Vom Kaufmann und der Perle

Es war einmal ein Mann, der entdeckte bei einem Kaufmann eine wundervolle, kostbare Perle – und sogleich beschloss er, alles was er hatte zu veräußern um sich diese eine schöne Perle leisten zu können.

Nun ist das in der Praxis gar nicht so einfach, und obwohl der Mann sich sofort daran machte, brauchte es doch seine Zeit: Zuerst lief er auf seinen Acker und grub dort einen Schatz aus, den er genau für solch einen Zweck zusammengetragen hatte, dann veräußerte er – weit unter seinem Wert, denn die Zeit drängte, sein ganzes Erbe, alle seine Ersparnisse und was immer er in seinem Leben angesammelt hatte. Auf dem Weg zur Bank freilich half er noch einem Lamm, das in einen Brunnen gestürzt und einem Wanderer, der auf dem Weg von Jerusalem nach Jericho unter die Räuber gefallen war. Beiden rettete er damit das Leben. Aber als er schließlich den Kaufmann am Abend erreichte, schloss der bereits seinen Laden.

„Tut mir leid, Du kommst zu spät“, entgegnete der Perlenhändler dem Mann. „Der Sabbat hat bereits begonnen und mein Laden ist geschlossen.“

„Aber ich hab lange gebraucht, um die von Dir geforderte Summe zusammenzutragen. Ich will diese eine Perle unbedingt haben! Verkauf sie mir doch bitte!“, verteidigte sich der Mann.

„Tut mir leid, es ist jetzt zu spät. Komm wieder, wenn der Sabbat vorüber ist“, blieb der Händler stur.

Also ging der Mann, mietete sich ein Zimmer in einer benachbarten Herberge und wartete den ganzen Tag in freudiger Erwartung darauf, dass die Zeit vorüber wäre und er die kostbarste aller Perlen endlich kaufen könne. Am Morgen früh nach dem Sabbat eilte er sofort zum Laden.

Doch der Laden war jetzt leer.

„Tut mir leid, Du bist wieder zu spät. Gerade erst kam ein Jungspund, der über Nacht im Lotto gewonnen hatte und kaufte meinen ganzen Laden leer – auch diese eine Perle. Glück muss man haben!“, lachte der Kaufmann, wog das Gold in seiner Hand und schloss seinen Laden für immer.

„Aber Du hast mich selbst weggeschickt! Du hast gesagt, es wäre Sabbat!“, wandte der Mann da entrüstet ein.

„Ja mag sein“, entgegegnete ihm der Händler fast gleichgültig, „aber ich bin Kaufmann und mein Leben ist es, zu verkaufen. Nun gibt es hier nichts mehr, Du bist zu spät! Geh fort!“ Und mit Blick auf die Geldbündel des Mannes fügte er hinzu: „Freilich, über das Wochenende hat es auch eine Inflation gegeben und mit deinem wertlosen Geld wirst Du auch nirgends anders mehr irgendetwas anfangen können. Gib’s auf, gib’s auf!“, sagte der Kaufmann und wandte sich von dem Manne mit großen Schwunge ab wie Leute, die mit ihrem Lachen allein sein wollen.

Der Mann aber lief hinaus in die Einöde und weinte dort bitterlich.