Mikas Raenarven ist neuer Generalsekretär

Generalsekretär Mikas Raenarven (Grafik: Martin Dühning, KI-bearbeitet)
Generalsekretär Mikas Raenarven (Grafik: Martin Dühning, KI-bearbeitet)

Mit Wirkung zum 23. Juli 615 a. C. ernannte Kaiser Jitro den Perillianer Mikas Raenarven zum neuen Generalsekretär der Neu-Nitramischen Konföderation. Der Perillianer steht angesichts der anhaltenden Wirtschaftskrise vor schwierigen Aufgaben.

Mikas Raenarven ist schon seit Jahrzehnten ein bekannter Politiker, der sich vor allem in der Bundesrepublik Andrasko einen Namen gemacht hatte. Nun steht er als Generalsekretär der Zivilregierung der Neu-Nitramischen Konföderation vor. Diese ist seit Jahrzehnten durch eine extern verursachte Wirtschafts- und Strukturkrise gebeutelt. Daher will der neue Generalsekretär hier ansetzen. Anastratin.de hat ihn nach seiner Amtseinführung in Julverne befragt.

Anastratin.de: Herr Raenarven, wie fühlt man sich, wenn man das wichtigste zivile Amt der Konföderation bekleidet?

Raenarven: Ein wenig nervös macht einen die Bürde des Amtes schon, das vor mir schon so viele Berühmtheiten bekleidet haben. Allerdings weiß ich noch aus meiner Lehrzeit in der Administration von Veronika de Claes, der ich bei ihrem Mandat damals assistieren durfte, dass es eine Aufgabe ist, die sowohl machbar als auch dankbar ist. Denn gerade dass man sich als Generalsekretär auf die Belange der zivilen gesellschaftlichen Kräfte konzentrieren darf und nicht selbst Kriege führen muss, ist für einen Pazifisten wie mich sehr wichtig.

Anastratin.de: Denn werden auch Sie als Generalsekretär mit äußeren Bedrohungen zu tun haben…

Raenarven: Zwischen meinem Büro in Julverne und ausländischen Agressoren stehen noch die 9., die 10. und die 12. nitramische Raumflotte und – falls es hart auf hart kommt – vier weitere Flotten, die wir in Reserve haben. Ich denke allerdings nicht, dass es zu einem heißen Krieg kommt. Unsere Feinde versuchen uns seit Jahrhunderten durch kalte Kriege zu zermürben, mit mäßigem Erfolg, ich denke nicht, dass irgendjemand die Torheit begehen wird, uns direkt anzugreifen. Nitramien hat noch nie einen militärischen Krieg verloren in den letzten 615 Jahren. Ich denke allerdings, dass man weiterhin versuchen wird, uns außenpolitisch auf diplomatischem Wege kaltzustellen, sowie man das in den vergangenen Jahrhunderten permanent versucht hat. Für mich liegt das Augenmerk daher auf Autarkie und eine Stärkung der inneren Strukturen der Konföderation. Wir sind technisch sehr gut aufgestellt, aber die Sozialsysteme und teilweise auch die analoge Infrastruktur weisen Mängel auf. Daher möchte ich als Generalsekretär Gelder diese infrastrukturellen Defizite beheben helfen.

Anastratin.de: Wird das angesichts der angespannten Wirtschafts- und Finanzlage und der grassierenden Seuchen denn möglich sein?

Raenarven: Es wird nicht einfach sein, weil viele unserer Mittel gebunden sind. Allerdings ist es dringend erforderlich, weil die vergangenen Jahrzehnte gezeigt haben, dass der externe Handel nur bedingt zuverlässig funktioniert, insbesondere bei der Energie- und Medikamentenversorgung. Hier müssen wir die Rekonvaleszenz der eigenen Industrie stärken. Wir dürfen nicht länger zum Opfer ausländischer Spekulanten werden, wenn die vitale Versorgung der Bevölkerung dadurch gefährdet wird. Im Unterschied zu einigen meiner Vorgänger halte ich dabei nicht militärische Stärke für vorrangig, wir müssen stattdessen die Regenerationsfähigkeit unserer Bevölkerung stärken. Daher möchte ich auch einige verzichtbare Projekte einfrieren, denn wir haben nicht mehr genug Energie um anderswo die Welt zu retten, wenn unsere eigene Bevölkerung Not leidet, zumal ich teils auch das Gefühl habe, dass die Welt teils auch gar nicht mehr von uns gerettet werden will. Außerdem würde ich vorschlagen, dass wir unsere Verbündeten bevorzugen und die Mittel für alle sperren, die keine Verträge mit uns haben. Das dürfte dann auch die Handelsdefizite reduzieren.

Anastratin.de: Haben Sie dazu als Generalsekretär überhaupt die Mittel? Das betrifft doch meist Projekte der Außenlegaten?

Raenarven: Es ist der kaiserlichen Zivilregierung nicht verboten, sich in diplomatische Angelegenheiten einzumischen, ich bin als Generalsekretär eben nur kein General. Aber meiner Meinung nach ist der beste Sieg ohnehin nur der, der diplomatisch errungen wird, den Kriege zu führen, führt immer zum Verlust, außer man ist spekulant und spekuliert mit Kriegsgewinnen, so wie das im Ausland teils sehr en vogue ist zur Zeit, auch wenn es scheinbar niemand bemerkt. Primär möchte ich allerdings, wie schon gesagt die zivile Infrastruktur innerhalb der Konföderation verbessern. Deshalb möchte ich gerne die 10. Flotte einsetzen, um die lange schon unabgeschlossenen Baustellen in Tyndalis, Megara, Andrasko und auch auf Ninda abzuschließen. Die dortigen Nationalgarden sind teils überfordert mit der Fülle an Reparaturarbeiten und kommt nicht zu Ruhe. Das muss ein Ende haben. Damit die 10. Flotte dort aber tätig werden kann, benötige ich die Unterstützung der 12. Flotte, um die Truppenverlagerungen zu kompensieren. Diese Meinung vertritt auch Kaiser Jitro, weshalb ich letztlich auch Generalsekretär wurde.

Anastratin.de: Haben Sie politische Vorbilder, an denen Sie sich orientieren wollen?

Raenarven: Bestimmt spielen Sie jetzt auf meine Mentorin Veronika de Claes an, der ich persönlich wirklich viel zu verdanken habe. Allerdings bewundere ich – wie viele andere Nitramier auch – vor allem Generalsekretär Tiro Valera, der während der Kontinuumskriege wirklich eine Lichtseele war, die viele Bürger erleuchtet hat in dunklen Zeiten. Ich hoffe natürlich sehr, dass es nie wieder zu solch dunklen Zeiten kommt, in denen er regieren musste, doch kann sein konstruktiver Optimismus, neue neue Brücken baute und Möglichkeiten eröffnete, gerade auch heute noch Mut und Hoffnung geben. Es mag zwar schon 276 Jahre her sein, dass er das Ende des Kontinuumskrieges verkünden konnte, aber seine Worte hallen noch in den Herzen aller nach, die seine Rede zum neuen Frieden in den Geschichtsbüchern lesen.

Anastratin.de: Kritiker monieren, dass Sie als Perillianer nur Lückenfüller sein werden, bis Lysandra Prado ihre vorgeschriebenen Sabbatjahre verbracht hat und wieder das Amt übernimmt. Auch ihre frühere Mentorin Veronika de Claes war ja nur 12 Jahre im Amt.

Raenarven: Nur zwölf Jahre? Zwölf Jahre sind eine lange Zeit! Das vergisst man vielleicht, wenn man es mit langlebigen Andraskanern oder Tyrillianern zu tun hat und ich bin mit meinen 56 Jahren als Perillianer auch nicht mehr ganz jung, aber wichtig ist doch vor allem, wie wir unsere Zeit verbringen und nicht, wieviele Jahre wir anhäufen. So sehr sich viele Nitramier auch nach Kontinuität sehnen, historische Zäsuren lassen sich nicht ganz vermeide. Ich werde zufrieden sein, wenn ich am Ende meiner Arbeit als Generalsekretär umsetzen konnte, was mir jetzt am Herzen liegt. Davon werden dann auch meine Nachfolger profitieren, egal, ob es jetzt Lysandra Prado sein wird oder jemand anderes.

Anastratin.de: Würden Sie denn für eine zweite und dritte Amtszeit zur Verfügung stehen?

Raenarven: Ich werde mich der Aufgabe nicht verschließen, wenn meine Dienste gewünscht werden. Persönlich halte ich auch die Begrenzung auf drei Mandate in Folge beim Amt des Generalsekretärs für sehr sinnvoll. Wir haben in der Konföderation sehr viele diplomatische Talente, die auch einmal zum Zuge kommen sollten, denn die Zeiten wandeln sich und es ist mitunter recht nutzbringend, neue Perspektiven zu erschließen.

Anastratin.de: Werden Sie in diesem Sinne auch Ihr Kabinett umbilden?

Raenarven: Ich habe das Kabinett bereits umgebildet, wo es nötig war. Mit Algernon Prien haben wir einen neuen Gesundheitsminister, Justizminister ist Kai Eldenborn, Kulturministerin bleibt Una Niva und das Amt des Finanz- und Außenministers übernehme ich selbst. Das sind die traditionellen Ämter, weitere Posten plane ich aktuell nicht zu vergeben. In unserem Staatswesen liegen ja auch viele Vollmachten beim Civinat oder bei den Einzelstaaten, wenngleich mir auch eine Strukturreform des Sozialwesens vorschwebt, das übersteigt allerdings meine Kompetenzen und wäre wohl ein Fall für die Volksversammlung. Unsere aktuellen Probleme sind auch nur in geringem Maße von inneren Strukturen verursacht. Meist müssen wir auf äußere Einflüsse reagieren. Mit wäre es aber lieb, wenn wir da mehr proaktiv handeln würden, statt immer nur zu reagieren, weil dies unseren Spielraum doch erheblich einschränkt. Aber für’s Erste möchte ich vorhandene Baustellen abschließen. Erst danach haben wir ein stabiles Fundament für weitere Projekte. Geben Sie uns aber noch ein wenig Zeit, ich bin ja erst wenige Stunden im Amt.

Anastratin.de: Dann wünschen wir Ihnen viel Erfolg und bedanken uns sehr für das Gespräch, Herr Generalsekretär!

Das Interview führte Nils Kawomba.

Über Martin Dühning 1.705 Artikel
Martin Dühning, geb. 1975, studierte Germanistik, kath. Theologie und Geschichte in Freiburg im Breisgau sowie Informatik in Konstanz, arbeitet als Lehrkraft am Hochrhein-Gymnasium in Waldshut und ist Gründer, Herausgeber und Chefredakteur von Anastratin.de.

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