Was man in Ninda noch verbessern könnte…

Vizekönigin Luisa besucht das neue Stadtviertel in Ventadorn (Foto: Nils Kawomba)
Vizekönigin Luisa besucht das neue Stadtviertel in Ventadorn (Foto: Nils Kawomba)

Mittsommer in Südninda, wir haben uns mit Vizekönigin Luisa Amiratu getroffen, die uns von ihren neuesten Plänen berichtet.

Anastratin.de: Guten Abend, Frau Vizekönigin…

Luisa Amiratu: Hello, hello… (grinst)

Anastratin.de: So frohgemut? Hatten Sie einen schönen Tag?

Luisa Amiratu: Och, ich komme gerade vom Stadtfest in Ventadorn-Westland, wir haben da das neue Stadtviertel eingeweiht, die Bürger haben eine spontane Jam-Session angestimmt und Mittsommer gefeiert, es war sehr schön, sehr schön…

Anastratin.de: Mit der Errichtung des neuen Stadtviertels haben Sie eine Menge Leute überrascht, es gab auch keine öffentlichen Aussprachen darüber.

Luisa Amiratu: Oh doch, die gab es, es gab nur so viele, dass sie keiner mehr ernst genommen hat. Die Bürger haben ja schon seit einem geschlagenen Jahrhundert eine Erweiterung der Gebäude gefordert.

Anastratin.de: Aber jetzt ging es doch recht fix. Kaum zwei Wochen von der Baugenehmigung bis jetzt zur Einweihung.

Luisa Amiratu: Ein Vorteil, wenn Sie mit Notstandsvollmachten regieren müssen, ist, dass der Amtsweg wesentlich kürzer ist. Außerdem habe ich den Lohn für die Arbeiter verdoppelt, wenn sie es binnen zweier Wochen schaffen würden. Also länger sollte so ein öffentliches Bauvorhaben nicht dauern, finde ich.

Anastratin.de: Für die Befestigungsanlagen in Südninda haben Sie aber Jahre gebraucht.

Luisa Amiratu: Das kann man nicht vergleichen, das ist ein ganzes Netz von Grenzbefestigungen, außerdem kamen die Winterjahre dazwischen, da konnte man kaum etwas machen. Aber jetzt sind wir da auch fertig. Wir haben sogar noch ein paar zusätzliche Anlagen realisiert und bauen gerade die Provinz Araruna aus.

Anastratin.de: Kosten diese Bauvorhaben nicht unglaublich viel Geld?

Luisa Amiratu: Das macht die Nationalgarde, das ist kostengünstig, die muss ich ja nicht bezahlen wie Lohnarbeiter und das Material dafür hatten wir meist schon vor Jahren angeschafft, diese Ausgaben sind längst abgeschrieben, problematischer sind eher die exorbitanten Wiederaufforstungskosten wegen dieser schrecklichen Dürre vor 10 Jahren.

Anastratin.de: Sie haben Südninda ausgebaut und in Ventadorn ein neues Stadtviertel errichtet, was haben Sie als nächstes vor?

Luisa Amiratu: Also in Ninda, besonders in Ventadorn, liegt noch so einiges im Argen. Ganz besonders ärgert mich das miserable Gütertransportsystem. Alles funktioniert in meinen Provinzen perfekt, aber wenn es für die intergalaktischen Transporte in Ventadorn parat gemacht werden soll, staut sich dort alles und bleibt dort liegen. So kann das ehrlich gesagt nicht weitergehen! Sie glauben nicht, wie viele Handelsaufträge wir deshalb schon wieder verloren haben! Wir können so einfach nicht zuverlässig und schnell liefern. Das ist sehr ärgerlich, gerade, weil die Produktion in Südninda eigentlich wieder läuft.

Anastratin.de: Was gedenken Sie zu tun, qua Notstandvollmacht des Kaisers regieren Sie ja nun faktisch auch in Ventadorn und Fearne.

Luisa Amiratu: Das Problem ist letztlich die mangelhafte Anbindung an internationale Handelsrouten. Vor einem Monat hatten wir wochenlang keine Transporter wegen einer Systemstörung der elften Raumflotte. Ich kann nur immer wieder betonen, wir brauchen endlich bessere Frachter, am besten Langstreckenfrachter. Diese Mittelstreckentransporter haben ständig technische Mängel oder Ausfälle. Aber das können wir in Ninda nicht lösen, das muss die Konföderation endlich geregelt kriegen. Ich persönlich werde mich jetzt erst mal mit der dysfunktionalen Warenabfertigung in Ventadorn beschäftigen. Wir fangen da erst mal klein an mit dem Wiederaufbau eines örtlichen Postsystems, so wie wir es in Südninda schon lange haben. Das läuft einfach nicht vernünftig über die Flottenadministration.

Anastratin.de: Gefällt Ihnen nicht, wie die Raumflotten arbeiten oder deren Führung?

Luisa Amiratu: Oh, ich werde jetzt nicht unsere Legaten kritisieren, die haben derzeit schon ganz andere Probleme. Aber augenblicklich gibt es in Ventadorn weder eine kommunale Post noch eine kommunale Müllentsorgung – die Folgen können Sie überall sehen. Kaum dass irgendein Flotteneinsatz irgendwoanders befohlen wird, bricht hier vor Ort alles zusammen. Dieses Problem kann man sehr elegant durch die Wiedereinrichtung einer örtlichen Post- und Müllabfertigungsstruktur beheben. Das dürfte den Wohnwert der Stadt deutlich heben und vielleicht können wir dann ja auch mal die Strafsteuern abwenden, die Ventadorn nun schon seit einem Jahrhundert bezahlt, weil es die Missstände nicht behoben kriegt. Damals war es wirklich eine planetare Krise, heute ist wohl eher die Motivations- und Ideenlosigkeit der kommunalen Behörden schuld. Ich versichere, dieses Problem kriegen wir aber relativ schnell gelöst. Bei Gelegenheit können wir dann auch ein paar Altlasten entsorgen.

Anastratin.de: Altlasten? Sie haben vor zwei Wochen drei Straßenzüge in der Metropole, die dem Nitramischen Archiv und der Raumflotte unterstanden, abreißen lassen. Dabei haben Sie viele Akten geschreddert und unter anderem Flottenausrüstung vernichtet. Haben Sie nicht Angst, dass Ihnen das Ärger einbringen könnte?

Luisa Amiratu: Die Akten waren jahrhundertealte Steuerbände von Nationen, die inzwischen längst nicht mehr existieren und bei der „Flottenausrüstung“ hat es sich um ganze Heerlager von Uniformen gehandelt, die mehrere hundert Jahre veraltet waren. Wer trägt denn heute noch Uniformen aus dem Prodominion? Die zugehörigen Flottenverbände existieren gar nicht mehr. Den Platz können wir gut für neue Gebäude brauchen, zum Beispiel für soziale Einrichtungen oder, wenn es sein muss, für einen größeren Recycling-Hof.

Anastratin.de: Sie wollen neben der kaiserlichen Reichsprokuratur eine Müllentsorgungsanlage errichten?

Luisa Amiratu: Nun, der Müll liegt ja da sowieso schon auf der Straße rum, das würde den Transport ersparen. Aber mal ganz ernst: Irgendwo müssen wir eine solche Anlage einrichten, weil der Mülltransport innerhalb von Ventadorn ziemlich miserabel funktioniert. Wenn er gleich vor Ort entsorgt würde, spart das eine Menge Zeit und Sprit. Aber damit darf sich der honorable Rest des Stadtrats demnächst beschäftigen, erst mal steht wohl der nächste Notstand an, denn meine Metereologen haben eine Hitzewelle angekündigt. Da haben wir wohl erst mal dringendere Probleme.

Anastratin.de: Haben Sie diesmal genug Wasservorräte in den Provinzen gesammelt, um für eine neue Dürre gewappnet zu sein?

Luisa Amiratu: Wir haben alle Zisternen bis zum Rand gefüllt und hoffen, dass es, zusammen mit den neuen, angeblich resistenteren Bepflanzungen, reicht. Aber ich habe große Zweifel, dass es viel helfen würde, wenn die Dürre wieder mehrere Jahre dauert. Soviel Platz für Zisternen kann ich einfach nicht schaffen und das Wasser würden wir auch nirgends herkriegen, wenn es nicht genug regnet. Hoffen wir einfach mal. Wenn nicht, erkläre ich halt alles zu Wüstenreservaten. Da können wir zur Not immerhin Wüstenralleys fahren.

Anastratin.de: Damit sprechen Sie ein weiteres Thema an – Sie haben einen Automobilclub in Südninda gegründet. Wozu das?

Luisa Amiratu: Ich habe die öffentlichen Verkehrsmittel und Straßen auf einen optimalen Stand getrimmt, ich könnte da jetzt höchstens noch neue Bahngleise verlegen lassen, was aber viel zu teuer wäre. Daher dachte ich, man könnte den privaten Verkehr etwas fördern. In Südninda gibt es ja kaum Werkstätten und auch so gut wie keine Tankstelleninfrastruktur, das ist auch nicht erwünscht, also habe ich einen Selbsthilfeclub für Automobilbesitzer gegründet. Wir organisieren die Treibstoffzufuhr und Reparatur nun in Selbstverwaltung, ohne dass für den Steuerzahler Kosten anfallen. Ich denke, da kann wohl keiner etwas dagegen haben, zumal ich zumindest in Ventadorn auch ein paar Mobile für die neue Post brauche – da können Sie nicht mit Pferdekutschen arbeiten.

Anastratin.de: Ist das nicht umweltschädlich?

Luisa Amiratu: Die Treibstofftechnik ist innerhalb der Konföderation insgesamt auf Sparsamkeit und Ökoneutralität ausgelegt. Automobile wie Flugzeuge fahren hier mit Syntherol, was wir innerhalb der Solar- und geothermischen Kraftwerke mit Energie anreichern. Bei der Verbrennung entsteht eigentlich nur wieder das Wasser und Kohlendioxid, was schon für die Herstellung benutzt wurde. Und laut wird es auch nicht, wir fahren ja nicht jeden Tag Rennen.

Anastratin.de: Aber Autorennen soll es geben?

Luisa Amiratu: Auf speziell genehmigten Strecken soll es, zu besonderen Gelegenheiten, Autorennen geben, ja, das war auch ein Grund, warum wir den Club gegründet haben. Angedacht sind Ralleys und Straßenrennen zu besonderen Gelegenheiten. Wir reden hier aber von ein paar dutzend Automobilen in einer Provinz von der Größe von 12 Königreichen. Das wird wohl ohnehin niemandem groß auffallen. Und nein, ich habe nicht vor, hier emolasische Zustände herbeizuführen – es ist einerseits eine Ergänzung zu unserem Schienenverkehr, oder private Veranstaltung – ich plane keine Automobilisierung des Volkes. Außerdem werden wir dafür kein einziges Umweltgesetz antasten.

Anastratin.de: Es bleibt abzuwarten, wie die traditionell starken Umweltverbände darauf reagieren werden.

Luisa Amiratu: Es gäbe da ganz andere Dinge, die man in Sachen Umweltschutz mal vorrangig angehen müsste – beispielsweise der exorbitante Plastikmüll, aber seltsamerweise tastet das hier niemand an.

Anastratin.de: Warum denken Sie, ist das so?

Luisa Amiratu: Weil Plastik eben eine leichte und billige Lösung ist – ein durchgehender Verzicht würde die Lebenshaltungskosten deutlich verteuern, und da traut sich keiner ran. Auch in Nitramien hat man gerne ein ökologisch reines Gewissen, ohne was dafür bezahlen zu müssen. Aber ich denke, irgendwann wird man auch das mal angehen müssen. Schon, weil die aktuellen Praktiken alles andere als nachhaltig sind. Aber es ist spät geworden – Sie müssen entschuldigen, es wird nun Zeit für mich.

Anastratin.de: Wir danken Ihnen für das Gespräch, Frau Vizekönigin.

Luisa Amiratu: Danke ebenfalls, gerne wieder. 🙂

Das Interview führte Nils Kawomba.

Über Nils Kawomba 80 Artikel
Nils Kawomba, ehemals Chefredakteur der NNZ (Neue Nitramische Zeitung), ist unser nitramischer Korrespondent in Ventadorn (Ninda).

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