Während durch generative KI das Datenvolumen wächst und wächst, schwindet bei den Menschen die Lust am Digitalen. Analoges wird vielleicht neu entdeckt.
Wer vor 10 Jahren noch am gedruckten Buch festhielt, galt als Fossil und wurde belächelt. Allenfalls Nerds outeten sich damals als Bücherliebhaber. Ähnlich verhielt es sich bei bildenden Künstlern und Musikern. Dann kam die KI und alles wurde anders: Die viel bejubelten Digitalkünstler sahen sich von maschineller Fertigproduktion bedroht wie einst die schlesischen Weber. Allem Weh und Ach zum Trotz überschwemmen billige KI-Produkte weiterhin das Internet und lösen es auf in Kitsch und Konvention. Aus sozialen Netzwerken wurden Werbe- und Fakenews-Schleudern, in denen politische und ästhetische Parolen ungeniert geteilt, aber nicht mehr wirklich darüber diskutiert wird. Dazu ist es zuviel, dazu sind die Inhalte zu krass. Spätestens nach den Horrormeldungen aus der Musikbranche von der maschinellen Übernahme der Charts und nach skurrilen Berichten darüber, dass KI-Firmen Antiquariate leer kaufen, weil das Web KI-verseucht ist und sich nicht mehr zum Training neuronaler Netze eignet, wächst der Frust bei den Menschen. Dass KI-Firmen sicherheitskritische Verstöße aktuell wie Trophäen präsentieren und sich an diversen Orten beim Bau von Rechenzentren über Umweltauflagen hinwegsetzen, macht es nicht besser. Aus der anfänglichen Begeisterung über KI wird mehr und mehr Angst, auch weil der Hype mehr und mehr zur Börsenblase wird. Inzwischen sprechen sogar KI-Bots wie Gemini selbst von einer KI-Blase, wenn man sie danach fragt.
Umgekehrt sehen die Menschen, die analog leben, auch kulturell, inzwischen gar nicht mehr so fossil aus, sondern zunehmend vernünftig und gesund: Analoge Musik, auf analogen Instrumenten gespielt, ist eben doch irgendwie wertiger als der KI-Kitsch, der die Charts der vergangenen Jahrzehnte perfekt kopiert. Auch analoge Kunstwerke sind eben authentischer, wenn sie mit echten Pigmenten an eine materielle Leinwand gemalt werden und im echten Sonnenlicht betrachtet. Schwieriger verhält es sich dagegen mit dem geschriebenen Wort, weil sich hier inzwischen leider auch bei gedruckter Literatur nicht mehr sicher feststellen lässt, ob sich der Autor nicht doch von KI als Ghostwriter ersetzen ließ. Nicht nur Lehrkräfte wissen darum, dass man KI-Texte auch in handgeschriebener Form vorfindet, einfach abgeschrieben. Und einen ähnlichen Rückkopplungseffekt darf man natürlich auch bei gesprochener Sprache und bei Bildkomposition oder Notensatz erwarten. Inzwischen kopieren die Menschen KI-Muster, statt umgekehrt. „Zusammenfassend lässt sich sagen“ – jene verräterische Chatbot-Phrase, findet man inzwischen oft auch in gesprochener Sprache. Trotz allem bleibt die Achtung vor echter menschlicher Arbeit im Alltag meist bestehen.
Was allerdings bleibt, ist eine Entwertung menschlicher Arbeit in digitaler Produktion. Während sich der analoge Künstler noch in seine ehrenwerte Materialität flüchten kann als Ausweg, steht der Digitalkünstler vor einem Abgrund: Was er vor etwa 10 Jahren noch in mühevoller, tagelanger Produktionsarbeit mit Zeichentablet und Software erledigte, spukt die KI inzwischen in Sekundenschnelle aus. Ein Unterschied ist oft kaum noch auszumachen, schließlich wurden die KIs hauptsächlich mit digitalen Kunstwerken gefüttert. Auch andere Branchen, die digital funktionieren, stehen vor einem Umbruch. Letztlich dürfte hier ein merklicher Verlust an Originalität die Folge sein und – was fachwissenschaftliche Exaktheit angeht, auch ein Verlust an Schärfe.
Das ist insofern tragisch, als das Internet vor Jahren als große Hoffnung angesehen wurde, Wissenschaft und Kommunikation zu demokratisieren. Automatischer KI-Datenmüll ruiniert dieses hehre Ziel.








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