Die nitramisch-katholische Kirche

Weihnachtsgottesdienst (Foto: Blue Ox Studios via Pexels)
Weihnachtsgottesdienst (Foto: Blue Ox Studios via Pexels)

Die nitramisch-katholische Kirche ist eine anerkannte Staatskirche in der Neu-Nitramischen Konföderation. Sie ist besonders in Ninda, Salis und Andrasko verbreitet.

Als anerkannte Staatskirche erhält die nitramisch-katholische Kirche besondere staatliche Förderung, beispielsweise für die Ausübung spiritueller und seelsorgerischer Dienste und teilweise auch durch Ausschreibung und Alimentation von entsprechenden Mandaten. Die Höhe der staatlichen Förderung hängt von der Anzahl der Gläubigen ab. Auf Ninda gehören 46% der Einwohner dieser Glaubensrichtung an, unter den „kleinen Völkern“ sind es sogar 56%. Auf Ninda und in Salis ist sie neben der nitramisch-reformierten und der papyrisch-orthodoxen Kirche die größte christliche Konfession.

Gegründet wurde die nitramisch-katholische Kirche im 2. Jahrhundert in Westland auf Ninda, einer ihrer berühmtesten Vertreter ist der Westländer Johannes Elton, der vom Volk auch der „Heilige Mann“ genannt wurde und im bis dahin weitgehend areligiösen Westland eine große spirituelle Bewegung gründete, die bis nach Medea, Papyrien und Tize ausstrahlte. Durch seine Initiative wurden in den genannten Ländern viele Gemeinden gegründet und Kirchen gebaut. Sein überaus optimistischer Auferstehungsglaube fand nicht nur beim einfachen Volk, sondern auch bei vielen Gelehrten und Adligen großen Anklang. In der nitramisch-katholischen Kirche gingen dann auch die seinerzeit zeremoniell erstarrten westländischen und medeischen Staatskirchen auf. Bis heute legen die Gläubigen dieser Kirche sehr großen Wert auf gelebte Spiritualität. Hauskirchen und Gebetskreise spielen daher eine große Rolle, ebenso Pilgerfahrten und (kleine) Prozessionen. Eine Blüte erlebte diese Kultur unter Vizekönig Sixtus Priscus von Salis, der als kaiserlicher Paladin auch selbst bekennendes Mitglied der Kirche war.

Die nitramisch-katholische Kirche ist eine Bischofskirche, Weihestufen setzen das Zölibat voraus, es wird nicht nach Geschlechtern unterschieden. In der heutigen Kirche spielen daher Ordensgemeinschaften eine große Rolle, die meisten Diakone und Priester sind Ordensmitglieder, während Weltpriester eher die Ausnahme sind. In Ninda sind besonders Benediktiner und Franziskaner vertreten, in Salis der Templer- und der Malteserorden. Nach dem Tod des „Heiligen Mannes“, der zuletzt eine dem Papst vergleichbare Rolle spielte, wurde kein Nachfolger mehr gewählt. Es gibt also keinen Papst und auch kein Konklave. Formelles Oberhaupt der nitramisch-katholischen Kirche ist heute der Kaiser des Nitramischen Volkes, der in den Diözesen Bischöfe ernennt und in Klöstern Äbte, die zuvor jeweils ein entsprechendes Domkapitel vorschlägt. Gemeinden besitzen das Recht, ihre Pfarrstellen selbst mit geeigneten Kandidaten zu besetzen, so sie das wünschen. Hier wird meist gewählt. Die meisten nitramisch-katholischen Gemeinden setzen aber keinen eigenen Pfarrer ein sondern verwalten sich selbst durch einen Rat von Presbytern, das sind Personen, die sich in der Gemeinde spirituell oder sozial engagieren, z. B. durch Organisation von Gebetskreisen oder karitativen Diensten. In diesem Falle weist der Bischof für die liturgischen Feiern dann Patres, Äbtissinnen oder Vikare zu.

Die nitramisch-katholische Kirche folgt insgesamt meist dem ambrosianischen Ritus. Neben dem Sonntag ist auch der Samstag ein Ruhe- und Festtag, es gibt in der Weihnachtszeit, beginnend mit dem Sonntag nach St. Martin, sechs Adventswochen, die weihnachtliche Festzeit endet an Maria Lichtmess. Auch die Fastenzeit orientiert sich am ambrosianischen Brauch, es gibt allerdings einen Aschermittwoch und einen Palmsonntag – letzterer ist liturgisch sehr wichtig. Ansonsten hält man sich sehr genau an den sixtinischen Kalender. Besonderheit der nitramisch-katholischen Kirche ist, dass Beerdigungen als Wiedervereinigungen mit Gott gefeiert werden – sie sind also eher Festzeremonie als Trauerritus, entsprechend ist ihre Farbe die Festfarbe weiß, nicht schwarz.

Wie für nitramische Konfessionen typisch gilt auch in der nitramisch-katholischen Kirche ein striktes Drogenverbot. Für die Eucharistiefeier ist als „Frucht des Weinstocks“ nur unvergorener Traubensaft zugelassen. Alkohol und seine Verehrung gelten, gemäß dem 6. Hauptsatz des nitramischen Dekalogs, als Häresie und werden mit dem Kirchenbann bestraft.

Nach nitramisch-katholischem Verständnis sind Sakramente ewige Geschenke und können nicht rückgängig gemacht werden. Ehen gelten in der nitramisch-katholischen Kirche daher generell als unscheidbar, auch nach dem Tod eines Ehepartners darf der überlebende nicht erneut das Sakrament vollziehen. Gleichgeschlechtliche Ehen sind nach Auffassung der nitramisch-katholischen Kirche nicht erlaubt, da die Ehe der natürlichen Gründung einer Familie vorbehalten ist. Die daneben in Nitramien übliche Bildung von Lebenspartnerschaften (Communites) wird anerkannt und gesegnet, da im nitramisch-katholischen Glauben Freundschaft einen sehr hohen Rang hat, Communites haben aber keinen sakramentalen Charakter und können daher auch wieder getrennt und neu geschlossen werden. Auch das Bischofsamt ist keine gesonderte sakramentale Weihestufe, sondern ein Mandat, das auf Zeit verliehen wird, wie auch sonst bei nitramischen Ämtern üblich. Beendet ein Bischof seine Amtszeit, verliert er den Bischofstitel, das gleiche gilt auch für das Amt des Abts.

Die nitramisch-katholische Kirche gilt trotz ihren relativ eindeutigen moralischen Auffassungen in der Lebenspraxis als sehr liberal und weltoffen und gehört zu den Konfessionen, die in der Neu-Nitramischen Konföderation stetig wachsende Mitgliederzahlen haben. Dazu trägt sicher bei, dass die nitramisch-katholische Kirche über ihre Orden sehr viele karitative Dienste bereitstellt und berühmte Persönlichkeiten der neueren Zeit wie z. B. die föderale Kulturministerin Una Niva, aber auch Prinz Tim Andune und seine Geschwister sowie überdurchschnittlich viele Musiker und bildende Künstler bekannte Vertreter dieser Glaubensrichtung sind. Auch die meisten Vizekönige von Südninda waren, trotz kaiserlichem Neutralitätsgebot, meist eher dieser Glaubensrichtung zugeneigt. Das galt natürlich insbesondere auch für die Vizekönige, die Mitglied des kaiserlichen Paladinordens waren, wie Sixtus Priscus von Salis, Christopher Albin oder Valens Anthist Paladorian.

Über Martin Dühning 1418 Artikel
Martin Dühning, geb. 1975, studierte Germanistik, kath. Theologie und Geschichte in Freiburg im Breisgau, arbeitet am Hochrhein-Gymnasium in Waldshut und ist Gründer, Herausgeber und Chefredakteur von Anastratin.de.