Realität, Sinn und Kultur

Amethyste (Foto: Cottonbro via Pexels)
Amethyste (Foto: Cottonbro via Pexels)

Für ein intelligentes Bewusstsein ist die Realität nur eine Option. Sicherlich: Grundvoraussetzung, aber im Ganzen des Bewusstseins eine Option. Denn was Bewusstsein und Intelligenz erschafft, ist eine Vielfalt von Möglichkeiten, die im Gesamt die Wirklichkeit ergeben.

Die Möglichkeiten existieren als Ideen – aber nicht für sich, sondern in Relation. Die Relation muss stimmen, damit sie wahrhaftig sind. Je mannigfaltiger die Möglichkeiten, je detailreicher die Gedanken, je vernetzter die Relationen, desto mehr Tiefe hat das Leben. Wir können soviel ersinnen, träumen, erschaffen! Und wer diese Tiefe auslotet, der lebt nicht ein Leben, sondern viele, ist vielleicht, wie es in einem Buch geschrieben steht: ein Unsterblicher.

Der Sinn des Lebens liegt nicht darin, große Taten in der Realität zu begehen. Der Sinn des Lebens liegt nicht in Aktionitis und dem Schaffen von vollendeten Tatsachen. Mag zwar sein, dass davon die Geschichtsbücher überquellen, aus diesen Unfällen. Aber daraus entsteht das Leid in der Welt.

Nein, der Sinn des Lebens liegt darin, die Möglichkeiten auszuloten. Dazu müssen sie nicht realisiert werden. Dazu müssen sie erst recht nicht vorgegebenen Mustern folgen. Mustergläubigkeit und Schablonendenken verhindern oft Sinnhaftigkeit mehr, als dass sie sie ermöglichen. Wir müssen ersinnen. Die Möglichkeiten in ihrer Summe, daraus ist der Stoff des Lebens gewoben. Vielleicht müssen sie noch nicht einmal kommuniziert werden – nein, mit Fantasie und gedanklicher Tiefe müssen wir sein, damit wir leben – mit Bewusstheit.

Das verschafft Sinn – und wenn wir diesen Sinn kommunizieren, dann entsteht Kultur. Und das sind dann meist die besseren Geschichten.

Über Martin Dühning 1194 Artikel
Martin Dühning, geb. 1975, studierte Germanistik, kath. Theologie und Geschichte in Freiburg im Breisgau, arbeitet am Hochrhein-Gymnasium in Waldshut und ist Gründer, Herausgeber und Chefredakteur von Anastratin.de.