Es war zu wenig Regen und zu spät

Präfekt McLeeKirk vor einer Grenzfestung in der Wüstenlandschaft von Papyrien, Südninda (Grafik: Martin Dühning, KI-bearbeitet)
Präfekt McLeeKirk vor einer Grenzfestung in der Wüstenlandschaft von Papyrien, Südninda (Grafik: Martin Dühning, KI-bearbeitet)

Anastratin.de konnte den Präfekten der Kronlande, Jasper McLeeKirk für ein Interview zur Lage der Landwirtschaft in Südninda gewinnen.

Jasper McLeeKirk ist seit vielen Jahren der Präfekt der Kronlande von Südninda und damit für die Bewirtschaftung der kaiserlichen Domänen von Nova Valentia zuständig. Außerdem leitet er als Kommandant die landwirtschaftlichen Zweige der Nationalgarde von Südninda. Im Interview mit Anastratin.de schildert er seine Eindrücke über die vergangene Sommersaison.

Anastratin.de: Herr McLeeKirk, das Volk in Südninda stöhnt über einen Katastrophensommer mit einer unglaublichen Hitze und Dürre. Inwiefern können Sie das bestätigen?

McLeeKirk: Leider ist die Dürre drastisch und Hitze der vergangenen Sommerjahre Realität, nicht nur Einbildung der Bevölkerung. Es ist allerdings nicht die einzige Dürre und Hitzewelle. Seit der Zeit von Vizekönig Valens häufen sich Jahren mit Hitzewellen, Dürren und damit verbunden Missernten. Die aktuelle Dürre steht leider in einer langen Reihe und die Entwicklung zeigt in Richtung Verwüstung. Auch hat in den vergangenen Jahrzehnten die Qualität der Böden deutlich nachgelassen und der Grundwasserspiegel sinkt bedenklich. Vizekönigin Luisa versuchte das, teils erfolgreich, mit neuen Zisternenanlagen zu kompensieren, aber letztlich haben wir viel zu wenig Wasser, denn auch Zisternen nutzen nichts, wenn es nicht regnet und Meerwasser können wir nicht verwenden. Waldflächen in den Nationalparks sind großflächig verdorrt und müssen abgeholzt werden, um Schädlingsbefall zu vermeiden, der Aurynas-See war in diesem Jahr phasenweise ausgetrocknet. Das ist ein ökologisches Desaster.

Anastratin.de: Haben die Missernten auch wirtschaftliche Folgen? Droht eine Krise??

McLeeKirk: Tatsächlich leben wir in einer Dauerkrise, aber auch gute Ernten hätten uns nicht geholfen, weil wir seit Jahrzehnten keine Abnehmer mehr für unsere Waren haben. Insofern betreiben wir in den kaiserlichen Domänen ohnehin eher Landschaftspflege als Güterproduktion. Aktuell haben die berühmten Produkte aus Südninda eher einen symbolischen Wert als „Handelsgüter“, wirtschaftlich spielt in Ninda seit einen Jahrzehnten eher die Produktion von Künstlerfarben, Kunsthandwerk und Heiltränken eine Rolle. Damit macht die Kara Delica Handelsgesellschaft wohl auch mäßigen Profit. Die meisten Abnehmer für klassische Agrargüter sind im Laufe des letzten Jahrhunderts weggefallen. Für die Selbstversorgung der Bevölkerung reicht die Produktion. Nur Gewinn machen wir so eben nicht. Dieses Jahr hat auch das Wasser für die reduzierten Anbauflächen kaum gereicht. Die Apfelernte fiel großflächig aus. Eine sehr reduzierte Menge an Quitten wird Nova Valentia aber wohl produzieren.

Anastratin.de: Da in Südninda inzwischen Herbst angebrochen ist, dürfte sich die Lage wohl entspannt haben, oder nicht?

McLeeKirk: Nicht wirklich. Es war zu wenig Regen und zu spät. Immer noch ist es viel zu trocken. Für die Jahreszeit viel zu warm. Die Natur in den Vereinigten Provinzen fährt noch das Sommerprogramm. An vielen Bäumen können sie auch Notblüte beobachten – die arg gestressten Pflanzen treiben noch einmal Frühlingsblüten aus, weil sie im Todesstress sind. Das schwächt wie Bäume weiter. Insofern ist auch noch nicht absehbar, wie erheblich die Flurschäden sind.

Anastratin.de: Das nationale Augenmerk ist momentan auf Hausrya gerichtet. Hat das Auswirkungen auf Ihre Arbeit als oberster Landschaftsschützer?

McLeeKirk: Die Auswirkungen sind mäßig. Wir haben auf kaiserlichen Befehl hin Hilfsgüter gesammelt; allerdings hauptsächlich Desinfektionsmittel und in sehr geringem Maße Lebensmittel. Das betrifft meine Arbeit nicht wirklich und war auch kein Problem. Auch ist nicht vorgesehen, dass sich die mir unterstellte Nationalgarde am Einsatz in Hausrya beteiligt. Allerdings fehlen uns die Pioniere der 10. Raumflotte. Die hätten wir bei der Neubeforstung der verwüsteten Wälder hier gebraucht. Auch die Fertigstellung der Festung Cair Castanejis verzögert sich deswegen. Andere Auswirkungen hat das aber bislang nicht. Weder war Hausrya im letzten Jahrhundert ein relevanter Handelspartner – tatsächlich hat uns die Kaiserin damals sogar immer wieder eine Abfuhr erteilt beim Warenhandel. Das war ziemlich unhöflich. Noch ist irgendetwas Brauchbares von dort zu erwarten, jetzt wo dort alles verwüstet ist.

Anastratin.de: Wenn Sie nun ganze Wälder in Südninda abholzen müssen, weil sie verdorrt sind, ergibt sich dann Gewinn aus dem Holz?

McLeeKirk: Wir haben keine Abnehmer und letztlich auch keine Verwendung für Holz. Die Abholzung verursacht uns nur Kosten, ist umwelttechnisch problematisch und erfreut niemandem außer die Hexe der Verwüstung, die Bäume hasst. Insofern sehe ich da keinerlei Vorteile. Die Bevölkerung hier liebt Wälder, das wird den Unmut hier nur vergrößern.

Anastratin.de: Da die Böden in Südninda nachlassen und das Klima immer härter wird, wäre es eine Option, Plantagen in Hausrya zu betreiben?

McLeeKirk: Das sollten Sie nicht mich fragen, da ich nicht dafür zuständig bin. Die Böden sind dort wohl noch besser und das Klima nicht ganz so feindselig für Landwirtschaft, doch hätten da auch Dürren geherrscht in diesen Jahren, wäre das Land denn noch vernünftig bewirtschaftet worden. Das ist allerdings ein totes Land dort. Da dort faktisch niemand mehr lebt, wird weder produziert noch konsumiert. Und weil wir schon für unsere Produkte hier keine Abnehmer haben, bringt es wohl auch nicht sehr viel, dort Plantagen zu errichten. Eine Umsiedlung steht wohl auch nicht zur Debatte.

Anastratin.de: In Südninda stehen nach dem Herbst die Winterjahre vor der Tür. Was erwarten Sie von den Winterjahren?

McLeeKirk: In den Winterjahren ruhen unsere Plantagen weitgehend. Wir haben viel zu reparieren von der Hitze und müssen viel neu aufforsten, das steht aber erst nach den Winterjahren an. In Ninda dauern die Sommer vier Jahre, die Winter dauern ebenfalls vier Jahre, also wird der Frühling erst in einigen Jahren anstehen. Bis dahin ist noch Zeit. Wetterprophet bin ich auch nicht, ich kann also nicht abschätzen, ob wir einen harten oder einen milden Winter bekommen werden. Sicher ist nur: Wenn es nicht deutlich mehr regnet, werden wir auch in Zukunft große Probleme kriegen. Wir haben jetzt langsam alles ausprobiert hier und außer Lavendel, den wir nicht noch großflächiger anbauen können, verträgt keine Pflanze so große Hitze und Trockenheit ohne zu leiden.

Anastratin.de: Vizekönigin Luisa Amiratu hat in Nova Valentia einen neuen Prachtbrunnen errichten lassen. Was halten Sie davon?

McLeeKirk: Es ist ein prächtiges Bauwerk und ersetzt den alten kaputten Brunnen. Uns bringt das nicht viel, aber die Touristen lieben es. Tatsächlich waren sogar die Gäste aus Veamoris davon beeindruckt. Es zu bauen war auch nicht schwer. Was soll ich sonst dazu sagen?

Anastratin.de: Obwohl Sie Präfekt der Kronlande sind, genießen Sie auch einen gewissen Ruf als Landwirtschaftsexperte im Ausland. Selbst die Hajoiden fragen Sie manchmal um Rat. Hätten Sie nicht langsam Lust auf eine Beförderung?

McLeeKirk: Ich arbeite nicht, um befördert zu werden. Ich mag Pflanzen. Es freut mich, wenn man meinen Rat sucht, aber es steigt mir nicht zu Kopf. Die Hajoiden haben keinen grünen Daumen, allerdings brauchen wir ihre Zwerge manchmal als Erntehelfer. Insofern ist es gut, wenn ich mit ihnen gut klarkomme. Zuletzt war die Stimmung aber nicht mehr so gut, seit die Hajoiden die Grenzwälder auf ihrem Gebiet abgeholzt haben. Das hat hier viele Leute sehr verstimmt und dazu geführt, dass die Vizekönigin die Nationalgarde dann in das Kaiserreich Altdunien geschickt hat um die dortigen Wälder zu schützen. Das kam bei den Hajoiden eher nicht so gut an. Auch die Plantage von Verdenz, die wir auf kaiserlichen Befehl hin in Altdunien errichtet haben, wird von den Hajoiden eher abgelehnt, sie tun aber nicht wirklich viel, warten eher ab. Ich glaube, es ist ihnen egal. Landwirtschaft ist nicht so das Ding der Hajoiden. Noch nicht, jedenfalls.

Anastratin.de: Wie kommen Sie mit der Vizekönigin zurecht?

McLeeKirk: Sie ist meine Vorgesetzte, zumindest bei der Landwirtschaft. Die Vizekönigin kann recht fordernd sein und ihre Geduld ist sehr begrenzt. Deshalb wartet sie eher nicht ab. Allerdings weiß man bei ihr immer genau, woran man ist. Das schätze ich. Leute, die nicht sagen was sie wollen, bereiten mir eher Probleme. Generell arbeite ich auch am liebsten mit Pflanzen. Die Vizekönigin, die ja eine Grünfee ist, mag Pflanzen, daher kommen wir recht gut miteinander aus.

Anastratin.de: Wie schneidet die Vizekönigin im Vergleich mit ihren Vorgängern ab?

McLeeKirk: Nun, ich kann das nur beurteilen, was ihren direkten Vorgänger, Valens, angeht. Er hat den Aurynas-See fertigstellen lassen und die Provinz Nova Valentia anlegen. Die ist nach ihm benannt. Diese Provinz wurde damals aber auch im Volksmund „Valens letzte Hoffnung“ genannt. Das Volk hat er damit nicht überzeugt. Er hatte keinen grünen Daumen, war eher Gelehrter und Militär. Vizekönigin Luisa war da viel erfolgreicher, allerdings hat sie auch deutlich länger regiert und hatte mehr Geld zur Verfügung. Unter Kaiser Nuriel wurden die Vizekönige immer an einer sehr kurzen Leine gehalten, Kaiser Jitro lässt da mehr Spielräume. Außerdem setzt sich Luisa besser durch, weil sie nicht nachgibt. Sie ist eine Person, die Fakten schafft. Daher hat sie auch mehr erreicht.

Anastratin.de: Was würden Sie sich von Luisas Nachfolger wünschen?

McLeeKirk: Die Nachfolge von Vizekönigin Luisa steht nicht zur Debatte. Das geht mich nichts an. Deshalb habe ich auch keine Wünsche.

Anastratin.de: Was würden Sie sich für Ihre Arbeit wünschen?

McLeeKirk: Ich wünsche mir mehr Regen, milderes Wetter. Dann kann ich für gelungenere Ernten sorgen. Das kann ich anpacken, ansonsten wünsche ich mir nichts außer Gesundheit.

Anastratin.de: Herr McLeeKirk, vielen Dank für das Gespräch.

McLeeKirk: Kein Problem. Schönen Tag.

Das Interview führte Nils Kawomba.

Nils Kawomba
Über Nils Kawomba 253 Artikel
Nils Kawomba, ehemals Chefredakteur der NNZ (Neue Nitramische Zeitung), ist unser nitramischer Korrespondent in Ventadorn (Ninda).

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