Vizekönigin sucht nach neuen Einnahmequellen

Der Nitramische Silberdenar ist Hauptwährung der Neu-Nitramischen Konföderation und gliedert sich in "Auris", "Denar" und "Kenton".
Der Nitramische Silberdenar ist Hauptwährung der Neu-Nitramischen Konföderation und gliedert sich in "Auris", "Denar" und "Kenton".

Drastische Teuerungen und die immens gestiegenen Kosten für die Flottenverbände zwingen die Vizekönigin von Südninda, nach neuen Einnahmemöglichkeiten zu suchen.

Die Zeiten sind schwierig, auch in der Neu-Nitramischen Konföderation. Nachdem die Ernte in den Vereinigten Provinzen von Südninda großflächig ausgefallen ist, Nahrungsmittel teuer importiert werden müssen und die Integration von Hausrya in die Neu-Nitramische Konföderation enorme Summen im Föderationshaushalt bindet, versucht sich Vizekönigin Luisa Amiratu an alternativen Einnahmequellen.

Dies wird umso notwendiger, als der Föderale Rat der Metropolis Ventadorn die Fördergelder gestrichen hat, die zur Renovierung und dem Neubau der Universität von Sanarth vorgesehen waren, wobei dieses Projekt aber nicht mehr gestoppt werden kann, weil es schon im Gange ist. Die Finanzierungslücke wird auf 3.600.000 Silberdenare geschätzt, die nun in der ohnehin klammen Stadtkasse fehlen. Beobachter schließen nicht aus, dass städtische Immobilien veräußert werden müssen, um das Loch im Haushalt zu füllen.

Auch die von der 12. und 10. Flotte angeforderten Hilfslieferungen für Hausrya bereiten den Staaten auf Ninda Probleme. Die vizeköniglichen Werkhöfe in Südninda mussten dafür einen Großteil der Reservevorräte aufbringen, die eigentlich für die Winterjahre vorgesehen waren. Zudem musste die Nationalgarde sehr viele neue Geräte beschaffen, um die verdorrten Wälder um den Aurynas-See roden zu können. Weil die Pioniere der 10. Flotte in Hausrya gebunden sind und nicht wie geplant als Hilftruppen zur Verfügung stehen, musste die Vizekönigin deutlich teurere private Holzfäller einstellen. Es wird gemeinhin bezweifelt, dass das geschlagene Holz diese Kosten auch nur annähernd wieder einspielt, zumal die zerstörten Waldflächen des Nationalparks wieder teuer aufgeforstet werden müssen.

Zu den Versuchen, mit denen die Vizekönigin die vielen Haushaltslöcher stopfen will, gehört eine Kampagne zur Förderung des heimischen Pressewesens: „Bücher und Zeitschriften waren über viele Jahrhunderte ein Verkaufsrenner in der Metropolis Ventadorn. Daher macht es Sinn, diese alte Tradition wiederzubeleben. Erste Testläufe mit neuen Comicbänden haben vielversprechende Reaktionen im In- und Ausland hervorgerufen“, gibt sich Vizekönigin Luisa Amiratu zuversichtlich.

Eine Kampagne zur Förderung des Tourismus soll zahlende Besucher nach Ninda locken: „Wir haben so viele schöne Sehenswürdigkeiten und wunderschöne Landschaften, wo man wandern kann, zwar sind einige der Nationalparks der Dürrekatastrophe zum Opfer gefallen, aber bei weitem nicht alle. Juletree und Beltaine und die Citta von Vendatorn sind Sehenswürdigkeiten, die eine Reise wert sind. Und die Freude der Touristen hilft unserem heimischen Gewerbe. Wir sollten diese Potentiale nutzen!“

Um mehr Besucher anzulocken und die heimische Textilindustrie zu fördern, hat die Vizekönigin in Ventadorn zu sogenannten „Motto-Wochen“ nach dem Vorbild des Foriensis-Sektors aufgerufen: Jede Woche in die Bürger Kleidung aus verschiedenen Jahrhunderten und Kulturen in der Öffentlichkeit tragen. Durchgeführt wurden bereits eine Motto-Woche für Renaissance-Kleidung und eine Motto-Woche für indische Kleidung. Für November geplant ist eine Motto-Woche für klassisch-jolantrische Elbenkleidung und eine persische Kulturwoche „Tausend-und-Eine-Nacht“. Obwohl Kritiker bezweifeln, dass dies zu finanziellen Zugewinnen führt, war die Resonanz in der Bevölkerung ausgesprochen positiv, da sich Nitramier gerne verkleiden.

Die Galerie für zeitgenössische Kunst im Stadtviertel Beltaine von Ventadorn während der Motto-Woche für Renaissance-Kleidung (Grafik: Martin Dühning, KI-bearbeitet)
Die Galerie für zeitgenössische Kunst im Stadtviertel Beltaine von Ventadorn während der Motto-Woche für Renaissance-Kleidung (Grafik: Martin Dühning, KI-bearbeitet)

Außerdem plant die Vizekönigin eine Kunstoffensive: „Ventadorn hat erst vor einigen Wochen eine Kunstgalerie eingeweiht, die gut besucht wird. Wir wollen deshalb die Art Challenges wiederbeleben und Kunst wieder zum vielgehandelten Kulturgut machen!“ Weiteres Potential sieht die Vizekönigin darin, die gut gefüllten Warenbestände des Handelsmagistrates besser zu bewerben. „Wir haben unglaublich viele Produkte auf Lager, aber das ist für potentielle Käufer oft gar nicht ersichtlich. Daher ist es geradezu Pflicht, verstärkt Lagerverkäufe zu organisieren – womit sich dann auch die Platzprobleme mit den Lagerhallen in Ventadorn lösen würden!“

Wenig Einsparpotential sieht die Vizekönigin dagegen durch Lohnkürzungen oder Freistellungen im öffentlichen Dienst: „Wir haben viel zu wenig Personal. Wenn wir die Jobs noch unattraktiver machen, werden wir nur gute Leute verlieren und wenn wir dann teuer Dienste einkaufen müssen, zahlen wir dabei noch drauf!“ – damit begründet die Vizekönigin auch, dass sie ihre bisherige Praxis von Sonderzahlungen gegenüber ihren Angestellten trotz Finanzkrise beibehalten will. Keine Lösung sind für die Vizekönigin auch Steuererhöhungen: „Wenn wir die Steuern erhöhen, ziehen nur die Bewohner wieder weg, die in den letzten Jahrzehnten aus anderen nitramischen Staaten hergezogen sind. Wir verlieren dann wertvolle Fachkräfte. Die vielen Bürger, die pensioniert oder von der Sozialhilfe abhängig sind, sind ohnehin per föderalem Gesetz von der Steuer befreit. Die Gewerbesteuer in Zeiten einer Wirtschaftskrise anzuheben, wird unsere übriggebliebenen Unternehmen auch noch ins Straucheln bringen. Viele Geschäfte mussten schon schließen. Ich sehe da also überhaupt kein Potential, über Steuern nennenswerte Mehreinnahmen zu generieren.“

Kritiker bemängeln, dass die Initiativen der Vizekönigin mehr Kosten verursachen als Einnahmen einspielen würden. Statt auf neue Einnahmen zu hoffen, sei in dieser Situation ein drastischer Sparkurs die einzige Option. Immerhin habe die Vizekönigin die Ämter angewiesen, Neuanschaffungen wenn möglich in die Zukunft zu verlagern. Dies sei aber nur ein Spiel auf Zeit.

Nils Kawomba
Über Nils Kawomba 260 Artikel
Nils Kawomba, ehemals Chefredakteur der NNZ (Neue Nitramische Zeitung), ist unser nitramischer Korrespondent in Ventadorn (Ninda).

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*