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"Die 13. TARDIS" (Grafik: Martin Dühning)
"Die 13. TARDIS" (Grafik: Martin Dühning)

Doctor Who, Season 12: Die zweite Staffel mit Jodie Whittaker als Doctor Who macht einiges besser als die erste. Teils hat man wohl auf die Fans gehört, teils liegt es auch einfach daran, dass man dem Zuschauer nun mehr Raum für Fantasy lässt.

Doctor Who, Season 11, die erste mit Jodie Whittaker, hatte mich seinerzeit nicht wirklich überzeugt. Letztlich fehlte mir ein die Einzelepisoden überspannener Handlungsbogen, die allzu sehr auf Political Correctness bedachten Einzelstücke, eher Lehrstunden als Unterhaltung, ließen nicht viel Raum für Imagination. Irgendwann schließlich verlor man als Zuschauer die Lust auf die nächste Episode, es war eher Pflichtübung als wirklich Freude, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, und zuletzt starb sie dann auch, denn das 2019 New Years Special haute nun auch nicht mehr raus, was die restliche Season nicht brachte: echte Science Fiction.

Mit der Season 12 wollen die Macher ganz offensichtlich wieder an frühere, bessere Zeiten anknüpfen. Das zweiteilige New Years Special 2020, quasi der Auftakt von Season 12, ist zwar ein wenig überdreht, spielt mit seinem Agentengenre aber ganz offensichtlich an die Zeiten von Matt Smith und die Season 6 an, die auch im Agentengenre wilderte – nur dass das diesjährige New Years Special sich diesmal dem britischen Geheimdienst widmet und augenzwinkernd James Bond parodiert.

Wichtiger als das ist allerdings, dass die Serie wieder Bezug auf alte Bekannte und frühere Seasons nimmt. Insbesondere spielen alte Freunde und Feinde wieder eine Rolle (ohne zuviel zu spoilern) und das Thema des als Brotkrumen in Season 11 eingeschneiten „Timeless Child“ wird wieder aufgegriffen und zu einem episodenübergreifenden Motiv aufgewertet.

Bis einschließlich Folge 5 wurden die Episoden von Season 12 immer besser, auch der im Netz umstrittenen Episode 3 „Orphan 55“ konnte ich etwas abgewinnen, wandelt der dreizehnte Doctor hier doch recht deutlich auf den Spuren des 10ten oder 12ten Doctors, mit einem Gruselflair in Kombination mit einem moralischen Fingerzeig. Folge 4 „Nikola Tesla’s Night of Terror“ war regietechnisch noch besser umgesetzt und kostet das Thema Cyberpunk aus. Hier fiel mir auch erstmals die neue Filmmusik auf, die nun wieder etwas kineastischer und weniger intellektuell als in Season 11 wirkt.

Der bisherige Höhepunkt von Staffel 12 bleibt für mich aber die Folge 5, „Fugitive of the Judoon“ – nicht nur, weil sie einige Bekannte aus früheren Staffeln wiederkehren lässt, unter anderem die Nashornsöldner „Judoon“, sondern eine relativ unerwartete Wendung nimmt, als man schon nicht mehr damit rechnet, die durchaus verblüfft und viele Leute seither auch grübeln lässt, inwiefern sie sich überhaupt mit dem Canon der Serie verbinden lässt. Ihren Reiz gewinnt sie vielleicht aber gerade auch dadurch, dass sie viele Fragen offen lässt und Raum für mancherlei Fantheorien.

Es bleibt zu hoffen, dass die Serie im weiteren Verlauf die neue Offenheit beibehält. Einige Altlasten aus der Season 11 bestehen aber weiterhin: Der Doctor selbst verblasst immer noch oft gegenüber seinen Mitspielern und die Interaktion zwischen dem Doctor und seinen drei (episodenweise bis zu sechs) Begleitern bleibt diffus – auch untereinander. Die Drehbuchschreiber haben sichtlich oft Probleme, den vielen Figuren plausible Screentime zu vermitteln.

Eine inhärente Gefahr der vielen neuen Rätsel in Season 12 ist, dass sie später womöglich zu platt wieder aufgelöst werden. Manchmal habe ich mich auch gefragt, ob die Macher wussten, welche Geister sie da riefen, oder ob sie einfach nur munter aus dem älteren Canon rezitierten und daraus Neues zusammenwürfelten. Jedenfalls fällt dem Fan doch auf, dass die Protagonisten, die Season 12 neu auferstehen ließ, so agieren und sprechen, als hätte es die Capaldi-Ära nie gegeben – und teilweise fallen sie auch vor die Tennant-Ära zurück. Dies hat in Fan-Foren teils herbe Kritik, teils auch allerlei Parallelwelt-Theorien hervorgerufen.

Eines muss man der Serie lassen: Sie ist nun wieder deutlich unterhaltsamer und man freut sich wieder auf die nächste Episode. Man wird sehen müssen, in welche Richtung die Macher die Season 12 in ihrem weiteren Verlauf noch lenken werden.

Über Martin Dühning 1116 Artikel
Martin Dühning, geb. 1975, studierte Germanistik, kath. Theologie und Geschichte in Freiburg im Breisgau, arbeitet am Hochrhein-Gymnasium in Waldshut und ist Gründer, Herausgeber und Chefredakteur von Anastratin.de.