Manche Tage sind wie Himmelfahrten…

Wir schreiben den 9. Mai 2013 – Christi Himmelfahrt. Während draußen wieder einmal Vatertag zelebriert wird, wird Anastratin.de nun 5 Jahre alt, geht in den 6. Jahrgang und kann nun auf 500 Artikel zurückblicken. (Dies ist die Nr. 500.) Gleichzeitig feiert mein zweites Staatsexamen seinen 10. Jahrestag.

Ich denke, man muss die klassische Lehrerausbildung in Baden-Württemberg mit seinem UNI-Studium und dem Referendariat, den zwei Staatsexamen und den vielen, vielen Prüfungen selbst einmal mitgemacht haben, um zu wissen, was es heißt, es endlich bestanden zu haben. Am 9. Mai 2003 war es bei mir soweit: Nach vier Prüfungen an einem Tag, einmal mit 1/2, dreimal mit 1, war es endlich bestanden! Es war wie der Himmel und mir war so, als würde der Winter direkt in den Sommer übergehen.

Blühender Klettgau: An Christi Himmelfahrt 2013 grünt und blüht es überall - wie beispielsweise hier der Weg von Lauchringen Richtung Küssaburg. (Foto: Martin Dühning)
Blühender Klettgau: An Christi Himmelfahrt 2013 grünt und blüht es überall – wie beispielsweise hier der Weg von Lauchringen Richtung Küssaburg. (Foto: Martin Dühning)

Die Maienzeit ist aber auch jetzt noch, zehn Jahre später, eine himmlische Zeit, in der alles blüht und Neues entsteht. Mal abgesehen von der Pollenallergie ist es eine helle Freude, durch die Landschaft zu wandern und den prächtigen Frühling zu genießen. Mittendrin liegen meist Christi Himmelfahrt und Pfingsten, beides Feste der Erneuerung und Kreativität. Man hätte sie kaum treffender im Jahr plazieren können.

Festliche Apfelblüten schmücken diesen Zweig am Berg bei Oberlauchringen. (Foto: Martin Dühning)
Festliche Apfelblüten schmücken diesen Zweig am Berg bei Oberlauchringen. (Foto: Martin Dühning)

Nun ist in dieser Welt aber nichts Schönes, ohne dass ihm auch ein Wermutstropfen beigegeben ist – und wie mir seinerzeit am Staatsexamenstag trotz brillianter Noten auch die Migräne das Feiern vergällte, mischt sich auch dieses Jahr Trauer unter die Frühlingsfreude.

Denn nach langer, schwerer Krankheit verstarb am 4. Mai 2013 mein Onkel Hans-Joachim Müller, von dem sich die Öffentlichkeit am 10. Mai in der Einsegnungshalle in Waldkirch im Breisgau verabschieden können wird. Er wurde 76 Jahre alt. Den meisten war er als prominenter Prüfstatiker (namensgebender Mitbegründer von Müller & Klein in Freiburg) und als passionierter und ambitionierter Ski- und Radsportler bekannt, er blühte in Gesellschaft und war sehr kommunikativ, auch in Fremdsprachen (z. B. unterstützte er auch aktiv den Austausch der Stadt Waldkirch mit Selestat) und war auch Festen ebenso wie traditionellen Speisen zugeneigt. Er reiste zeitlebens viel und geradezu unermüdlich durch die weite Welt, wobei er immer auch sportliche Herausforderungen suchte. Überhaupt war er kein Mensch für langsame Spaziergänge, Innehalten und Meditieren. Viele seiner Talente und Vorlieben und auch sein Charakter waren somit geradezu gegensätzlich zu den meinigen. Gerade deswegen brachte er mich während meines Studiums 1994-2001 in einigen Disziplinen voran, die ich ohne ihn nie auch nur versucht hätte, beispielsweise in der EDV-Welt. Seine Versuche, mich für den Leistungssport zu begeistern, scheiterten dagegen. Ich denke allerdings, dass er auch ein bisschen von meinen geistes- und kulturwissenschaftlichen Studien mit profitierte. Jedenfalls war er sehr interessiert an Mediävistik und Philologie, ebenso am klassischen Humanismus, den er hoch in Ehren hielt. Einige Vorlieben, wie z. B. die für italienische Kunst und Musik der Renaissance, teilten wir auch. Er ist somit ein gutes Beispiel dafür, wie sich auch sehr unterschiedliche Menschen gegenseitig fördern und inspirieren können, wenn sie nur wollen.