Sommerliche Sonderfarben

Inzwischen ist es Tradition, dass der Aquarellfarbenhersteller Schmincke limitierte Sondereditionen herausbringt – in diesem Hochsommer 2026 kamen fünf neue Farbtöne hinzu.

Die fünf Farbtöne von Schminckes Signature-Edition im Sommer 2026 (Foto: Martin Dühning)
Die fünf Farbtöne von Schminckes Signature-Edition im Sommer 2026 (Foto: Martin Dühning)

Die Sonderfarben ab Sommer 2026 sind der Reihe nach: „Feeling Peachy“ (045), „Berliner Spreegrün“ (046), „Red Ochre“ (047), „Bernstein“ (048) und „Lavendel“ (048). Zusammen decken sie ein Spektrum von Gelb-Orange-Rot, Grün und blasslila ab. Es fehlt allerdings ein Blauton, hier müsste man vielleicht Ultramarinblau hinzunehmen, um ein erweiteres Farbspektrum abmischen zu können.

Was mir sofort aufgefallen ist: Alle der fünf Farben eignen sich gut zum Lasieren, manche, wie das Berliner Spreegrün, sogar sehr gut. Vermischt man Berliner Spreegrün, Red Ochre und Lavendel, lassen sich auch Sepiatöne emulieren. Leichter macht man sich die Arbeit aber, wenn man zum Abdunkeln separat ein Sepia nimmt oder auch das ebenfalls in einer anderen Sonderserie erhältliche Casseler Braun.

„Feeling Peachy“ (045)

Wie der Name schon vermuten lässt, ist „Feeling Peachy“ ein recht heller, quitschiger Orangeton mit sehr dezentem Rosaeinschlag. Der zusammen mit dem neuseeländischen Künstler Evan Woodruffe entwickelte Farbton eignet sich tatsächlich zum Malen von Pfirsichen, oder besser noch, Aprikosen – den letztere Frucht passt besser zum eher grellen Farbton. Für Sonnenuntergänge halte ich die Farbe dagegen fast zu grell. Die Farbe trägt gut auf, wirkt auch verdünnt noch einigermaßen Farbstark, ist bei dickem Auftrag aber immer noch sehr hell. Zum Einsatz kamen PY53 (Bariumpigment / Nickel-Titan-Gelb), PO64 (Benzimidazolon-Orange), PR207 (Quinacridon-Scharlach / Quinacridon-Rot), was der Farbe eine sehr hervorragende Lichtechtheit gibt und auch erklärt, warum sie so farbstark ist.

„Berliner Spreegrün“ (046)

Für den moosigen Grünton in der Sonderserie steht der Künstler Gris Pate. Da sich mit der Farbe sehr gut lasierend hell als auch deckend sehr dunkel auftragen lässt, sich die Farbe aber auch gut wieder anlösen lässt, ist diese Farbe vielfältig einsetzbar und leistet auch für monochrome Gemälde sehr gute Dienste. Zum Einsatz kamen hier gleich vier Pigmente: PY150 (Nickel-Azo-Gelb), PBR7 (Natürliche Braunerde / Umbra), PY43 (Natürlicher Gelber Ocker), PBK31 (Perylen-Schwarz), auch hier ist die Lichtechtheit sehr gut, das Perylen-Schwarz ermöglicht die sehr gute Abdunklung, die gelblichen Pigmente PY150 und PY43 lassen den Grünton leicht ins Gelbliche driften, wobei die Farbe aber insgesamt noch recht gedämpft ist.

„Red Ochre“ (047)

Der Sondereditionston „Red Ochre“ unterscheidet sich von den anderen Farben, weil hier eine Ein-Pigment-Ton vorliegt. Zum Einsatz kommt natürliches Eisenoxid in mineralischer Form (PR102). Daher zählt die Farbe mit fünf Sternen zu den lichtechtesten in der Serie. Pate für den Farbton stand die britische Aquarellkünstlerin Hazel Soan. Mich erinnerte die Farbe sehr stark an das „Mars  Red“ von A. Gallo, was allerdings künstliches Eisenoxid benutzt (PR101) und etwas stärker deckt, allerdings feiner zerfließt als „Red Ochre“.

„Bernstein“ (048)

Von der Art erinnerte mich „Bernstein“ zunächst an Quinacidrone Gold oder Nevas „Indian Yellow“. Bernstein wirkt in verdünnter Form aber weit weniger grell und ist ein eher zurückhaltender Gelbton, während es im deckenden Auftrag ein kräftiges Orangebraun ist. Besonderheit ist die starke Granulation, die interessante Textureffekte ermöglicht, beispielsweise für Herbstlaub oder Obst. Das liegt auch an den verwendeten Pigmenten PBr33 (Zink-Eisen-Chrom-Braun), PR108 (Cadmiumrot), PY150 (Nickel-Azogelb).

„Lavendel“ (049)

Der Farbton „Lavendel“ basiert im Wesentlichen auf dem Pigment Ultramarinviolett (PV15), was ein wenig erstaunt, weil seine Helligkeit eigentlich vermuten ließe, dass hier mit Titanweiß aufgehellt wurde. Dies ist aber nicht der Fall, weshalb sich die Farbe wesentlich besser für Lasuren verwenden lässt als andere Lavendeltöne. Im deckenden Auftrag dunkelt die Farbe beim Trocknen nach, sodass sich damit tatsächlich auch Lavendel malen lässt, auch wenn „Lavendel“ auch in seiner deckstensten Stufe ein eher mittleres Lila bleibt.

Ein erstes Testgemälde mit dem Schmincke Farbtönen der Signature-Edition im Sommer 2026 (Grafik und Foto: Martin Dühning)
Ein erstes Testgemälde mit dem Schmincke Farbtönen der Signature-Edition im Sommer 2026 (Grafik und Foto: Martin Dühning)

Fazit

Mit den fünf Farben lassen sich, abgesehen vom begrenzten Farbspektrum, sehr professionelle Ergebnisse erzielen. Mir persönlich gefallen diese Farben wesentlich besser als frühere Versuche Schminckes, mit ultragranulierenden Effekten zu punkten. Zu wünschen wäre bloß, dass Schmincke in einer der Folgeserien sich mal um die fehlenden Blautöne kümmert – bislang gab es nur ein Schattengrau, was eher Paine’s Gray bläulich entsprach und das sehr grünstichige Atoll-Blau, es fehlt ein tiefes Blau zum Mischen. Eventuell kann man aber auch einfach beim klassischen Ultramarin bleiben.

Über Martin Dühning 1.718 Artikel
Martin Dühning, geb. 1975, studierte Germanistik, kath. Theologie und Geschichte in Freiburg im Breisgau sowie Informatik in Konstanz, arbeitet als Lehrkraft am Hochrhein-Gymnasium in Waldshut und ist Gründer, Herausgeber und Chefredakteur von Anastratin.de.

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