit der Hochrheinbahn suchte ich mir den 9 Uhr Zug aus, und wäre das tatsächlich meine letzte Fahrt gewesen, hätte ich versöhnlich mit dem Zeitalter abgeschlossen, denn die war tatsächlich pünktlich und funktional angenehm. Leider musste ich aber auch noch einmal nachmittags die Linie zurück nach Lauchringen nehmen und erlebte dort einen überfüllten Triebwagen mit marodierenden Jugendlichen, sodass ich froh war, als ich den Zug wieder verlassen konnte. Als der Triebwagen dann bei Lauchringen West Richtung Stühlingen weiterfuhr, dachte ich mir nur: „Auf Nimmerwiedersehen!“









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