Menschen sind wie Geschichten

Wer legendäre Bücher gelesen hat, auch heilige Schriften wie die Bibel, dem fällt auf, dass sie immer aus Geschichten bestehen, Geschichten von Menschen über Menschen. Die großen Wahrheiten des Lebens sind keine logischen Satzungen, sondern Erzählungen.

Mag sein, dass man die Welt in Formeln zerlegen kann, womöglich sogar eindeutige. Doch das macht nicht die Sinndimension des menschlichen Lebens aus. Es ist seit unzähligen Generationen die Erzählung, die den Sinn beinhaltet – eine Geschichte mit einem geheimnisvollen Anfang meist und einem mysteriösen Ende. Mal sind es Märchen, mal eher Berichte, doch sie weisen Handlungen und Zusammenhänge auf die die Objekte der Welt verknüpfen zu dem, was sie bedeuten. Diese Bedeutung beschränkt sich aber nicht auf die Sinnhaftigkeit der Dinge, sie gibt auch dem Erzähler und dem Zuhörer Sinn, indem sie Beziehung schafft. Das ist vielleicht auch das größte Geheimnis der Schrift, dass sie diesen Beziehungen sogar eine Art von Ewigkeit gewährt, selbst wenn der ursprüngliche Erzähler längst zu Asche zerfallen ist.

Der Stoff, aus dem letztlich alle Erzählungen gemacht sind, ist das menschliche Leben. Und jeder Mensch ließe sich ebenso als eine kleine oder große Erzählung deuten mit einem Anfang, dem ein Zauber innewohnt und einem Ende, das traurig macht, wie bei einem guten Buch, dass man auf der letzten Seite schließen muss und weiß, dass es nun leider zuende ist und keine Fortsetzung je an das herankäme, was darin geschrieben steht.