Longfellow: Die Legende vom Weihnachtsfrieden

Engel (Foto: Ron Lach via Pexels)
Engel (Foto: Ron Lach via Pexels)

Einer Legende nach schwiegen die Waffen des Ersten Weltkrieges wie durch Engelssegen für einen kurzen Weihnachtsfrieden 1914, für einen Augenblick ruhten die Waffen.

Erst in den letzten Jahrzehnten wurde die wundersame Waffenruhe wieder populär gemacht. Frontsoldaten hatten am ersten Kriegsweihnachten die Waffen ruhen lassen und sich mit der Gegenseite verbrüdert. Es scheint fast zu schön, um so ganz wahr zu sein, die letzten Augenzeugen leben nicht mehr, sodass es zunehmend zur Legende wurde. Schließlich schaffte es diese Episode sogar in eine Folge von Doctor Who, „Aus der Zeit gefallen“, der letzten mit meinem geliebten Peter Capaldi. Ob es nun nur Legende ist, oder wahr, ich finde die Geschichte schön. Es sollte aber auch klar sein, dass die Heerführungen darüber auf beiden Seiten nicht sehr erfreut waren.  – darum gab es später auch nie mehr ein solches Ereignis, da die Heeresleitungen schlimme Strafen androhten, sollte das tatsächlich an der Front vorkommen. Wo käme man denn hin, wenn Krieg wäre, und keiner ginge mehr hin ?!? …

Dass die Weihnachtsbotschaft von Lukas, das Wort des Engels vom „Friede auf Erden und den Menschen seines Wohlgefallens“ aber zum Friedenschließen geradezu einlädt, das findet sich schon viel früher in einer Ballade von Henry Wadsworth Longfellow, „Christmas Bells“ von 1867, der darin ein Erlebnis aus der Bürgerkriegszeit der USA beschreibt. Ich habe die Ballade übersetzt und für Youtube in meiner Reihe der Antikriegslyrik eingelesen. Zwar haben wir gerade (leider) nicht Weihnachten, aber die Weihnachtsbotschaft können wir doch mehr denn je gebrauchen…

Über Martin Dühning 1308 Artikel
Martin Dühning, geb. 1975, studierte Germanistik, kath. Theologie und Geschichte in Freiburg im Breisgau, arbeitet am Hochrhein-Gymnasium in Waldshut und ist Gründer, Herausgeber und Chefredakteur von Anastratin.de.