Generalsekretär stellt Streichliste vor

Generalsekretär Mikas Raenarven auf dem Weg zum Föderalen Rat in Julverne (Grafik: Martin Dühning, KI-bearbeitet)
Generalsekretär Mikas Raenarven auf dem Weg zum Föderalen Rat in Julverne (Grafik: Martin Dühning, KI-bearbeitet)

Der neue Generalsekretär Mikas Raenarven hat der Öffentlichkeit eine umfangreiche Streichliste vorgestellt. Betroffen ist besonders die Entwicklungshilfe und Kulturprojekte mit nicht-verbündeten Nationen.

„Wir haben es uns wirklich nicht leicht gemacht, aber angesichts der eher desaströsen Haushaltsaussichten bot es sich doch an, so manch unentgeltliche Hilfsleistung zu überdenken. Dazu hat sicher beigetragen, dass uns so mancher neuerdings auch noch Abgaben verlangt für Hilfeleistungen, die wir erbringen. Damit ist nun Schluss.“

Die fünfundzwanzig seitige Streichliste des Generalsekretärs enthält mehrere hundert Hilfsprojekte im Ausland, welche die kaiserliche Regierung künftig nicht mehr finanzieren will. „Es kann ja doch nicht sein, dass nitramische Steuerzahler bezahlen, was an Sozialpolitik im Ausland fehl geht. Mitunter kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier teilweise auch mutwillig unsere Hilfsbereitschaft ausgenutzt wurde“, echauffierte sich Mikas Raenarven vor der Presse.

„Wir sprechen hier – und ich will das ganz deutlich klar machen – nicht von unseren Bündnispartnern, sondern von dritten Mächten, die uns eigentlich permanent Hilfe ausschlagen und die keine Bündnisse mit uns wollen, aber die trotzdem jederzeit gerne die Hände aufhalten. Sie müssen doch zugeben, dass es vernünftiger ist, wenn wir unsere Kräfte stattdessen unseren Verbündeten zur Verfügung stellen. Veamoris und Arkadien haben sich unsere Hilfe mehr als verdient. Es gibt darüber hinaus auch andere Nationen, die uns in jüngster Vergangenheit sehr geholfen haben. Diesen allen gilt unser ausdrücklicher Dank und wir wollen künftig enger mit ihnen zusammenarbeiten. Damit wir das können, müssen wir aber an geeigneter Stelle anderswo sparen. Ich bin es leid, unseren Bürgern noch weitere Steuern oder Aufgaben aufzubürden. Es reicht.“

Daher sollen Truppen aus dem Ausland wieder in die Konföderation zurückgezogen werden. Teil der Maßnahmen der Regierung ist auch eine deutliche Kürzung der allgemeinen Entwicklungshilfe. Auch intergalaktische Rundfunksender werden größtenteils geschlossen. „Es ist ein wundervolles Ziel, die Kultur in der Galaxis zu fördern, nur habe ich doch das Gefühl, dass das die Galaxis oft nicht will. Dann sollte man das verbleibende Kapital besser im Inland oder für unsere Verbündeten nutzen“, erklärte Raenarven: „Wir werden deshalb weit entfernte Kulturinstitute schließen und auch eine ganze Reihe von Raumstationen jenseits unserer Grenzen, die der Kulturvermittlung dienten. Niemand wird arbeitslos werden, denn wir haben ohnehin Personalmangel. Wir werden auch nichts verschwenden oder wegwerfen: Südninda, Andrasko und Megara brauchen die Güter und das Personal dringend für ihre Infrastrukturprojekte, beispielsweise Maßnahmen zur Bekämpfung von Seuchen und Naturkatastrophen oder für interne Entwicklungsprojekte.

Wie nicht anders zu erwarten, stieß die Ankündigung des Generalsekretärs auf Begeisterung bei den lokalen Politikern der von ihm genannten Teilregionen. Die Vizekönigin der Vereinigten Provinzen von Südninda, das derzeit unter einer Jahrhundertdürre leidet, erläuterte, man freue sich, dass nun endlich Hilfe nahe, denn die Nationalgarde sei überfordert. Ähnlich positiv äußerten sich auch die Präsidenten von Andrasko und Megara. Kritik dagegen kam von einigen Umwelt- und Tierschutzverbänden, die Einschnitte bei der Nothilfe im Ausland befürchten. Ian Delessian, der kaiserliche Legat des Ostens, gab zu bedenken, dass Kultur auch eine Art von Soft Power sei, die auf lange Frist Wirkung zeige, auch wenn man dies oft nicht gleich sähe. Er riet zu Besonnenheit bei Kürzungsmaßnahmen.

Von den ausländischen Regierungen, die direkt von den Streichungen betroffen sind, kam wenig überraschend erst einmal gar keine Reaktion. Analysten vermuten, dass einige dieser Staaten sogar ganz froh darüber sind, dass sich die Neu-Nitramische Konföderation jetzt aus ihrem Einflussbereich zurückzieht.

Nils Kawomba
Über Nils Kawomba 240 Artikel
Nils Kawomba, ehemals Chefredakteur der NNZ (Neue Nitramische Zeitung), ist unser nitramischer Korrespondent in Ventadorn (Ninda).

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