An Salome

Die Kapelle von Baltersweil am 30. August 2015 (Foto: Martin Dühning)
Die Kapelle von Baltersweil am 30. August 2015 (Foto: Martin Dühning)

Erinnerungen, die unser Herz berühren, gehen niemals verloren.

An Salome

Such Sommernächte und die vollen Bäume,
Von Vögeln zwitschernd, scheuen Kreaturen,
Die in den Abend leben ohne Uhren,
Die flügeln weit hinauf in höchste Träume,

Wenn das Gezelt strahlt, sternenüberzogen
Und wir mit Liz und Rabe von dem Hügel,
Ganz friedlich, sorgenlos und ohne Zügel,
Der goldnen Zukunft froh entgegen flogen.

Dort steht sie, unsre kleine Zitadelle,
So unentdeckt vom Stürmen dunkler Zeiten,
Die uns bei Tag und Nacht nur Sorg bereiten,
Dort, an der ewig zeitenlosen Stelle,

Wo endlos Sommer, goldumwebte Blüten
Und keine Pflichten sind, die uns entzweien,
Wo keine Sorgenhagelkörner schneien,
Wo deine Wächter unsre Herzen hüten.

Lass nicht den Winter nun das Zepter führen,
Er würd mit Zorn und Bann uns nur erdrücken,
Mit Argwohn böses Schicksal für uns stricken,
Mit kühler Dominanz die Kälte schüren.

Lass uns die Worte weben aus den Stunden
Die voll vom Glanz der Sommertage leuchten,
Wo Schnuppen über laue Himmel fleuchten,
Und wir gesegnet waren, statt gebunden.

* * *

Der alte Baum

Vergib mir, dass ich im Winter nicht blühte,
Doch war es auch mir so kalt
Und hatte auch ich so angst
Und war nackt und bloß
Vor den bösen Frösten.

Vergib mir, dass ich im Winter nicht schützte,
Doch war auch ich blattlos und klamm
Und vor Sorgen taub, dass meine
Äste kaum den Schnee aufhielten.

Vergib mir, dass ich so farblos war
In den Zeiten der Dunkelheit
Wo wir beide froren
Weit entfernt.

Gib mir die Chance auf Leben,
Schick mich nicht ins Totenreich,
Bin doch noch lebendig, schlafe nur
Und hoffe auf deinen Frühling

Gib mir die Chance auf Leben
Und ich möchte Blüten treiben,
Und grüne Blätter,
Für Dich, für mich,
für alle unsre Freunde.

* * *

 

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