Blumen für die Lebenden

Einige Leute meinen, ich sei neuerdings zum Rosenliebhaber konvertiert. Das ist so nicht richtig. Korrekt ist, dass die Rosen eine 32jährige Tradition und neuerdings bloß die Adresse gewechselt haben.

Rosa Rose aus dem Blumenstrauß der Woche vom 18. - 22. März 2012.
Rosa Rose aus dem Blumenstrauß der Woche vom 18. – 22. März 2012.

Was „Rosenliebe“ angeht, beschränkt sie sich meinerseits eigentlich auf wilde Heckenrosen, was biografische Gründe hat, die in meiner frühen Kindheit liegen. Ansonsten mochte ich Blumen schon immer, besonders auch Gänseblümchen.

Martin Dühning als Blumenkind 1976.
Martin Dühning als Blumenkind 1976.

Dass ich bei Schnittblumen Rosen bevorzuge, hat den sehr einfachen Grund, dass sie am wenigsten allergen wirken (ganz im Gegensatz zu Narzissen oder gar Jasmin, was ich daher beides nicht ausstehen kann). Rosen abzuschneiden und dann in einer Vase dahin siechen zu lassen, liegt mir eigentlich weniger, die Rosen in der Blumenvase haben eine etwa 10jährige Tradition. Damals zog ich von Denzlingen im Breisgau nach Oberlauchringen zurück und gewöhnte mir an, meiner Oma Sophie jede Woche einen Strauß Rosen zu schenken, zumindest zur Winterzeit, wenn sie nicht nach draußen konnte, worunter sie sehr litt, denn sie war dann Gefangene ihrer dunklen Wohnung und fühlte sich oft allein.

So waren wenigstens die bunten Rosen ständig bei ihr, wenn ich auch meist anderorts weilen musste. Wichtiger wurden diese Rosen, je älter und unbeweglicher sie wurde. Wenn sie, wie später öfter, in Todesgedanken hing und mich darauf ansprach, dass die Rosen auf ihr Grab gehören würden, bekam sie von mir dann die immer gleiche Antwort, dass Blumen nur für die Lebenden sind, nicht für die Toten. Auf Friedhöfe stelle ich grundsätzlich keine Blumen. Insofern war die eine blutrote Rose, die ich ihrem Sarg mitgab, dann ihre letzte. Seither hat sie keine mehr erhalten von mir und wird es auch nie mehr in diesem Leben.

Daher hat sich die Adresse des wöchentlichen Rosenstraußes geändert: Die Rosen gehen nun an mich selbst (oder Leute, die im richtigen Moment meinen Weg kreuzen), allerdings wandern sie dorthin, wo ich in den letzten zehn Jahren die meiste Zeit meines Lebens verbrachte, ans KGT.

Das wird in den kommenden 125 Tagen auch noch so bleiben, bis ich meine Sachen dort ausräume und dann wandern sie in meine neue Wohnung, die dann hoffentlich bezogen werden kann.