Ein Spiel mit Farben

Der Farbkasten mit White Nights Aquarellfarben von Neva Palette (Foto: Martin Dühning)
Der Farbkasten mit White Nights Aquarellfarben von Neva Palette (Foto: Martin Dühning)

Über Weihnachten 2021 hatte ich mir eine Menge neuer Farben zugelegt – bei der Palette habe ich nun etwas nachjustiert.

Man kann sich nicht um alles gleichzeitig kümmern – und so dämmerte meine analoge Farbenauswahl seit 2010 dahin, weil ich – abgesehen von Mosaiken – seither weder Zeit, noch Muße, noch Geld für die Bestandserhaltung hatte. Kaufte ich in den folgenden Jahren neue Farben, so meist für meine pflegebedürftige Mutter, damit es ihr in ihren letzten Tagen wenigstens nicht an Malmaterial mangelte. Auch hatte ich wenig Lust in meinem wenig geborgenen Umfeld auf Kunst, denn Kunst ist ein Ausdruck der Seele, und es war zuletzt nur noch düster.

Experimenteller Engel (Grafik: Martin Dühning)
Experimenteller Engel mit Pastellkreidestiften (Grafik: Martin Dühning)

Nun gibt es jedes Jahr den Weihnachtssegen und ich bin ein durchaus motivierbarer Zeitgenosse, wenn ich die richtigen Inspirationen erhalte – und die erhielt ich mehr zufällig durch CastleArts, die zu erschwinglichen Preisen durchaus sehenswerte Produkte haben und zudem eine Jahresschlussrabattaktion veranstalteten, sodass ich meinen Farbbestand auf einen Schlag wiederherstellen konnte, sowohl was Buntstifte anging, aber auch Aquarellstifte, Acryl- und sogar Ölfarben. Pastellkreiden legte ich mir mit meinem Weihnachtsgeld dann von Orthello zu – zudem ein vielfältiges Repertoire an Malpapieren, womit ich im Jahr 2022 nun wieder analoge Kunst schaffen kann.

So schön die Aquarellstifte von CastleArts aber auch sind, was die Pigmentdichte angeht, kommen sie natürlich nicht an echte Aquarellfarben heran, sodass ich mir, nach etwas Vorinformation, dann noch einen Aquarellfarbkasten mit den White Nights der St. Petersburger Firma Neva Palette zulegte. Im Gegensatz zum Schmincke Aquarellkasten aus meiner Jugendzeit sind die Farben der White Nights deutlich bunter, was besser zu meinem kindlichen Naturell passt. Die Schmincke-Farben waren mir von jeher zu gedeckt, wenngleich Roland Ueber oder meine viel zu früh verstorbene Schulkameradin Rachaela Thomas damit wundervolle Kunstwerke erschufen, mir waren diese Farben nie bunt genug.

Skizze eines Herbstbaumes mit White Nights Aquarellfarben (Foto und Grafik: Martin Dühning)
Skizze eines Herbstbaumes mit White Nights Aquarellfarben (Foto und Grafik: Martin Dühning)

Tatsächlich bin ich von den Gelb-, Rot- und auch Blautönen der White Nights verzaubert – gleichwohl nicht ganz zufrieden, weil mich im Gegensatz dazu die Grüntöne nicht ganz überzeugten. Mir ist wohl bewusst, dass Grüntöne nicht zu den klassischen Beständen der Aquarellmalerei gehören, da man sie traditionell zusammenmischte. Da ich aber weniger ein traditioneller Aquarellkünstler als ein Illustrator bin (denn meistens geht es mir nur darum, meine Zeichnungen zu kolorieren), lege ich Wert darauf reproduzierbare Farbtöne zu besitzen.

Neue Grüntöne von White Nights und Schmincke (Foto: Martin Dühning)
Neue Grüntöne von White Nights und Schmincke (Foto: Martin Dühning)

Also bestellte ich vier Farben bei Neva nach: Warm Green (747), Celestial Blue (512), May Green (745) und Sap Green (716). Insbesondere letzteres hat es mir sehr angetan, denn es lässt sich gut abstufen je nach Dichte. Warm Green und Celestial Blue enthalten dagegen Weißanteile, die sehr deckend sind, was mehr in Richtung Gouache geht (weshalb traditionelle Aquarellkünstler hier indigniert wären). Zur Illustration taugen sie aber gerade deswegen sehr gut. Damit sie noch im Farbkasten Platz finden, entfernte ich Golden (216) – was der Nachbarfarbe Golden Deep (217) zu ähnlich war und aus ähnlichem Grund Ultramarin Deep und Mars Brown (412). Olive Green musste auch weichen, hauptsächlich wegen ihrer geringeren Lichtechtheit.

Wo ich gerade dabei war, orderte ich auch ein Set von Schminckes neuen, stark granulierenden Farben. Aufgrund des hohen Preises der sehr kleinen Tuben lasse ich das Set aber erst einmal verschlossen, bis ich mich in die anderen Farben eingewöhnt habe. Und weil sich die hochpigmentierten Farben von White Nights durchaus von meinen früheren Unterscheiden, gibt es noch einiges zu üben. Ein paar nette Skizzen kamen dabei aber schon heraus…

Sonnenblumen, gemalt mit WhiteNights und CastleArt-Stiften (Foto und Grafik: Martin Dühning)
Sonnenblumen, gemalt mit WhiteNights und CastleArts-Stiften (Foto und Grafik: Martin Dühning)
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Martin Dühning, geb. 1975, studierte Germanistik, kath. Theologie und Geschichte in Freiburg im Breisgau, arbeitet am Hochrhein-Gymnasium in Waldshut und ist Gründer, Herausgeber und Chefredakteur von Anastratin.de.