Memphis – die vergessene Schülerzeitung

Schülerzeitungen gab es am Hochrhein-Gymnasium einige - die letzte war die Memphis (Foto: Martin Dühning)
Schülerzeitungen gab es am Hochrhein-Gymnasium einige - die letzte war die Memphis (Foto: Martin Dühning)

Während die Schülerzeitung Phoenix im Jahr 2002/2003 ums Überleben kämpfte, blühte am Nachbargymnasium in Waldshut ihre Kollegin, die Memphis, noch einmal auf und inkarnierte alte Phoenix-Tugenden.

Das Cover der Schülerzeitung Memphis Nr. 4 am Hochrhein-Gymnasium 2003 (Grafik: Martin Dühning)
Das Cover der Schülerzeitung Memphis Nr. 4 am Hochrhein-Gymnasium 2003 (Grafik: Martin Dühning)

Waldshut-Tiengen ist eine Doppelstadt, und auch wenn es den Einwohnern der beiden allgemeinbildenden Gymnasien nicht immer so recht einleuchten will – die beiden Stadthälften sind vielfältig miteinander verwoben und beeinflussten sich immer schon gegenseitig. So springen Ideen und Projekte manchmal wie Pingpong-Bälle hin und her und nicht selten sind es auch Menschen, welche die beiden Schulen verbinden. Nicht nur das Lehrkräfte bisweilen zwischen beiden Schulen wechseln, viele sind auch ehemalige Schüler der jeweils anderen Schule. So erstaunt es nicht, dass auch die Geschichte der neueren Phoenix-Ära (von 2003-2016) ihren Anfang an der Nachbarschule nahm, und zwar in Form der Schülerzeitung Memphis.

Das Editorial der Memphis Nr. 4 im Schuljahr 2002/2003
Das Editorial der Memphis Nr. 4 im Schuljahr 2002/2003

Schülerzeitungen hatten es am Hochrhein-Gymnasium immer eher recht schwer, es gab viele Versuche, welche zu etablieren, doch scheiterten sie an der mangelnden Diskussionskultur früherer Schulgemeinschaften, an zu elitären Ansprüchen, an zu mächtigen Lehrern oder einfach an der Tatsache, dass sie nie lange genug fortdauerten, um eine Tradition zu begründen.

Dennoch, es gab sie, die Jahwol, Heureka, Neureka – oder zuletzt die Schülerzeitung Memphis, der ich im Jahr 2002/2003 die Ehre hatte, anzugehören. Die Memphis bestand damals aus einem kleinen Team um Chefredakteurin Monika Jäckle, sieben Mitstreiterinnen, ihrem Betreuer, Herrn Nagl und mir, dem Referendar. Die Memphis hatte wie viele andere Schülerzeitungen damals das Problem, dass die Schüler zwar Artikel schrieben, aber an der EDV scheiterten, aber auch, dass die Anzeigeneinnahmen nach der Jahrtausendwende gegenüber den stark steigenden Druckkosten wegsackten – sie hatte also Technik und Finanzprobleme. Zudem glaubten auch am Hochrhein-Gymnasium damals viele, mit dem Internet habe die letzte Stunde der Schülerzeitungen geschlagen. Papier sterbe aus.

Technisch und finanzielle Probleme, finde ich, lassen sich meist aber einfach lösen (bei sozialen ist es schon viel schwieriger), und meine Idee bestand darin, statt auf Luxussoftware auf Opensource zu setzen. Als eingefleischter StarOffice-Nutzer überzeugte ich die Redaktion, die Memphis Nr. 4 mit diesem Programm zu layouten, unter gezielter Verwendung von Formatvorlagen, was damals eine große Stärke dieser Officesoftware war. Durchaus mit Blick auf frühere Phoenix-Hefte entstand so in zwei Tagen und zwei Nächten Layoutarbeit ein immerhin achtundachtzigseitiges DinA5-Heft mit einem adretten Farbcover, das äußerlich durchaus was hermachte und innerlich – typisch für das damalige Hochrhein-Gymnasium, vor Ironie nur so strotzte.

Das Inhaltsverzeichnis der Memphis Nr. 4 bot 88 Seiten auf - das war die drucktechnische Grenze für Klammerheftung
Das Inhaltsverzeichnis der Memphis Nr. 4 bot 88 Seiten auf – das war die drucktechnische Grenze für Klammerheftung.
Lange vor dem offiziellen Schuljubiläum stellte die Memphis Nr. 4 die Geschichte des Hochrhein-Gymnasiums dar
Lange vor dem offiziellen Schuljubiläum stellte die Memphis Nr. 4 die Geschichte des Hochrhein-Gymnasiums dar.
Die Memphis Nr. 4 enthielt auch einen launigen selbstironischen Satireartikel über meinen Pink Panther, der die Memphis immerhin noch um 14 Jahre überlebte.
Die Memphis Nr. 4 enthielt auch einen launigen selbstironischen Satireartikel über meinen Pink Panther, der die Memphis immerhin noch um 14 Jahre überlebte.

Problem blieben die Druckkosten, weil die lokale Druckerei für die 300 Stück Auflage mehr kostete, als die Memphis mangels Anzeigen mit dem Verkauf überhaupt einnehmen konnte. Im Prinzip war damit aber das Format erfunden, was im Folgejahr langsam auch die Phoenix in Tiengen wieder aus dem Tal holte: Ein technisch relativ simpel gefertigtes, grafisch aber durchaus adrett daherkommendes Heft mit Farbcover und im Taschenformat, in eher kleiner bibliophiler Auflage, das bewusst nicht unbedingt mit dem Internet konkurrierte, sondern seine Qualitäten als Druckmedium ausschöpfte. Diese Schülerzeitung war kein billiges Massenblatt mehr, sondern wandte sich bewusst an Fans des gedruckten Wortes.

Auch Fotocomics enthielt die Memphis Nr. 4 - der Refendar spielte dafür auch Putzdienst.
Auch Fotocomics enthielt die Memphis Nr. 4 – der Refendar spielte dafür auch Putzdienst.

Vielleicht wäre dieses Konzept auch am Hochrhein-Gymnasium aufgegangen. Nur, leider, war der Memphis danach nicht mehr genug Schüleratem vergönnt, denn auch diese Schülerzeitung am Hochrhein-Gymnasium schaffte nicht den Sprung über die Generationengrenze. Mit dem Ausscheiden ihrer Altredaktion aus dem Schulleben ging auch sie in die Annalen des Traditionsgymnasiums ein – und fand dann für mehr als dreizehn Jahre keinen Nachfolger mehr, während die Phoenix in dieser Zeit langsam wieder zu alter Größe aufblühte.

2 Trackbacks / Pingbacks

  1. Der böse Brief oder: „den Panther nehm‘ ich auch …“ – Niarts Anastratin
  2. Die Zeit der vielen Auferstehungen – Niarts Anastratin

Kommentare sind deaktiviert.