Wozu noch ankommen?

Zwischen den Zeiten im April 2017 (Foto: Martin Dühning)
Zwischen den Zeiten im April 2017 (Foto: Martin Dühning)

Wir haben diese Welt zu einem Dorf gemacht, teils hat das Niveau sehr darunter gelitten, aber auch die Träume. Denn die Sehnsucht nach der Ferne ist hin, wenn es keine Distanzen mehr gibt.

Distanz ist wichtig. Sie trennt zwar, schafft aber auch Räume, Freiräume, Ruheräume, Orte der Stille, wo man wachsen kann. Ohne Freiräume kann nichts gedeihen, was mehr als bloße Redundanzen sind. Wenn ein Wort mehr als Echo sein will, muss es zunächst in die Leere gesprochen werden und es braucht Zeit, das Gesprochene aufzunehmen. Das schnelle, arglose täuscht Tiefsinn nur vor, manchmal will es das noch nicht mal, platt und dreist überall und immer eingeschoben will es nur die Diskursherrschaft erringen, nicht innere Wahrheit.

Wenn ich mit meinem Fahrrad, fast lautlos, so durch die Welt radele, so ganz neben der Spur, wo eilige Geschäftsleute neben mir vorbeibrausen oder windige Schnäppchensucher, erscheine ich wie ein alter Greis, der sich ein schnelles Auto nicht mehr leisten kann. Ich will es nicht. Ich lehne diese ortevernichtende Zielfahrerei ab. Mit dem Fahrrad wandere ich über einsame Hügel, die dem Wetter ausgeliefert sind, treffe auf Unerwartetes und verleugne den Zeitgeist. Eigentlich sollte ich auch mein Smartphone wegwerfen, denn es passt nicht zu meiner Art zu leben und an den Mehrwert schneller Netze glaube ich inzwischen auch nicht mehr.

Wir haben uns im Machbarkeitswahn die Orte und die Zeiten vernichtet, wo wir uns zurückziehen können, wenn wir es brauchen. Ruhelos sind wir geworden und ausgelaugt, und um dies zu übertünchen, hasten wir immer schneller und lauter durch unser Leben, das vor lauter Zielpeilungen keinen Sinn mehr hat.

Wozu noch ankommen? Es ist immer schon jemand da, der uns doch nichts mehr zu sagen hat.