Commissioner Bentley bleibt verschwunden

Polizeistation in Ventadorn (Grafik: Martin Dühning, KI-bearbeitet)
Polizeistation in Ventadorn (Grafik: Martin Dühning, KI-bearbeitet)

Auch mehrere Jahre nach dem Amtsantritt seines Nachfolgers bleibt der vermisste Commissioner Bentley in Ventadorn unauffindbar.

Eines der unzähligen Suchplakate zu Commissioner Bentley, die in Ninda plakatiert wurden (Grafik: Martin Dühning, KI-bearbeitet)
Eines der unzähligen Suchplakate zu Commissioner Bentley, die in Ninda plakatiert wurden (Grafik: Martin Dühning, KI-bearbeitet)

Ilon Haikeus, der seit einigen Jahren als Nachfolger Bentleys das Amt des Commissioners der Metropolis Ventadorn innehat, hat inzwischen hunderte von Hausdurchsuchungen und Suchaktionen gestartet, um den verschwundenen Bentley zu finden. Sogar eine Fernsehserie war im städtischen Rundfunk an den Start gegangen, um den seinerzeit sehr beliebten Alt-Commissioner zu finden – sie fand sehr viel Resonanz bei den Stadtbewohnern, hatte viele Rückmeldungen erhalten – doch alle Mühen waren umsonst gewesen, keiner der vielen Zuschauerhinweise führte weiter. Seit seinem rätselhaften Verschwinden hatte Bentley quasi aufgehört, zu existieren. Zuletzt hatte Vizekönigin Luisa Amiratu sogar in Nachbarländern ein hohes Kopfgeld von 5000 nitramischen Denaren ausgesetzt und mehrere namhafte Abenteurergilden in den Bundesrepubliken Tyndalis, Andrasko und sogar Morea damit beauftragt, das Rätsel um den Polizeipräsidenten zu lösen.

Nach üblichem Recht hätte Bentley längst vom Civinat für tot erklärt werden müssen, doch Vizekönigin Luisa Amiratu intervenierte beim direkt beim Censor und weigert sich ebenso wie Polizeipräsident Ilon Haikeus, die Akte Bentley zu schließen.

„Bevor wir nicht wenigstens wissen, was aus ihm geworden ist, wird hier niemand aufgegeben“, begründete die Vizekönigin den Schritt. Ninda sei schließlich nicht der Wilde Westen oder irgendeine Bananenrepublik, wo Leute einfach so auf offener Straße entführt werden. Irgendwann werden wir ihn finden, da bin ich mir sicher!“, gab sich die Vizekönigin bei der nunmehr 57. Pressekonferenz zu seinem Verschwinden zuversichtlich.

Commissioner Haikeus gab danach vor der Presse zu, dass nicht nur Bentley, sondern auch viele andere Vermisstenfälle, die sich vor seinem Amtsantritt ereignet hatten, leider noch nicht aufgeklärt werden konnten. Allerdings habe es in seiner Amtszeit glücklicherweise keine weiteren Fälle mysteriösen Verschwindens mehr gegeben – zumindest seien keine mehr gemeldet worden. Das mag auch daran liegen, dass alle Prominenten nun verpflichtend einen Personenschutz haben, die Polizei personell deutlich aufgestockt wurde und die Videoüberwachung in Ventadorn dermaßen erweitert wurde, dass es kaum noch unbeachtete Ecken in der Metropole gibt, was nicht alle Bürger gutheißen. „Die Polizei observiert inzwischen sogar die Tauben im Park rund um die Uhr – und das alles auf Kosten der Stadtbürger“, ärgert sich beispielsweise Stadtradt Wildlinger, einer der wenigen verbleibenden Oppositionsstadträte, die aus der Zeit vor der Regentschaft von Vizekönigin Luisa noch übrig sind.

Den meisten Einwohnern Ventadorns ist es aber lieber, höhere Sicherheitssteuern zu zahlen als spurlos entführt zu werden, zumindest kann man dies den Umfragen entnehmen, die Dank Vizekönigin Luisa regelmäßig in der Stadt durchgeführt werden.

Nils Kawomba
Über Nils Kawomba 252 Artikel
Nils Kawomba, ehemals Chefredakteur der NNZ (Neue Nitramische Zeitung), ist unser nitramischer Korrespondent in Ventadorn (Ninda).

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*