Des Himmels Blau

Die 48 Farben des großen A. Gallo Wasserfarbkastens (Foto: Martin Dühning)
Die 48 Farben des großen A. Gallo Wasserfarbkastens (Foto: Martin Dühning)

Was dem Juli und auch dem August seine Farbe gibt, ist des Himmels Blau, man möchte fast ein Stück davon haben – und für solch eines wurde Lapislazuli lange gehalten.

Wenngleich der Mythos derzeit die Runde macht, es hätte in frühen Kulturen kein Blau gegeben, so dient der Stein Lapislazuli schon seit mehr als 7000 Jahren nachweislich als Schmuck- und Farbstein in Ägypten und bei den Sumerern. Deren Kriegsgöttin Inanna schmückte sich damit laut Sage als Schutz bei ihrem Gang in die Unterwelt. Einer anderen Legende nach war das Haar des ägyptischen Sonnengottes Re aus Lapislazuli gewirkt. Das mögen Mythen sein, historisch nachweisbar ist der Gebrauch von Lapislazuli als eines der wenigen natürlichen Farbmittel für Blau fast eben solange.

Allerdings waren die Vorkommen an Lapislazuli historisch begrenzt, neben dem echten tyrischen Purpur war Lapislazuli einst eine der teuersten Farben. In antiker Zeit lagen die einzigen bekannten Vorkommen im heutigen Afghanistan, es war nur schwer zu bekommen. Später fand man Vorkommen auch beispielsweise in Chile, was allerdings auch weit von den europäischen Kunstzentren entfernt liegt. Man kann sich die Erleichterung vieler Künstler vorstellen, als Ultramarin dann 1828 endlich synthetisch hergestellt werden konnte. Aber auch heute noch schätzen einige Künstler die kostbare Edelsteinfarbe, die Vermeer oder Fra Angelico für ihre Meisterwerke nutzten.

Lapislazuli war als Farbe seinerzeit auch im Set von A. Gallo enthalten, das ich vor einigen Jahren testete. Damals war ich von der Farbe nicht ganz überzeugt, was aber auch daran gelegen haben mag, dass das Set weit schönere, wenngleich synthetische Blautöne enthielt.

Der 48 Farben Aquarellkasten von A. Gallo (Foto: Martin Dühning)
Der 48 Farben Aquarellkasten von A. Gallo (Foto: Martin Dühning)

Um den guten Ruf von A. Gallo aber nicht zu gefährden, habe ich die kostbare Edelsteinfarbe aber noch von einigen anderen Herstellern erworben, denn sie findet sich auch anderswo im Sortiment. Das ist auch nicht ganz unbegründet, weil die Farbechtheit dieser mineralischen Farbe immer noch heraussticht und nicht zuletzt brauchen auch Restauratoren diese Farbe, wenn sie ihrer Arbeit nachgehen. Denn viele historische Meisterwerke weisen das echte Lapislazuli auf.

Neben A. Gallo führen noch folgende Hersteller echtes Lapislazuli-Pigment in ihrem Sortiment:

  • Daniel Smith – einer der Marktführer für Aquarellfarben besonders in den USA
  • de Mairo – ein kanadischer Hersteller, der sich auf historische Farbtöne spezialisiert hat und bei denen diverse Lapislazuli-Farbtöne sogar das Hautgeschäft ausmachen, neben Wasserfarben werden auch Ölmalerei und Gouache bedient
  • Kremer Pigmente – ein deutscher Hersteller aus dem Allgäu mit einer Auswahl von über 1500 Farbpigmenten, darunter auch Lapislazuli
  • Michael Harding Watercolours – aus Großbritannien, auch dieser Hersteller hat sich auf Pigmente spezialisiert

Die Farben im Test

Bei identischen Farbpigmenten ist nicht weiter verwunderlich, dass sich die Farben wirklich sehr ähneln. „Eigentlich“, weil es auch einen Ausreißer gibt, den ich mir nicht ganz erklären kann. Dazu aber später mehr. Was alle Hersteller gemein haben, ist, dass sie auf einem mineralischem Pigment basieren, was sehr gut für die Farbechtheit ist, im Vergleich mit synthetischen Blautönen aber nicht ganz so kräftig wirkt. Mit einem Winsor Blue, dem Inbegriff moderner „Blauheit“, kann keiner der Hersteller von natürlichem Lapislazuli mithalten, allerdings dürfte das bei den Kunstschaffenden, die heute Lapislazuli meist bewusst einsetzen, sowieso nicht das Ziel sein.

Weil einige der Pigmente trocken in Näpfchen, andere in Tuben geliefert wurden, habe ich von allen vorab Proben in Näpfchen erstellt – sonst wäre der Vergleich unfair gewesen, weil Farbe aus Tuben grundsätzlich stärker deckt als Farbe aus Trockennäpfchen, die man erst anlösen muss.

A. Gallo Lapislazuli

Die Variante von A. Gallos Lapislazuli aus meinem Farbkasten stammt von 2022. Inzwischen nennt A. Gallo sein Lapislazuli auf ihrer Webseite Lapislazuli Fra Angelico – ich weiß nicht, ob es sich dabei um eine neue Rezeptur handelt, ich habe für meinen Test nur die Farbe von 2022 verwendet. Der Farbton von A. Gallos Lapislazuli ist so, wie das bei Lapilazuli zu erwarten ist, ein eher dezentes Ultramarin, im Vergleich mit den anderen Herstellern aber am wenigsten deckend, also etwas blass. Insofern hat sich das Urteil von 2022 nicht geändert. Es spricht allerdings nichts gegen die Farbe, wenn man ein zartes, eher blasses Blau sucht, das zudem recht gut granuliert.

Daniel Smith

Die zweite Lapislazuli-Farbe in meinem Test stammte von Daniel Smith, von dem ich in der Vergangenheit durchaus auch schon sehr überzeugende Farben entdeckt habe. Lapis Lazuli Genuine (Series 5, 284600138) gehört aber nicht dazu. Für den Test habe ich auf eine Farbkarte zurückgegriffen und bin sehr dankbar, dass ich die Farbe nicht gleich als Tube erworben habe – denn diese Variante von Lapislazuli wirkt, als hätte man Schwarz hineingemischt: mehr Graublau als Grau. Es weist nach dem Trocknen auch feine dunkle, fast schwarze Staubpunkte auf. Ich vermute, das für das Pigment verwendete Material war nicht von sehr hoher Qualität. Wenn die Farbe immer so wirkt, kann ich davon nur abraten – es sei denn, man sucht nach einem historischen Ersatz für Paynes Gray.

de Mairo

De Mairo bietet nicht nur einen, sondern gleich viele verschiedene Lapislazuli-Farbtöne an. Für den Test habe ich mich für Fra Angelico Lapislazuli und Lapislazuli Ultramarine entschieden. Fra Angelico ist dabei die mit Abstand teuerste Farbe im Test. Hier wird nur äußerst hochwertiges, sehr fein ausgelesenes Pigment verwendet, weshalb die Farbe mindestens das dreifache des normalen Preises kostet und das sechsfache der Kosten für qualitatives synthetisches Blau. Dafür erhält man mit de Mairo Fra Angelico aber ein Pigment, auf das auch professionelle Restauratoren gern zurückgreifen.

Vom Farbton her ist Fra Angelico seinem Geschwister Lapislazuli Ultramarine ähnlich – zumindest bei Kunstlicht, die Variante Ultramarine ist allerdings bei der Granulation etwas gröber. Teils deckt es stärker, dafür gibt Fra Angelico feinere Muster. Man braucht allerdings wirklich eine Lupe, um die Unterschiede zu erkennen, denn ansonsten unterscheiden sich die beiden Pigmente hauptsächlich im Preis. So hoch wie der Preis ist allerdings auch die Qualität. Wenn man sehr wertig wertvolle, vielleicht sogar sakrale Kunst erstellen will, ist die Farbe eine Option.

Kremer Lapislazuli

Im Unterschied zu den anderen Herstellern bezieht Kremer Pigmente sein Lapislazuli aus Chile. Deshalb weicht es im Farbton etwas von den anderen ab und geht etwas weniger ins Rötliche. Die Farbe granuliert recht gut, deckt aber deutlich stärker als de Mairos oder A. Gallos Varianten. Das lässt sich aber auch darauf zurückführen, dass dem Lapislazuli laut Beschreibung auf der Webseite des Herstellers noch etwas (synthetisches) Ultramarine Blue Pigment 29 beigegeben wurde.

Da das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt, ist die Farbe eigentlich sehr empfehlenswert, zumindest, wenn man sich an der synthetischen Beigabe nicht stört und ein Lapislazuli sucht, was auch etwas stärkere Deckkraft hat. Auf dem heimischen Aquarellpapier sieht das Blau auch deutlich besser aus als das Farbfoto auf der Seite des Herstellers vermuten lässt.

Ähnlich wie de Mairo bietet Kremer Pigmente nicht nur fertige Wasserfarben, sondern auch das Rohpigment an, was man nutzen kann, wenn man die Farbe lieber selbst zusammenmischen will.

Michael Harding Lapislazuli (Afghan)

Das Lapislazuli von Michael Harding ist das mit Abstand kräftigste und deckendste Blau in meiner Testreihe. Die Farbe ist so kräftig, dass es schon fast wieder verdächtig wirkt, denn solch eine Farbstärke bin ich sonst eigentlich nur bei synthetischen Farben gewohnt. (Zumindest laut Angabe des Herstellers wurde aber hier kein synthetisches Pigment beigegeben.) Vorteil dieser Farbvariante ist, dass man damit recht mühelos sogar sehr dunkle Flächen malen kann, was mit den anderen Vertretern etwas schwerer möglich ist. Dafür granuliert die Farbe weniger als die anderen und wirkt in der Fläche gleichmäßiger.

Fazit

Wenn ich mich für eine dieser Farben entscheiden müsste, würde ich wohl de Mairo Lapislazuli Fra Angelico wählen. Hier ist das Verhältnis von Blässe und Deckung, Farbton, aber auch Granulation perfekt. Allerdings hat diese Farbe auch ihren Preis und man sollte sie wirklich nur für sehr hochwertige Kunst verwenden, sonst ist sie verschwendet.

Ebenfalls hochwertig, aber eher blasszart, ist A. Gallo Lapislazuli. Ein besseres Preisleistungsverhältnis und höhere Deckkraft bieten Michael Harding Lapislazuli und Kremer Lapislazuli – letztere Farbe ist aber minimal grünlicher als die anderen. Alle diese Farben sind eigentlich sehr hochwertig, wie es bei diesen Herstellern auch zu erwarten ist.

Abraten würde ich nur von Daniel Smith Lapislazuli – dieser Farbton wirkte bei mir graustichig und fällt damit aus der Reihe der Ultramarin-Töne. Wenn man eine Edelsteinfarbe von Daniel Smith möchte, sollte man vielleicht besser zu einer anderen greifen, beispielsweise Daniel Smith Soladite – das ist dann ein wirklich schönes Blauschwarz. Empfehlen würde ich auch, sich erst die Farbkarte zu besorgen, dann kann man alle 66 Spezialfarben testen und erlebt dann keine teure Überraschungen.

Über Martin Dühning 1.709 Artikel
Martin Dühning, geb. 1975, studierte Germanistik, kath. Theologie und Geschichte in Freiburg im Breisgau sowie Informatik in Konstanz, arbeitet als Lehrkraft am Hochrhein-Gymnasium in Waldshut und ist Gründer, Herausgeber und Chefredakteur von Anastratin.de.

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