FairTastic – ein fairer Meilenstein

Offizielles Pressefoto zur Einweihung des Fairtastic-Bauwagens am KGT (Foto: Martin Dühning)
Offizielles Pressefoto zur Einweihung des Fairtastic-Bauwagens am KGT (Foto: Martin Dühning)

Seit Ende Juli 2010 gibt es am Klettgau-Gymnasium FairTastic – einen kleinen aber professionellen Verkaufs- und Infostand am KGT, der sich „Fairtrade“ und „Nachhaltigkeit“, aber auch schönen Geschmack auf die Fahnen geschrieben hat. Planung und Umsetzung wurden besonders von drei Schülerinnen vorangetrieben: Theresa Seipp, Charlotte Hatje und Lesley-Ann Mathis. Darüber hinaus waren bei Transport und Ausgestaltung noch viele weitere beteiligt. Nicht vergessen darf man auch Herrn Behnke, der das Projekt begleitet und berät.

Feierliche Eröffnung beim Sommerfest

Neugierige Blicke zog der nunmehr bunt angemalte Wagen ja schon länger auf sich, ab Donnerstag, den 22. Juli 2010 hatte er dann erstmals dauerhaft geöffnet und über die Projekttage gab es schon viele saisonal abgestimmte, nachhaltige Produkte: Obst, Eis, aber auch Getränke – passend zum sommerlichen Wetter. Am Montag, den 26. Juli, vormittags vor dem großen Sommerfest wurde er dann ganz offiziell in einem kleinen Festakt eingeweiht, musikalisch umrahmt von der Bläserklasse von Herrn Stitz.

Obwohl der Festakt im allgemeinen Trubel der Projekttage etwas unterging – das Schülerpublikum war eher klein – war es ein bedeutsamer Augenblick. Zur Einweihung hatte sich hoher Besuch aus Stuttgart auf den Weg gemacht. Denn „FairTastic“ ist nicht einfach nur ein innerschulisches, sondern ein landesweites Pilotprojekt, das ökologisch nachhaltige Produkte aus der Region und fair gehandelte Güter auch jungen Konsumenten nahe bringen soll.

Sofern es klappt, werden künftig auch an anderen Schulen in Baden-Württemberg ähnliche Verkaufsstände starten. Für das betreuende Ministerium für ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz war Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch in den tiefen Süden gekommen. Sie und ihre beiden Begleiter begutachteten neugierig und dann sichtlich zufrieden die Projektergebnisse, verkauften auch öffentlichkeitswirksam ein bisschen selbst und probierten zusammen mit der Schulleitung das kulinarische Sortiment aus.

Daneben war auch Landtagspräsident Peter Straub angereist, der ebenfalls sichtlich einen zufriedenen Eindruck machte. Nur die Schulleitung wirkte eher resigniert, was vielleicht auch in dem inoffiziellen Motto der Schulleiterrede zum Ausdruck kam: „Wir wollten eine Mensa und bekamen einen Fairtrade-Verkaufsstand!“ Die entsprechenden indirekten Anfragen an die anwesenden Landespolitiker wurden von diesen professionell abgehakt und routiniert an die (nicht anwesende) Kommunalinstanz zurückverwiesen.

Denn im ungeteilten Mittelpunkt für den Besuch aus Stuttgart stand das aktuelle Landesprojekt als Leuchtzeichen. In ihrer Ansprache betonte die Staatssekretärin die Wichtigkeit solcher Schülerprojekte wie „FairTastic“ für die Sache selbst: „Jugendliche haben die besten Ideen, wie nachhaltiger Konsum spannend und mit Spaß umgesetzt werden kann.“ Mit ihrem Projekt, so Gurr-Hirsch, geben die Schülerinnen und Schüler dem Wort „Nachhaltigkeit“ ein lebendiges, anschauliches und junges Gesicht. Diese Praxis sei wichtig – denn anders als beispielsweise in der Schweiz, wo solche Qualitätsprodukte schon seit Jahrzehnten eine hohe Wertschätzung erfahren, geben deutsche Konsumenten, gerade auch Jugendliche, Billigprodukten immer noch den Vorzug – selbst wenn sie nicht wirklich preisgünstiger sind – und gesund oft schon gar nicht.

Gegen Ende erst traf auch Oberbürgermeister Albers ein, aber noch rechtzeitig für die eloquente und wirklich überzeugende Rede von Theresa Seipp, die zeigte, dass „FairTastic“ für die Beteiligten tatsächlich eine bewegende Sache ist, ihr Projekt, das von Herzen kommt und von der die Beteiligten auch wirklich aufrichtig überzeugt sind.

Die lange Vorgeschichte am KGT

Im Schatten des Trubels freuten sich still eine ganze Reihe von altgedienten KGTlern in sich hinein. Die Idee von fairem und nachhaltigem Handel ist nämlich nicht neu am KGT. Bereits in den 80ziger Jahren versuchten die Relilehrer, allen voran Herr Helling, die Idee von Nachhaltigkeit und fairen Handel an die Leute zu bringen. Seither gab es immer wieder mal, meistens zur Weihnachtszeit, einen Fairtrade-Markt. Mitte der 90ziger schließlich war man sogar schon soweit, dass das Lehrerzimmer seinen Kaffeeverbrauch ganz auf fairen Kaffee umstellte. In den 2000ern machte die Norma-Billigkaffeefraktion in der Lehrerschaft dies zwar wieder rückgängig, aber bis heute ist fairer Kaffee am KGT über das Sekretariat erhältlich für Lehrer mit Gewissen – aber nicht nur für die. Für Schüler ist der faire Kaffee seit Beginn des letzten Schuljahres längst Alltag, als der Kaffeeautomat der SMV auf Fairtrade umgestellt hat.

Nun ist fairer Kaffee aber längst nichts außergewöhnliches mehr – selbst bei den Discountern wird er inzwischen normal geführt, trotzdem ist die zugrundeliegende Idee oft noch nicht bei den deutschen Verbrauchern angekommen. Zudem waren die früheren Fairtrademärkte eher sporadische Aktionen.

Die Idee eines regulären fairen Marktes am KGT hat freilich auch eine Vorgeschichte – der Vorraum unter dem KGT, der inzwischen zwar wieder zu einem Sofafriedhof verkommen ist, war vor zwei Jahren schon für häufigere Fairtrademärkte eigens renoviert worden. Die Idee wurde aber aus Personalmangel und wegen regelmäßiger Wassereinbrüche unter dem Pavillon wieder begraben, auch, weil der Platz dort etwas zu abgelegen ist. Es fehlte auch die Versorgungsbasis – denn der kleine Weltladen in Tiengen kann aus eigener Kraft nicht ständig die nötigen Waren anliefern, das Sortiment war in der Vergangenheit ohnehin auf die Weihnachtszeit zugeschnitten. So zog der alljährliche Weihnachtsmarkt dann wieder in den Musiksaal um – mit dem großen Nachteil, dass dieser nicht für dauerhaften Handel offen steht.

FairTastic – ein Traum wird wahr

Der aktuelle FairTastic kann also auf eine gewisse Vorgeschichte zurückblicken, ist in dieser Form – vor allem auch, was die prominente Unterstützung und die vollständige Umsetzung angeht, ein richtiges Novum: Erfüllt er doch so manche Träume, die in den Jahrzehnten davor noch umsonst geträumt worden waren. Das schon jetzt in das Projekt investierte Engagement dabei ist beachtlich: Die Vorbereitungen und Renovierungsarbeiten gingen – anders als im Südkurier seinerzeit berichtet – weit über die aktuellen Projekttage hinaus, wenn der FairTastic-Verkaufswagen dort auch erstmals richtig den Betrieb aufnahm und feierlich eröffnet wurde.

Die Umsetzung des Ladens als Bauwagen mag manchen zwar etwas zu „alternativ“ vorkommen, insbesondere, wenn man ihn – was mehrfach geschehen ist – mit dem illusionären Instant-Mensabau vergleicht. Doch der Wagen existiert im Unterschied zu diesem in der Realität, war auch niemals als Mensaersatz geplant und hat darüber hinaus noch seine deutlichen Vorteile: Sein Äußeres konnte und kann ganz individuell und unbürokratisch gestaltet werden. Die Inneneinrichtung umfasst neben Lagermöglichkeiten sogar eine unabhängige, komplette kleine Küche, in der man im Sommer Eis und im Winter heiße Getränke und in gewissen Grenzen auch heiße Speisen zubereiten kann. Durch seine Räder ist der Wagen auch mobil und kann seinen Standort nach Bedarf wechseln, wenn es mal nötig wird. Man kann ihn so auf Anfrage beispielsweise auch an benachtbarte Schulen ausleihen.

Logistisch unterstützt wird FairTastic unter vom relativ großen Biomarkt Hauser in Lauchringen, sodass man hoffen darf, dass ein dauerhafter Handel klappen wird. Bei den Renovierungsarbeiten halfen auch ein lokaler Malerbetrieb und das Möbelhaus Seipp mit.

Konkurrenz für den armen Hausmeister?

Gleich nach Ladeneröffnung kam vor allen bei älteren Schülern die Frage auf, ob der neue Laden nicht dem armen Hausmeister übel Konkurrenz mache. Ein wenig „Konkurrenz“ macht er sicher – denn er zeigt ja bewusst Alternativen zu Altbekanntem auf. Aber der Verkauf ist mit ihm abgestimmt, man kann sagen, die beiden ergänzen sich. Bei all dem darf man nämlich nicht vergessen, dass der Hausmeister und Fairtastic ein doch recht unterschiedliches Sortiment und Anliegen haben.

Die große Konkurrenz für den Hausmeister ist vielmehr der Pausenverkauf der Bäckerei Dörflinger um die Ecke. Deren Produkte stehen in direkter Konkurrenz zum Hausmeister, obwohl Schüler bis zur Stufe 11 das Pausengelände eigentlich gar nicht verlassen dürften. Der Fairtaste-Verkauf erweitert das Angebot auf dem Schulhof dürfte im Endeffekt vielleicht sogar dazu beitragen, dass die Einkaufsmeile Schulhof attraktiver wird, so mehr hungrige Schüler als vorher auf dem Schulgelände bleiben. Das dürfte den Umsatz des Hausmeisters auf lange Sicht sogar steigern. Darüber hinaus wird er wohl sein ständiges Sortiment um Verkaufsrenner aus dem FairTaste-Verkauf erweitern.

Denn im Blickpunkt von FairTastic steht auch nicht umbedingt Profit, sondern Zeichen sollen gesetzt, neues soll ausprobiert werden können, die nötigen Infos zu Fairtrade und ökologische Nachhaltigkeit auf schmackhafte Weise gegeben werden.

Es wäre doch schön, wenn es bald überall ganz normal wäre, dass fair gehandelte und nachhaltig angebaute Produkte ihren Platz im Einkaufswagen auch der künftigen Generationen finden können!

Martin Dühning

Zuerst veröffentlicht auf der Webseite der Schülerzeitung Phoenix am KGT im September 2010, später im KGT Jahrbuch 2010/2011 S. 16-18.

Über Martin Dühning 963 Artikel
Martin Dühning, geb. 1975, studierte Germanistik, kath. Theologie und Geschichte in Freiburg im Breisgau, arbeitet am Hochrhein-Gymnasium in Waldshut und ist Gründer, Herausgeber und Chefredakteur von Anastratin.de.