Sanfter, gedankenverlorener Samstag

St. Andreas 2013. Nach einer diesmal erholsamen Nacht begann der Tag recht trübe mit milchweißem Himmel, aber windstill, und weil die Äquatorsonne so wirken kann, mollig warm.

Gelinde Wellen eines südlichen Ozeans an einem Strand am Samstag, den 30. November 2013
Gelinde Wellen eines südlichen Ozeans an einem Strand am Samstag, den 30. November 2013

Nach einem ausgiebigen Frühstück und Smalltalk mit dem anderen Ehepaar (dessen Frau den Fahrradunfall gehabt hatte) verbrachte ich den gesamten restlichen Vormittag damit, die Geschehnisse des Vortags aufzuschreiben, weil ich ja vielleicht nur wenige Fotos davon haben würde. Ich werde aber alles mir Mögliche tun, um die Fotos auf der SD-Karte noch zu retten. Mir wurde auch klar, dass ich für Neuseeland ein vollwertiges Netbook brauche, um dort solche Reparaturen vor Ort durchführen zu können. Auch ein brauchbares Nackenkissen scheint mir unverzichtbar. Den nächsten Urlaub werde ich wohl auch mindestens zweiwöchig buchen, eine Woche ist einfach nicht genug, um sich einzuleben und wirklich erholen zu können. Zu zweit zu reisen wäre auch schöner, kostensparender und geselliger.

Blick auf Arecife, Samstag 30. November 2013
Blick auf Arecife, Samstag 30. November 2013

Im Gegensatz zum Hotelbett werde ich das Licht und das abwechslungsreiche Essen hier vermissen. Schade, dass ich beides nicht nach Deutschland mitnehmen kann.

Ich musste beim Frühstück an Monty Pythons „The Middle Ages“ aus dem „Sinn des Lebens“ denken, einerseits wegen der englischen Pärchen hier, andererseits, weil doch so viele Menschen mittleren Alters oder im frühen Pensionsalter hier das Glück suchen. Ein wenig absurd ist es ja schon zu glauben, wenn man sich selbst in den Süden versetzt ein bisschen Himmel auf Erden zu haben, glückliche Jahre in einer Welt, in der es sonst nichts anderes gibt als die Scheinwelt für die Touristen. Der Wert von Monty Pythons Satire aus den 70ern liegt wohl vor allem darin, den bürgerlichen Nonsense so klar herausgestellt zu haben wie sonst wohl nur noch Loriot.

Ist jeder seines Glückes Schmied? Vielleicht überschätzen wir grundsätzlich das, was wir in dieser Welt an Glück haben können. Vielleicht ist es eher das Leid, was einem Menschen Tiefe gibt, ihn veredelt, einzigartig macht. Obwohl es natürlich noch viel unsinniger ist, Leid anzustreben. Aber letztlich weise ist es auch nicht, um jeden Preis glücklich sein zu wollen. Man kann es weder kaufen, noch mieten, doch viele versuchen es, meinen auch, ein Anrecht darauf zu haben. Gerade dadurch entsteht eine Menge Leid, vielleicht nicht für uns selbst, doch für die Menschen um uns.

Mit dem Harzer Ehepaar diskutierte ich gestern Abend darüber, was Fundamentalismus ist. Er meinte, Fundamentalismus sei etwas, für das besonders ungefestigte Menschen anfällig seien. Ich bin der Meinung, das Gegenteil ist der Fall. Fundamentalismus ist viel eher eine Haltung von Menschen, die zu sehr gefestigt sind in ihren Meinungen und Vorurteile über die Suche nach Wahrheit setzen. Vorurteile und Meinungen ersetzen dann Mitgefühl und seelische Tiefe. Denn um vernünftig und verständig handeln zu können bedarf es der Fähigkeit, abwägen zu können und den Sachen offen auf den Grund zu gehen.

Das ist keine Frage davon, ob man einer bestimmten Religion angehört oder ob man überhaupt an Transzendenz glaubt oder nicht. Denn es gibt inzwischen auch einen starken „bürgerlichen Fundamentalismus“, völlig säkular, der sich unter anderem auch in einem leicht imperialen Denken manifestiert, das mitteleuropäische Denkweisen über alles setzt. Es ist schade, dass sich von der Aufklärung nur das verkopfte Bildungsbürgertum durchgesetzt hat und nicht auch das verständige Herz, wie es noch die Empfindsamkeit forderte. Mit klugem Denken allein besiegt man die jedem Menschen vorhandene Neigung, sich von allem anderen feste Bilder und Vorurteile zu bilden, nämlich noch nicht. Dazu bedarf es auch noch aufgeklärter Empathie.