Sommerinterview mit Vizekönigin Luisa Amiratu

Vizekönigin Luisa Amiratu zu Beginn ihrer Regentschaft, in ihrer menschlichen Gestalt. (Grafik: Martin Dühning, KI-bearbeitet)
Vizekönigin Luisa Amiratu zu Beginn ihrer Regentschaft, in ihrer menschlichen Gestalt. (Grafik: Martin Dühning, KI-bearbeitet)

Es ist Hochsommer, eine beispiellose Hitze und Dürre sucht die Vereinigten Provinzen von Südninda heim – und wir haben Vizekönigin Luisa Amiratu in ihrem Amtssitz besucht, dem Palais der Vizekönige auf Schloss Milony Island.

Anastratin.de: Frau Vizekönigin, wie laufen die Geschäfte?

Luisa Amiratu: Ich nehme mal an, Sie wollen nicht hören, was Sie ohnehin schon wissen – dass wir derzeit eine Staatstrauer erster Ordnung in der gesamten Neu-Nitramischen Konföderation haben, dass uns eine Jahrhundertdürre darnieder zwingt und dass unsere Obsternte in dieser Saison größtenteils verloren ist. Und natürlich diese permanente Belagerung im Orbit des Planeten Ninda, die dazu geführt hat, dass ich immer noch keine Hilfstruppen bekommen habe…

Anastratin.de: Was gibt es denn sonst zu berichten?

Luisa Amiratu: Wir hatten ein eher stilles, meditatives Sternschnuppenfest vom 10. bis 12. August 616 a. C., aber eine wirklich sehr gute Sicht auf die Sternschnuppen diesmal, was einer der wenigen Vorteile eine Dürrewelle ist, weil es nachts keine Wolken am Himmel gibt. Insofern war die Hauptattraktion des Sternschnuppenfestes gelungen. Eine Nova konnte man auch am Nachthimmel bewundern, aber da das den Tod eines Stern und Sternensystems bedeutet, fand ich das nicht unbedingt positiv. Abergläubische Leute würden das wieder als Omen für Unheil sehen, allerdings kam es diesmal ja nachträglich. Es waren wirklich katastrophale Wochen in diesem Sommer. Der Erholungswert war praktisch Null. Sogar auf der ansonsten kühlen Insel Milony Island hatten wir Hitzerekorde. Trotz allem: Wir haben durchaus ein wenig Ernte – besonders die Gemüseplantagen in Verdenz verbuchen dieses Jahr eine nennenswerte Tomaten- und Chili-Ernte. Zwar will uns niemand das Gemüse abnehmen, aber die Ernte war da ein Erfolg. Wir hatten da sogar minimale Kürbisse, allerdings zu früh und nicht so, wie erhofft, auch wegen der Hitze. Blaubeeren haben wir auch in Nova Valentia, wo wir bewässern. Allerdings ist der Markt für Marmelade jenseits von Hajoida faktisch zusammengebrochen. Daher haben wir die Marmeladenfabriken geschlossen.

Anastratin.de: Ist das nicht alles sehr frustrierend?

Luisa Amiratu: Es ist sehr frustrierend, und die Aussichten sind auch nicht besonders berauschend, aber man darf sich trotz allem nicht entmutigen lassen und muss hoffen. Immerhin leben wir in einer Zeit voller Umbrüche und Veränderungen, und vielleicht ist ja auch mal was Gutes dabei. Ich bin zumindest stolz darauf, wie gut und professionell meine Bürgerinnen und Bürger mit allem umgegangen sind. So konnten wir doch immerhin das Beste aus dem machen, was uns das Leben vorgesetzt hat. Das ist doch immerhin etwas.

Anastratin.de: Haben Sie sich auch etwas beim Sternschnuppenfest gewünscht?

Luisa Amiratu: Das darf ich natürlich nicht verraten. Aber wir haben auf jeden Fall auch gebetet in diesem Jahr. Märkte hatten wir ja keine. Wegen der Hitze und den vielen Krankheitsfällen mussten wir auch den Sankt Dominiks Markt in dieser Saison absagen. Ich hoffe, dass uns die Herbstsaison Besserung bringt. Und irgendwann werden sicher die Hilfstruppen eintreffen, die mir Generalsekretär Mikas Raenarven versprochen hat. Dann können wir die Schäden in den Provinzen endlich ausbessern und uns für die kältere Jahreszeit wappnen.

Anastratin.de: Wie steht es um die Langzeitprojekte – die Wiedererrichtung von Winterfeste in Fearne, die Eröffnung des Bahnhofs von Juletree und die Fertigstellung der vizeköniglichen Werkhöfe in Cair Castanejis?

Luisa Amiratu: Bei allen diesen Projekten erhoffe ich mir Unterstützung durch die zugesagten Hilfstruppen. Es wird Zeit, dass sie abgeschlossen werden. Momentan ist die Nationalgarde aber im Notstandsmodus und uns fehlen allerorten Ressourcen. Insofern kann ich Ihnen da leider kein Datum nennen.

Anastratin.de: Haben Sie Hoffnung, dass es in absehbarer Zeit besser wird?

Luisa Amiratu: Hoffnung gibt es immer, wo Leben ist. Man darf die Hoffnung nie aufgeben. Und da der Sonnenstand schon merklich sinkt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis zumindest die Hitzewelle vorbei ist. Wenn es dann auch noch regnet, können wir daran gehen, die Schäden zu ermessen. Allerdings droht uns trotz der Missernten keine Hungersnot. Wir können ja Lebensmittel aus der Bundesrepublik Andrasko oder aus der Bundesrepublik Solus importieren. Das wird zwar teuer, aber wir haben für so etwas noch unsere eiserne Notreserve in der kaiserlichen Schatzkammer.

Anastratin.de: Droht eine Verteuerung von Lebensmitteln?

Luisa Amiratu: Die Grundnahrungsmittel werden erschwinglich bleiben, dafür wird die kluge Lagerhaltung des Föderalen Handelsmagistrates schon sorgen. Luxusgütern dürften sich aber wohl verteuern. Das wird sich nicht vermeiden lassen. Allerdings exportieren wir auch Güter, die unter diese Kategorie fallen. Insbesondere die Rotapfelmarmelade ist jetzt schon weitgehend ausverkauft und in dieser Saison wird es keine neue geben. Das hat zu einem gewissen Run auf unsere Lagerbestände geführt. Es wird spannend, wie sich das auswirken wird. Vielleicht finden wir ja sogar mal neue Handelspartner – wir sind ja nicht die einzige Nation, die unter den dramatischen Klimaschwankungen leidet. Ich würde mal abwarten, was sich ergibt.

Anastratin.de: Wären Sie offen für neue Handelsverträge?

Luisa Amiratu: Das habe ich als Lokalpolitikerin nicht zu entscheiden, Außenpolitik ist Sache der kaiserlichen Regierung und der kaiserlichen Legaten. Aktuell sehe ich allerdings nicht, dass sich da eine konstruktive neue Beziehung ergeben könnte. Wir können ja wegen der Missernten auch kaum produzieren. Womöglich werden wir es beim Zustand des intergalaktischen Handels eher mit Freibeutern und Piraten zu tun bekommen. Ich hoffe, unsere Sternenflotten können diese weiter erfolgreich abwehren. Ich denke zwar, dass das nicht zu unserem Selbstbild passt und auch nicht intendiert war, aber nitramische Truppen haben sich in der Galaxis inzwischen den Ruf erworben, brutal und gnadenlos zu sein, wenn man nitramische Interessen ignoriert. Das kann uns durchaus für die nähere Zukunft helfen, um Ganoven abzuhalten.

Anastratin.de: Haben Sie deshalb neue Schiffe eingeweiht?

Luisa Amiratu: Die neu eingeweihten Segelschiffe meiner vizeköniglichen Marine befahren nur unsere kleinen Binnenmeere und sind nicht tauglich für die Sternenfahrt weil es keine Raumschiffe sind, daher: Nein. Ich habe auch nur neue Schiffe eingeweiht, weil einige alte außer Dienst gestellt werden mussten. Holzschiffe halten nicht ewig. Die fünf neuen Schebecken ersetzen ihre älteren Kollegen, wie Sie auch an den „neuen“ alten Namen sehen können. Ansonsten würde es ja auch nicht viel Sinn machen, beim Niedrigstand unserer Gewässer neue Schiffe zu bauen. Allerdings haben wir die Situation insofern berücksichtigt, als alle neuen Schiffe auch bei niedrigem Wasserstand gut fahren können, weil sie wenig Tiefgang haben.

Anastratin.de: Wird es dieses Jahr eine Apple Fair geben, wenn doch der Totalausfall der Obsternte droht?

Luisa Amiratu: Das kann ich noch nicht abschließend sagen, aber derzeit sieht es eher schlecht aus.

Anastratin.de: Wird das nicht zu weiterem Unmut in der Bevölkerung führen, wenn auch dieses Fest abgesagt werden muss?

Luisa Amiratu: Ich habe weder Einfluss auf das globale Wetter noch auf die unglücklichen Umstände, die zur Staatstrauer geführt haben. Insofern betrübt es mich zwar, wenn es Bürger gibt, die mir zürnen, aber ich kann da nichts dafür. Seien Sie versichert, ich tue als Vizekönigin das, was ich kann und das, was vernünftig ist. Nicht vernünftig wäre es, Feste zu feiern, die in der derzeitigen Situation keinen Sinn machen, ein Apfelfest ohne Äpfel zum Beispiel. Aber vielleicht können wir stattdessen Feste feiern, die Sinn machen – beispielsweise ein Regenfest, wenn die Dürre mal zuende ist. Warten Sie es einfach ab.

Anastratin.de: Planen Sie einen Sommerurlaub?

Luisa Amiratu: Sobald es die Umstände zulassen, möchten Kara und ich auch etwas Sommerurlaub machen, aber nicht, solange wir hier in einer Notstandssituation gebraucht werden. Das verbietet mein Ethos als Landpflegerin. Man kann allerdings nicht vernünftig arbeiten, wenn man nie zur Ruhe kommt, deshalb hoffe ich, dass die Krisen bald ein Ende nehmen und wir uns dann auch etwas entspannen können.

Anastratin.de: Dann wünschen wir Ihnen da das Beste. Frau Vizekönigin, vielen Dank für das Gespräch!

Luisa Amiratu: Bittesehr, gerne wieder…

Das Interview führte Nils Kawomba.

Nils Kawomba
Über Nils Kawomba 243 Artikel
Nils Kawomba, ehemals Chefredakteur der NNZ (Neue Nitramische Zeitung), ist unser nitramischer Korrespondent in Ventadorn (Ninda).

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