Semper reformanda

Es scheint, als habe man, nicht nur in religiösen Angelegenheiten, sondern auch überall sonst, beständigen Reformierungsbedarf. Der technische und soziale Fortschritt schläft ebensowenig, auch wenn es manchmal diesen Anschein haben sollte. Immer wieder muss man auch Reformen von Hand anstoßen – zuletzt am KGT die Kalenderreform. Nachdem diese, mit einigem Nachdruck, aber nun erfolgreich angelaufen ist, wurde der Anastratin-Kalender wieder entfernt. Auch ein erster Test von Social Networking per BuddyPress auf der Anastratin-Seite erwies, dass der Aufwand einigermaßen zu hoch ist, die Performanz der Niarts-Datenbankengines dagegen eher im niedrigen Bereich liegt. Bei nur halb so vielen Queries läuft die Anastratin-Webseite doch deutlich zügiger.

Aber auch sonst sind beständige Reformen nötig. Denn die Hacker schlafen nicht, auch wenn es die Komponenten-Entwickler wohl manchmal tun, und nicht einmal mehr grobe Lücken patchen, und so gab es nach längerer Zeit mal wieder einen sichtbaren Hackerangriff auf die Phoenix-Webseite. Da allerdings auch der Phoenix-Webmaster nicht schläft, selbst wenn er krank darniederliegt, und zwischenzeitlich nicht nur bei dieser Seite einen persistenten elektronischen Norton-Cherubim positioniert hatte, war der Spuk sehr schnell wieder vorbei. Doch die Medizin hinterließ einen bitteren Nachgeschmack insofern, als der Wächterengel in seinen Inkarnationen als Personal Firewall auf den Benutzer-PCs nun alle und jeden rund um die Uhr warnen wird, wenn er die Seite betritt. Es wird wohl noch gute vierzehn Tage brauchen, bis das Norton-Rating wieder auf „sicher“ zurückgestellt wurde.

Das hat man nun davon, wenn man bei Google zu hoch im Ranking steht, viel weniger aber bei der örtlichen Leserschaft. So ist die Phoenix-Webseite, nachdem sie beim Spiegelwettbewerb 2006 unter die Topten der deutschen Schülerzeitungswebseiten gerechnet wurde, zwar im Internet allseits bekannt und noch immergut frequentiert. Doch leider nicht am KGT. So wundert man sich dort, dass mit kontinuierlicher Sicherheit neben den meist von unsichtbarer Hand abgeblockten Hackingattacken immer wieder auch Diplomaten von außerhalb auftreten, mit freundlichen Anfragen, wie man den Internet-„Erfolg“ denn teilen könnte. Am KGT selbst sieht man das nüchterner – die Seite wird wohl noch immer regelmäßig besucht, doch eher von Lehrern als von den Schülern. Und auch dort ist zu verzeichnen, dass die „Ehemaligen“ deutlich treuere Leser sind als die lebenden KGT-Einwohner. Der größte Teil der wirklichen Leserschaft kommt aber immer noch von außerhalb, auch jene, welche die geschriebenen Artikel LESEN, nicht nur Bilderlein anschauen wollen. Dass es ein Phoenixartikel dadurch inzwischen auch in ein bundesweites Deutschlehrbuch von Cornelsen geschafft hat, dürfte am KGT niemand so recht für möglich halten.

Und so bleibt der übergreifende Erfolg doch letztlich nur ein Pyrrhos-Sieg. Denn wem ist damit schon geholfen? Anzeigen gibt es dadurch auch nicht mehr, auch professionelle neue Schülerredakteure zieht sie nicht an, ja nicht mal beständige Leser, denn in Zeiten von SchuelerVZ oder Facebook scheint die Webseite inzwischen als Anachronismus. Nur die laufenden Kosten und die Wartung bleiben – und der beständige Kampf gegen eine inzwischen professionalisierte, wachsende Gruppe von Hackern, die mit ihren subversiven Tätigkeiten sicherlich deutlich mehr verdienen, als der Webmaster, der sie tagtäglich erfolgreich, aber wie ein Sisyphos abwehrt, und nicht nur dort.