Landlust in Goethes Garten

„Und, was das Allerschlimmste bleibt, gar mancher kommt vom Lesen der Journale“, dichtete Goethe einst kritisch über die hektischen, zerstreuenden Zeitschriften. Tatsächlich gibt es nur wenige, die Muße zum Inhalt haben, an der auch Goethe seine Freude gehabt hätte. Vielleicht ist ja eine davon Landlust.

Die Zeitschrift Landlust ist so überaus erfolgreich in zeitschriftenkritischen Zeiten, dass sie einen Boom von Country-Magazinen hervorgerufen hat, der in diametralem Gegensatz zur tatsächlichen Urbanisierung und Landflucht auch in Deutschland steht. Nichts desto weniger ist Landlust eine der wenigen Zeitschriften, die man lesen kann, ohne sich aufzuregen über vernunftlose Technisierungen, Überwachungsskandale oder, um im landwirtschaftlichen Bereich zu bleiben: Gentechnik und Agrarindustrialisierung. (Denn die Aufreger werden bewusst ausgespart.)

In der Ausgabe Juli/August 2013 dreht sich vieles um den hochsommerlichen Garten.
In der Ausgabe Juli/August 2013 dreht sich vieles um den hochsommerlichen Garten. Neben Sauerkirscharten stehen auch Mirabellen und Wildblumensträuße auf dem Programm.

Während im eigentlich provinziellen Lauchringen die wilde Kamille, wilder Mohn und auch Kornblumen durch überdüngte Maismonokulturen längst ausgestorben wurden, in der Zeitschrift Landlust kann man sie noch ganzseitig bewundern, ebenso glückliche Familien mit naturwilden Spielkindern und Bauerngärten, die wie der von Oma wirken, nur dass sie noch bevölkert werden von allen Generationen schöner Menschen. Die liebevollen Naturmakros von Blumen, Obst, Gemüse und Insekten sowie romantische Landschaftsfotografien werden umsäumt von einem stilvoll arrangierten Layout, das mit kalligrafisch anmutenden Überschriften und einer zarten Serifenschrift glänzt. Das reicht eigentlich schon, um von mir gelesen zu werden.

Goethe und seine Gärten schildert die Liebe des berühmten Dichters zur Gartennatur.
Goethe und seine Gärten schildert die Liebe des berühmten Dichters zur Gartennatur. Auch das Layout ist liebevoll arrangiert.

Die aktuelle Ausgabe setzt aber noch eins drauf: Sie wird literarisch und beleuchtet, umsäumt von einer bilderreichen Reportage über Weimar auch den Gartenliebhaber Johann Wolfgang von Goethe. Der lesenswerte, doppelseitige Artikel von Christian Rauch schildert unter der Überschrift „Goethe und seine Gärten“ auf den Seiten 108 und 109 der Juli/August-Ausgabe 2013 die „Landlust“ des Dichterfürsten und stellt Goethes Gärten in Beziehung zum Leben des Dichters.

„In einer Nacht haben mir die Schnecken alles aufgefressen“, klagt da Ehefrau Christiane Vulpius und ich fühle mich unweigerlich an das traurige Schicksal meiner Blumenträume in diesem Mai, also genau 215 Jahre später erinnert.