Wir nehmen Abschied von Gisela Würtenberger

Trauerfeier für Gisela Würtenberger am 19.08.2026 (Foto: Martin Dühning)
Trauerfeier für Gisela Würtenberger am 19.08.2026 (Foto: Martin Dühning)

Am 6. August 2026 verstarb Gisela Würtenberger nach kurzer, schwerer Krankheit infolge der Hitzewelle. Wir nehmen Abschied und schauen zurück auf ihr Leben.

Lieber Martin, lieber Hansjörg, liebe Familie Winkler, verehrte Mittrauernde,

Gisela wurde am 31.03.1950 als jüngste Tochter von Otto und Sophie Jester geboren. In Oberlauchringen mit ihrer älteren Schwester Ursula aufgewachsen, machte sie nach der Schule eine Hauswirtschaftslehre. Ausgeübt hat sie diesen Beruf aber nie. In jeder Zeit standen bei der Berufswahl wohl oft eher pragmatische Überlegungen und weniger Neigungen oder gar Begabungen im Vordergrund. Lange Jahre arbeitete sie als Kunstmalerin im Atelier 49 in Oberlauchringen, bis dieses aufgelöst wurde. Eine Idee davon, wie dieses Arbeit aussah, können wir auch dem Motiv auf ihrer Urne entnehmen.

Später arbeitete Gisela bei der Firma Semitron in Bechtersbohl, das später ihre Heimat wurde. Dort lebte sie zunächst mit ihrem Mann Helmut Würtenberger und später mit ihrem Lebenspartner Hubert im Haus ihrer Tante Lena Hauser. Nach deren Tod ging das Haus in ihren Besitz über und sie baute es zu ihrem kleinen Paradies aus.

Ihre Leben war immer wieder von Schicksalsschlägen gekennzeichnet. Der Ehe mit ihrem Mann waren keine Kinder beschieden, wiewohl sie Kinder sehr gemocht hatte und ihnen sehr zugewandt war. Und nach 12 Jahren Ehe verlor sie ihren lieben Mann durch einen Herzinfarkt.

Trotz all dem, oder vielleicht gerade deswegen, fühlte sie sich in der überschaubaren Welt von Bechtersbohl nicht nur zu Hause und geborgen, sondern auch angenommen. Der Stammtisch im gegenüber liegenden Gasthaus Hirschen war so etwas wie ihr zweites Wohnzimmer.

Durch die Mitgliedschaft bei den Landfrauen war sie auch in das dörfliche Leben und damit in die Dorfgemeinschaft aufgenommen. Für sie mussten es nicht weite Reisen sein, wichtiger war ihr das Zusammensein, die Gemeinschaft, gerade mit den Landfrauen. Mit ihren Landfrauen hingegen war sie gerne unterwegs. Höhepunkte für Gisela Würtenberger waren sicher die Dorffeste, bei denen sie stets dabei war. Die dadurch entstandene Geselligkeit hat sie sehr genossen.

In den letzten Jahren schränkte sich ihr Bewegungshorizont zunehmend durch ihre Arthrose ein, wodurch sie aber eben auch immer weniger an ihrem geliebten dörflichen Leben teilnehmen konnte.

Umso wichtiger war es ihr, in ihrem kleinen Paradies bleiben zu können. Gisela Würtenberger war aber wohl auch zart besaitet und sensibel. Es fiel ihr schwer, mit Krankheit und Pflegebedürftigkeit umzugehen. Das zeigte sich gerade auch bei der Erkrankung ihrer älteren Schwester. Zu sehr ging ihr das Leiden anderer zu Herzen.

Folglich vermied auch sie selbst Arztbesuche und vernachlässigte dadurch ihre eigenen Gesundheitsfürsorge. Sie versuchte, ihren erkrankten Partner möglichst lange selbst zu umsorgen, wahrscheinlich innerlich getrieben von der Angst, ihr kleines Paradies in Bechtersbohl zu verlieren. So bemerkte ihr Umfeld erst spät, dass und wie schlecht es ihr ging. Denn sie hatte sich eine Sepsis eingehandelt, in deren Folge sie 2022 ins Krankenhaus und dann ins Pflegeheim nach Herrischried kam. Dort lebte sie zunächst noch kurze Zeit mit ihrem ebenfalls pflegebedürftigen Lebenspartner, der kurz darauf starb.

Ihre stille Hoffnung, noch einmal zurück in ihr geliebtes kleines Paradies in Bechtersbohl zurückkehren zu können, erfüllte sich leider nicht, denn nach und nach kamen die Folgen verschleppter und nicht behandelter Krankheiten zum Vorschein. Nach dem Tod ihres Partners Hubert zog sie um ins Matthias Claudius Heim in Waldshut.

Du, lieber Martin, hast deine Patin bis zu ihren letzten Lebenswochen immer wieder dort besucht und ihre zunehmende Hinfälligkeit mitansehen müssen. Und nun tragen wir sie heute zu Grabe.

Jedes Sterben, jeder Tod stellt immer auch uns die Frage, wie und ob es nach dem Tod weitergeht, ob es ein Leben bei Gott gibt, wie es an vielen Stellen der Heiligen Schrift heißt. Es ist eine urmenschliche Frage. Dies zeigt uns auch das Johannesevangelium und gibt uns eine Antwort:

„Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr. Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen? Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ – Johannes 14,1-6, zitiert nach der Einheitsübersetzung

Die soeben gehörte Schriftstelle aus dem Johannesevangelium zeigt, wie auch die Apostel von dieser Sorge umtrieben werden. Und der Apostel Thomas bringt seine Zweifel sogar deutlich zum Ausdruck, wenn er fragt: „Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?“ (Joh 14,5).

Wenn wir uns den Anfang dieses Evangeliums noch einmal vor Augen führen, fällt uns etwas Bemerkenswertes auf: Jesus sagt dort: „Euer Herz(!) lasse sich nicht verwirren“ (Joh 14,1). Er sagt nicht: Euer Verstand lasse sich nicht verwirren. Das ist sicherlich kein Zufall. Jesus meint damit, dass wir die Zusage auf ein ewiges Leben mit dem Herzen erfassen sollen. Dieses große Geheimnis unseres christlichen Glaubens, die Auferstehung von den Toten, erschließt sich unserem Verstand allein wohl nicht.

Wir sind mit unserem Glauben gefordert, mit dem Vertrauen auf das, was Jesus seinen Jüngern und damit uns sagt. Und die Frage von Thomas bringt zum Ausdruck, dass wir mit unseren Fragen und Zweifeln nicht allein sind.

Der Glaube an die Auferstehung muss sich aber nicht allein auf die Worte Jesu stützen. Jesus ist den Aposteln und Jüngern nach seinem Tod immer wieder erschienen. Und die Apostel haben aus diesem Glauben gelebt und haben mit ihrem Leben Zeugnis von der Auferstehung abgelegt. Und letzte Woche haben wir die Aufnahme Mariens in den Himmel gefeiert, auch das ein Fest der Ermutigung, an die Auferstehung zu glauben.

Das darf uns zuversichtlich stimmen und im Glauben ermutigen.

Diese Lebensgemeinschaft mit Gott ist für uns Menschen schwer vorstellbar und so brauchen und benutzen wir Bilder dafür, Bilder, von denen uns Jesus hier im Johannesevangelium eines vorgibt: „Das Wohnung-Nehmen bei Gott“.

Ein schönes und griffiges Bild. In unserer Wohnung fühlen wir uns wohl, dort sind wir zuhause, da führen wir uns geborgen, dorthin können wir uns immer zurückziehen. Dort sitzt man gemeinsam am Tisch, erfährt Gemeinschaft und Zuwendung. Dort findet das Leben der Familie statt.

Dort erleben wir Gemeinschaft und Nähe. Jesus sagt uns zu, dass er für jeden von uns, auch für Gisela Würtenberger, eine solche Wohnung bereithält.

Im Korintherbrief sagt Paulus: „Christus ist von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen“ (1 Kor 15,20) – diese Gewissheit des Paulus, dass Christus auferstanden ist, soll uns anstecken und trösten, uns zuversichtlich glauben lassen, dass auch wir einst an unserem jüngsten Tag auferstehen werden zu jenem unvergänglichen Leben, das Jesus uns zugesagt hat. Wir dürfen auch vertrauensvoll glauben, dass Gisela Würtenberger Wohnung findet bei Gott.

Mit dieser tröstlichen und eigentlich österlichen Zuversicht wollen wir heute unsere geliebte Gisela Würtenberger zu ihrer letzten Ruhestätte begleiten.

Amen.

– Markus Schmitt, Diakon

Trauerfeier und Beisetzung von Gisela Würtenberger erfolgten im Familienkreis. Das Seelenamt findet im Rahmen der Eucharistierfeier am 29.08.2026 in Herz Jesu Unterlauchringen statt.

Über Markus Schmitt 1 Artikel
Markus Schmitt hat katholische Theologie und Französisch studiert, arbeitete lange Jahre als Religions- und Französischlehrer am Hochrhein-Gymnasium Waldshut sowie als Schuldekan und ist als katholischer Diakon tätig im Pastoralteam der Seelsorgeeinheit an der Wutach.

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