Das Kaiserreich Arkadien

Jugenstil-Bibliothek (Foto: Ivo Reinha via Pexels)
Jugenstil-Bibliothek (Foto: Ivo Reinha via Pexels)

Das Kaiserreich Arkadien zählt seit dem sechsten Jahrhundert neben Veamoris und Hajoida zu den wichtigsten Verbündeten der Neu-Nitramischen Konföderation.

Die Zivilisation der Arkadier, auch Florentiner genannt, ist im galaktischen Gryssan-Sektor jenseits der Indra Badlands lokalisiert. Ihre aktuelle Hauptkolonie, Arcadia Grande, liegt nur wenig Lichtjahre von Luth’Eligel entfernt, der äußersten nitramischen Kolonie, die zur neu-nitramischen Bundesrepublik Morea gehört. Seit dem sechsten Jahrhundert befindet sich dort auch die Hauptstadt Arcadia. Zeitweilig unterhielten die Arkadier auch Kolonien im Castellum Liberum Sternensystem und im Tengula Sternensystem, dort, in der Kolonie Nea Delphi, befand sich auch die vorige Hauptstadt. Diese Kolonien wurden allerdings wieder aufgegeben, als die Arkadier sich aus der internationalen Politik zurückzogen.

Geografisch zeichnet sich der Hauptplanet Arcadia Grande durch pastorale Landschaften aus, die von fährbaren Flüssen durchzogen sind. Arkadische Städte strahlen ein meist mediterranes Flair aus, im Norden gibt es auch Heide- und Steppenlandschaften. Das Klima von Arcadia Grande gilt als sehr gemäßigt und angenehm. Es gibt in Arkadien nur eine Wüste, die Goldwüste, wo sich auch wichtige Erzvorkommen und Steinbrüche befinden, die hauptsächlich zur Produktion von Kunstgegenständen verwendet werden.

Die Arkadier gelten als ein Volk von Historikern, Philosophen und Künstlern, die ihr Leben strikt nach Sinnkriterien und Ästhetik auslegen. Demgegenüber sind rein funktionale Werte wie Wirtschaftswachstum, politische Macht oder technologischer Fortschritt untergeordnet, obwohl die Arkadier auch hier große Errungenschaften aufweisen können. Zur Staatsphilosophie gehört neben einem ästhetischen Sinnesvollzug auch das daoistische Prinzip des „Handels durch Nichthandeln“ (Wu Wei), was die Arkadier zu eigenwilligen Bündnispartnern macht. Nach Ansicht nitramischer Wissenschaftler sind die Arkadier den Nitramiern in den Gebieten Musik, Philosophie und Literatur haushoch überlegen und verfügen über größere Fähigkeiten in den Gebieten Kunst und Technologie, als sie nach außen hin zeigen. Viele Mitglieder des Volkes der Arkadier verfügen auch über telepathische Fähigkeiten und sind machtsensitiv, was allerdings außerhalb des Systems der Geistkultivierung im Sinne des Daoismus nicht praktiziert wird.

Die Geschichte Arkadiens ist durch Umbrüche gezeichnet, die sich durch den Wandel philosophischer Grundeinstellungen ergaben. In der Frühzeit vertrat die arkadische Zivilisation epikureische Ansichten. Auf der Höhe ihres politischen und gesellschaftlichen Erfolges gab die arkadische Zivilisation im 3. Jahrhundert unter Kaiser Florian VII. die damalige militärische und außenpolitische Macht auf und folgte danach einem deutlich mehr innerlichem Weg. Arkadier geben nicht viel auf Titel, weshalb, obwohl die Bevölkerung fast ausnahmslos aus Akademikern besteht, in Arkadien eigentlich keine Titel üblich sind. Es ist in Arkadien selbstverständlich, dass alle Bürger sich neben den Künsten auch agrarischen und handwerklichen Tätigkeiten widmen. Zu jedem Haus gehört neben einer großen Bibliothek und einem Kunstsalon auch ein Garten und eine Werkstatt zur Selbstversorgung. Die Buchbestände Arkadiens gelten als die größten bekannten außerhalb Nitramiens und weisen einmalige Kulturgüter auf, da die Arkadier bekannt dafür sind, Unikate zu erwerben. Die prunkvollste Bibliothek ist die Nationalbibliothek in Arcadia, der Hauptstadt Arkadiens. Zur gelebten Ästhetik zählt auch ein ausgeprägtes Bewusstsein von Stil im Alltag. Hier vertreten die Arkadier eher konservative Ansichten.

Das politische System Arkadiens basiert auf lokaler Selbstverwaltung, die Regierung besteht aus einem Rat der Weisen, an der Spitze steht ein „Princeps philosophus“, ein Philosophenkaiser, der sich aber nicht in die Tagespolitik einmischt, was der nitramischen Konzeption von Kaisertum ähnelt. Der Kaiser bestimmt allerdings die philosophische Ausrichtung. Der aktuelle Kaiser Arkadiens, Florian XII., ist ein liberaler Verfechter des Daoismus und pflegt sehr freundschaftliche Beziehungen zum aktuellen nitramischen Kaiser, Jitro Messalinas. Die beiden schlossen im Jahr 501 a. C. ein offizielles Bündnis, um Kultur und Philosophie in beiden Nationen durch einen regelmäßigen kulturellen Austausch zu fördern. Im Unterschied zum Handelsvertrag mit Veamoris, der auch wirtschaftlichen Freihandel vorsieht, ist der Handelsvertrag mit Arkadien hauptsächlich auf immaterielle Kulturgüter wie Musik, Philosophie und Literatur ausgelegt. Dennoch importiert Arkadien auch Agrarprodukte aus Nitramien und teils Technologie.

Der aktuelle Botschafter von Arkadien in Neu-Nitramien ist der bekannte Pianist und Buchliebhaber Wolfgang Arkadius Ehrlich. Die offizielle arkadische Botschaft befindet sich in Juletree, Ventadorn, beim dortigen Jazzcafé Queen Bricktoria, wo der Botschafter ab und zu Klavierkonzerte gibt. Wolfgang Arkadius Ehrlich ist ein gern gesehener Gast bei den saisonalen Kulturveranstaltungen der Stadt Juletree.

In Arkadien ist als Botschafter für Neu-Nitramien der Lichtelbe Markgraf Cassinor Tirouyel tätig, der zuvor kaiserlicher Legat des Ostens war, bevor Ian Delessian dieses Amt übernahm. Damit besaß Cassinor Tiroyel bei seiner Amtsübernahme einen außerordentlich hohen Rang für einen Botschafter. Dies zeigt die hohe Wertschätzung, die den Arkadiern in Nitramien entgegengebracht wird. Aufgrund des hohen zivilisatorischen Standes der Arkadier wird der Rat arkadischer Diplomaten in Neu-Nitramien hochgeschätzt. Nur die Vertreter von Veamoris und Hajoida haben einen vergleichbaren Einfluss auf die nitramische Politik, die sich sonst nicht für Meinungen im Ausland interessiert.

Über Martin Dühning 1.700 Artikel
Martin Dühning, geb. 1975, studierte Germanistik, kath. Theologie und Geschichte in Freiburg im Breisgau sowie Informatik in Konstanz, arbeitet als Lehrkraft am Hochrhein-Gymnasium in Waldshut und ist Gründer, Herausgeber und Chefredakteur von Anastratin.de.