Christopher Albin, der kaiserliche Legat des Südens, sah sich genötigt, in einer Pressekonferenz in Ventadorn die Gerüchte um die Besetzung einer künftigen Vizekönigstelle in Hausrya zu dementieren.
Weil sich sowohl das nitramische Kaiserhaus als auch die föderale Zivilregierung darüber ausschweigen, wer die Administration einer künftigen Provinz Hausrya übernehmen wird, kocht die Gerüchteküche in Ninda über. Immer wieder werden die Namen von vermeintlichen künftigen Vizekönigen genannt. Aktuell steht Hausrya noch unter der Verwaltung des Ostlegats, bis die planetaren Verteidigungsanlagen in Betrieb gehen. Dann übernimmt die kaiserliche Legatin des Südens, die für Seuchenbekämpfung zuständig ist, um den Planeten zu dekontaminieren. Erst danach soll er an eine lokale Verwaltung, womöglich durch einen Vizekönig, übergehen. Dazu ist aber noch nichts Näheres bekannt. Dies begünstigt Spekulationen und vermeintlich informierte Kreise verbreiten fleißig Gerüchte darüber, wer der erste Vizekönig der neuen Provinz Hausrya sein könnte.
Als Erstes stellte die amtierende XXIII. Vizekönigin von Südninda, Luisa Amiratu, klar, dass sie für das Amt des Vizekönigs in einer anderen Provinz nicht zur Verfügung stehe: „Ich gebiete schon über die zehn Kronen der alten Königreiche von Südninda, über das Protektorat Azurea, bin kommissarische Regentin der Metropolis Ventadorn und von Fearne – mehr geht nicht und ich bin hier derzeit auch nicht abkömmlich!“ – gleiches, fügte die Vizekönigin hinzu, gelte auch für ihre Lebenspartnerin Kara Delica, die als Gräfin von Helianthe und als Leiterin der größten Handelsgesellschaft in Südninda unverzichtbar bleibe.
Daraufhin wurde im Umfeld des gräfischen Adels spekuliert, Milony von Dumont solle nach Hausrya geschickt werden. Diese Gerüchte wurden dadurch genährt, dass Vizekönigin Luisa Amiratu bei ihrer Rekrutierung für die künftige Administration von Hausrya auf kaiserlichen Befehl hin vor allem Medeaner eingestellt hatte, unter anderem auch Ritter. Auch hier stellte zunächst die Vizekönigin, nun aber auch der Legat des Südens, Christopher Albin in einer Pressekonferenz am 8. Oktober 617 a. C. öffentlich klar, dass es undenkbar sei, den regierenden König des freien Königreichs Kournia als Vizekönig in eine abgelegene Provinz zu schicken. Legat Christopher Albin sagte vor der Presse wörtlich: „Die Aufgabe von König Milony war, ist und bleibt es, das freie Königreich Kournia zu regieren – das wurde ihm so einst von Kaiser Nuriel aufgetragen und das sieht auch der aktuelle Kaiser des nitramischen Volkes, Jitro Messalinas, so. Ich sage es noch einmal ganz deutlich: Milony bleibt in Ninda, er wird ganz sicher NICHT nach Hausrya geschickt.“
Auch erteilte der Legat des Südens bei der gleichen Pressekonferenz den Avancen der hajoidischen Adelsfamilie Harlikanasses eine Abfuhr, die sich ebenfalls als Vizekönige ins Gespräch brachten: „Das Amt eines kaiserlichen Vizekönigs ist und bleibt an die nitramische Staatsbürgerschaft gebunden. Wer sie nicht besitzt, kann auch kein Vizekönig werden.“ Dies bezüglich wies er als Paradebeispiel auch darauf hin, dass Luisa Amiratu vor 117 Jahren erst von der emolanischen zur nitramischen Staatsbürgerschaft wechseln musste, um Vizekönigin von Südninda werden zu können. Gleichzeitig betonte der Legat des Südens, dass die nitramische Staatsbürgerschaft zwingend an die glaubwürdige Akzeptanz des Nitramischen Dekalogs gebunden sei. Dies schließe ein Leben in Polygamie ebenso aus wie den Konsum der Drogen Alkohol und Nikotin. Ein kaiserlicher Vizekönig sei Stellvertreter des Kaisers und müsse wie dieser jederzeit ein Vorbild in nitramischer Tugend und Lebensführung sein und dies müsse im Vorfeld umso vertrauenswürdiger bestätigt sein, je weiter sich eine Provinz vom Zentrum Nitramiens entfernt befinde. Daher könne nur jemand Präfekt oder Vizekönig in Hausrya sein, der schon vorab als tugendhafter nitramischer Staatsbürger bekannt sei und der sich nachweislich in seinen Talenten und Tugenden bewährt habe. Titel, Abstammung oder Ethnie spielten dagegen keine Rolle. Dies schließe andersgeartete Lehnsverträge nicht ganz aus. Der Kaiser könne an Nichtnitramier aber nur den Titel Tajn (Thane) verleihen. Der historische Titel eines „Strategos Autokrator“, der während der Indrakriege durch die Volksversammlung an Harlikanasses Anor verliehen wurde, sei ein historischer Sonderfall gewesen, da damals nicht genug geeignete Generäle unter den nitramischen Staatsbürgern mehr vorhanden waren und auch kein Kaiser. Das sei nach der Erhebung von Nuriel zum Kaiser aber durch die Einführung der kaiserlichen Legaten im späten vierten Jahrhundert obsolet geworden. Die deutliche Klarstellung durch den kaiserlichen Legaten des Südens führte im hajoidischen Adel zu Verstimmungen.
Ganz abstellen konnte freilich auch der Legat des Südens die Spekulationen um den künftigen Vizekönig nicht. Derzeit kursieren schon wieder Gerüchte darüber, dass nun vielleicht eine Grünfee aus den Feenwäldern von Kournia zur Vizekönigin berufen werden könnte wie Telia Atanavi oder Shae Aldys. In Hajoida sehen einige schon die derzeit in Hajoida als nitramische Botschafterin tätige Vinna von Tergenz als künftige Vizekönigin. In manchen Gerüchten wird auch die föderale Kulturministerin Una Niva, Generalkonsul Sebastian Sebastienne oder Botschafterin Nivalis Auri als mögliche Kandidaten genannt. Sogar die veamorische Botschafterin Nuuba Hop ist bei manchen im Gespräch, obwohl sie derzeit keine nitramische Staatsbürgerschaft besitzt und es eigentlich als undenkbar gilt, dass man die offizielle Botschafterin von Veamoris in eine ferne Provinz schicken würde.
Gleichzeitig kursieren Gerüchte darüber, dass einige hajoidische Fürsten nun doch planen, eine hajoidische Kolonie auf einem der Kontinente von Zentralhausrya zu gründen. Insbesondere hartnäckig hält sich das Gerücht, die hajoidische Außenministerin Knüpfpünktli Fliederfarb von Bernkastel-Kues sammle heimlich Spendengelder und schare Freiwillige aus Hajoida um sich, um weitere Rettungsmissionen zu starten, die nach Überlebenden in Hausrya suchen. Dieses Gerücht hält sich auch deshalb hartnäckig, weil die Außenministerin nach ihrer Rückkehr gegenüber der hajoidischen Presse verlauten ließ, sie sei sich sicher, dass es noch mehr Überlebende gebe, die man noch retten könnte.









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