Die papyrisch-orthodoxe Kirche

Die papyrisch-orthodoxe Kirche ist eine christliche Konfession auf Ninda, die in den Vereinigten Provinzen von Südninda den Status einer anerkannten Staatskirche besitzt.

Gegründet wurde die papyrisch-orthodoxe Kirche von König Peter dem Großen von Papyrien, als er um 60 a. C. das papyrische Königreich gründete. Die Kirche galt schon sein Anbeginn als radikal-konservativ und nationalpatriotisch, was sie in allen Ländern außerhalb Papyriens sehr umstritten macht. Insbesondere ihre kriegstreiberische Theologie zur Zeit des papyrischen Königs Alexander führten zum großen papyrischen Kreuzzug, der Westland und Medea in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts verwüstete und nur mit Mühe von medeanischen und tizeanischen Truppen beendet werden konnte. Alexander, der in einer Schlacht in Medea umkam, wurde daraufhin zum Märtyrer erhoben, was dazu führte, dass der tizeanische Großkönig Bruno das gesamte Königreich Papyrien unterwerfen und die papyrisch-orthodoxe Kirche verbieten ließ. Sie wurde erst unter Peter II. wieder zugelassen.

Unter dem Einfluss des westländischen Erweckungspredigers Johannes Elton, dessen neue nitramisch-katholische Lehre auch in Papyrien viele Anhänger fand, zog sich die papyrisch-orthodoxe Kirche in die Mystik zurück und wurde pazifistischer. Versuche des moritzistischen Philosophenkönigs Cyprian von Papyrien, die Kirche aufzuklären und toleranter zu gestalten scheiterten am Widerstand der Patriarchen. Dessen Nachfolger, König Aurelian von Papyrien, sagte sich deshalb ganz von der Kirche los und prägte den Satz: „Die papyrische Kirche ist mehr an Macht und Blutopfern interessiert als an Erleuchtung und innerer Einkehr“. Wenig überraschend unterstützten die Patriarchen der papyrisch-orthodoxen Kirche sehr aktiv den Sturz des unbeliebten atheistischen Philosophenkönigs, dem sie den Beinamen „Apostata“ gaben und verhalfen seinem Feind, dem ultrakonservativen Prediger Castratus zur Macht. Dieser setzte mit der „Dodi-Gesellschaft“ eine neue Regierung nach neoplatonischem Vorbild ein, einen Gelehrtenrat, der gemäß der ultrakonservativen Lehre radikal asketische Lebensregeln durchsetzte und durch ein inquisitionsähnliches Tribunal überwachen ließ. Dies stieß auf Widerstand der weiterhin bestehenden Partei der Moritzisten, vertreten durch den Propheten, Prediger und Dichter Jorimir von Abignatze, der daraufhin (zutreffend) die Zerstörung der Hauptstadt Alexandretta und den Untergang der alten Reiche Papyrien, Medea und Tize vorhersagte.

Unter dem Einfluss von Jorimir von Abignatze wandelte sich die papyrisch-orthodoxe Kirche im zerstörten und durch Tize besetzten Papyrien der Spätzeit zu einer asketischen, weit weniger politischen Mystikerbewegung. Die religiösen Gedichte König Cyprians fanden nun Eingang in die Liturgie und mit Kyrian I. von Papyrien kam ein Nachfahre auf den Königsthron, der an die kirchlichen Reformen seines Großvaters Cyprian anknüpfte. Die neuerliche Eroberung von Papyrien durch tizeanische Warlords setzte seiner Reformpolitik jedoch ein Ende.

Als Papyrien zu Beginn der Tristis an Nitramien fiel und Teil von Nitramisch-Ninda wurde – später bekannt als „die Vereinigten Provinzen von Südninda“ – erhielt die papyrisch-orthodoxe Kirche durch Anerkennung von Kaiser Tilias den Status einer Staatskirche, obwohl sie damals nur noch recht wenige Mitglieder hatte. Außerhalb Papyriens fand sie lediglich in den Woodlands einige Anhänger, ansonsten konnte sie sich nirgends durchsetzen, was sicher auch an ihrer nationalpatriotischen Ausprägung lag, die in den anderen Provinzen auf wenig Gegenliebe stieß. Vizekönig Sixtus Priscus von Salis setzte im Rahmen seiner Reformen durch, dass die Feiertage der papyrisch-orthodoxen Kirche in den sixtinischen Kalender übernommen wurden. Im Gegenzug erkannten die Patriarchen auch die anderen Feiertage an und die Kirche öffnete sich zeitweilig für ökumenische Projekte. Allerdings blieb das Patriarchat gegenüber der universell eingestellten Religionspolitik skeptisch.

Theologisch vertritt die papyrisch-orthodoxe Kirche seither eine recht konservative Auslegung des orthodoxen Ritus und ekklesiologisch die Ansicht, dass sich Kirche als ewige Institution nicht durch den Einfluss der Zeitalter beeinflussen lassen darf. Nur männliche Kandidaten dürfen sich weihen lassen, es gilt ein strikter Zölibat mit der Möglichkeit zu Ausnahmen. Generell wird eine asketische Lebensweise befürwortet. Prunk ist nur zu liturgischen Zwecken erlaubt und hier sogar erwünscht. Unter Kaiser Nuriel erhielt die orthodoxe Kirche in der neu errichteten Metropole Alexandretta eine große Basilika, die Adventskathedrale. In dieser Periode war die papyrisch-orthodoxe Kirche auch recht weltoffen, ihre Mitgliederzahlen stiegen und das damalige Patriarchat führte einen regen interreligiösen Austausch mit Theologen anderer Konfessionen wie z. B. dem Erzbischof von Ventadorn, Tamen Elinod.

Ihr heute bekanntestes Mitglied ist der ehemalige Lordrichter Kyrian III. von Papyrien, den Vizekönigin Luisa Amiratu allerdings gleich zu Beginn ihres Mandats 501 a. C. wegen Korruption absetzen ließ, was ihr den Unmut der papyrisch-orthodoxen Kirche einbrachte, besonders von Patriarch Kyrian IV, dem Sohn von Kyrian III. Die seither bestehende regelrechte Fehde zwischen dem Patriarchat und der kaiserlichen Administration und die ständige Kritik der Patriarchen an der bei der Bevölkerung äußerst beliebten Vizekönigin hat dazu geführt, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten selbst in Papyrien immer mehr Kirchenmitglieder abwandten und zu anderen Konfessionen konvertierten, sodass die papyrisch-orthodoxe Kirche die einzige religiöse Gemeinschaft in Neu-Nitramien ist, die einen Mitgliederschwund zu verzeichnen hat. Die Patriarchen waren sogar in einen kleinen Aufstand der Bürger von Alexandretta gegen die Vizekönigin verwickelt, was der Kirche eine offizielle Rüge durch Kaiser Jitro einbrachte. Nur dem Einsatz der nitramisch-katholischen Bischöfe Nikolaus von Südninda und Tamen Elinod von Ventadorn ist es zu verdanken, dass der papyrisch-orthodoxen Kirche nicht der Status einer Staatskirche entzogen wurde. Den bisherigen Tiefpunkt markierte die Neugründung einer nitramisch-katholischen Gemeinde in der Provinzhauptstadt Alexandretta, die inzwischen mehr Mitglieder hat als die Kathedralgemeinde der papyrisch-orthodoxen Kirche, die ebenfalls in Alexandretta beheimatet ist. In ihrer Glanzzeit waren fast 100% der Bürger Papyriens Mitglied der Kirche, nun sind es in Papyrien noch 30%, in den gesamten Vereinigten Provinzen von Südninda kommt die papyrisch-orthodoxe Kirche auf 6%. Außerhalb von Ninda spielte die Kirche nie eine Rolle.

 

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Martin Dühning, geb. 1975, studierte Germanistik, kath. Theologie und Geschichte in Freiburg im Breisgau, arbeitet am Hochrhein-Gymnasium in Waldshut und ist Gründer, Herausgeber und Chefredakteur von Anastratin.de.